Neuabgrenzung benachteiligter Gebiete

Die neue Gebietskulisse wurde im Rahmen einer Programmänderung offiziell von der EU genehmigt.

Die von der Europäischen Union gemäß ELER-Verordnung verpflichtend vorgeschriebene Neuabgrenzung des sogenannten „Sonstigen benachteiligten Gebietes“ wurde nun nach einem intensiven Vorbereitungsprozess in Österreich abgeschlossen. Durch die europaweite Überarbeitung der bestehenden Gebietskulisse wird darüber hinaus auch eine mehrjährige Forderung des europäischen Rechnungshofes umgesetzt.

Die Programmänderung wurde mit 28. Februar 2019 per Durchführungsbeschluss durch die Europäische Kommission genehmigt. Somit können die Förderwerberinnen und Förderwerber rechtzeitig vor der Antragsstellung über die neue Gebietskulisse informiert werden.

Wie in anderen Mitgliedstaaten, mussten auch in Österreich die aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligten Gebiete („Sonstiges benachteiligtes Gebiet“) anhand biophysikalischer Kriterien aus den Bereichen Klima und Boden sowie der Hangneigung abgegrenzt werden. Da Teile der bisherigen Gebietskulisse betreffend „Sonstiges benachteiligtes Gebiet“ nicht mehr abgrenzbar und damit verloren gegangen wären, wurde auch die Gebietskategorie „Kleines Gebiet“ (aus anderen spezifischen Gründen benachteiligte Gebiete) mit aktualisierten Kriterien neu abgegrenzt. Mit einer komplexen auf Basis objektiver und solider Daten durchgeführten Abgrenzung konnte Österreich große Teile der bisherigen Gebietskulisse erhalten, die durch die Neuabgrenzung der Sonstigen benachteiligten Gebiete verloren gegangen wären.

Die Berggebiete waren nicht Teil der Neuabgrenzung. Jedoch konnten im Zuge der Neuabgrenzung Katastralgemeinden, die nur zum Teil als Berggebiet abgegrenzt waren, bei Erfüllung der Kriterien zur Gänze als Sonstiges benachteiligtes Gebiet bzw. Kleines Gebiet abgegrenzt werden.

Mit der Genehmigung durch die EU-Kommission sind rund 1.657.500 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) in Österreich als benachteiligte Gebiete abgegrenzt.

Diese teilen sich folgendermaßen auf:

  • Berggebiete: 1.294.000 ha
  • aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligt (Sonstiges benachteiligtes Gebiet): 151.400 ha LF
    (bisher: 204.000 ha LF)
  • aus anderen spezifischen Gründen benachteiligt (Kleines Gebiet): 212.100 ha LF (bisher: 184.000 ha LF)

Das bedeutet, dass die neue Gebietskulisse um rund 24.000 ha kleiner ist. Allerdings ist es aufgrund der Vorgaben unvermeidbar, dass rund 58.000 ha LF aus der bisherigen Kulisse herausfallen während in etwa 34.000 ha als neue Gebiete hinzukommen.

In den Gebieten, die zukünftig nicht mehr abgrenzbar sind, werden in den Jahren 2019 und 2020 Übergangszahlungen geleistet.

Die räumliche Verteilung der neu abgegrenzten Gebietskulissen ist aus den Karten bzw. der Tabelle zur Gebietsabgrenzung, die im Downloadbereich angeboten werden, ersichtlich.

 

Was bedeutet die Neuabgrenzung für meinen Betrieb?

Keine Änderung:

-     wenn Sie schon bisher die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete erhalten haben und Ihre Flächen im Berggebiet oder auch in der neuen Abgrenzung in Gemeinden liegen, die als Sonstiges oder Kleines Gebiet abgegrenzt sind. Es kommt auch zu keiner Änderung, wenn Ihre Gemeinde zuvor als Sonstiges benachteiligtes Gebiet und nun als Kleines Gebiet abgegrenzt ist bzw. umgekehrt. Setzten Sie wie bisher in der Antragsstellung das „AZ-Kreuz“.

Übergangszahlungen:

-     wenn Sie schon bisher die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete erhalten haben und Ihre Flächen zum Teil oder zur Gänze in Gemeinden liegen, bei denen eine Abgrenzung als benachteiligtes Gebiet nicht mehr möglich ist, erhalten Sie für die nicht mehr abgrenzbaren Flächen Überganszahlungen. Diese betragen 2019 rund 80% bzw. 2020 rund 40% der bisherigen Zahlung pro ha, jedenfalls aber in beiden Jahren zumindest 25 € pro ha. Setzten Sie wie bisher in der Antragsstellung das „AZ-Kreuz“ und es wird automatisch ermittelt für welche Flächen Sie Übergangszahlungen erhalten.

Flächen im neu abgegrenzten Gebiet:

-     wenn Sie schon bisher die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete erhalten haben und zusätzlich auch förderfähige Flächen in Gemeinden liegen, die im Zuge der Überarbeitung der Gebietskulisse neu abgegrenzt wurden, erhalten Sie auch für diese Flächen die Ausgleichszulage. Setzten Sie wie bisher in der Antragsstellung das „AZ-Kreuz“ und die zusätzlichen Flächen werden automatisch für die Berechnung der Förderhöhe berücksichtigt.

-     WICHTIG!: wenn Sie bisher noch keine Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete erhalten haben und Ihre Flächen in Gemeinden liegen, die im Zuge der Überarbeitung der Gebietskulisse neu abgegrenzt werden, ist es notwendig im Zuge der Antragsstellung (selbst oder bei der Antragsstellung in der Bezirksbauernkammer) das „AZ-Kreuz“ zu setzen. Danach wird geprüft, ob die Voraussetzungen für die Gewährung der AZ vorliegen. Dies betrifft in Österreich rund 2.000 Betriebe, diese erhalten in den nächsten Wochen ein zusätzliches Informationsschreiben!

 

Die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete bleibt somit auch nach der Neuabgrenzung das zentrale agrarpolitische Instrument zur Sicherung der flächendeckenden Landbewirtschaftung in Österreich.

Veröffentlicht am 27.06.2019, Agrarumwelt (ÖPUL), Bergbauern und Benachteiligte Gebiete, Biologische Landwirtschaft (Abteilung II/3)