EU-Forstgeneraldirektorinnen und -direktoren trafen sich in Innsbruck

Im Rahmen der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft trafen sich EU Forstgeneraldirektorinnen und –direktoren Mitte Oktober zu einer Konferenz in Innsbruck. Insgesamt nahmen 65 Personen aus 20 Mitgliedstaaten der Europäischen Union teil.

Im Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments, der österreichischen Forstwirtschaft und dem Bundeministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus ging es vor allem um die Bedeutung einer multifunktionalen nachhaltigen Waldbewirtschaftung für die ländliche Entwicklung.

Schutzwaldbewirtschaftung

In Tirol, welches als Gebirgsland nur zu 13 Prozent besiedelbar ist, sind die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald besonders spürbar und die dort gesetzten Strategien können für ganz Europa beispielhaft sein. Der Wald mit rund 42 % Flächenabdeckung schützt Menschen auf den wenigen Siedlungsflächen vor Schäden durch Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag, Muren und Hochwasser. Um eine dauerhafte Schutzwirkung zu etablieren bzw. zu erhalten wird in Tirol eine aktive Bewirtschaftung des Schutzwaldes durchgeführt. Denn nur ein bewirtschafteter und gut strukturierter Wald kann dauerhaft vor Naturgefahren schützen und so auch die negativen Auswirkungen des Klimawandels bestmöglich bewerkstelligen. 

Pan-Europäische Zusammenarbeit für eine ländliche Entwicklung

Der Wald leistet einen enormen Beitrag für die Erhaltung und Entwicklung von ländlichen Regionen in allen EU Ländern, als nachhaltiger Wirtschaftsträger und Naturraum. Die Teilnehmenden waren sich einig: Die Wälder sollen auch weiterhin eine wichtige Rolle in der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 spielen und ein Rechtsabkommen für Wälder in Europa würde einen Mehrwert für die gesamte Region bringen.

Fachexkursion nach Neustift im Stubaital

Am dritten Tag des Treffens wurde den EU Forstgeneraldirektorinnen und –direktoren die Besonderheiten der Waldbewirtschaftung in Tirol im Rahmen einer Exkursion in das Stubaital nähergebracht. In Neustift auf rund 1800 m Seehöhe wurden die komplexen Zusammenhänge, wie die Schaffung von klimafitten Wäldern, technischen Verbauungen zum Schutz vor Naturgefahren und Ansprüchen des Tourismus an Hand von praktischen Beispielen vorgestellt. Diese engste Verzahnung auf kleinster Fläche und die hervorragende Zusammenarbeit von Gemeinde, Wildbach- und Lawinenverbauung, Tourismusverband und Bezirksforstinspektion begeisterte die Teilnehmenden. Zum Abschluss der Fachexkursionwurde auch die regionale Weiterverarbeitung des Produktes Holz in einem Zimmereibetrieb mit Schwerpunkt im Holzhausbau praxisnah vorgestellt. Die Veredelung des Rundholzes und der Beitrag zum Klimaschutz durch die längere Speicherung des gebundenen CO2 wurde mit großem Interesse aufgenommen und als gelungenes Beispiel für eine erfolgreiche regionale Umsetzung der Forst-Holzwirtschaftskette angesehen.

Veröffentlicht am 24.10.2018, Waldpolitik, Waldökonomie und Waldinformation (Abteilung III/1)