Erfahrungs- und Wissensaustausch der Wildbach- und Lawinenverbauung in Frankreich

Die intensive Zusammenarbeit zwischen Österreich und Frankreich im Bereich Schutz vor Naturgefahren - insbesondere bezogen auf Wildbach- und Lawinenverbauung – geht zurück auf die 1860er Jahre.

In Frankreich war schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Kampf gegen die Hochwässer von Flüssen und Wildbächen den Straßen- und Brückenbautechnikern („Service des Ponts et Chaussées“) übertragen worden.

Gesetzliche Grundlagen

Für eine erfolgreiche Arbeit dieser Techniker fehlten aber sowohl die fachliche Basis als auch die gesetzlichen und finanziellen Grundlagen. Nicht zuletzt auf Grund der Schriften des Bautechnikers Surell (1841), der in der Aufforstung der entwaldeten Gebirgsländer die Haupttätigkeit der Wildbachverbauung in Frankreich gesehen hat, wurden im Jahr 1860 die gesetzlichen Grundlagen für systematische Wildbachverbauungen geschaffen und der französische Forstdienst (“Service des Eaux et Foréts“) mit deren Durchführung beauftragt. Um die praktischen Erfahrungen – die zu diesem Zeitpunkt nur spärlich vorhanden waren – zu intensivieren, sammelte Demontzey um die 1870er Jahre diese in einer preisgekrönten Schrift. Auf diese Weise war die fachliche „Vormachtstellung“ der Franzosen auf dem Gebiet der Wildbachverbauung zur Zeit der Gründung des österreichischen Wildbachverbauungsdienstes 1884 entstanden und gilt seitdem auch als Vorbild für den österreichischen Zugang zu Fragen der Wildbach- und Lawinenverbauung. Seitdem wird der systematische Austausch von Wissen und Erfahrungen auf dem Gebiet der Wildbach- und Lawinenverbauung zwischen den beiden Ländern besonders gepflegt.

Leistungen der Wildbach- und Lawinenverbauung in Frankreich

Auf Einladung des Office national des forêts (ONF, nationale Forstbehörde Frankreichs) – mit Beteiligung des französischen Umweltministeriums (Ministere de la Transition Ecologique et Solidaire) sowie des Landwirtschaftsministeriums (Ministère de l'Agriculture et de l'Alimentation) - konnte sich die Leitung der Abteilung „Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik“ (Abt. III/5) im BMNT im Mai dieses Jahres einen weiteren Überblick über die eindrucksvollen Leistungen der Wildbach- und Lawinenverbauung in Frankreich verschaffen. Dabei stellte die österreichische Delegation den aktuellen Stand des Schutzes vor Naturgefahren in Österreich sowie verschieden Aspekte zu Extremereignissen, Klimawandel, Gefahrenzonenplanung, Schutzwaldbehandlung oder die Funktionsweise von Lawinen- und Murbrecher dar. Die französischen Kolleginnen und Kollegen stellten ihrerseits die aktuellen Bemühungen und Herausforderungen auf dem Gebiet des Naturgefahrenmanagements und der Gefahrenzonenplanung sowie Aspekte zum Erhaltungsmanagement von Wildbach-Schutzinfrastruktur oder Erfahrungswerten aus aktuellen Extremwetterlagen. Abgerundet wurde der Erfahrungs- und Wissensaustausch mit Exkursionen zu zahlreichen Wildbächen im Einflussbereich des ONF.

Fortführung des Austausches

Vereinbart wurde insbesondere die Fortführung des Wissens- und Erfahrungsaustausches, gleichzeitig wurde auch eine offizielle Einladung an Frankreich zum Besuch einer französischen Delegation in Österreich 2020 ausgesprochen. Dieses fruchtbringende Treffen hat zur weiteren Vertiefung der länderübergreifenden Beziehungen beigetragen.

Veröffentlicht am 01.07.2019, Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik (Abteilung III/5)