ICN2: Globale Ernährungsproblematik im Mittelpunkt einer FAO-WHO Konferenz

Unter zahlreicher prominenter Beteiligung fand vom 19.-21. November 2014 bei der FAO in Rom die International Conference on Nutrition (ICN2) statt.

Damit widmeten sich die beiden UN-Organisationen für Landwirtschaft und Ernährung, FAO, und Gesundheit, WHO, nach über 22 Jahren wieder gemeinsam den Thema Ernährung und spannten dabei einen weiten Bogen von der quantitativen Unterernährung über die qualitative Mangelernährung (Fehlen von Vitaminen und Mineralstoffen) bis zum Übergewicht.

Hohe internationale Beteiligung für ein aktuelles Thema:

Insgesamt nahmen 172 Delegationen - vielfach auf Ministerebene - an dieser Folgekonferenz, die 1992 zum ersten Mal stattfand, teil. Sie wurde - ein Novum - gemeinsam von der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO und der UN-Gesundheitsorganisation WHO vorbereitet. Ziel war, die globale Ernährungsproblematik sowohl von der Produktionsseite als auch der Konsumentenseite möglichst umfassend zu diskutieren.

Unter den zahlreichen Prominenten befand sich auch Papst Franziskus, der in seiner Rede einen Bogen von der Ernährungssicherheit, den Menschenrechten bis zum verantwortungsvollen Umgang mit der Natur spannte. Obwohl genügend Nahrung für alle Erdenbewohner produziert werde, behindern nationale Egoismen, Spekulation, Korruption und ökonomische Krisenerscheinungen die vollständige Versorgung der Menschen mit allem Lebensnotwendigen. Dementsprechend müssen die Menschenrechte in alle Hilfsprogramme miteingebettet werden. Anspielend auf den Klimawandel betonte er auch die Wichtigkeit des Schutzes der Umwelt bzw. des Planeten. "Die Menschheit mag vergeben, die Natur tut es nicht", woraus folge, dass man derart im Einklang mit der Natur handeln müsse, dass sie nicht mit Zerstörung reagiere.

Andere RednerInnen wie Spaniens Königin Letizia wiesen auf die Bedeutung der Frauen für die Ernährung ihrer Familien hin. Sie meinte, dass sich Investitionen in eine bessere Ernährung langfristig positiv auf die Wirtschaft auswirken durch eine höhere Produktivität im Arbeitsprozess, bessere Ausbildung und verringerte Gesundheitskosten. Sie forderte insbesondere internationale Unternehmen auf, mit Regierungen und Entwicklungsorganisationen verstärkt zusammenzuarbeiten.

Die Direktorin der World Health Organisation (WHO), Dr. Margret Chan, erinnerte daran, dass unser gegenwärtiges globalisiertes Agrarsystem zwar genügend für alle erzeuge, dennoch aber auch Probleme zu lösen sind. Währung ein Teil der Menschheit nicht genügend zu essen habe oder durch einseitige Ernährung an Mangelerscheinungen leide, esse der andere Teil zu viel mit bekannten Folgen wie Übergewicht, verringerter Lebenserwartung und steigenden Gesundheitskosten. Diese Aussage läßt sich durch Fakten belegen: derzeit gelten an die 800 Millionen Menschen noch als unterernährt. Damit sank die absolute Zahl an Hungernden seit 1990-92 um 21%. Unterernährung ist dennoch nahezu zur Hälfte die Ursache für die Kindersterblichkeit von Kindern unter 5 Jahren. Über 2 Milliarden Menschen weisen Mangelerscheinungen an Vitaminen und Mineralstoffen auf. Auf der anderen Seite gilt eine halbe Milliarde weltweit als fettleibig, eineinhalb Milliarden als übergewichtig , davon geschätzte 42 Millionen Kinder unter 5.

Der österreichische Beitrag:

Österreich brachte sich sowohl in der einjährigen, phasenweise schwierigen Vorbereitung als auch während der Konferenz personell und fachlich massiv ein, was sich auch in einer hervorragenden fachlichen Zusammenarbeit zwischen dem BMLFUW und dem BM für Gesundheit äußerte. Österreich begrüßte in seinem Redebeitrag den sektorübergreifenden Ansatz im Bereich Ernährung und stellte der Zuhörerschaft das neue österreichische Lebensmittelmodell vor. Dieses basiere auf dem Nachhaltigkeitsprinzip mit 6 strategischen Zielen: Ernährungssicherung, Qualität der Lebensmittel, Sicherheit der Lebensmittel, Vielfalt, Regionalität und Wertschätzung. In diesem Zusammenhang würden in Österreich Schulmilch- und Schulobstprogramme durchgeführt, welche die Jugendlichen an eine gesündere Ernährung heranführen. Als weitere Schwerpunte erwähnte die Vertreterin die Bedeutung der bäuerlichen Familienbetriebe als den zentralen agrarpolitischen Anker, die Intiative "Lebensmittel sind kostbar" als Beitrag zur Bewusstseinbildung hinsichtlich einer Eindämmung der Lebensmittelabfälle und den österreichischen Ernährungsplan. Dieser verfolge einen horizontalen Gesundheitsansatz und zielt darauf ab, die Wahl gesunder Lebensmittel zu erleichtern und damit die allgemeine Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit zumindest zu stoppen.

Das Ergebnis: die Römische Erklärung und der Aktionsplan

Als Ergebnis wurde im Rahmen der Konferenz eine "Rome Declaration on Nutrition" und als Handlungsrahmen für die Zukunft eine "Framework for Action" beschlossen (siehe nebenstehend). In der Erklärung bekennt sich die Konferenz zum Recht jedes Menschen auf Zugang zu einem sicherem, ausreichendem und nahrhaften Nahrungsmittelangebot und benennt explizit die dringenden Handlungsnotwendigkeiten wie verstärkte Investitionen, verstärkte Berücksichtigung der Aspekte einer vielfältigen Ernährung in nationalen Gesundheits- und internationalen Entwicklungsprogrammen, Förderung der agrarischen Forschung zur Bekämpfung von Unterernährung und einer optimalen Information der Endverbraucher.  Der Aktionsplan wiederum fasst diese Handlungsnotwendigkeiten in 60 konkrete Empfehlungen zusammen. Es bleibt zu hoffen, dass viele davon bis zur nächsten ICN3-Konferenz, die nicht erst in 22 Jahren stattfinden sollte, in die Realität umgesetzt wurden.

Veröffentlicht am 27.11.2014, Abteilung II/10 - Internationale Agrar- und Handelspolitik