Aktueller UN-Report schätzt die Zahl der Hungernden auf 820 Millionen

Am 15. Juli 2019 wurde am Sitz der UNO in New York der jährlich erscheinende Bericht „State of Food Security and Nutrition“ von den Chefs der 5 UN-Organisationen FAO, WFP, IFAD, WHO und UNICEF präsentiert. Kernaussage des Berichts: die Zahl der Hungernden ist wieder leicht auf 820 Millionen Menschen beziehungsweise 11% der Weltbevölkerung angestiegen, was die Erreichung des Zieles 2 (kein Hunger) der UN-Nachhaltigkeitsziele im Jahre 2030 schwierig macht.

Hunger und Unterernährung sind vor allem in Afrika und Südasien präsent. In absoluten Zahlen sind das in Afrika 256 Millionen und in Asien 523 Millionen Menschen, gefolgt von Lateinamerika mit ca. 43 Millionen. Wie schon in den bisherigen Berichten festgestellt, reichen die Ursachen von gewaltsamen Konflikten (Kriegen zwischen Staaten, Stämmen, Bürgerkriegen) über meteorologisch-landwirtschaftliche Veränderungen auf Grund des Klimawandels bis hin zu wirtschaftlichen Abschwüngen und Konjunktureinbrüchen, denen armutsgefährdete Menschen naturgemäß besonders ausgesetzt sind. Der diesjährige Bericht hat sich zum Ziel gesetzt, besonders die Auswirkungen volkswirtschaftlicher Rezessionen zu untersuchen. Einen kleinen Fortschritt gab es bei den zu kleinen Kindern für ihr Alter (bis 5 Jahre): deren Zahl hat sich in den letzten 6 Jahren um 10% verringert. In absoluten Zahlen wären dies aber noch immer 149 Millionen Kinder. Diese Reduktion ist zu gering und die Entwicklung zu langsam, um die von der UNO für 2030 gesetzten Ziele zu erreichen.

Gleichzeitig steigen Übergewicht und Fettleibigkeit in allen Regionen. Im Jahre 2016 galten 2 Milliarden Erwachsene und 207 Millionen Jugendliche als übergewichtig. Von den Erwachsenen waren wiederum ein Drittel fettleibig. Aus früheren Studien ist bekannt, dass das Phänomen Übergewicht und Fettleibigkeit keineswegs auf die entwickelten Industriestaaten beschränkt ist.

Neu eingeführt wurde ein Indikator zur Messung der leichten Ernährungsunsicherheit. Darunter wird verstanden, dass kein regelmäßiger Zugang zu einer abwechslungsreichen, nahrhaften Ernährungsweise besteht, wenngleich kein akuter Hunger gelitten wird.

In Summe bescheinigt der Bericht keine wirklich großen Fortschritte hin zu einer Welt ohne Hunger und Unterernährung. Eher das Gegenteil, wenn man den Anstieg betrachtet. Ohne verstärkte Anstrengungen scheint eine Trendumkehr in weiter Ferne.

Veröffentlicht am 26.07.2019, Internationale Agrar- und Handelspolitik (Abteilung II/10)

Kontakt

Abteilung II 10 (Internationale Agrar- und Handelspolitik)