Waldviertler Weiderind

Die Aufzucht von Waldviertler Weiderind ist das Ergebnis Traditionellen Wissens um die Zucht und extensive Viehhaltung über Jahrhunderte hinweg im Waldviertel, Niederösterreich.

Registernummer: 114

Offenlegungsdatum

Im 19. Jahrhundert gab es im Waldviertel eine Blondviehrasse, die als Gföhler oder Zwettler Schlag, gelegentlich auch als Waldvieh oder Waldviertler bezeichnet wurde.

Titel

Waldviertler Weiderind

Kurzdarstellung oder Behauptung

Die Aufzucht von Waldviertler Weiderind ist das Ergebnis Traditionellen Wissens um die Zucht und extensive Viehhaltung über Jahrhunderte hinweg im Waldviertel, Niederösterreich.
Das Fleisch des Waldviertler Weiderindes zeichnet sich durch seine feinfaserige Struktur und der gleichmäßigen Fetteinlagerung aus. Geschmack und Aroma hängen direkt mit der regionalen Vegetation zusammen.
Das Waldviertler Weiderind muss mindestens 200 Tage auf den Weideflächen der Region verbringen und trägt so wesentlich zur nachhaltigen Aufrechterhaltung der derzeitigen Landschaft in der Region bei.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Rindfleisch, Frischfleisch

Name der Region

Waldviertel, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Verein Genuss Region Waldviertler Weiderind
Obmann DI Georg Strasser

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Verein Genuss Region Waldviertler Weiderind bestehend aus derzeit 12 Bauern (davon 8 Bio-Bauern), 1 Fleischhauer und 7 Gastronomiebetriebe sowie ca. 20 weitere Weidebauern aus der Umgebung

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Im Zuge der Sesshaftwerdung der Menschen in der Frühzeit gewann die Haltung von Haustieren zunehmend an Bedeutung, da diese die Menschen zunehmend von der Jagd unabhängig machten, denn die Haustiere lieferten Fleisch, Fett, Milch und Eier.
Zu den wichtigsten Haustieren gehörte immer schon das Rind. Der Auerochse oder „Ur“ gilt als Stammvater unserer Hausrinder.

Das Entstehen der ersten bäuerlichen Siedlungen im östlichen Teil des Waldviertels geht auf den Beginn der Jungsteinzeit zurück.

In der späteren Bronzezeit wurde das Hochland des Waldviertels besiedelt und womöglich bereits zur Weidewirtschaft genutzt.

Im 7. Jahrhundert nach Christus begann die gezielte Weidewirtschaft und wurde in Folge weiterentwickelt.

Im Mittelalter, spätestens an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, führte der steigende Bedarf an Grund und Boden zur Entstehung von ganzjährig bewohnten Siedlungen in höheren Gebieten.

Im 19. Jahrhundert gab es im Waldviertel eine Blondviehrasse, die als Gföhler oder Zwettler Schlag, gelegentlich auch als Waldvieh oder Waldviertler, bezeichnet wurde. Das Verbreitungsgebiet reichte vom Süden des Waldviertels bis zur Donau, im Norden bis nach Böhmen und Mähren.

1933 wurde der „Zuchtverband für Waldviertler Blondvieh“ gegründet.
Als die benötigte Zahl von Stieren dieser Rasse nicht aufgebracht werden konnte, wurden zwischen 1938 und 1945 in der Region die Rinderrassen Frankenvieh und Glan-Donnersberger eingeführt.
Es war jedoch keine Verdrängungskreuzung geplant. Man hielt am Gedanken der Reinzucht weiterhin fest und bemühte sich um eine Verbesserung der Rasse Waldviertler Blondvieh.
Einer Rassenzählung von 1954 zufolge, war das Waldviertel dann ein nahezu reines Blondviehgebiet.

Noch im Jahr 1958 schreibt Wilhelm Müller (Geschäftsführer der „Zentralen Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter“- ZAR) in „Die Rinderzucht in Österreich“, dass sich im Waldviertel neben dem Waldviertler Blondvieh wegen des rauen Klimas und der mäßigen Futtergrundlage keine andere Rasse durchsetzten konnte. Dennoch konnte das Waldviertler Blondvieh dem leistungsmäßig überlegenen Fleckvieh nicht standhalten. Das Blondvieh wurde in klimatisch ungünstigere Gegenden mit dem ärmsten Boden zurückgedrängt und die Zahl der Tiere ging 1960 rasch zurück.

