Klimawandel – Essen (k)eine Klimasünde?

Das Ernährungsverhalten der Weltbevölkerung beeinflusst das Klimageschehen „vom Acker bis zum Teller“. Landwirtschaft und Verbraucher sind  Verursacher und Opfer zugleich.

Klimawandel und Hunger

2050 werden voraussichtlich ca. 9,2 Mrd. Menschen auf der Erde leben. Damit beginnt ein Wettlauf um die knappen Boden- und Wasserressourcen: Wir werden mehr Lebensmittel und auch mehr Futtermittel benötigen.

Nicht nur die Zahl der Menschen nimmt zu, auch die Ernährungsgewohnheiten ändern sich. Global, also auch in Schwellen- und Entwicklungsländern werden zunehmend mehr verarbeitete Lebensmittel verzehrt, während gleichzeitig traditionelle Zubereitungsformen verdrängt werden. Nach „westlichem Vorbild“ steigt die Nachfrage an Fleisch (siehe dazu Abbildung 1 im Download-Bereich).

Es wird geschätzt, dass der tägliche Fleischkonsum bis zum Jahr 2050 in den Industriestaaten um ein Viertel, in den Entwicklungsländern sogar um 150% steigen wird. Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg der Fleischproduktion um 90% und der weltweiten Getreideernte um 50%, erwartet.

 

Die Klimaveränderung, die zum Teil vom Menschen verursacht wurde, stellt die Menschheit damit zukünftig vor eine große globale Herausforderung.

Landwirtschaft und Ernährung - Mitverursacher des Klimawandels?

Global ist die Landwirtschaft derzeit mit etwa 22%, in der EU mit 9% und in Österreich mit 8,8% an den Treibhausgas-Emissionen beteiligt (siehe dazu Abbildung 2 im Download-Berreich).

Insbesondere der Tierhaltungssektor verursacht weltweit 18% der Treibhausgas-Emissionen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der EU zeigte jedoch, dass Österreich innerhalb der  Mitgliedsstaaten der EU die geringsten Emissionen pro Kilogramm bei der Rindfleisch- und Milchproduktion aufweist. Zurückzuführen ist dies vor allem auf den hohen Selbst-versorgungsgrad bei Futtermitteln und den hohen Grasanteil.

Die Ernährung trägt entlang ihrer Wertschöpfungskette („vom Acker bis zu Teller“) erheblich zu den Treibhausgas-Emissionen bei. Dem Bereich Ernährung werden etwa 20% der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland und etwa 30% in der Schweiz zugerechnet (siehe dazu Abbildung 3 im Download-Berreich).

Nicht nur die einzelnen Lebensmittel beeinflussen das Klima sondern auch die individuellen Ernährungsstile.

Im Bereich Ernähung entsteht etwa die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen bei der Produktion (inkl. Verarbeitung und Handel) von Lebensmitteln, die andere Hälfte bei deren Lagerung, Einkauf und der Zubereitung.

Treibhausgas-Emissionen von Lebensmitteln

Das Treibhausgaspotential einzelner Lebensmittel kann entlang ihres Lebensweges mit verschiedenen Methoden ermittelt werden. Die gebräuchlichste ist die Ökobilanzierung. Viele Forschungsarbeiten berücksichtigen bei der Bilanzierung vor allem die Primärproduktion in der Landwirtschaft. Bilanzierungen vom „Acker bis zum Teller“ liegen nur für wenige Lebensmittel vor.

Die bedeutendsten Treibhausgase in der Lebensmittelproduktion sind Lachgas (N2O) für Gemüse, Schweinefleisch und Geflügel, der Ausstoß von Methan (CH4) für Wiederkäuer (Rind).

Lebensmittel haben in der Produktion unterschiedliche Klimarelevanz:

Pflanzliche Lebensmittel haben durchschnittlich nur 1/10 des Treibhausgas-Potentials von tierischen Lebensmitteln, jedoch zeigen sich je nach vorliegenden Bedingungen auch Ausnahmen. Beispielsweise führt Reis im Nassanbau zu einem hohen Methanausstoß (etwa 10% des globalen landwirtschaftlichen Methanausstoßes).

Unter den tierischen Lebensmitteln weist Schweinefleisch und Geflügelfleisch eine günstigere Bilanz auf als Fleisch von Wiederkäuern.

Weiterverarbeitete tierische und pflanzliche Lebensmittel (wie Käse, Wurst, Butter, Gemüsekonserven, Tiefkühlgemüse) verursachen höhere Treibhausgas-Emissionen als unverarbeitete Rohprodukte.

Neben dem Verarbeitungsgrad spielt auch die Wahl der landwirtschaftlichen Produktionsweise (biologisch oder konventionell) eine wesentliche Rolle in der Klimabilanz von Lebensmitteln.

Bio oder Konventionell?

Im Allgemeinen werden in der biologischen Anbauweise weniger Treibhausgase emittiert als in der konventionellen Produktion. Mit Bio-Lebensmitteln können gegenüber konventionellen Lebensmitteln zwischen 10-35% der Treibhausgase eingespart werden (siehe dazu Abbildung 4 im Download-Berreich).

Dies zeigte eine österreichische Untersuchung. Die Vorteile der Bio-Produktion liegen u. a. in einem geringeren Energiebedarf und geringeren Emissionen an Treibhausgasen durch den Verzicht von mineralischem Stickstoff-Dünger, Pflanzenschutzmittel und Importfuttermittel (Soja).

Regional oder überregional?

Saisonalität und Regionalität von Lebensmitteln sich ebenfalls klimarelevante Aspekte. So ist die Produktion von Obst und Gemüse im saisonalen Freiland-Anbau deutlich günstiger für das Klima als der Anbau außerhalb der entsprechenden Jahreszeit in beheizten Treibhäusern oder in Folientunnel.

