Tux-Zillertaler Rind

Die Aufzucht von Tux-Zillertaler Rind ist das Ergebnis von Traditionellem Wissen um die Zucht und extensive Viehhaltung über Jahrhunderte hinweg im Zillertal, Tirol, Österreich.

Registernummer: 142

Offenlegungsdatum

Das Tux-Zillertaler Rind gilt als die älteste Rinderrasse Tirols und war im 19. Jahrhundert die bestimmende Rasse im Tiroler Unterland.

Titel

Tux-Zillertaler Rind

Kurzdarstellung oder Behauptung

Die Aufzucht von Tux-Zillertaler Rind ist das Ergebnis von Traditionellem Wissen um die Zucht und extensive Viehhaltung über Jahrhunderte hinweg im Zillertal, Tirol, Österreich.
Das Tux-Zillertaler eignet sich besonders für die Milchvieh-, und für die Mutterkuhhaltung.
Aufgrund der guten Futterverwertung und Robustheit ist die Rasse besonders für die alpine Weidehaltung geeignet, wodurch eine ausgezeichnete Fleischqualität mit besonderer Feinfasrigkeit und Saftigkeit zu erhalten ist.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Rindfleisch, Frischfleisch

Name der Region

Zillertal, Tirol, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Ing. Christian Moser
Rinderzuchtverband Tirol

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Keine Angabe

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Tux-Zillertaler Rind:
Es ist unklar, ob das Tux-Zillertaler Rind das Ergebnis bodenständiger Rinderzucht ist oder sich vom Schweizer Eringer Rind ableitet.
Manche Fachleute meinen, dass die auffallende Übereinstimmung mit dem Eringer Rind in Aussehen und Verhalten zufällig sei.
Andere meinen, dass das Eringer Rind von Siedlern ins Zillertal mitgebracht worden sei und sich dann mit einheimischen bodenständigen Schlägen vermischt habe.
Das aus der Westschweiz (Kanton Wallis) stammende Eringer Rind ist in der Schweiz bereits seit der Römerzeit bekannt.
Das Eringer Rind ist im Gegensatz zum Tux-Zillertaler einfarbig. In Typ und Form sowie in ihren Eigenschaften, wie Kampflust, Widerstandsfähigkeit, Trittsicherheit, Winterhärte und Genügsamkeit sind sich die beiden Rassen jedoch sehr ähnlich.

Das Tux-Zillertaler Rind gilt als die älteste Rinderrasse Tirols und war bereits im 19. Jahrhundert die bestimmende Rasse im Tiroler Unterland.

Namensgebend für diese Rasse sind die Schläge Tuxer und Zillertaler, die ursprünglich als eigene Rassen galten. Diese unterschieden sich jedoch lediglich in ihrer Farbe.

Tuxer Rind:
Ursprünglich gab es im Zillertal nur den schwarz gefärbten Tuxerschlag.
Anfang des 19. Jahrhunderts waren in Tirol dunkelfärbige Rinder ausgesprochen beliebt. Dieser Umstand führte zu einer großen Verbreitung der Tuxer, sodass sie nicht nur im Zillertal, sondern auch im Inntal und in zahlreichen Nebentälern östlich von Innsbruck gehalten wurden.

Mitte des 19. Jahrhunderts verdrängten die Tuxer im Zillertal, im Unterinntal sowie im Pustertal nahezu alle anderen Rinderrassen. Auch außerhalb Tirols, wie in Oberbayern, Kärnten und Salzburg waren die Rinder häufig anzutreffen. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts kamen Tuxer auch vermehrt in Südtirol vor, sie sollen die Pustertaler Schecken stark beeinflusst haben. Genetische Untersuchungen haben bestätigt, dass das Pinzgauer und das Tuxer Rind die nächsten Verwandten des Pustertaler Rindes sind.

Die Vorherrschaft der Tuxer währte jedoch nicht lange, da sich außerhalb des Kerngebietes (Zillertal) die Farbenmode bei Rindern von dunkel auf hell änderte, ausgelöst durch eine internationale Zuchtausstellung in Paris im Jahr 1856. Es entstand eine Abneigung gegen dunkle Tiere, da sie als grob und leistungsschwach angesehen wurden. Folglich wurden die Tuxer von anderen Rinderrassen, wie Pinzgauer, Simmentaler, Montafoner und Oberinntaler Grauvieh verdrängt. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts beschränkte sich ihre Verbreitung wieder fast nur noch auf das Zillertal.

