Ausgleichszulage in Benachteiligten Gebieten (AZ)

Die Abgeltung der natürlichen Nachteile für Betriebe in den Benachteiligten Gebieten – speziell des Bergbauerngebiets – hat in Österreich eine lange Tradition.

Mit dem Beitritt zur EU wurden frühere Direktzahlungen des Bundes und der Länder an Bergbauern und an Betriebe in ehemaligen Programmgebieten durch die Förderungsmaßnahme "Ausgleichszulage in Benachteiligten Gebieten und Nationale Beihilfe" abgelöst.

Ziele der Maßnahmen

Die Zahlungen zum Ausgleich der natürlichen Nachteile dienen folgenden Zielen:

  • Den Fortbestand der landwirtschaftlichen Bodennutzung und somit der Erhaltung einer lebensfähigen Gemeinschaft im ländlichen Raum zu gewährleisten;
  • Einen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Besiedlung und nachhaltigen Bodenbewirtschaftung auch unter den ungünstigen natürlichen Standortbedingungen der Benachteiligten Landwirtschaftlichen Gebiete zu leisten;
  • Die im öffentlichen Interesse erbrachten Leistungen der Betriebe in den Benachteiligten landwirtschaftlichen Gebieten anzuerkennen;

Wer kann eine Ausgleichszulage bekommen

  1. Natürliche Personen,
  2. Juristische Personen, sofern der Geschäftsanteil von Gebietskörperschaften 25 % nicht übersteigt,
  3. Personenvereinigungen, sofern der Geschäftsanteil von Gebietskörperschaften 25 % nicht übersteigt,

die ganzjährig einen landwirtschaftlichen Betrieb im eigenen Namen und auf eigene Rechnung mit Betriebssitz in Österreich bewirtschaften und Flächen im Benachteiligten Gebiet haben.

Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden) und deren Einrichtungen können keine Ausgleichszulage erhalten.

Was muss der Bauer tun, um eine Ausgleichszulage zu bekommen

Er muss

  • mindestens 2 ha landwirtschaftliche Nutzfläche im benachteiligten landwirtschaftlichen Gebiet ordnungsgemäß bewirtschaften;
  • mindestens 5 Jahre lang nach Erhalt der ersten Ausgleichszulage den Betrieb bewirtschaften;
  • eine ausreichende betriebliche Ausstattung für den jeweiligen Bewirtschaftungszweck haben;
  • die Ausgleichszulage im Rahmen des Mehrfachantrages "Flächen" beantragen (ab April bis 15. Mai).

Messen der einzelbetrieblichen Erschwernis mit dem Berghöfekataster (BHK)

Der Berghöfekataster (BHK) ist ein System für die Beurteilung der betriebsindividuellen Erschwernisse bei der Bewirtschaftung eines Bergbauernbetriebes und dient seit 2001 als wesentliche Bemessungsgrundlage für die Ausgleichszulage (AZ) dieser Betriebe in Benachteiligten landwirtschaftlichen Gebieten. Wer als Bergbauer eingestuft wird, ist in den Bergbauernverordnungen festgelegt.

Ziele:

  • Eine einheitliche Bewertung der bergbauernbetrieblichen Erschwernisse durch das Verwenden objektiver Erschwernisfaktoren und praxisrelevanter Merkmale der bergbauernbetrieblichen Erschwernisse sicherzustellen;
  • Die auf einen Bergbauernbetrieb einwirkende Erschwernisvielfalt in Form eines betrieblichen Punktewertes (BHK-Punkte) festzustellen;
  • Die BHK-Punkte jährlich durch Berücksichtigung der sich ändernden Faktoren im Rahmen des "Mehrfachantrages-Flächen" zu aktualisieren.

Hauptkriterien des Berghöfekatasters

Zur Beurteilung der Bewirtschaftungserschwernisse eines Bergbauernbetriebes in Österreich werden insgesamt 16 Indikatoren herangezogen, welche in 3 Gruppen (Hauptkriterien) zusammengefasst sind.

Innere Verkehrslage (IVL):

In der IVL wird die Bewertung der Hangneigung der Grundstücke des Betriebes vorgenommen. Damit können fast 50 % der theoretisch höchstmöglichen Gesamtpunktezahl des BHK-Systems erreicht werden, was den dominierenden Einfluss dieser Erschwernis bei der Bewirtschaftung eines Betriebes zum Ausdruck bringt. Weiters wird hier unter anderem auch der Grad der Aufsplitterung der einzelnen Grundstücke (Arrondierung bis Streulage) bewertet. Für dieses Hauptkriterium stehen maximal 320 BHK-Punkte zur Verfügung.

Äußere Verkehrslage (AVL):

In der AVL wird eine Mehrzahl von flächenunabhängigen Einflussfaktoren für die Bewirtschaftung berücksichtigt, wie z.B. die Erreichbarkeit des Betriebes mit bestimmten Fahrzeugen, die Entfernung zum Bezirkshauptort, das Erfordernis der Erhaltung des Zufahrtsweges durch den Betrieb sowie die regionale Lage und die wirtschaftliche Situation der Gemeinde (Betriebsstandort) in die Bewertung einbezogen. Für dieses Hauptkriterium stehen maximal 100 Punkte zur Verfügung.

Klima und Boden (KLIBO):

Im Hauptkriterium KLIBO werden Seehöhe und Klimaeigenschaften sowie die Ertragsfähigkeit des Bodens über die Ertragsmesszahl der bewirtschafteten Grundstücke bewertet. Für diese Produktionsmerkmale stehen insgesamt maximal 150 Punkte zur Verfügung.

Einteilung in Erschwernisgruppen

Die BHK-Betriebe werden für statistische Zwecke (z.B. Einkommens- oder Förderungsvergleiche) in vier BHK-Gruppen mit den folgenden Punktegrenzen eingeteilt:

  • BHK-Gruppe 1:       1 bis    90 BHK-Punkte
  • BHK-Gruppe 2:     91 bis  180 BHK-Punkte
  • BHK-Gruppe 3:   181 bis  270 BHK-Punkte
  • BHK-Gruppe 4:   271 bis  570 BHK-Punkte

Das Punktemaximum von 570 BHK-Punkten ist allerdings nur ein theoretischer Höchstwert, da kein Betrieb bei jedem Kriterium eine mit der höchsten Punktezahl bewertete Benachteiligung aufweist. Der in der Praxis zu beobachtende Höchstwert eines Betriebes liegt bei 470 Punkten.

Im Rahmen von AZ-Auswertungen (z.B. für den Grünen Bericht) werden Nicht-Bergbauern, die eine Ausgleichszulage für die Bewirtschaftung von Flächen im Benachteiligten Gebiet erhalten, zum Zwecke einer einheitlichen Darstellung der „BHK-Gruppe 0" zugeordnet.

Veröffentlicht am 30.09.2015, Kommunikation und Service (Abteilung Präs. 5)