Der Transport von Lebensmitteln kann große Klimarelevanz aufweisen, abhängig von Distanz und verwendetem Transportmittel. Besonders klimabelastend sind Flugtransporte, die etwa 200mal mehr Treibhausgase pro Tonnenkliometer ausstoßen als Transporte mit Hochseeschiffen.

Aufgrund kürzerer Transportwege haben regionale Lebensmittel das Potential, Energie und damit Treibhausgas-Emissionen einzusparen. Grundsätzlich sind bei gleichen Produktions-bedingungen regional erzeugte Lebensmittel, wo Transporte minimiert werden, immer vorteilhaft.

Was kann der Einzelne / die Einzelne für das Klima tun?

Der Konsument ist ein wesentlicher Faktor in der Klimabilanz: Der Umgang mit den Lebensmitteln im Haushalt, das Einkaufsverhalten (z.B. Autofahrten), die Lagerung und Zubereitung (Kühlung, Kochen) von Lebensmitten, Abfallaufkommen sowie der Außer-Haus-Verzehr sind umwelt- und klimarelevante Bereiche mit großem CO2-Einsparungspotential.

Mit einer umweltbewussten Kaufentscheidung und Ernährungsweise, der Wahl von saisonalen Freilandprodukten, Bioprodukten und regionalen Produkten mit kurzen Transportwegen kann der Konsument einen wesentlichen Beitrag zur Klimabilanz leisten.

Eine Ernährung mit weniger Fleisch und mehr pflanzlichen Lebensmitteln führt gegenüber einer typisch österreichischen Kost zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um etwa 16%. Kombiniert man dies mit Lebensmitteln aus biologischer Landwirtschaft können die ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen sogar bis zu 40% reduziert werden.

Ernährung und insbesondere der Verzehr tierischer Lebensmittel darf aber nicht nur aus Sicht der Treibhausgas-Emissionen gesehen werden. Die Ernährungspyramide zeigt auch, dass Fleisch, Milch und Milchprodukte aus ernährungs-physiologischer Sicht ihren Platz in der Ernährung des Menschen haben.

Klimaschutzmaßnahmen im Bereich Ernährung:

  • ausgewogene Ernährung mit Betonung pflanzlicher Lebensmittel
  • Bio-Lebensmittel tragen zum Klimaschutz bei
  • Saisonalem Obst und Gemüse aus Freiland den Vorzug geben
  • Frische gering verarbeitete Lebensmittel statt Tiefkühl-Produkte
  • Hühnerfleisch vor Schweinefleisch vor Rindfleisch - aus CO2-Sicht
  • Regional ist die erste Wahl – Flugzeug-Transporte sind zu vermeiden
  • Energieeffiziente Haushaltsgeräte
  • Mit dem Fahrrad oder zu Fuß einkaufen, das Auto stehen lassen
  • Wenn Auto, dann Großeinkäufe

Der CO2-Fußabdruck – „Product Carbon Footprint“

Das gesamte Ausmaß an direkten und indirekten Treibhausgas-Emissionen (CO2, Methan, Lachgas) eines Lebensmittels kann mit dem sog. „Product Carbon Footprint“ (CO2-Fußabdruck) dargestellt werden.

Seit 2008 ist die Zahl der globalen Initiativen zum CO2-Labelling und zur klimabezogenen Produktkennzeichnung stark gestiegen. Die Klimakennzeichnung von Lebensmittel verschiedener Handelsketten ist nicht immer vergleichbar, da eine internationale anerkannte ISO-Norm für die Berechnung derzeit erst in Entwicklung ist. Eine reine Klimaauszeichnung darf nicht mit „Bio“ oder „nachhaltig“ verwechselt werden, denn verschiedene andere wichtige Umweltaspekte werden dabei nicht berücksichtigt.

In Österreich wurde die Biomarke „Zurück zum Ursprung“ der Handelskette Hofer um den CO2-Fußabdruck erweitert. Damit können die Unterscheide in den Treibhausgas-Emissionen zwischen den Produktionsweisen „Bio“ und „Konventionell“ von bislang 95 vergleichbaren Lebensmitteln ausgewiesen werden. Die Initiative wurde mit dem Österreichischen Klimaschutzpreis ausgezeichnet.

Trotz der Bemühungen um eine umweltbewusste Klimakennzeichnung stößt der sogenannte „Product Carbon Footprint“ an Grenzen. Viele Aspekte werden in der Bilanzierung zur CO2-Kennzeichung nicht berücksichtigt, wie die Erhaltung der Kulturlandschaft, Bodenqualität (Erosion, Bodenfruchtbarkeit), Biodiversität aber auch der Wasserverbrauch bzw. eine nachhaltige Wassernutzung sowie Qualität des Produkts (z.B. Einsatz von Pestiziden etc.), Gentechnik oder auch soziale Aspekte wie Arbeitsplätze. Zudem kann die Klimabilanz von Lebensmitteln je nach Berücksichtigung einzelner Faktoren wie Verpackung, Kühlung, Kochen, Außer-Haus-Verzehr etc. deutlich schwanken.

Grundsätzlich ist zur Beurteilung von CO2-Werten eine ausreichende Datenlage erforderlich. Eine isolierte Angabe des „CO2-Fußabdrucks“ für Lebensmittel ist keine ausreichende Verbraucherinformation über die gesamten Umweltauswirkungen und Nachhaltigkeitsanforderungen.

Zum Footprint-Rechner für den Ihren eigenen ökologischen Fußabdruck kommen Sie hier.

Veröffentlicht am 17.10.2014, Kommunikation und Service (Abteilung Präs. 5)