Um den Trend heller Farben bei Rindern nachgehen zu können, entstand dann im 19. Jahrhundert aus einer Kreuzung von schwarzen Tuxern mit roten Schlägen, wie Pinzgauer Rind, das rotbraune Zillertaler Rind.

Zillertaler Rind:
Die Verbreitung des Zillertaler Rindes beschränkte sich zunächst auf die Bezirke Fügen und Zell im Zillertal. Es soll aber auch in einigen weiteren Tälern Tirols und in Südtirol vorgekommen sein, ähnlich wie die Tuxer.

Dieser Schlag wird 1889 von Kaltenegger als eine Farbvariante des Tuxer Rindes bezeichnet und als weichsel- bis kastanienrot sowie braunrot bis rotbraun ohne oder mit nur kleinen weißen Abzeichen beschrieben. Die Zillertaler waren in Typ, Form und Aussehen den Tuxern sehr ähnlich. Die beiden Rinderrassen unterschieden sich bis auf die Farbe kaum. So spricht man heute noch von den „Roatn“ (rote Zillertaler) und „Schwarzn“ (schwarze Tuxer).

Die guten Eigenschaften der Rinder, wie Ausdauer und Trittsicherheit sowie Widerstandsfähigkeit beeindruckten sogar den russischen Zaren, worauf er mehrmals Tuxer und Zillertaler nach Russland holte. Dabei legten die Tiere eine Wegstrecke von über 2.300 km innerhalb von ca. zweieinhalb Monaten zu Fuß zurück.

Ein Votivbild in Öl in der Lindenkapelle des Stiftes Fiecht in St. Georgenberg bei Schwaz in Tirol erinnert heute noch an solch einen Viehtrieb im 19. Jahrhundert nach Sysran an der Wolga. Dargestellt sind ca. 15 Tux-Zillertaler Rinder von rotbrauner Farbe.

Zillertaler und Tuxer waren am Entstehen der russischen Rassen Gorbatov, Rote Tambov und Yurino maßgeblich beteiligt.

Mit der Gründung der Vereinigung der Tux-Zillertaler-Züchter wurden das Tuxer und das Zillertaler ab 1986 aufgrund ihrer starken Ähnlichkeiten und der nahen Verwandtschaft zu einer Rasse, dem Tux-Zillertaler, zusammengefasst.

Auf Initiative des Rinderzuchtverbandes Tirol behandelte man die beiden Rassen ab 1995 nicht mehr wie getrennte Populationen. Der Doppelname Tux-Zillertaler wurde für beide Schläge üblich.

Tux-Zillertaler Rinder als Kampfkühe:
Tux-Zillertaler Rinder vermittelten nicht nur äußerlich den Eindruck von Kampfkühen (vor allem beim Zillertaler waren Querfalten auf dem Nasenrücken auffällig, die den Kühen das Aussehen von Stieren gaben. Diese Falten galten im Zillertal als Zeichen großer Kraft. Sie verhalten sich auch dementsprechend, denn auffallend bei dieser Rasse ist die Kampflust. Der Sinn und Zweck des Kampfes liegt darin, gute Weideplätze zu erobern und auch zu halten. In früheren Zeiten wurde daher oftmals neben einer eigentlichen Rasse eine Tux-Zillertal-Kuh gehalten. Die Aufgabe dieser Kuh war es, die guten Weideplätze auf der Alm für die restlichen Tiere der Bauern zu sichern und diese zusätzlich vor Angriffen von anderen Kühen zu schützen.
Wenn Tux-Zillertaler mit Kühen anderer Rassen gemeinsam in einer Herde gehalten wurden, nahmen sie immer eine besondere Stellung ein. Tux-Zillertaler mischten sich fast nie mit den anderen, sondern hielten sich stets getrennt von der übrigen Herde auf. Kam eine einzelne Tux-Zillertaler-Kuh unter andersrassige Tiere, so ordneten sich diese ihr unter. Oft kauften Besitzer anderer Rassen speziell für den Alpsommer eine Tux-Zillertaler-Kuh als „Glockkuh“, um eine Führerin und Beschützerin für ihre Herde zu haben. Im Brixental, einem Pinzgauer Zuchtgebiet, war noch um 1925 der Ankauf von Tux-Zillertaler Rindern für diesen Zweck üblich.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich Wettkämpfe mit Tux-Zillertaler-Kühen, bei denen Bauern auf ihre Kuh wetteten. Die Siegerkuh, die in einem K.o. System übrig blieb, erhielt den Titel „Moarin“ oder „Roblerin“. Der Besitz einer solchen Kuh bedeutete besondere Ehre und Anerkennung. Diese Kuh-Wettkämpfe sind unter der Bezeichnung „Kuhstechen“ bekannt. Das letzte Kuhstechen, das aus tierschützerischen Gründen heute nicht mehr erlaubt ist, fand auf dem Gauderfest 1954 in Zell am Ziller statt.
Es handelte es sich bei diesen Kämpfen um Schiebekämpfe, deren typisches Merkmal ein vorheriges Scharren mit den Klauen war, bevor die Kühe mit den Hörnern aufeinander losgingen. Um zu gewährleisten, dass die eigene Kuh auch siegt, gab es auch eine spezielle Behandlung. So wurden „Kampfkühe“ speziell betreut und gefüttert, z.B. wurde nur bestes Heu und Kraftfutter, wie Getreide, eingesetzt. Weiters wurden sie meist schon kurz nach dem Abkalben trocken gestellt, d. h. nicht mehr gemolken, und auch nicht mehr gedeckt, damit sie die volle Energie in den Körperbau legen konnten. Alte Tux-Zillertaler Züchter erzählen sogar davon, dass den Kühen Totenschmalz (= Schmalz, mit dem Menschen begraben wurden), Friedhofserde, stinkendes Blut oder Tollkirschen auf die Stirn geschmiert wurden, damit die generische Kuh vor dem Geruch kapitulierte.

