Welternährungstag 2018 unter dem Motto "zero hunger by 2030 is possible"

Am 16. Oktober 2018 fand im Gebäude der FAO die offizielle Feier zum Welternährungstag statt. Dieser Tag bezieht sich auf die Gründung der FAO am 16. Oktober 1945 und erinnert an das noch immer ungelöste Welternährungsproblem.

Das Motto "zero hunger by 2030" bezieht sich auf die im September 2015 von 193 Staaten im Rahmen der UNO-Generalversammlung beschlossenen 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals; SDG). SDG 2 ("End hunger, achieve food security and improved nutrition and promote sustainable agriculture") setzt sich zum Ziel, dass bis zum Jahre 2030 jede Person überall genügend Zugang zu hochqualitativer Nahrung hat. Angesichts der wieder ansteigenden Zahlen an Hungernden ein ambitiöses Ziel, das Thema bei der zentralen Veranstaltung war.

Dabei fanden sich zahlreiche prominente Persönlichkeiten am Sitz der FAO in Rom ein. Neben den Generaldirektoren der drei sich mit Ernährung und Landwirtschaft sich beschäftigenden UN-Agenturen (FAO, WFP, IFAD) sprachen die zwei Goodwill Botschafter für Ernährung, Prinzessin Laetitia von Spanien und König Letsi III aus Lesotho, zu den Delegierten. Auch Papst Franziskus sowie UN-Generalsekretär Guterres wandten sich mit Botschaften an das Auditorium.

Die neuesten FAO-Studien zum Thema „State of Food and Nutriton“ (SOFI) und „State of Food and Agriculture“ haben aufrüttelnde Fakten zu Tage gefördert:

  • 821 Mio Menschen leiden an Hunger, Tendenz ist gegenüber dem Vorjahr wieder steigend
  • 60% davon sind Frauen
  • 150 Mio Kinder, jünger als 5 Jahre leiden Hunger (= 22%)
  • 70% der Ärmsten leben in ländlichen Gebieten
  • 45% Kindersterblichkeit durch Unterernährung
  • 1,9 Mrd. Menschen leiden an Übergewicht, mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung
  • 38 Mio Kinder, jünger als 5 Jahre sind übergewichtig
  • 672 Mio Menschen sind fettleibig, mit steigendem Trend u.a. in Asien und Afrika.

In seiner Ansprache bedauerte FAO Generaldirektor Jose Graziano da Silva den erneuten Anstieg der Welthungerzahlen und forderte alle Staaten auf, ihre Anstrengungen zur Beendigung von Hunger in Welt bis 2030 zu intensivieren.  Weitere Schwerpunkte seiner Rede waren die Zunahme von Übergewicht weltweit und eine bessere qualitative Ernährung. Bei der Initiative „zero hunger“ geht es nicht nur um die Quantität, sondern auch um Qualität in dem Sinne, dass jeder mit den lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt werden kann. Er zitierte erfolgreiche Beispiele aus Brasilien, Peru und China, wo es mit entsprechenden politischen Willen gelungen ist, entscheidende Schritte aus der Hungerkrise zu machen. Wir sind Zeugen einer Globalisierung von Übergewicht, meinte er. 8 von 20 Staaten mit der stärksten Zunahme von Übergewicht liegen in Afrika. Mit den gegenwärtigen Zuwachsraten wird die Zahl der Übergewichtigen weltweit bald die Zahl an Unterernährten erreicht haben. Laut da Silva zeichnet die FAO gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die UN-Dekade zur Ernährung verantwortlich. Dabei werden zahlreiche Initiativen fachlich beraten und unterstützt, wie eine bessere Lebensmittelkennzeichnung, eine bessere Ernährungsschulung der Kinder oder das Verbot von unnötigen Lebensmittelzusatzstoffen.

Papst Franziskus forderte in einer Grußbotschaft eine Verdoppelung der Bemühungen zur Ausrottung des Hungers. Die Bedürftigen erwarten eine effektive Hilfe und eine Bekämpfung der Ursachen und keine voluminösen Publikationen, Deklarationen oder feierliche Versprechungen. Wichtig ist eine angemessene Finanzierung, die Abschaffung von Handelsbeschränkungen und eine größere Resilienz im Lichte von Klimawandel, Wirtschaftskrise und Konflikten. Er zitierte aus seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium, 222“, wonach die Zeit mehr wert als der Raum sei und unterstrich damit seine Forderung nach einem beständigen, zielgerichteten und erfolgsorientierten Handeln der Weltgemeinschaft zum Wohle aller, insbesondere derer, die unsere Hilfe benötigen.

Weiterführende Informationen, insbesondere auch was die anderen Redner und Rednerinnen forderten, sowie Dokumente und Videos finden Sie in der verlinkten Webseite zur FAO.

 

Veröffentlicht am 31.10.2018, Internationale Agrar- und Handelspolitik (Abteilung II/10)

Kontakt

MinR. Ing. Jürgen Drexler Abteilung II 10 (Internationale Agrar- und Handelspolitik) Webseite