Im Jahre 1963 stellte der Blondviehzuchtverband auf die Rasse Fleckvieh um, da die Nachfrage am Markt nach Blondvieh geringer wurde. Folglich war die Rasse beinahe vom Aussterben bedroht.

1966 wurde der Verband „Waldviertler Fleckviehzüchter“ gegründet und im Jahr 2000 durch eine Fusion mit dem Verband „NÖ Rinderzüchter“ in „NÖ Genetik Rinderzuchtverband“ umbenannt.

Im Jahr 2008 wurde der Verein „Genuss Region Waldviertler Weiderind“ gegründet mit dem Ziel das Leitprodukt Waldviertler Weiderind in der Region zu steigern und die Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Verarbeitern und Wirten zu fördern.

Gebiet/Region:

Das Waldviertel leitet seinen Namen vom Waldreichtum ab. Es liegt in der nördwestlichen Region im österreichischen Bundesland Niederösterreich und umfasst die politischen Bezirke Gmünd, Horn, Krems, Krems-Land, Waidhofen/Thaya, Zwettl sowie Teile der politischen Bezirke Hollabrunn und Melk.
Das Waldviertel ist begrenzt im Süden durch die Donau, im Südwesten durch Oberösterreich, im Nordosten und im Norden durch Tschechien, und im Osten durch den Manhartsberg.
Waldviertler Weiderind wird in der gesamten Region des Waldviertels produziert.

Klima und Bodenbeschaffenheit:
Das Waldviertel hat kontinentales Klima, typisch für das Mittelgebirge. Die Sommer sind warm mit wenig heißen Tagen und kühlen Nächten, die Winter sind relativ kalt mit wenig Schneefall.
Die Jahresniederschlagsmenge beträgt etwa 500 bis 800 mm, mit Maximum im Sommer. Die Vegetationsperiode ist kurz.
Geologisch ist das Waldviertel eine Gebirgslandschaft die sich aus Graniten und Gneisen mit Höhen bis zu 1.000 m zusammensetzt.
Es ist Teil des Böhmischen Massivs und ist charakterisiert durch leichte, sandige Böden, Braunböden-Podsolböden, Braunböden und Semipodsole.

Lebensraum:
Das Waldviertel ist durchzogen mit Wiesen, Ackerflächen und Wäldern. Eher kleine Wirtschaftsflächen und kleine bäuerliche Höfe, die ihre Wiesen rund um den Bauernhof haben, kennzeichnen das Gebiet.

Die Weideflächen des Waldviertler Weiderindes liegen auf einer Seehöhe zwischen 450 und 800 m und befinden sich meist in Hanglagen, wodurch sich eine maschinelle Bewirtschaftung schwierig gestaltet.
Die Viehhaltung auf diesen steilen Weiden sichert somit die Bewirtschaftung der Flächen und verhindert das Aufkommen von Sträuchern und Wäldern und leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der derzeitigen Landschaft.

Die Bergflora ist durch die Boden- und Klimaverhältnisse bedingt und gekennzeichnet durch eine Vielfalt an Pflanzen.
Die spezielle Artenvielfalt an Gräsern und Kräutern im Grünfutter und das daraus erzeugte Heu liefern die Basis für den einzigartigen Geschmack des Waldviertler Weiderindes.

Waldviertler Weiderind:

In Zusammenhang mit der GENUSS REGION Waldviertler Weiderind handelt es sich um Rinder mehrerer  Rassen wie Waldviertler Blondvieh, Fleckvieh, die Fleischrassen Charolais, Blonde d’Aquatain, Limousin, Schottisches Hochlandrind sowie Fleckvieh-Gebrauchskreuzungen (Fleckvieh x Fleischrasse).
Waldviertler Weiderind umfasst Weideochsen, Weidestiere und Weidekalbinnen.