Als es etwa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert zu einer eindeutigeren Aufteilung der Besitzverhältnisse auf den Almen sowie zu einer besseren Fütterung der Tiere kam, war der Kampf um die besten Weideplätze nicht mehr notwendig. Seitdem nahm die Anzahl der Tux-Zillertaler stetig ab.

Rückgang der Tux-Zillertaler Rinder:
Tux-Zillertaler Rind wurde aufgrund der Wettkämpfe in Bezug auf Milch- und Fleischleistung vernachlässigt und die Anzahl der Tiere nahm rapide ab.

In den1930er und 1940er Jahren wurden viele Tux-Zillertaler-Kühe in Abmelkbetriebe gebracht und die Stiere als Schlachtware verkauft. Das Fleisch vom Tux-Zillertaler Rind war ausgesprochen beliebt bei den Metzgern und wurde gerne zur Herstellung feiner Wurstwaren herangezogen.

Weiters durften während des Zweiten Weltkrieges Tux-Zillertaler-Kühe nur mit Stieren anderer Milchrassen gedeckt werden, da das NS-Regime nur leistungsstärkere Tiere förderte. Hinzu kamen nach dem Zweiten Weltkrieg noch eine TBC (Tuberkulose)- und eine Bangimpfung (Tierkrankheit „Abortus Bang“ = seuchenhaftes Verkalben), bei der zahlreiche Tux-Zillertaler Rinder ausgemerzt wurden. Mitte der 1970er Jahre gab es dann weltweit nur mehr etwa 30 Stück dieser Rasse.

Erhaltung der Tux-Zillertaler Rinder:
1986 wurde die Vereinigung der „Tux-Zillertaler Züchter Tirol“ gegründet und damit der Grundstein für die Erhaltung der Rasse gelegt.

Die noch vorhandenen Tux-Zillertaler Rinder wurden in den 1980er Jahren gezielt gepaart und ins Herdebuch aufgenommen. Es handelte sich dabei zwar nicht mehr um reinrassige Tiere, doch war man bestrebt, einen Blutanteil von mindestens 80 % zu erhalten. In Folge kam es zu einem sorgfältig durchdachten Anpaarungsprogramm, um den Inzuchtgrad so gering wie möglich zu halten. Darüber hinaus wurde von einigen Stieren ein Samendepot in der Besamungsanstalt Telfs-Birkenberg angelegt.

Heute ist der Rinderzuchtverband Tirol die verantwortliche Organisation für die österreichweite Betreuung der Rasse und betreibt ein Generhaltungsprogramm der Tux-Zillertaler Rinder. Die Vereinigung der „Tux-Zillertaler Züchter Tirol“ ist heute Mitglied dieser Organisation. Oberstes Zuchtziel ist die Erhaltung der genetischen Vielfalt und die Erhaltung der typischen Eigenschaften und des Aussehens des Tux-Zillertaler Rindes.

