Mittelkärntner Blondvieh

Kärntner Blondvieh ist das Ergebnis Traditionellen Wissens um die Zucht und extensive Haltung der heimischen Rinderrasse Blondvieh in Kärnten.

Registernummer: 50

Offenlegungsdatum

1703 erste Erwähnung einer falchete Melkkuh beim Grafen Christalnigg zu Gillitzstein in der Mittelkärntner Herrschaft Eberstein, die als eine der ersten Vorläuferin des heutigen Blondviehs betrachtet werden kann.
Im Jahr 1890 wurden im Zuge der Gründung der ersten Viehzuchtgenossenschaft in St.Veit/Glan verschiedene Rinderschläge unter der Bezeichnung „Kärntner Blondvieh“ zusammengefasst.

Titel

Mittelkärntner Blondvieh
Kärntner Blondvieh (lokale Rassenbezeichnung)

Kurzdarstellung oder Behauptung

Kärntner Blondvieh ist das Ergebnis Traditionellen Wissens um die Zucht und extensive Haltung der heimischen Rinderrasse Blondvieh in Kärnten.
Das Fleisch vom Kärntner Blondvieh zeichnet sich durch exzellenten Geschmack, Feinfaserigkeit und spezifischer Marmoriertheit aufgrund von eingelagerten intramuskulären Fetts aus.
Das Kärntner Blondvieh ist eine alte, bodenständige Mehrzweck-Rinderrasse, die optimal an die Umgebung in Mittelkärnten angepasst ist. Die extensive Haltung von Kärntner Blondvieh über Jahrhunderte hinweg hat einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Aufrechterhaltung der alpinen Landschaft Kärntens geleistet.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Rindfleisch, Frischfleisch

Name der Region

Mittelkärnten, Kärnten, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Kärntner Blondviehzuchtverein
Obmann Raphael Pliemitscher

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Kärntner Blondviehzuchtverein

90 Bergland- und Grünlandbauern (großteils Biobetriebe) in Mittelkärnten und Kärnten (Bezirke Wolfsberg, St. Veit, Klagenfurt-Land, Völkermarkt und vereinzelt Feldkirchen und Spittal/Drau)

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Es wird vermutet, dass das Blondvieh als Abkömmling des Slowenenviehs gilt, ein einfärbiges Vieh, das von slawischen Einwanderern im 6. Jahrhundert nach Christus nach Kärnten gebracht wurde und mit dem Gelbvieh und rot geflecktem Vieh (German Red Spotted breeds) von deutschen Siedlern eingekreuzt wurde. Kreuzungen mit dem Ungarischen Steppenrind (Hungarian steppe breeds) hinterließ mit seiner typischen Hornform ein besonderes Merkmal. Es entwickelten sich daraus verschiedene Schläge. Früher galt jede Farbabweichung als eine eigene Rasse.

Bereits 1604 wurde in der Mittelkärntner Herrschaft Eberstein ein Ochsenpaar mit weißer Rückenkennzeichnung gesichtet.

1703 scheint beim Grafen Christalnigg zu Gillitzstein in der Mittelkärntner Herrschaft Eberstein eine falchete Melkkuh auf, die als erste Vorläuferin des heutigen Blondviehs betrachtet werden kann.

1803 erhielt die Kärntner Ackerbaugesellschaft vermehrt Staatszuschüsse und widmete in der Folge der „Zucht schönen Hornviehs“ besonderes Augenmerk.

1857 galt das Kärntner Blondvieh als „beste Rinderrasse der Monarchie“. Sein Fleisch war äußerst begehrt und wurde in Folge in alle Kronländer der K.u.K. Monarchie exportiert.

Der österreichische Kaiser Franz Josef (1830 bis 1916), der ein großer Liebhaber des Tafelspitzes (gut gelagertes spezielles Schwanzstück eines jungen Ochsen, das mit Suppengrün gekocht wird) war, hat darauf bestanden, dass sein Lieblingsgericht vom Fleisch des Kärntner Blondviehs gemacht wird.

1870 existierten erste Zuchtrinderrmärkte und Gauausstellungen in Rattendorf und Eberstein.
Im Jahr 1877 galt das Kärntner Blondvieh als die verbreiteteste Rinderasse Kärntens.

Seit Ende des 18. Jahrhundert breitete sich die Rasse Kärntner Blondvieh rasch in Kärnten sowie in der Steiermark aus. Die Rasse wurde nach den Zuchtorten (Gut Mariahof bei Sankt Salvator und dem Lavanttal) „Mariahofer“ und „Lavanttaler“ genannt. Ein charakteristischer Unterschied dieser regionalen Rassen war jedoch nicht feststellbar.
Auch die Bezeichnung „Norische Rasse“ war gebräuchlich.

