Staatsprüfung für den höheren Forstdienst 2017

Im Zentrum der Prüfung stand die „Erarbeitung eines neuen Maßnahmen- und Finanzierungskonzeptes für einen
6.000 ha großen Forstbetrieb“.

Die diesjährige Staatsprüfung für den höheren Forstdienst fand vom
17. - 20. Oktober 2017 am Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum
für Wald, Naturgefahren und Landschaft statt.
Eine Kandidatin und zwölf Kandidaten sind zur Prüfung angetreten.

 

Die Prüfungskommission bestand aus:

Vorsitzender: SC. Dipl.-Ing. Gerhard MANNSBERGER (BMLFUW - Forstsektion),
Mag. Eva-Maria NINAUS (Leiterin - Anlagenreferat der Bezirkshauptmannschaft Voitsberg),
FDir. Dipl.-Ing. Dr. Bernhart BINDER (Wirtschaftsführer - Forstdirektion des Benediktinerstiftes St. Paul) und
Dipl.-Ing. Peter WINKLER (Leiter - Bezirksforstinspektion Imst).

 

Projektthema

Das zu bearbeitende Projektthema beinhaltete die Forderung der Eigentümerin des
6.000 ha großen Forstbetriebes, ein neues Maßnahmen- und Finanzierungskonzept
für die nächsten drei Jahre zu erarbeiten.

 

Dieses Maßnahmen- und Finanzierungskonzept hatte im Besonderen

  • eine Darstellung der bestmöglichst, erzielbaren Gewinne, unter Beachtung der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit,

  • Vorschläge über notwendige betriebliche Anpassungen und Änderungen,

  • ein Aufschließungskonzept für den 600 ha großen Standortschutzwald,

  • eine Beratung hinsichtlich der Verpachtung des Fischereirechtes an 20 km Bächen,

  • eine begründete Empfehlung hinsichtlich der Umwandlung von reinen Fichten- und Schwarzerlenbeständen zu Beständen
    mit ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit sowie

  • eine Empfehlung für die Entscheidung ob ein geplanter Windparks realisiert werden soll

zu beinhalten.

Die Prüfung erfordert unterschiedlichste Qualifikationen

Die Projektarbeit wurde an den beiden ersten Prüfungstagen durchgeführt, wobei insgesamt 13,5 Stunden zur Verfügung standen.

Am dritten und vierten Prüfungstag fanden die mündlichen, jeweils einstündigen Prüfungen statt.

In den ersten 10 Minuten der mündlichen Prüfungen mussten die Prüfungskandidaten/in ihre begründeten Empfehlungen an die
Eigentümerin abgeben.

Daran anschließend stellte die Prüfungskommission explizite Fragen zu den in den Konzepten angesprochenen Fachinhalten und
prüfte darüber hinaus auszugsweise Inhalte der in der Staatsprüfungsverordnung festgeschriebenen 5 Geschäftsbereiche.

Ergebnis: 92 % der Prüfungskandidaten/in waren erfolgreich!

Dipl.-Ing. Dr. Philipp TOSCANI (BOKU - Institut für Agrar- und Forstökonomie) erlangte ein "mit Auszeichnung befähigt".
Eine Forstwirtin und zehn Forstwirte bestanden die Prüfung.
Ein Prüfungskandidat musste mit "nicht befähigt" beurteilt werden.

Resümee

Als Resümee der Prüfungsleistungen wird zusammengefasst, dass

  • offenbar nur ein Teil der Kandidaten/in Erfahrungen mit betrieblichen Abläufen, Organisation, finanzielle Abwicklung und Abrechnung
    von forstlichen Maßnahmen hatten und

  • diese daher eingangs die Zusammenhänge nicht umfassend analysieren konnten.

  • Die Problemstellungen von allen Prüfungskandidaten/in gut analysiert und nachvollziehbar dargestellt,

  • die fachliche und organisatorische Durchführung der Erschließung
     
  • die Empfehlung bezüglich Windpark umfassend behandelt,
  • die Berechnung der Abtriebswerte, der Gewinnpunktmenge und der Gewinn und Verlust - Rechnung zufriedenstellend durchgeführt,

  • die Ergebnisse jedoch vereinzelt noch zu wenig auf Plausibilität geprüft,

  • konkrete Rechtsfragen großteils richtig beantwortet;
     
  • aber bei offen Themenstellungen eher auf die Rechtsmaterien „vergessen“ wurden und
     
  • teilweise Mängel bei der praktischen Umsetzung forstbetrieblicher Maßnahmen auftraten.
Veröffentlicht am 07.11.2017, Abteilung III/2 - Forstliche Bildung, Förderung und Forschung