Der Herdebuchbestand beläuft sich im Jahr 2009 österreichweit auf 1.650 Tiere in 240 Tux-Zillertaler Betriebe. Von den 800 Tux-Zillertaler-Kühen werden 75 % in der Mutterkuhhaltung und die restlichen 25 % als Milchvieh gehalten.

Die Rasse Tux-Zillertaler Rind gilt seit 1986 als hoch gefährdet und wird daher im ÖPUL 2007 des Agrarumweltprogramms gefördert.

Gebiet/ Region:

Das Zillertal ist das größte Seitental des Inntals in Tirol und wird vom Fluss Ziller durchflossen. Es ist umgeben von den stark vergletscherten Zillertaler Alpen im Süden und Osten, den niedrigeren Spitzen der Kitzbüheler Alpen im Osten und den Tuxer Alpen im Westen.
Es liegt im politischen Bezirk Schwaz auf 550 bis 3509 m Seehöhe und umfasst 25 Gemeinden, einschließlich der Gemeinde Tux.

Klima:
Das Zillertal hat klimatische Verhältnisse, die typisch für das Hochgebirge sind. Es ist charakterisiert durch Jahresniederschlagsmengen von etwa 975 mm. Im Frühling und im Herbst können starke Föhnwinde auftreten und im Winter eine Inversion der Temperatur. Warme Föhnwinde sorgen für ein schnelles Abtrocknen von Böden und Pflanzen. Starke Tag/Nacht-Temperaturdifferenzen lassen kräftige und gesunde Pflanzen wachsen.

Bodenbeschaffenheit:
Leicht schottrige und sandige Böden erlauben eine gute Durchlüftung und Erwärmung der Böden sowie eine leichte Bodenbearbeitung.
Boden und Klima schaffen optimale Bedingungen für die Viehwirtschaft.

Lebensraum:
Die Almen im Zillertal liegen zwischen 1200 und 2500 m Seehöhe. Die Bergflora ist das Ergebnis von lokalen Boden- und Klimabedingungen und durch eine Vielfalt an alpinen Pflanzen, wie Alpenaster (Aster alpinus), Alpenleinkraut (Linaria alpina), Arnika, Enzian und Trollblume (Trollius sp) gekennzeichnet. Diese spezielle Artenvielfalt an Gräsern und Kräutern im Grünfutter und das daraus erzeugte Heu liefern die Basis für den einzigartigen Geschmack für Milch und Fleisch vom Tux-Zillertaler Rind.

Außer in Tirol werden Tux-Zillertaler Rinder auch in den österreichischen Bundesländern Vorarlberg, Salzburg, Kärnten, Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich und Wien sowie vereinzelt in der Schweiz, in Südtirol und Deutschland gezüchtet.

Tux-Zillertaler Rind:

Tux-Zillertaler Rind ist eine bodenständige Rasse aus dem Tiroler Zillertal und ist ein Überbegriff der beiden verwandten Schläge Tuxer und Zillertaler, die sich bis auf die Farbe kaum voneinander unterscheiden und daher als eine Rasse angesehen werden. Im Volksmund wird die Rasse Tux-Zillertaler Rind auch nur als „Tuxer“ bezeichnet.

Tux-Zillertaler ist ein Doppelnutzungsrind. Es wird für die Erzeugung von Milch (Milchviehhaltung) und Fleisch (Mutterkuhhaltung) gezüchtet.

Rassenbeschreibung:
Tux-Zillertaler Rind ist ein mittelrahmiges, gut bemuskeltes, schwarz (Tuxerschlag) oder rotbraun (Zillertalerschlag) gefärbtes Rind mit einer Weißfärbung in der Kreuzgegend, auch „Feder(l)“ genannt, sowie am Unterbauch bzw. Euter, auf der Unterbrust und an der Schwanzspitze.
Das Flotzmaul ist mit einem braunen Ring umgeben.
Die Hornspitzen und Klauen sind dunkel.

Die Widerristhöhe beträgt zwischen 125 und 130 cm, das Gewicht liegt zwischen 550 und 650 kg bei Kühen und bis zu 1100 kg bei den Stieren.

