Nachhaltiger Lawinenschutz macht sich bezahlt

Trotz akuter Lawinengefahr in weiten Teilen Österreichs sorgen professionell gepflegte Schutzwälder und moderne technische Maßnahmen für hohe Sicherheit im Siedlungs- und Wirtschaftraum.

Die Lawinensituation in Österreich ist derzeit dramatisch, weite Teile des Landes kämpften in den vergangenen Tagen mit enormen Schneemassen. Österreichs Schutzwälder und gezielte technische Maßnahmen zeigen ihre Wirkung – sie sorgen dafür, dass sich die Menschen auch bei extremen Verhältnissen sicher fühlen können. In einigen Gebieten wurde mit Warnstufe 5 die höchstmögliche Bedrohung ausgerufen. Angesichts solcher Ausnahmesituationen machen sich die vielen nachhaltigen Schutzmaßnahmen besonders bezahlt: Bund und Länder investieren jährlich hohe Summen in technische Verbauungen und klimafitte Schutzwälder, um den Siedlungs- und Wirtschaftsraum vor Lawinenkatastrophen zu schützen.  

Der Winter hält den Alpenraum zurzeit fest im Griff: Schneemassen und Lawinengefahren schränken das Leben in den Bergtälern dramatisch ein und machen viele Verkehrswege unpassierbar. Die Sturmkatastrophe Vaia im Oktober 2018 hat 4.300 Hektar Schutzwald in Kärnten und Osttirol zerstört – solche Ereignisse zeigen, wie fragil und exponiert die Bergwälder sind. Investitionen in den Schutz vor Naturgefahren stellen sicher, dass der Tourismus, die Wirtschaft und die Mobilität in den Alpen auch unter extremen Bedingungen aufrecht erhalten bleiben.

Investitionen des Bundes

In den letzten 10 Jahren (2009 – 2018) wurden in Österreich vom Bund rund 75 Mio. Euro (ca. 60 % der Gesamtkosten) in technische Maßnahmen sowie rund 40 Mio. Euro in die Erhaltung der Schutzwirkung der Wälder (Flächenwirtschaftliche Maßnahmen) investiert. Diese Maßnahmen werden von den Dienststellen der Wildbach- und Lawinenverbauung in Zusammenarbeit mit den Landesforstdiensten und betroffenen Gemeinden umgesetzt und erhalten. Die Schwerpunkte des Lawinenschutzes in Österreich liegen in Tirol und Vorarlberg, doch auch in den Niederösterreichischen Alpen müssen immer wieder Siedlungen gesichert werden.

Tradition und Innovation

Lawinenschutz hat in Österreich eine mehr als 130jährige Tradition. Die Technischen Schutzmaßnahmen fanden ihren Ausgang im Zuge des Baues der Arlbergbahnstrecke, einer der ersten Lawinenverbauungen wurde jedoch auch in den 1880er-Jahren auf der Rax in Niederösterreich errichtet. Heute ist Österreich – mit den Dienststellen der Wildbach- und Lawinenverbauung und gemeinsam mit der Schweiz – Weltmarktführer in den Technologien des Lawinenschutzes. Österreichische Unternehmen bringen erfolgreich Spitzentechnologie und Kompetenz im Lawinenschutz auf den weltweiten Markt. Dieses Wissen über Schnee- und Lawinen wurde zuletzt im Oktober 2018 im Rahmen des „International Snow Science Workshops“ in Innsbruck mehr als 1000 Expertinnen und Experten aus aller Welt präsentiert.

800.000 Hektar Objektschutzwald in Österreich

Der Schutzwald hat für die Lawinensicherheit in den Alpentälern eine noch größere Bedeutung als technische Maßnahmen. 800.000 ha Objektschutzwald sichern derzeit Siedlungen, Wirtschaftszonen, kritische Infrastrukturen und Verkehrsachsen in Österreich. Auch im Bereich der Schutzwaldpflege ist Österreich weltweit Kompetenz-Leader. Die Bewirtschaftung der Schutzwälder stellt in Zeiten des Klimawandels und extremer Ereignisse wie z.B. Sturm, Borkenkäferplage und Schneebruch eine besondere Herausforderung dar.

Veröffentlicht am 10.01.2019, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/5)