Als im Jahre 1890 in St. Veit/Glan die erste Viehzuchtgenossenschaft gegründet wurde, entschied sich der Zentralausschuss der Kärntner Landwirtschaftsgesellschaft die Bezeichnungen „Mariahofer“, „Lavanttaler“ und „Norische Rasse“ unter der Bezeichnung “Kärntner Blondvieh” zusammenzufassen.

Ab diesem Zeitpunkt begann die gezielte Züchtung des Kärntner Blondviehs. Anfang des 20. Jahrhunderts brachten die Bemühungen um die Kreuzung der Rasse mit Frankenvieh, Fleckvieh und Rotbunte unbefriedigende Ergebnisse. Erst nach dem ersten Weltkrieg wurde eine systematische Reinzucht verfolgt.

1924 wurde der „Kärntner-Landes-Blondvieh-Zuchtverband“ gegründet.
1938 kam es zur Zusammenlegung dieses Verbandes mit dem 1911 gegründeten „Verband der Mariahofer Viehzuchtgenossenschaft in Obersteiermark“. Der neue „Blondviehzuchtverband Südmark“ wurde nach dem 2. Weltkrieg in „Blondviehzuchtverband Kärnten-Steiermark“ umbenannt.

1970 wurden in Kärnten 60.000 Stück Blondvieh gezählt. In den folgenden Jahren verkleinerte sich die Population durch die Bevorzugung von Hochleistungsrassen drastisch. 1990 existierten daher nur noch 100 Stück Blondvieh.

1990 wurde das Kärntner Blondvieh von der FAO in Rom als eine vom Aussterben bedrohte Rasse anerkannt. Zur selben Zeit wurde von den Gemeinden Hüttenberg, Eberstein, Klein St. Paul, Brückl und Guttaringen der „Regionalverein Norische Region“ gegründet. Sein landwirtschaftlicher Arbeitskreis begann mit den Bemühungen der Erhaltung des Kärntner Blondviehs.

1994 wurde der Blondviehzuchtverein neu gegründet.
Zur Teilnahme am Österreichischen Generhaltungsprogramm (wurde eine phänotypische Beurteilung und genotypische Untersuchung durchgeführt. Der Erhalt seltener, gefährdeter Rassen stand im Zusammenhang mit dem ÖPUL 1995, dem Österreichischen Programm für eine umweltgerechte Landwirtschaft, nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union im Jahr 1995.
1999 wurde die „ARGE Genreserve Rind Österreich“ in Eberstein gegründet.
Durch intensive Erhaltungsarbeit konnte der Muttertierbestand des Kärntner Blondviehs bis zum Jahr 2003 auf 500 gesteigert werden.

Im Jahr 2003 wurde das Gemeinschaftsprojekt „Agrarius 2003“ mit dem Ziel der Erhaltung des Kärntner Blondviehs und zur Förderung des Fleisches in der Gastronomie ins Leben gerufen.
Für die Programmplanungsperiode ÖPUL 2000 bis 2006 hat der Kärntner Rinderzuchtverband, die Landwirtschaftskammer Kärnten und der Blondviehzuchtverein ein Generhaltungsprogramm ausgearbeitet.
Weiters wirken lokale Vereine wie der „Verein zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen“ (VEGH) und der „Verein zum Schutze und zur Bewahrung der Erbanlagen heimischer gefährdeter landwirtschaftlicher Nutztierrassen“ (ÖNGENE) bei der Erhaltung des Kärntner Blondviehs mit.

Gebiet/ Region:

Kärnten ist das südlichste Bundesland Österreichs. Es grenzt im Westen an Osttirol, im Norden und Nordosten an Salzburg und die Steiermark und im Süden an Slowenien und Italien (Friaul und Venetien). Es besteht hauptsächlich aus dem von Gebirge geprägten Oberkärnten, dem Klagenfurter Becken (Unterkärnten) und Mittelkärnten. Die Region „Mittelkärnten” wird gebildet von der „Norischen Region“, dem „Hemmaland“ und der „Kärntner Holzstraße“. Die Landschaft ist geprägt von Hügeln und niedrigen Bergen, von Wäldern (70 %), agrarisch genutzten Flächen sowie zahlreichen Gewässern.
Die Region erstreckt sich von der Saualpe im Osten bis zu den Nockbergen im Nord-Westen.

