Bilanz der Wildbach- und Lawinenverbauung Österreich für das Jahr 2018

2018 geht als außergewöhnliches Jahr in die Klimageschichte ein. Laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik war es das wärmste Jahr in der 251-jährigen Messgeschichte Österreichs. 

Auffällig war, neben den überdurchschnittlich warmen Temperaturen, die ungleichmäßige Verteilung des Niederschlages in Österreich. So kam es in einigen Regionen innerhalb kurzer Zeit zu hohen Regenmengen, Überschwemmungen und Muren waren die Folge. Für die Wildbach- und Lawinenverbauung bedeutete das rasches Handeln vor Ort zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger. Dank gut wirksamer Wildbach- und Lawinenverbauungen konnten größere Schadereignisse verhindert werden.

In den Bundesländern stellte sich die Situation für die Wildbach- und Lawinenverbauung im Jahr 2018 folgendermaßen dar:

Niederösterreich

Untypisch früh begann 2018 im Osten Österreichs die Unwettersaison. Schon Anfang Mai kam es zu ersten massiven Unwettern mit Schwerpunkt im Umland von Wien. Dank der Schutzsysteme in den Wildbacheinzugsgebieten konnten größere Schäden abgewehrt werden. Im Juni waren das Pittental (Bezirk Neunkirchen) sowie die umliegenden Gemeinden von enormen Regenmengen über 100 Millimeter betroffen. Anfang September kam es abermals zu heftigen Niederschlägen im Großraum Wien und im Weinviertel. Am Heiligen Abend kam es bedingt durch langanhaltende Niederschläge zu lokalen Überflutungen, insbesondere im Bezirk Neunkirchen. Mit Unterstützung der Feuerwehren der Umgebung sowie eines Katastrophenhilfszuges des Landes Niederösterreich und einer Abordnung der Pioniere des Österreichischen Bundesheeres konnten die Schäden zügig und koordiniert aufgearbeitet werden.

Burgenland

Anfang Juni kam es zu etlichen katastrophalen Niederschlagsereignissen mit Schwerpunkt in den Bezirken Oberwart, Güssing und Jennersdorf. Einzugsgebiete der Wildbachverbauung waren nur am Rande betroffen, die vorhandenen Schutzsysteme verhinderten Schäden.

Steiermark

Das Jahr 2018 war in der Steiermark bis Ende des Sommers von einer Vielzahl von Hochwässern geprägt. Betroffen von diesen Ereignissen waren hauptsächlich der Osten und der Westen. Im Norden (Bezirk Liezen) gab es nur es nur zwei schadensrelevante Hochwässer. Das erste Hochwasser des Jahres 2018 trat bereits am 9. Jänner auf. In den Monaten Mai bis September sind fast täglich Meldungen über heftige Gewitter, Hagel und Überflutungen bei den Dienststellen eingegangen. Für die Abwicklung und Beseitigung der Hochwasserschäden wurden über 50 Sofortmaßnahmen im Ausmaß von rund 4,9 Millionen € erstellt, finanziert und umgesetzt. In vier steirischen Gemeinden wurden seitens der Behörden Katastrophengebiete ausgerufen. Besonders betroffen war die oststeirische Gemeinde Gasen (Bezirk Weiz). Dort musste aufgrund der verheerenden Unwetter sogar zweimal die „Katastrophe“ ausgerufen werden. Die Schutzbauwerke haben bei den Ereignissen hervorragend gewirkt und somit größere im Siedlungsbereich Schäden verhindert.

Oberösterreich

Hier kam es im August zu einem großflächigen Waldbrand auf der Echernwand des Salzbergs in Hallstatt. In gut koordinierter Zusammenarbeit mit Alpinpolizei, Feuerwehr, Bergrettung und Experten der Wildbach- und Lawinenverbauung konnte ein Übergreifen auf den sensiblen Bannwaldbereich verhindert werden. Der Einsatz von vier Hubschraubern des Bundesheeres half bei der Eindämmung des Feuers.

Salzburg

Die Schutzbauten der Wildbach- und Lawinenverbauung in Salzburg wurden 2018 erst gegen Ende des Sommers in den Gemeinden Saalbach und Muhr gefordert. Durch eine Vielzahl von Schutzbauten konnten schwere Schäden in den jeweiligen Ortszentren verhindert werden.

Kärnten

Nach einem schneereichen Winter und einem niederschlagsreichen Frühjahr war das Wetter 2018 in Kärnten erst im späteren Sommer und im letzten Jahresdrittel von längeren Trockenperioden geprägt. Zwischen April und Juni kam es zu zahlreichen kleinräumigen Vermurungen und Überschwemmungen im Nordosten von Kärnten. Ende Oktober war vor allem Westkärnten (Gailtal, Oberes Drautal und Mölltal) von großen Niederschlagsmengen und orkanartigen Sturmböen betroffen. Die Folgen waren großflächige Windwürfe und Sturmschäden in den Wildbacheinzugsgebieten, sowie Überflutungen und Vermurungen. Zahlreiche Orte waren mehrere Tage nicht erreichbar, das Lesachtal musste tagelang gesperrt bleiben und auch Orte wie Kötschach Mauthen, Dellach, oder Kirchbach waren über die Bundesstraßen nicht mehr erreichbar. Große Teile der Bezirke Hermagor und Spittal/Drau wurden zu Katastrophengebieten erklärt.

Wien

Die Bundeshauptstadt war insbesondere von den Niederschlagsereignissen Anfang Mai und Anfang September betroffen. Insbesondere die Rechen der Wildbachverbauung zum Schutz gegen Wildholzeinträge leisteten gute Dienste.

Tirol

Das Jahr 2018 startete für die Wildbach- und Lawinenverbauung Tirol durchaus turbulent. Im Jänner musste nach extremen Starkniederschlägen erstmals seit dem Lawinenwinter 1999 wieder die höchste Lawinengefahrenstufe 5 im Tiroler Oberland ausgerufen werden. In Folge dieser extremen Schneehöhen mussten zahlreiche Lawinenabgänge verzeichnet werden, jedoch bewährten sich die Schutzbauten hervorragend und es kam zu keinerlei Schadeinwirkungen im Siedlungsraum. Das Stanzertal und einzelne Bereiche des Tiroler Unterlandes waren im Frühjahr durch zahlreiche Murereignisse betroffen. Ende Oktober traf dann eine Hochwasserkatastrophe, gefolgt von großflächigen Windwürfen, den gesamten Bezirk Lienz in Osttirol.

Vorarlberg

Hier kam es bereits im Jänner zu großen Neuschneemengen ab einer Seehöhe von 800 Meter. Die intensiven Niederschläge auf die mächtige Schneedecke verursachten vor allem im Bregenzerwald Großhangbewegungen.

Veröffentlicht am 01.03.2019, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/5)