Eigenschaften:
Tux-Zillertaler ist fitnessstark und leistungsbereit.
Zu den Eigenschaften der Tux-Zillertaler Rinder zählen weiters Widerstandsfähigkeit bzw. Krankheitsresistenz, Vitalität, Kampflust, Winterhärte, Trittsicherheit und Marschtauglichkeit, Genügsamkeit, Langlebigkeit, einfache Geburten sowie Klauenhärte, Berggängigkeit und gute Mastfähigkeit.
Es sind selbstbewusste, zuweilen auch aggressive, aber zugleich auch wieder ruhige und freundliche Tiere. Sie sind robust, sehr anpassungsfähig und anspruchslos, was Klima und Boden betrifft.

Aufgrund der guten Futterverwertung erbringen Tux-Zillertaler auch bei kargsten Fütterungs- und Witterungsverhältnissen ihre Leistung und übertreffen in der Weidetauglichkeit alle anderen Rassen. Sie sind daher besonders für die Haltung in alpinen Regionen bzw. Berggebieten geeignet.

Die durchschnittliche Milchleistung beträgt jährlich 4.500 kg mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß.

Erzeugungsverfahren:

Zucht/Mast:
Die Tiere haben an mindestens 90 Tagen im Jahr die Möglichkeit zur freien Bewegung (Weide, Alpe, Laufstall – je nach Betrieb).
Die Alpung bringt tägliche Zunahmen von 800 bis 1.000 g, wodurch ausgezeichnete Fleischqualität vom Rind geliefert wird.

Eine Tux-Zillertaler Kuh kalbt einmal jährlich. Die erste Abkalbung erfolgt zwischen 28 und 32 Monaten.

Die Tiere werden sowohl künstlich als auch natürlich besamt. Derzeit stehen vom Rinderzuchtverband Tirol 14 Stiere aus fünf Blutlinien im Rahmen der künstlichen Besamung den Züchtern zur Verfügung. Im Natursprung werden ca. 20 Stiere jährlich eingesetzt.
Rund 2/3 der Kühe werden künstlich, der Rest wird natürlich besamt.

Fütterung:
Die Futterbasis im Sommer bildet eine Vielfalt an Gräsern und aromatischen Almkräutern, die dem Fleisch den unverkennbaren Geschmack verleihen. Eine Zufütterung von selbst erzeugtem sowie aus Österreich zugekauftem Getreide aller Art ist erlaubt. Kraftfutter wird in der Regel nicht eingesetzt. Ausnahme bildet das Markenfleischprogramm „Tiroler Jahrling“ (= Fleisch aus unterschiedlichen Rassen, mitunter eben auch Tux-Zillertaler). Im Winter wird den Tieren selbst erzeugtes Heu von den Bauern sowie Getreideschrotmischungen aus Weizen, Gerste etc. verfüttert.

Transport und Schlachtung:
Im Rahmen des Markenfleischprogrammes Jahrling werden zwischen 10 und 11 Monate alte Tiere bei einem Schlachtkörpergewicht zwischen 185 und 190 kg geschlachtet.

Die Tiere werden aufgrund der kleinstrukturierten Bauernhöfe von den Bauern meist selbst zum regionalen Schlachtbetrieb gebracht. Sie werden in regionalen EU-Schlachthöfen, bei Metzgern oder Ab-Hof bzw. in zugelassenen Hofschlachtstätten geschlachtet, zerlegt und verarbeitet.
Durchschnittlich werden pro Jahr 400 bis 500 Tiere geschlachtet, davon rund 40 bis 50 für das Markenfleischprogramm „Tiroler Jahrling“.

Kurze Transportwege garantieren eine stressfreie Schlachtung und damit die höchste Fleischqualität.

Nach der Schlachtung werden die Schlachtkörper durch Veterinäre offiziell tieräztlich kontrolliert und nach EUROP-Klassifizierung beurteilt. Danach wird das Fleisch auf 2 bis 4 °C in den Kühlräumen der Fleischer gekühlt und frisch verarbeitet.

Fleischbeschreibung:
Tux-Zillertaler Rinder liefern eine ausgezeichnete Fleischqualität mit besonderer Feinfasrigkeit und ausgeprägter Marmorierung.

Im Volksmund hieß es früher, dass das Tux-Zillertaler „kein Fett macht“, was bedeutet, dass es bei dieser Rasse keine Verfettung gibt. Das Fett wird intramuskulär eingelagert, sodass das Fleisch besonders saftig ist.