Die „Norische Region“ liegt im nördlichen Zentralraum von Kärnten und umfasst das gesamte Görtschitztal, Teile des Krappfeldes und den Raum St. Veit. Dazu gehören die Gemeinden Brückl, Diex, Eberstein, Frauenstein, Guttaring, Hüttenberg, Kappel, Klein St. Paul, Liebensfels, Magdalensberg, Maria Saal, Mühlen, St. Georgen/Längensee und St. Veit an der Glan.

Das „Hemmaland” umfasst die Gemeinden Althofen, Dürnstein, Friesach, Gurk, Metznitz, Micheldorf, Mölbing, Straßburg und Weitensfeld.

Die Region „Käntner Holzstraße” umfasst die Gemeinden Albeck, Arriach, Bad Kleinkirchheim, Deutsch-Griffen, Himmelberg, Glödnitz, Gnesau, Reichenau und Streuberg.

Lebensraum:
Züchterische Schwerpunkte für die Haltung dieser alten Rinderasse liegen in den Orten Eberstein, Diex, Liebenfels, Althofen und Hirt (Gemeinde Micheldorf).
Zusätzlich findet man das Kärntner Blondvieh auch in Unterkärnten (Völkermarkt, Lavanttal) sowie in der Steiermark und in angrenzenden Teilen Sloweniens.

Klima:
Mittelkärnten befindet sich in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas.
Da Kärnten südlich der Alpen liegt, ist das Klima im Sommer beinahe mediterran. Es ist gekennzeichnet durch eine relativ beständige Wetterlage mit hoher Sonneneinstrahlung, welche sich mit Gewittern und intensiven Niederschlägen abwechselt.

Während die Sommer heiß und mäßig feucht sind, sind die Winter lang und rau. Im Herbst und Winter herrschen oft Temperaturinversionslagen mit Windstille, dichtem Nebel über den frostigen Tälern und mildem, sonnigem Wetter höher oben in den Vorgebirgen und Gebirgen.

Die Vegetationsperiode beträgt etwa 90 Tage im Hochgebirge und 180 bis 220 Tage in den meisten Teilen von Kärnten. Das Hochgebirge ist mehr als 150 Tage mit Schnee bedeckt.

Diese klimatischen Bedingungen im alpinen Bereich führen zu zahlreichen Almweiden mit vielfältigen Pflanzengesellschaften.

Kärntner Blondvieh:

Das Kärntner Blondvieh ist eine bodenständige, regionaltypische Rinderrasse und ist optimal an die alpinen Umweltbedingungen der Gebirgsregionen in Kärnten angepasst.
Das Kärntner Blondvieh ist eine Mehrnutzungsrasse für Milch- und Fleischproduktion und ist bekannt für seine ausgezeichnete Fleischqualität.

Das Kärntner Blondvieh ist groß- bis mittelrahmig.
Ausgewachsene Stiere wiegen im Durchschnitt 800 bis 850 kg, weibliche Tiere 500 bis 600 kg und erreichen eine durchschnittliche Schulterhöhe von 138 bis 145 cm, beziehungsweise 128 bis 135 cm.

Das Fell der Tiere ist einfärbig, silberweiß bis semmelgelb mit hell pigmentierten Schleimhäuten. Beide Geschlechter tragen Hörner. Hörner und Klauen sind beide wachsfarbig und können tiefe Einkerbungen oder Linien aufweisen.

Die Tiere sind gutmütig und fügsam und werden als arbeitswillig beschrieben. Kärntner Blondvieh gilt als besonders robust und gut angepasst an die alpine Landschaft, wodurch eine extensive Haltung in alpinen Gebieten, wo raue Bedingungen vorherrschen, ermöglicht wird.

Kärntner Blondvieh hat gute Muttereigenschaften und ist daher besonders für die Mutterkuhhaltung geeignet. Das Kärntner Blondvieh gibt im Durchschnitt 3.669 kg Milch pro Kuh.

Erzeugungsverfahren:
Zur Zeit halten in Kärnten 90 Bauern rund 780 Kühe und 30 Stiere der Rasse Kärntern Blondvieh.
Die Kälber des Kärntner Blondviehs werden in ein und demselben Betrieb in Kärnten geboren und aufgezogen. Die Meisten dieser Betriebe sind Biobetriebe.

