Welternährung im Jahre 2019: von Hunger und Unterernährung bis zu Übergewicht und Fettleibigkeit

Der Welternährungstag – jährlich am Gründungstag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dem 16. Oktober, begangen - , stand heuer unter dem Motto „Our actions are our future. Healthy diets for a #zero hunger world“.

Der Welternährungstag wird weltweit in über 150 Staaten zum Anlass genommen, in Diskussionsrunden, Presseaussendungen und Aktionen über den Zustand des globalen Ernährungssystems nachzudenken. Auch in Rom fand am Sitz der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) eine prominent besetzte Veranstaltung statt. Neben den Chefs der drei römischen UN-Agenturen FAO, UN-Welternährungsprogramm (WFP) und IFAD (Internationaler Fond für Landwirtschaft und Entwicklung) waren dies der Ministerpräsident von Italien – Giuseppe Conte – sowie Minister aus Nicaragua, Mali, dem derzeitigen EU-Vorsitzland Finnland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Grußbotschaften erreichten das Auditorium von Papst Franziskus, Italiens Staatspräsidenten Matarella und UN-Generalsekretär Guterres.

FAO Generaldirektor Qu Dongyu kündigte an, das Thema „Promoting healthy diets and preventing all forms of malnutrition“ zum Motto seiner Organisation für die nächsten zwei Jahre zu machen. Wie alle Hauptredner zeigte auch er sich erschüttert, dass laut dem aktuellen FAO-Bericht "State of Food and Nutrition" noch immer ca. 820 Millionen Menschen hungern müssen und an die 2 Milliarden Menschen als ernährungsunsicher gelten, also Schwierigkeiten haben, jederzeit ausreichend Zugang zu abwechslungsreicher, ausreichender und qualitativ angemessener Nahrung zu haben. Gleichzeitig steige aber auch die Zahl der Übergewichtigen, weil die Nahrungsmittelindustrie sich auf hochprofitable und ertragreiche Sorten konzentriert. Hier ist die Politik gefordert, die richtigen Akzente zu setzen in Richtung lokal und naturnah erzeugter Lebensmittel mit hohem Nährwert. Verstärkt wird der negative Trend zu Übergewicht und Fettleibigkeit durch den modernen Lebenswandel mit mehr außerhäuslichem Essen (Fast Food) und weniger Selbst-Kochen.   

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte forderte die Staatengemeinschaft auf, verstärkt kollektiv zu handeln, um den globalen Herausforderungen zu begegnen. Er begrüßte die Ankündigung von UN-Generalsekretär Guterres, im Jahr 2021 einen UN-Gipfel für Lebensmittelsysteme einzuberufen und bot Rom als Austragungsort an. Sowohl UN-Generalsekretär Guterres als auch WFP-Chef Beasley bezogen sich auf das Problem der Lebensmittelverschwendung. Guterres bezeichnete den Hunger in der Welt als inakzeptabel, solange jedes Jahr mehr als 1 Milliarde Tonnen Lebensmittel verschwendet werden. Beasley informierte über den Start einer WFP-Kampagne namens #StopTheWaste und meinte, dass mit der Menge, die weggeworfen wird, an die 2 Milliarden Menschen ernährt werden könnten. Obwohl Hunger und Unterernährung vermeidbar wären, stirbt alle 5 Sekunden ein Kind. Solange nicht alle Kinder mit einem vollem Magen zu Bett gehen könnten, haben wir die Pflicht, gemeinsam für „zero hunger“ zu kämpfen.

Papst Franziskus verurteilte eine exzessive Marktgläubigkeit und das Profitstreben um jeden Preis und forderte mehr Solidarität und Unterstützung der Armen ein. Konkret sagte er „wir müssen erkennen, dass wir das Brot der Armen anhäufen und verschwenden“. Die finnische Vizeministerin fokussierte sich auf die Schulmahlzeiten in ihrem Land. Diese sind für alle Kinder gratis und von der Zusammensetzung her als gesund zu bezeichnen. Damit lernen die Kinder verantwortungsvoll mit ihrem Körper und dem Thema Ernährung umzugehen und es ist auch Beitrag zur Armutsbekämpfung. Die Ministerin der Vereinigten Arabischen Emirate hob die Bemühungen um moderne technische Lösungen in ihrem Land hervor. In den Emiraten gibt es nur 5% Ackerland, also streben sie in der Landwirtschaft nach Techniken, die Ertragssteigerungen bei gleichzeitig weniger Wasserverbrauch versprechen. Um zu einem knowledge hub zu werden, wurde auch ein global food tech challenge ausgerufen, ein Wettbewerb, bei dem für innovative Lösungen bis zu 4 Finalisten insgesamt 4 Millionen USD gewinnen können.

Nach dem Prominentensegment fand als Special Event ein Vortrag über Ernährung, Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklung mit Professor Jeffrey D. Sachs von der Columbia Universität statt. Er ist auch Direktor des UN Sustainable Development Solutions Networks. Kernpunkte seines interessanten Vortrages waren Wege zur Armutsbekämpfung in den am meisten von Hunger und Unterernährung betroffenen Gebieten in Afrika wie

  • Förderung der Bildung, insbesondere auch von Mädchen, um den massiven Bevölkerungswachstum Afrikas entgegenzuwirken,
  • Investitionen in das Gesundheitswesen,
  • Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität, z.B durch mehr Düngemittel und
  • Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, insbesondere Eisenbahnlinien, um den innerafrikanischen Handel anzukurbeln. Hierfür wäre eine afrikaweite Planung erforderlich.

In diesem Zusammenhang würdigte er die Rolle der FAO als zentrale UN-Organisation und Partner der Regierungen zur Beendigung von Hunger, Fehl- und Unterernährung.  

Als ergänzende Informationen finden Sie den Link zur FAO Presseaussendung mit weiteren zahlreichen Verweisen und einige Youtube-Videos, alle erstellt von FAO oder WFP.

Veröffentlicht am 24.10.2019, Internationale Agrar- und Handelspolitik (Abteilung II/10)

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