Alpenvorland Rind

Die Aufzucht von Rindern in der Genuss Region Alpenvorland Rind ist das Ergebnis Traditionellen Wissens um die Zucht und extensive Viehhaltung im Alpenvorland, Niederösterreich.

Registernummer: 120

Offenlegungsdatum

Rinderzucht gab es im niederösterreichischen Alpenvorland seit dem Mittelalter.

Titel

Alpenvorland Rind

Kurzdarstellung oder Behauptung

Die Aufzucht von Rindern in der Genuss Region Alpenvorland Rind ist das Ergebnis Traditionellen Wissens um die Zucht und extensive Viehhaltung im Alpenvorland, Niederösterreich.
Das Fleisch des Alpenvorland Rindes zeichnet sich durch eine feinfasrige Struktur, gleichmäßige Marmorierung und seine kräftig rote Farbe aus.
Zusammen mit einer optimalen Fleischreifung bedingt dies das kräftige Aroma, die Saftigkeit und Zartheit des Kalbfleisches.
Die umweltbewusste und bodenschonende Bewirtschaftung der Höfe und Almen trägt wesentlich zur nachhaltigen Aufrechterhaltung der alpinen Landschaft in der Region bei.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Kalbfleisch, Rindfleisch, Frischfleisch

Name der Region

Alpenvorland, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

DI Werner Habermann, Abteilungsleiter NÖ Rinderbörse

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Rund 100 Rinderbauern

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Im Zuge der Sesshaftwerdung der Menschen in der Frühzeit gewann die Haltung von Haustieren zunehmend an Bedeutung, da diese die Menschen zunehmend von der Jagd unabhängig machten, denn die Haustiere lieferten Fleisch, Fett, Milch und Eier.
Zu den wichtigsten Haustieren gehörte immer schon das Rind. Der Auerochse oder „Ur“ gilt als Stammvater unserer Hausrinder.

Rinder sicherten seither das menschliche Überleben, indem sie als Milch- und Fleischlieferanten, aber auch als nützliche Arbeitskraft, beispielsweise im Ackerbau als Zugtiere dienten.

Vor allem für die Zeit des Sesshaftwerdens der Menschen (Jungsteinzeit), kann im Raum St. Pölten rege Siedlungstätigkeit nachgewiesen werden.

Besonders für die Kelten, welche vermutlich um das 4. oder 3. Jahrhundert vor Christus im östlichen Alpenvorland ansässig waren, hatte die Viehzucht eine große Bedeutung.

In der Eisenzeit (800/750 bis 15 vor Christus) gewann die Schaf- und Rinderzucht in Österreich weiter an Bedeutung.

Vermutlich ab dem Mittelalter nahm die Spezialisierung in der Rinderzucht ihren Anfang. Diese erforderte größere Wiesen, sodass durch Rodungen der Wälder zusätzliche Weideflächen für die Tiere geschaffen wurden.

Im 19. Jahrhundert wurde im Alpen-Donau-Raum intensiv Rinderzucht betrieben.

Das heute im Alpenvorland weit verbreitete Fleckvieh (Doppelnutzungsrasse für Milch und Fleisch) kam erst Anfang des 19. Jahrhundert nach Österreich.

Das Alpenvorland Rind bietet eine Alternative zur Milchviehhaltung in Grünlandgebieten.

Im Oktober 2003 startete die Rindererzeugergemeinschaft (NÖ Rinderbörse) in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und der Handelskette SPAR das Projekt „Rindfleisch à la carte“.

Gebiet/Region:

Als Alpenvorland wird das Hochland rund um die Alpen bezeichnet.
Das Alpenvorland erstreckt sich auf niederösterreichischem Boden entlang der Donau von der oberösterreichischen Landesgrenze im Westen (Machland) über den Strudengau (Tal der Donau von Ardagger Markt bis Ybbs an der Donau) bis hin zum Tullner Feld.

Das niederösterreichsche Alpenvorland wird vom Mostviertel dominiert. Es hat Anteil an den politischen Bezirken Amstetten, Waidhofen an der Ybbs, Scheibbs, Melk (südlich der Donau), Lilienfeld, Tulln (südlich der Donau) und St. Pölten Stadt sowie St. Pölten-Land.