Die Rinder werden artgerecht auf Almweiden im Sommer und im Winter großteils in Laufställen gehalten. Die Rinder werden ausschließlich mit hofeigenem Gras und Heu gefüttert.
Streng verboten sind ausländische und tierische sowie gentechnisch veränderte Futtermittel, Futtermischungen mit solchen Zusätzen sowie Milchaustauschfutter.

Die Abkalbungszeit umfasst das ganze Jahr. Während der Abkalbung werden die männlichen Tiere nicht von der Herde abgetrennt.

Die Kastration der männlichen Tiere erfolgt vor dem 6. Lebensmonat. Dann werden sie im Alter von 6 bis 8 Monate von der Mutter getrennt.

Transport und Schlachtung:
Die Ochsen werden im Alter zwischen 15 bis 20 Monate geschlachtet, mit einem Mastendgewicht bei der Schlachtung von ca. 550 bis 650 kg und einem Schlachtgewicht von rund 350 kg.
Besondere Beachtung wird auf das Wohlbefinden der Ochsen beim Transport gelegt, um Stress zu vermeiden.
Sie werden auf zwei regionalen EU-Schalchthöfen möglichst stressfrei geschlachtet.

Fleischbeschreibung:
Das Fleisch stammt von Ochsen, die in Kärnten geboren und aufgezogen wurden.
Das Fleisch vom Kärntner Blondvieh zeichnet sich durch regelmäßige Marmorierung aufgrund von intramuskulären Fetteinlagerungen aus und hat eine glatte, feine Textur. Diese Eigenschaften sind zusammen mit einer optimalen Fleischreifung verantwortlich für den exzellenten Geschmack, die Saftigkeit und Zartheit des Fleisches nach der Zubereitung. Das Fleisch weist ein einzigartiges Aroma und einen einzigartigen Geschmack auf, welche in direktem Zusammenhang mit der aufgenommenen lokalen alpinen Flora stehen.

Ursprungsnachweis:
Kärntner Blondvieh ist identifiziert durch offizielle Ohrmarken, gemäß der österreichischen Tierkennzeichnungs- und Registrierungsverordnung 2007, und ist in einer Datenbank registriert.
Die Rückverfolgbarkeit sowohl der Rinder als auch des Rinderbauernhofes wird am Verkaufsort durch das “bos” System der AMA (Agrar Markt Austria) sichergestellt. Das „bos“ Symbol ist Kennzeichen für Rindfleisch und garantiert die volle Rückverfolgbarkeit von der Geburt des Tieres an bis zum angerichteten Fleisch.

Zusammenhang mit dem geografischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Besondere Boden- und Klimaverhältnisse in der Region Mittelkärnten bedingen eine reichhaltige lokale Flora, die eine extensive Haltung von Blondvieh auf Almweiden ermöglicht.
  • Kärntner Blondvieh ist eine regionaltypische, bodenständige, im Bestand gefährdete, für Kärnten typische, Rinderrasse, die optimal an die Klimaverhältnisse in der Region angepasst ist.
  • Traditionelle Haltungssysteme: Extensivhaltung der Herden auf Almweiden während der Vegetationszeit.
  • Starker Bezug zur Region: die Rinder grasen alpine Weidegräser und Kräuter und werden mit Gras und Heu gefüttert, das im eignen Betrieb erzeugt wird.
  • Dank dieser Haltungsweise kann Rinderfleisch mit charakteristischen Merkmalen bezüglich Zusammensetzung und Marmorierung erzeugt werden. Das Fleisch besitzt ein einzigartiges Aroma und einen einzigartigen Geschmack, welche in direkter Beziehung zur aufgenommenen lokalen alpinen Flora stehen.
  • Die Aufzucht des Mittelkärntner Blondviehs ist das Ergebnis Traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wird: Wissen und Erfahrung der Tierhalter (Anpassung der Haltung der Herde an die Gegebenheiten der Umwelt, historische Auswahl von Lokalrassen, Know-how der Hirten, Art der Rindfleischproduktion, Rinderhaltung in Berggebieten, Verbesserung des Erbguts), Know-how der Schlachter (Tiertransport, Erfahrung bei Schlachtung, Zerlegung, Fleischreifung) und die Erfahrung der Erzeugerorganisation (Kärntner Blondviehzuchtverein).

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Kärnten, Region, Mittelkärnten, Blondvieh, Kärntner Blondvieh, Rind, Mittelkärntner Blondvieh

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 23. Juli 2008.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Kärntner Rinderzuchtverband
Zollfeldstr. 100/1, 9300 St. Veit/Gl.
Telefon: 04212 2215 15
e-mail: moser@krzv.at

Autoren

Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 01.09.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)