Wildbach- und Lawinenverbauung in Galtür - was geschah nach dem Ereignis vor 20 Jahren?

Am 23. Februar jährt sich das Lawinenereignis in Galtür zum 20. Mal. Was für Maßnahmen wurden nach diesem prägenden Winter gesetzt und welche Entwicklungen gab es zum Schutz vor Naturgefahren?

Erarbeitung eines Schutzprojekts

Direkt nach dem Ereignis begannen die Aufräumarbeiten und vom Forsttechnischen Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung wurde in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Galtür und dem Land Tirol ein Schutzprojekt ausgearbeitet. Dieses besteht einerseits aus Lawinenschutzmauern bzw. Dämmen im Talbereich und der Errichtung einer Stützverbauung im Anbruchgebiet der Lawinen. Dort wurden 4.700 Laufmeter Stahlschneebrücken aufgestellt. Ebenfalls wurde die Errichtung einer automatischen Wetterstation in dem Projekt umgesetzt, um die Datenlage für Lawinenprognosen verbessern zu können. In die Lawinenmauer wurde das Alpinarium integriert, welches heute Schauplatz für zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen ist.

Nach 10jähriger Bauzeit konnten die Maßnahmen von der Wildbach- und Lawinenverbauung im Jahre 2009 projektgemäß fertiggestellt werden und deren Wirkung wurde bereits in den neuen Gefahrenzonenplan für die Gemeinde Galtür integriert.

Die Kosten für die Maßnahmen betrugen 6,7 Mio. Euro, 69 % davon wurden vom Bund, 22 % vom Land Tirol, 5 % von der Gemeinde Galtür und 4 % von der Landesstraßenverwaltung Tirol getragen. Sowohl die in das Alpinarium integrierte 345 Meter lange Schutzmauer „Winkl“, als auch der 129 Meter lange Lawinendamm „Egge“ wurden von den Mitarbeitern der Gebietsbauleitung Oberes Inntal der Wildbach- und Lawinenverbauung gemeinsam mit örtlichen Unternehmen errichtet.

Investitionen in den Lawinenschutz seit 1999

Seit 1999 wurden in der Sektion Tirol der Wildbach- und Lawinenverbauung rund 190 Mio. Euro in den Lawinenschutz investiert. Seitens des Bundes ergibt sich daraus ein Anteil von rund 52 % und Mittel aus dem Katastrophenfond in der Höhe von rund 91 Mio. Euro.

Seit 1999 wurden auch in Galtür diverse andere wichtige und große Lawinenschutzprojekte verwirklicht und umgesetzt. Anzuführen sind hier die Anbruchverbauungen mittels Stahlschneebrücken der Großtal-Lawinen und zahlreiche Direktschutzmaßnahmen in Form von Lawinenmauern am Talboden von Galtür.

Bei diesen Schutzprojekten wurden auch bereits bestehende historische Schutzbauten wieder Instand gesetzt und dem Stand der Technik entsprechend saniert bzw. neu errichtet. So wurde zum Beispiel bei der Großtal-Lawine die alte, vor allem durch große Steinschläge stark beschädigte, Anbruchverbauung saniert, teilweise erhöht und nach dem Stand der Technik neu errichtet. Insgesamt wurden seit 1999 in der Gemeinde Galtür zum Schutz vor Lawinen 239 Bauwerke, davon sind fünf Bauwerke sogenannte Schlüsselbauwerke, errichtet.

Veröffentlicht am 22.02.2019