Auftaktveranstaltung zu landwirtschaftlichem Kulturerbe in Österreich

Das GIAHS-Programm der FAO ist dem Erhalt von schützenswerten landwirtschaftlichen Systemen gewidmet. Um Anträge für die Aufnahme in den Katalog dieser schützenswerten Produktionssysteme auch von Österreich aus zu ermöglichen, veranstaltete die HBLFA Raumberg-Gumpenstein im Auftrag des BMNT am 28. November 2018 eine eintägige Veranstaltung.

Das GIAHS-Programm der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organisation of the United Nations/FAO) fördert erhaltenswerte, traditionelle landwirtschaftliche Nutzungssysteme, um sie für die Zukunft zu erhalten. "GIAHS" steht für "Globally Important Agricultural Heritage Systems" und bedeutet übersetzt "Erhaltenswertes landwirtschaftliches Produktionssystem von globaler Bedeutung".

Ein Produktionssystem, das als landwirtschaftliches Kulturerbe im Sinne des GIAHS-Programmes der FAO zertifiziert ist, stellt ein Gesamtsystem dar, bestehend aus Landwirtschaft, Ökologie, Landschaft, Ökonomie, Geschichte und Kultur. Im Zentrum steht ein schützenswertes landwirtschaftliches System mit traditioneller Nutzung, welches im Erhalt gefährdet und von globaler Bedeutung ist.

Um bestimmte Alleinstellungsmerkmale der österreichischen Landwirtschaft - traditionell kleinstrukturiert und vielfältig - im internationalen Rahmen zu verankern, soll das GIAHS Programm auch in Österreich etabliert werden. Dazu wurde vom BMNT die Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein als GIAHS Focal Point beauftragt, diesen Prozess zu begleiten und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, bekannt zu machen.

Das Programm bietet die Möglichkeit, wertvolle aber unter Druck geratene Elemente österreichischer Landwirtschaft zu zeigen und kann so national zu deren Erhaltung beitragen und zu neuen Impulsen verhelfen.

Es bietet zusätzlich die Chance, kleinstrukturierte, landwirtschaftliche Produktionsverfahren und die daraus entstandene Kulturlandschaft als positive Beispiele international zu positionieren, als Kontrast zu einer industrialisierten Landwirtschaft. In diesem Zusammenhang ist auch der Begriff der "globalen Bedeutung" entsprechend auszulegen, dass es sich um Vorzeigebeispiele für Andere handeln muss.

Am 28. November 2018 fand die eintägige Auftaktveranstaltung an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein statt.

Der Hauptreferent der Tagung, Herr Yoshihide Endo, GIAHS-Koordinator der FAO stellte in seiner Präsentation das Programm vor: aktuell wären 52 Regionen beziehungsweise Projekte in 21 Ländern als GIAHS zertifiziert. Die meisten Projekte befänden sich in Ostasien, vor allem in der Volksrepublik China und Japan, in Europa gäbe es bisher nur vier: zwei in Spanien sowie je eines in Italien und Portugal.

Die Mitarbeiter des GIAHS Focal Point in Österreich, Herr Wilhelm Graiss und Herr Albin Blaschka referierten im Anschluss über die erzielbaren Wirkungen von GIAHS in Österreich sowie das erforderliche Einreichprozedere. Auch wurden zwei mögliche Beispiele für Einreichungen in Österreich vorgestellt. Frau Anna Katharina Obenhuber, Vertreterin der österreichischen UNESCO-Kommission erläuterte weiters die Unterschiede des UNESCO Immateriellen Kulturerbes und Welterbes zu GIAHS.

Der GIAHS Focal Point plant, die Informationen zum Programm nach der Auftaktveranstaltung noch weiter zu streuen und hofft auf einen weiteren Bekanntheitsgrad nach den ersten Auszeichnungen österreichischer GIAHS-Projekte.

Die Unterlagen der Veranstaltung (unter anderem die Präsentationen sowie das Antragsformular und Kontaktdaten) sind auf der Website des GIAHS Focal Point abrufbar (siehe unten stehender Link).

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine Besichtigung der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein als GIAHS Focal Point Österreich für den GIAHS-Koordinator der FAO, Herrn Endo am 27. November 2018.

Veröffentlicht am 04.12.2018, Internationale Agrar- und Handelspolitik (Abteilung II/10)