Tux-Zillertaler Rinder erreichen die Fleischklassen „R“, „U“ oder „E“ mit einer Fettabdeckung von 2 bis 3.

Ursprungsnachweis:

Tux-Zillertaler ist identifiziert durch offizielle Ohrmarken, gemäß der österreichischen Tierkennzeichnungs- und Registrierungsverordnung 2007, und ist in einer Datenbank registriert.

Qualitätskontrolle:
Im Rahmen des Generhaltungsprogramms „Tux-Zillertaler“, initiiert und durchgeführt vom Rinderzuchtverband Tirol, erfolgen DNA-Analysen, Exterieurbegutachtung, Stierkörung, Herdebuchführung und Prämienabwicklung.

Tux-Zillertaler Rinder sind im Herdebuch registriert und im EDV-System des Rinderdatenverbunds gespeichert. Seit 1997 ist das Herdebuch geschlossen, damit Tiere nur mehr dann aufgenommen werden können, wenn eine korrekte Abstammungsprüfung vorliegt zur Vermeidung von Inzucht und zur Förderung der Weiterentwicklung der Rasse.

Für die Abstammungsprüfung erfolgen verpflichtende DNA-Blutuntersuchungen der aufzunehmenden Tiere. Im Programm werden nur Tiere aufgenommen, wenn die Eltern schon erfasst sind und die Abstammungsüberprüfung korrekt ist.

Jedes Tier muss nach dem äußeren Erscheinungsbild begutachtet werden. Entspricht es nicht den Anforderungen in Farbe und Typ, werden die Tiere vom Programm ausgeschlossen.

Milchleistungskontrollen erfolgen monatlich, Fleischleistungskontrollen zweimal jährlich (Frühjahr und Herbst), welche von den Landeskontrollverbänden durchgeführt werden.

Vermarktung:

Die Vermarktung erfolgt überwiegend ab Hof, über das Markenfleischprogramm „Tiroler Jahrling“, aber auch über den regionalen Lebensmitteleinzelhandel und die Gastronomie. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit der Vermarktung oder des Ankaufs von lebenden Tieren über die Tierbörse des Rinderzuchtverbands Tirol.

Zusammenhang mit dem geografischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Besondere Boden- und Klimaverhältnisse im Zillertal bedingen eine lokale Flora, die eine extensive Haltung von genetisch hoch gefährdeten Tux-Zillertaler Rindern auf alpinen Weiden ermöglicht.
  • Das Tux-Zillertaler Rindist optimal an die regionalen Klimaverhältnisse in Tirol angepasst.
  • Starker Bezug zur Region: die Rinder grasen Gräser und Kräuter und werden mit Getreide und Heu gefüttert, das in der Region bzw. in Österreich erzeugt wird.
  • Diese Haltungsweise erzeugt Rindfleisch mit charakteristischen Merkmalen bezüglich Zusammensetzung und Marmorierung. Das Fleisch besitzt ein einzigartiges Aroma und einen einzigartigen Geschmack, welche in direkter Beziehung zur aufgenommenen lokalen Flora steht.
  • Die Aufzucht und Produktion des Tux-Zillertaler Rinders ist das Ergebnis Traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wird: Wissen und Erfahrung der Tierhalter (Anpassung der Haltung der Herde an die Gegebenheiten der Umwelt, Know-how der Hirten, Verbesserung des Erbguts) und das Know-how der Schlachter (Tiertransport, Erfahrung bei Schlachtung, Zerlegung, Fleischreifung).

Verwertung:

Tux-Zillertaler-Fleisch und Milch wird frisch oder verarbeitet angeboten.

Die Produkte sind ganzjährig verfügbar.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Speisen, Traditionelles Wissen, Region, Österreich, Tirol, Zillertal, Tux-Zillertaler Rind

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 29.04.2010.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Ing. Christian Moser
Rinderzuchtverband Tirol
Zuchtleiter Holstein, Jersey, Generhaltung, Fleischrinder
Öffentlichkeitsarbeit, Homepage
Rinderdatenverbund, EDV
Zuchtprogramm
Telefon: (+43) 059292–1843
e-mail: christian.moser@rinder.lk-tirol.at

Autoren

Daniela Trenker M.A. Mag. Eva Sommer

Veröffentlicht am 04.09.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)