Boden- und Klimaverhältnisse:
Aus geologischer Sicht gehört das Alpenvorland der Molassezone an. Ihre tertiärzeitlichen Ablagerungen wurden von den Voralpenflüssen wie Enns, Ybbs, Erlauf, Pielach, Traisen, Tulln durchschnitten, wodurch Terrassenlandschaften mit dazwischenliegenden Riedelländern entstanden sind. Diese Landschaftselemente haben im Zusammenspiel mit klimatischen und anderen Einflüssen ein breites Spektrum an Böden von Niederterrassenfluren, Gleye, Auböden bis über Braunerde geschaffen.

Das niederösterreichische Alpenvorland liegt im Bereich der atlantisch bestimmen Wetterzone. Das Klima ist durch hohe Niederschlagszahlen und hohe Luftfeuchtigkeit gekennzeichnet, wobei im Westen mehr Niederschlag fällt als im Osten. Die Sommer sind mäßig warm und von häufigen Gewitterregen begleitet. Die Winter sind mild und ebenfalls reich an Regen und Schnee. Die Jahresmitteltemperatur erreicht im Tullnerfeld 9 °C, in den Höhenlagen unter 3 °C. Die mittleren Jahressummen der Niederschläge liegen bei 700 bis 850 mm.

Der lange Vegetationszeitraum von ca. 240 Tagen wirkt sich positiv auf die Ertragsverhältnisse in der Landwirtschaft aus.

Lebensraum:
Die Region ist charakterisiert durch flache Hügel, saftige Almböden und kristallklares Quellwasser.

Die Flora ist durch die Boden- und Klimaverhältnisse bedingt und gekennzeichnet durch eine Vielfalt an seltenen Pflanzen wie Knabenkraut, Enzian, Alpenveilchen, Schneerosen, zahlreiche Orchideenarten, Alpenaster (Aster alpinus), Arnika, Trollblume (Trollius sp) u.v.a.

Die Viehhaltung auf Almweiden verhindert das Aufkommen von Sträuchern und Wäldern und leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der derzeitigen Landschaft.

Alpenvorland Rind:

Beim Alpenvorland Rind handelt es sich im Zusammenhang mit der Genuss Region ausschließlich um junge Kalbinnen der Rasse Fleckvieh sowie Kreuzungen des Fleckviehs mit Fleischrassen wie Limousin oder Charolais.
Alpenvorland Rinder werden ausschließlich in Österreich geboren.
Ein Großteil der Kalbinnen stammt aus der Mutterkuhhaltung.
Bei Bedarf werden Rinder im Alter von 6 Wochen bis 10 Monaten aus Österreich zugekauft.
Die Aufzucht sowie Schlachtung erfolgt ausschließlich in der Region.

Erzeugungsverfahren:
In der Genuss Region Alpenvorland Rind werden etwa 500 bis 600 Rinder von etwa 100 Bauern gehalten.
Die Haltung der Tiere ist so zu gestalten, dass in jeder Lebensphase ein optimales Wohlbefinden sichergestellt wird.
Die Haltung ist typisch für die Region. Es handelt sich dabei um kleinstrukturierte Zuchtbetriebe. Ein Bauer besitzt in etwa 20 ha Weidefläche.
Die Tiere werden im Sommer überwiegend auf der Weide gehalten.
Um die Tiere vor Hitze, Insekten oder Unwetter zu schützen, muss ein entsprechender Stall oder Unterstand auf den Weiden vorhanden sein.
Während des Winters werden die Tiere in speziellen Laufställen gehalten.

Fütterung:
Die Futterbasis während der Weidezeit bilden Weidepflanzen und Heu sowie zusätzlich Grassilage und Kraftfutter (Mischung aus Weizen, Mais, Raps). Im Winter erhalten sie zusätzlich Maissilage.

Die Füttermittel müssen den Futtermittelrichtlinien der AMA (pastus-Richtlinien) eingehalten werden.
Zusätze wie Antibiotika, Masthilfsmittel, Farbstoffe und gentechnisch veränderte Futtermittel sind verboten.

Ausmast:
Die Ausmastdauer des Alpenvorland Rindes beträgt 6 bis 10 Monaten. Die Ausmast erfolgt mit Grassilage, Maissilage sowie einer Kraftfuttermischung.

Transport, Schlachtung, Zerlegung:
Die Kalbinnen werden in einem Alter von max. 20 Monaten mit einem Mastendgewicht von 350 bis 650 kg (Schlachtkörpergewicht 250 bis 350 kg) geschlachtet.

Die Schlachtung des Alpenvorland Rindes erfolgt am EU-Schlachthof Berger bei Wilhelmsburg.
Nach der Schlachtung werden die Schlachtkörper durch Veterinäre amtlich untersucht und nach EUROP-Klassifizierung beurteilt.

