Das EU-Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch

Mit dem EU-Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch soll Kindern und Jugendlichen in Bildungseinrichtungen eine gesunde Ernährungsweise nahe gebracht werden. Alle österreichischen Schulen und Kindergärten können am EU-Schulprogramm teilnehmen und - solange die Mittel nicht ausgeschöpft sind - eine Förderung erhalten. 

Das Ziel dieses von der EU geschaffenen Programms ist,  gesunde Ernährungsgewohnheiten bei Kindern und zukünftigen Generationen zu fördern. Schulkinder sollen in einem für die Geschmacksbildung wichtigen Alter zu gesunden Ernährungsweisen trainiert werden und außerdem die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Herkunft und Herstellung von Lebensmitteln, Landwirtschaft und Umwelt verstehen lernen.

Zu diesen Zwecken finanziert die Europäische Union aus dem Agrarbudget Gemeinschaftsbeihilfen für die vergünstigte Abgabe von Obst, Gemüse und Milch an Kinder in schulischen Einrichtungen.

Alle teilnehmenden Mitgliedstaaten erhalten von der Kommission für jedes Schuljahr zwei endgültige Budgetmittelzuteilungen für jeden der beiden Sektoren Milch sowie Obst und Gemüse.  

Informationen zur Programmteilnahme und zur Förderungsabwicklung finden Sie auf den Seiten der AMA.

EU-Schulobst und -gemüse

Der Ankauf von frischem Obst und Gemüse für Schüler, Schülerinnen und Kindergartenkinder im Rahmen des Programms wird mit einer Förderung aus EU-Mittel in Höhe von 50 % der Produktkosten gestützt. Die Beihilfe ist bei 6,50 Euro pro Kilo gedeckelt, das heißt die maximale Beihilfe beträgt  3,25 Euro pro Kilo. Die restlichen Kosten müssen durch andere Träger wie Elternvereine, Gemeinden oder aus privaten Mitteln übernommen werden, ebenso wie die Mehrwertsteuer, die von der Förderung ausgenommen ist.

Damit noch mehr regionales und saisonales Obst und Gemüse an Kinder und Jugendliche verteilt werden kann, sind nur  bestimmte Obst und Gemüsearten förderbar. Dazu zählen Äpfel, Birnen, Weintrauben, Melonen, Walnüsse, Kiwi, Marillen, Kirschen, Pfirsiche, Nektarinen, Zwetschken, Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren, schwarze, weiße und rote Johannisbeeren, Karotten, Gelbrüben, Paradeiser, Paprika, Radieschen, Rettich, Gurken, Kohlrabi, Sellerie sowie Erbsenschoten und nur im Lieferzeitraum November bis Februar Orangen, Mandarinen, Clementinen, Satsumas und Grapefruits.

Schulmilch

Eine vielfältige Produktpalette bestehend aus Milch, Sauer- und Buttermilch, Naturjoghurt, aber auch Kakao, Fruchtjoghurt und Fruchtmilch, wird gefördert. Der Fokus ist auf gesunde Ernährung gerichtet, denn der Zusatz von Salz, Fett, Süßungsmittel oder künstlichen Geschmacksverstärkern ist verboten. Zuckerzusatz ist nur beschränkt möglich. Die Förderung für Schulmilch ist je nach Höhe des Milchanteils im Produkt unterschiedlich hoch. Die Produkte werden durch die Beihilfe billiger.

Schulmilchprodukte stellen eine wertvolle Pausenverpflegung dar und sind oft die erste Mahlzeit für Kinder, die ohne gefrühstückt zu haben, in die Schule kommen.

Die Schulmilchlieferanten und Schulmilchlieferanteninnen sind fast ausschließlich regionale Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter. Die Produkte werden frisch hergestellt und je nach Region und Lieferant oder Lieferantin entweder in Glasflaschen, Becher oder Kartonverpackungen geliefert. Die Leergebinde werden nach Möglichkeit von den Lieferanten oder Lieferantinnen wieder zurückgenommen.

