Tullnerfelder Schwein

Die Aufzucht des Tullnerfelder Schweines ist das Ergebnis Traditionellen Wissens um die Zucht und Viehhaltung im Gebiet Tullnerfeld, Niederösterreich.

Registernummer: 131

Offenlegungsdatum

Herstellung von Schinken aus Schweinefleisch in der Region Tullnerfeld vermutlich bereits im ersten Jahrhundert nach Christus.

Titel

Tullnerfelder Schwein

Kurzdarstellung oder Behauptung

Die Aufzucht des Tullnerfelder Schweines ist das Ergebnis Traditionellen Wissens um die Zucht und Viehhaltung im Gebiet Tullnerfeld, Niederösterreich.
Die Zuchtherde besteht aus Muttertieren der Rassen Edelschwein, Landschwein oder Duroc sowie aus der Vaterlinie der Rasse Pietrain, die im Tullnerfeld geboren und aufgezogen werden.
Diese Kreuzungen gewährleisten Schweinefleisch mit einem optimalen Verhältnis von Magerfleisch zu Speckauflage.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Schweinefleisch, Frischfleisch

Name der Region

Tullnerfeld, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Thomas Mattes
Niederösterreichische Rinderbörse

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Rund 65 Bauern der Region

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Schweine sind eines der ältesten Nutztiere in der Landwirtschaft. Ca. im 8. Jahrtausend vor Christus wurden die Schweine unabhängig voneinander in verschiedenen Gebieten Asiens domestiziert, von wo sie nach Europa kamen.

Die Schweinehaltung hat in der Region um die Stadt Tulln seit Generationen Tradition.

Im 1. bis 4. Jahrhundert nach Christus befand sich dort das römische Siedlungsgebiet Comagena.
Das Kastell Comagena bei Tulln war lange Zeit die Garnison einer Reiter- und einer Flotteneinheit. Die Besiedlung des Gebietes durch die Römer ab dem ersten Jahrhundert nach Christus lässt die Haltung von Schweinen und den Verzehr von Schweinefleisch in der Region vermuten.

Bis ins 18. Jahrhundert mussten die Schweine ihr Futter in den Wäldern suchen und bekamen nur Hausabfälle. Die Schweine sahen Wildschweinen ähnlich.

Verbesserungen in der Landwirtschaft führten zu höheren Erträgen und folglich zu einer besseren Fütterung der Tiere. Zusätzlich begann die gezielte Rassenzucht in England. Der globale Handel brachte Rassen von Asien und anderen Ländern nach Europa. 1770 führte die Kreuzung von einheimischen Schweinen mit asiatischen und neapolitanischen Züchtungen zur ersten modernen Schweinerasse, die den Namen Leicester erhielt.

Seit Gründung des VÖS (Verband Österreichischer Schweinebauern) im Jahr 1984 beteiligen sich die Tullnerfelder Schweinebauern am Österreichischen Zuchtprogramm ÖHYB.

Die Bezeichnung „Tullnerfelder Schwein“ wurde 2006/2007 im Auftrag der Fa. Berger Fleischwaren geschaffen.

Gebiet/ Region:

Das Tullnerfeld liegt in Niederrösterreich im Südteil des Tullner Beckens, beiderseits der Donau. Es erstreckt sich zwischen der Wachau (Krems) im Norden und der Wiener Pforte (Korneuburg) im Osten bzw. zwischen dem Nordrand vom Wienerwald und Alpenvorland und dem Wagram.

Landschaftsbild:
Das Tullnerfeld ist 48 km lang und bis zu 14 km breit. Es wird durch den Kleinen Wagram, einer ca. 2 bis 3 m hohen Geländestufe, die im westlichen Teil gut ausgeprägt ist, geteilt. Im östlichen Tullnerfeld ist diese Geländestufe verwaschen und kaum sichtbar.

Klima und Bodenverhältnisse:
Im Tullnerfeld berühren sich das mitteleuropäisch-ozeanische und das pannonisch-kontinentale Klima. Das Temperatur-Jahresmittel beträgt 9,5 °C, der Jahresniederschlag 610 mm.