Die Zerlegung erfolgt überwiegend direkt am EU-Schlachthof.

Fleischreifung:
Nach der Zerlegung wird das Fleisch etwa 3 Tage lang abgehangen, geprüft (ph-Wert) und gekennzeichnet.
Um die Fleischqualität zu verbessern, wird das Fleisch 14 Tage lang unter genau definierten Bedingungen beim EU-Schlachthof oder bei den Abnehmern gereift und vakuumverpackt.
Die spezielle Reifung verleiht dem Fleisch eine besondere Zartheit.

Fleischbeschreibung:
Das Fleisch des Alpenvorland Rinds ist kräftig rot und besonders zart, feinfasrig und saftig. Zudem zeichnet es sich durch ein kräftiges Aroma sowie durch eine gleichmäßige Marmorierung aus.

Alpenvoraland Rind-Fleisch erreicht bei der EUROP-Klassifizierung die Fleischklassen „E“, „U“ und „R“ sowie die Fettklassen 2 und 3.

Ursprungsnachweis:
Alpenvorland Rind ist identifiziert durch offizielle Ohrmarken, gemäß der österreichischen Tierkennzeichnungs- und Registrierverordnung 2007, und ist in der Datenbank registriert.
Die Rückverfolgbarkeit sowohl der Rinder als auch des Bauernhofes wird am Verkaufsort durch das „bos” System der AMA (Agrar Markt Austria) sichergestellt. Das „bos“ Symbol garantiert die volle Rückverfolgbarkeit von der Geburt des Tieres an bis zum angerichteten Fleisch.

Qualitätskontrolle:
Die Landwirte produzieren nach den Richtlinien des AMA-Gütesiegels.
Die Kontrolle erfolgt durch akkreditierte Kontrollstellen.

Vermarktung:

Die Vermarktung erfolgt sowohl über die Gastronomie als auch über den Handel.
Das Fleisch des Alpenvorland Rinds wird unter der Wortbildmarke „Rindfleisch á la carte“ über den Lebensmittelhandel vermarktet.

 „Rindfleisch á la carte“ steht für ein Vermarktungsprojekt, das von der niederösterreichischen Rinderbörse gemeinsam mit der ARGE Rind und dem TANN Betrieb in St. Pölten gestartet wurde.

Das Fleisch vom Alpenvorland Rind ist ganzjährig ausschließlich als Frischfleisch erhältlich.

Zusammenhang mit dem geografischen Gebiet und dem Traditionellem Wissen:

  • Besondere Boden- und Klimaverhältnisse im niederösterreichischen Alpenvorland bedingen eine Vielfalt an einer lokalen, voralpinen Flora, die eine Haltung von Alpenvorland Rindern auf Weiden ermöglicht.
  • Alpenvorland Rinder umfasst Rinderrassen, die an die Klimaverhältnisse in der Region angepasst sind.
  • Traditionelle Haltungssysteme: Extensivhaltung der Herden auf Weiden während der Vegetationszeit.
  • Dank der Haltungsweise kann Rindfleisch mit charakteristischen Merkmalen bezüglich Zusammensetzung und Marmorierung erzeugt werden. Das Fleisch besitzt ein einzigartiges Aroma und einen einzigartigen Geschmack.
  • Die Aufzucht des Alpenvorland Rindes ist das Ergebnis Traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wird: Wissen und Erfahrung der Tierhalter (Anpassung der Haltung der Herde an die Gegebenheiten der Umwelt, Know-how der Hirten, Art der Rindfleischproduktion, Haltung in Berggebieten, Verbesserung des Erbguts), Know-how der Schlachter und Fleischer (Tiertransport, Erfahrung bei Schlachtung, Zerlegung, Fleischreifung) und die Erfahrung der Vermarkter.

Verwertung:

Das Fleisch des Alpenvorland Rinds eignet sich besonders für die „schnelle Küche“ vom Steak bis zum Wok.

Schutz:

Wort-Bild Marke „Rindfleisch á la carte“

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Niederösterreich, Region, Alpenvorland, Alpenvorland Rind

Bibliographie / Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen am 13.05.2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

DI Werner Habermann
Abteilungsleiter NÖ Rinderbörse
Schillerring 13
3130 Herzogenburg
Mobil: 0664/2321577
E-Mail: w.habermann@noe-rinderboerse.at 

Autoren

Mag. Eva Sommer, Mag. Doris Reinthaler, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 01.09.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)