Milchaktion

Ab dem Schuljahr 2018/19 ist eine Milchaktion eingeführt worden, bei der die Abgabe von Trinkmilch mit Ausnahme der Mehrwertsteuer aus EU-Mittel gefördert wird. Begünstigte der Aktion sind Schüler und Schülerinnen, die die 1. Klasse Volksschule besuchen in ganz Österreich, an maximal 5 Schultagen in Folge, im Zeitraum September bis Oktober. Die Schulmilchbäuerinnen und Schulmilchbauern und einige Molkereien sind bereit, die Mehrwertsteuer zu übernehmen, dadurch wird die Trinkmilch für die Schülerinnen und Schüler kostenlos.

 

Priorität für Trinkmilch


Im Gleichklang mit dem Ziel des Programms, gesunde Ernährungsgewohnheiten bei Kindern zu fördern, werden Produkte ohne Zusatz von Aromen und süßenden Zutaten wie Zucker oder Honig durch eine höhere Beihilfe wesentlich preisgünstiger an die Schülerinnen und Schüler abgegeben. Deshalb ist Trinkmilch außerhalb der Milchaktion für Kinder in teilnehmenden Bildungseinrichtungen viel billiger als z.B. Kakao.

Begleitmaßnahmen

Das Ziel der flankierenden Maßnahmen ist die pädagogische Unterstützung bei der Abgabe von Obst und Gemüse, Milch und Milcherzeugnissen. Durch sie sollen Kenntnisse über gesunde Ernährungsweisen, über die Produktion von Lebensmitteln, Landwirtschaft und Umwelt, sowie über Produktvielfalt, Regionalität und Saisonalität den Kindern vermittelt werden.

Als Maßnahmen stehen Verkostungen und Exkursionen auf landwirtschaftliche Betriebe zur Auswahl. Bei den Verkostungen können noch weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse und Verarbeitungserzeugnisse an Kinder verteilt werden, wie Käse, Topfen, Honig und verarbeitetes Obst und Gemüse.

Für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin wird eine Pauschale aus EU-Mittel gewährt. Nähere Informationen zur Projekteinreichung und Förderungsabwicklung sind auf den Seiten der AMA abrufbar.

Außerdem fördert die EU die Produktion von Unterrichtsmaterial. Der digitale Milchkoffer ist von der Agrarmarkt Marketing entwickelt worden. Er beinhaltet ausgezeichnete Lernmaterialien zum Thema Milchproduktion für alle Schulstufen, weiters Arbeitsblätter, Filme, Postervorlagen sowie ein Handbuch für Pädagoginnen und Pädagogen. Der digitale Milchkoffer kann kostenlos bei der AMA Marketing angefordert werden.

Umsetzung in Österreich

Seit seiner Einführung hat sich der Obst- und Gemüse-Sektor des Programms in Österreich sehr erfolgreich weiterentwickelt und etabliert.

Im Schuljahr 2010/11 wurden 199 Tonnen Produkte geliefert, vier Jahre später bereits 831 Tonnen.

Im Schuljahr 2017/18 wurden 1.336 Tonnen Obst und Gemüse an ca. 338.000 Kinder in 2.558 Schulen und Kindergärten verteilt und 2,3 Mio. Euro an EU-Beihilfen ausbezahlt.

Die am häufigsten gelieferten Produkte sind mit Abstand Äpfel. Der Anteil an Gemüse bei den konsumierten Produkten beträgt rund 20 %. Etwa ein Drittel der verteilten Produkte stammen aus biologischer Produktion.

Im Schuljahr 2017/18 wurden 2.534 Tonnen Schulmilchprodukte in insgesamt 2.404 Schulen und Kindergärten verteilt. Rund 1 Mio. Euro an EU-Beihilfen wurden ausbezahlt, davon 630.484,- Euro für Produktlieferungen. Das beliebteste Produkt ist der Kakao. Der Anteil an Bioprodukten beträgt ungefähr 22 %.

Veröffentlicht am 13.08.2019, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)