Erzeugungsverfahren:

Zucht/Mast:
Waldviertler Weiderind wird ausschließlich in der Region Waldviertel geboren und aufgezogen.
Die Erziehungsart der Zuchtherde ist typisch für die Region.
Waldviertler Weiderinder müssen mindestens 200 Tage ihres Lebens auf der Weide verbringen.
Die durchschnittliche Weidefläche beträgt in etwa 7 bis 8 ha pro Betrieb.
Rund 850 Weiderinder werden in den Betrieben, die der GENUSS REGION beigetreten sind, gehalten.
Rund 75 % der Waldviertler Weiderinder werden nach biologischen Richtlinien produziert.
Rinder werden ausschließlich in der Region Waldviertel geboren und überwiegend in ein und demselben Betrieb aufgezogen.
Der Zukauf von Kälbern oder Einstellern (Jungrind zwischen 6 bis 9 Monate) innerhalb der Region ist möglich, wird aber kaum getätigt.

Die Haltung der Tiere muss in einem Weidetagebuch dokumentiert werden. Festgehalten werden unter anderem die Weidetage/Woche, die durchschnittliche Zufütterung pro Tag und die durchschnittliche Weidefläche pro Tier und Tag.

Um die Tiere vor Hitze, Unwetter oder Insekten zu schützen, ist ein entsprechender Stall oder andere Unterstandmöglichkeiten auf den Weiden vorhanden.

Während des Winters werden die Tiere in Laufställen oder in Gruppen- oder Einzelbuchten gehalten, in denen die Tiere genug Platz haben sich frei zu bewegen und niederzulegen.

In Bio-Betrieben ist die Anbindehaltung grundsätzlich verboten.

Der Großteil der Muttertiere wird samt Kalb in Gruppen gehalten, wenige Muttertiere werden samt Kalb einzeln gehalten.
In der Regel werden über 8 Wochen alte Kälber in Gruppen gehalten, in Bio-Betrieben ab dem 8. Lebenstag.
Die Besamung der Waldviertler Weiderinder erfolgt sowohl künstlich als auch natürlich.

Die Stierkälber werden im Alter von 2 bis 6 Monaten, entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen, kastriert.

Fütterung:
Im Sommer bildet die Futterbasis eine Vielfalt an Gräsern und aromatischen Hochlandkräutern, die dem Fleisch den unverkennbaren Geschmack verleihen.
Eine Zufütterung mit hofeigenem oder zugekauftem Silagefutter oder Getreideschrot (Weizen, Gerste, Hafer, Triticale) aus der Region Waldviertel ist möglich.
Bis zu einem Alter von 10 Monaten dürfen max. 2,5 kg und danach 5 kg pro Tag an Heu und Silagefutter zugefüttert werden. Als Kraftfutter ist ausschließlich Getreideschrot erlaubt.
Im Winter werden die Rinder mit Heu und auch mit Gras- und Maissilage gefüttert.
Alle Futtermittel, die zugefüttert werden, dürfen nur innerhalb der Region Waldviertel zugekauft werden.
Während der 2-monatigen Ausmast wird der Schrotanteil etwas erhöht.
Zusätze, wie Antibiotika, Masthilfsmittel, Farbstoffe und genverändertes Getreide, sind verboten.

Transport und Schlachtung:
Die Rinder werden zwischen 16 und 24 Monate (Hochlandrinder zwischen 20 und 30 Monate) und einem Lebendgewicht zwischen 500 und 700 kg geschlachtet, was einem Schlachtkörpergewicht zwischen 250 und 400 kg entspricht.

Waldviertler Weiderinder werden ausschließlich in einem EU-zertifizierten Schlachthof in der Gemeinde Ruprechtshofen im Mostviertel geschlachtet.
Durchschnittlich werden pro Jahr rund 25 Tiere geschlachtet. Dabei handelt es sich vorwiegend um Ochsen und Kälbinnen, teilweise um Stiere.

Die Anlieferung zum Schlachthof erfolgt durch einen Zwischenhändler aus der Gemeinde Münichreith (Waldviertel).
Kurze Transportwege garantieren eine stressfreie Schlachtung und damit die höchste Fleischqualität.

Nach der Schlachtung werden die Schlachtkörper durch Veterinäre offiziell tierärztlich untersucht und nach EUROP-Klassifizierung beurteilt.
Nachdem der Schlachter das Fleisch zu einer Fleischerei in der Gemeinde Ybbs (Mostviertel) geliefert hat, wird es im Kühl- und Reifungsraum dieser Fleischerei bei 4 °C gekühlt und 10 Tage lang gereift. Danach wird das Fleisch ausschließlich in der Fleischerei zerlegt, verarbeitet und verpackt.

