Tirol: Galtür ist Vorzeigemodell für Sicherung gegen Naturgefahren

Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek besucht 20 Jahre nach der Lawinenkatastrophe Galtür. Seit 1999 wurden diverse Initiativen und Schutzprojekte umgesetzt.

Galtür 1999

Am 23. Februar 1999 löste sich eine riesige Lawine von den Hängen des Grießkogels und zerstörte in der Tiroler Gemeinde Galtür mehr als 20 Wohnhäuser, wobei 31 Menschen ums Leben kamen.

Die Gemeinde widmet das Jahr 2019 dem Gedenken an die Opfer, aber auch der Erfolgsbilanz der umgesetzten Lawinenschutzmaßnahmen. Seit 1999 wurden von der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV), einer Dienststelle des BMNT, in Galtür rund 12,55 Millionen Euro in den Lawinenschutz investiert. In Hinblick auf die erfolgreiche Sicherung des Lebensraums gegen Naturgefahren, gilt Galtür weltweit als Vorzeigemodell.

Maßnahmen in und nach Galtür

Nach dem Ereignis in Galtür 1999 starteten die Aufräumarbeiten sofort und von der WLV wurde in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Galtür und dem Land Tirol ein Schutzprojekt ausgearbeitet, welches 2009 fertiggestellt wurde. Dieses besteht aus Lawinenschutzmauern bzw. Dämmen im Talbereich und der Errichtung einer Stützverbauung im Anbruchgebiet der Lawinen. Dort wurden 4.700 Laufmeter Stahlschneebrücken aufgestellt. Eine automatische Wetterstation wurde erbaut, um die Datenlage für Lawinenprognosen verbessern zu können. Die Kosten für die Maßnahmen betrugen 6,7 Mio. Euro: 69 % davon wurden vom Bund, 22 % vom Land Tirol, 5 % von der Gemeinde Galtür und 4 % von der Landesstraßenverwaltung Tirol getragen.

Seit 1999 wurden von der WLV Tirol rund 190 Mio. Euro in den Lawinenschutz investiert. Seitens des Bundes ergibt sich daraus ein Anteil von rund 52 % und Mittel aus dem Katastrophenfond in der Höhe von rund 91 Mio. Euro. In Galtür wurden seit 1999 auch diverse andere wichtige und große Lawinenschutzprojekte umgesetzt wie z. B. die Anbruchverbauungen mittels Stahlschneebrücken der Großtal-Lawinen und zahlreiche Direktschutzmaßnahmen am Talboden von Galtür. Bei diesen Projekten wurden auch historische Schutzbauten dem Stand der Technik entsprechend saniert. Insgesamt wurden seit 1999 in der Gemeinde Galtür zum Schutz vor Lawinen 239 Bauwerke, davon sind fünf Bauwerke sogenannte Schlüsselbauwerke, errichtet.

Ein wichtiger Bestandteil des passiven Lawinenschutzes ist die Gefahrenzonenplanung (GZP). Seit 1999 konnten zahlreiche große Gefahrenzonenpläne überarbeitet und an die geänderten Kriterien angepasst werden. Auch für die Gemeinde Galtür wurde der GZP nach Abschluss des großen Lawinenschutzprojektes revisioniert und 2009 ministeriell genehmigt. Dabei wurden die Wirkungen der zwischenzeitlich errichteten Schutzmaßnahmen und die Erkenntnisse aus dem Winter von 1999 mitberücksichtigt.

Investitionen zum Schutz

Die Sicherheit des Lebensraums in alpinen Gebieten Österreichs wird durch die jährlichen Investitionen des Bundes in der Höhe rund 200 Millionen Euro zum Schutz vor Naturgefahren ermöglicht. Unmittelbar nach dem schneereichen Winter 2019 beschloss die Bundesregierung das „Investitionsprogramm Lawinenschutz“, welches bis 2022 zusätzliche Investitionen des Bundes in der Höhe von 45 Millionen umfasst.

Zukünftige Herausforderungen und Schutzwald

Die durch die Maßnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung erreichte Sicherheit, hat sich wieder im Lawinenwinter 2019 gezeigt. Neben der langfristigen Erhaltung der bestehenden technischen Schutzmaßnahmen kommt auch dem Schutzwald große Bedeutung zu.

Die Sicherheit des Lebensraums in alpinen Gebieten Österreichs wird durch die jährlichen Investitionen des Bundes in der Höhe rund 200 Millionen Euro zum Schutz vor Naturgefahren ermöglicht. Unmittelbar nach dem schneereichen Winter 2019 beschloss die Bundesregierung daher das „Investitionsprogramm Lawinenschutz“, welches bis 2022 zusätzliche Investitionen des Bundes in der Höhe von 45 Millionen umfasst.

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels werden in den nächsten Jahren weitere Anstrengungen erforderlich sein wie das Beispiel der Sturmkatastrophe Vaia im Oktober 2018 mit einer Gesamtschadensfläche von 4.300 Hektar Wald zeigt. Laut Daten der Österreichischen Waldinventur besteht für ein Drittel der 1,2 Millionen Hektar Schutzwälder dringender Handlungsbedarf für Pflege, Verjüngung und Schutz gegen Risiken wie z.B. Sturm, Waldbrand, Lawinen und Schädlinge. Das BMNT hat daher das Aktionsprogramm „Wald schützt uns!“ ins Leben gerufen, welches in den nächsten Jahren Investitionen des Bundes von mindestens 100 Millionen Euro sowie die Umsetzung von 35 Leuchtturmprojekten für den Schutzwald sicherstellen sollen.

 

Veröffentlicht am 26.08.2019, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/5)

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