Fleischbeschreibung:
Das Waldviertler Weiderind ist von besonders hoher Qualität. Die Rinder wachsen auf der Weide langsam heran, wodurch sich ein feinfaseriges Fleisch mit gleichmäßiger Fetteinlagerung bildet. Während der 10-tägigen Reifung lockert sich das Bindegewebe und Aromastoffe werden entwickelt. Der Reifeprozess dient auch dazu das feinfaserige, zart marmorierte Rindfleisch besonders zart und mürbe zu machen.
Waldviertler Weiderind-Fleisch erreicht die Fleischklassen „E“, „U“ und „R“. Bezüglich des Fettgehalts erreicht das Fleisch Fettklasse 2 und 3 der EUROP-Klassifizierung. Fettklasse 3 entspricht einem optimal gemästeten Ochsen.

Qualitätskontrolle:
Die Einhaltung der Produktions- und Qualitätskriterien wird durch eine regelmäßige Eigenkontrolle der Landwirte und Gastronomiewirte überprüft.
Derzeit befindet sich ein internes Qualitätsmanagement im Aufbau. In Zukunft soll nicht nur eine Eigenkontrolle, sondern auch eine externe Kontrolle durch unabhängige Kontrollstellen durchgeführt werden.

Vermarktung:

Die Vermarktung erfolgt über den Verein Genuss Region Waldviertler Weiderind und über die BIO AUSTRIA.
Das Waldviertler Weiderind ist über die Fleischerei in Ybbs, im Lebensmitteleinzelhandel und in der Gastronomie sowohl im Waldviertel als auch im Mostviertel erhältlich.

Ursprungsnachweis:

Die Rinder werden, gemäß der österreichischen Tierkennzeichnungs- und Registrierungverordnung 2007, mit offiziellen Marken (Ohrmarken) gekennzeichnet und registriert.
Die Rückverfolgbarkeit der Tiere und der Betriebe von der Verkaufsstelle zum Aufzuchtbetrieb wird durch das „bos“-Kennzeichnungssystem der AMA (Agrarmarkt Austria) gesichert.

Zusammenhang zwischen dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen

  • Besondere Boden- und Klimaverhältnisse ermöglichen in der Region Waldviertel eine extensive Freilandhaltung von Waldviertler Weiderind.
  • Waldviertler Weiderind umfasst mehrere Rinderrassen, darunter auch das optimal an die Klimaverhältnisse in der Region angepasste Blondvieh.
  • Traditionelle, charakteristische Haltungssysteme: Extensivhaltung der Herden auf Weiden und Nutzung der Weiden während der Vegetationszeit.
  • Dank dieser Weidehaltung kann Rindfleisch mit charakteristischer Zusammensetzung und Marmorierung erzeugt werden. Das Fleisch besitzt einen einzigartigen Geschmack und ein einzigartiges Aroma, die in direkter Beziehung zur aufgenommenen lokalen Flora stehen und je nach Rasse variieren.
  • Die Aufzucht von Waldviertler Weiderind ist das Ergebnis Traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wird: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Tierhaltung (Anpassung der Haltung der Herde an die Gegebenheiten der Umwelt, historische Auswahl von Lokalrassen, Know-How der Hirten, Art der Rindfleischproduktion, Verbesserung des Erbguts), Know-How der Schlachter (Tiertransport, Erfahrung bei Schlachtung und Fleischreifung) und die Erfahrung der Fleischhauer (Erfahrung bei Zerlegung und Verarbeitung).

Verwertung:

Waldviertler Weiderind wird als Frischfleisch oder verarbeitet das ganze Jahr über angeboten.
Besonders bekannt sind Weidewürstel, Oxenmaise und die Dauerwurst „Weideoxerl“.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Region, Niederösterreich, Waldviertel, Weiderind, Rind, Waldviertler Weiderind, Waldviertler Blondvieh, Fleckvieh, Charolais, Blonde Aquatain, Limousin, Schottisches Hochlandrind

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 24.03.2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Verein Genussregion Waldviertler Weiderind
DI Georg Strasser
Obmann
Mostviertelplatz 1
3362 Ohling
Telefon: 0664/3506454
E-mail: georg.strasser@noechling.gv.at
Homepage: http://www.weiderind.at/

Autoren

Daniela Trenker M.A., Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 04.09.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)