Die Böden im Tullnerfeld sind sehr vielfältig, von sandigen Schotterstreifen über tiefgründige Lössböden bis zu schweren Aurohböden. Auf den ausgedehnten fruchtbaren Terrassenflächen wird intensive Landwirtschaft (Weizen, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben) betrieben.

Tullnerfelder Schwein:

Schweine werden in zwei unterschiedlichen Betriebsformen gehalten.
Es existieren Betriebe, in denen die Ferkel im Betrieb geboren und aufgezogen werden (sog. geschlossene Betriebe).
Andere Betriebe kaufen Ferkel aus Österreich zu und mästen diese in ihrem Betrieb (sog. Mastbetriebe). Ferkel aus dem Ausland dürfen nicht gemästet werden.

Die Zuchtherde besteht aus Muttertieren der Rassen Edelschwein, Landschwein oder Duroc sowie aus der Vaterlinie der Rasse Pietrain, die im Tullnerfeld geboren und aufgezogen werden.

Erzeugungsverfahren:
Rund 65 Landwirte aus der Region erzeugen das Tullnerfelder Schwein.
Das Tullnerfelder Schwein wird ganzjährig in geschlossenen Ställen gehalten.

Zucht/Mast:
Jungsauen werden mit ca. 220 Tagen erstmals gedeckt. Nach dem ersten Wurf werden die Sauen wieder belegt.
Der durchschnittliche Wurf liegt bei etwa 10 Ferkeln welche 28 Tage lang von der Mutter gesäugt werden.

Zusätzlich wird den Ferkeln eine hochverdauliche Spezialnahrung (Prästarter) zur freien Entnahme angeboten.

Nach 28 Tagen werden die Ferkel vom Muttertier abgesetzt.

Nach der Aufzucht der Schweine, das heißt wenn sie ein Lebendgewicht von 8 bis 30 kg erreicht haben, werden sie bis zu einem Lebendgewicht von ca. 110 kg gemästet.

Die Schweine werden mit Maiskornsilage, Getreideschrot, welches vorwiegend von den betriebseigenen Ackerflächen stammt, sowie Sojaschrot und Mineralstoffergänzung gemästet.
Die vorbeugende Gabe von Antibiotika ist nicht erlaubt.

Transport und Schlachtung:
Jährlich werden rund 40.000 bis 50.000 Tullnerfelder Schweine geschlachtet. Die Schlachtung erfolgt bei 4 regionalen EU-Schlachthöfen.
Die Transportwege zu den Schlachthöfen werden möglichst kurz gehalten um Stress zu vermeiden und damit eine optimale Fleischqualität gewährleisten zu können.

Das Tullnerfelder Schwein wird im Alter von 28 bis 30 Wochen bei einem Lebendgewicht von rund 110 kg geschlachtet. Das Schlachtgewicht beträgt rund 90 kg.

Die Schlachtkörper werden nach der Schlachtung in einem Kühlraum am Schlachthof gekühlt und anschließend im Zerlegbereich des jeweiligen Schlachthofes zerlegt.

Lebende Schweine und Schweinehälften werden von Veterinären aufgrund gesetzlicher Bestimmungen kontrolliert.

Fleisch und Schlachtkörperbeschreibung:
Das Fleisch stammt ausschließlich von Schweinen, welche in Österreich geboren und in der Region Tullnerfeld gemästet werden.
Die Kreuzung der Rassen Edelschwein- Landrasse- Pietren oder Landrasse- Duroc- Pietren (sog. Dreirassenkreuzung) gewährleistet Schweinefleisch mit einem optimalen Verhältnis von Magerfleisch zu Speckauflage.

Ursprungsnachweis:
Die Schweine werden, gemäß der österreichischen Tierkennzeichnungs- und Registrierungsverordnung 2007, mit offiziellen Marken (Ohrmarken) gekennzeichnet und registriert.

Der Ursprung des Tullnerfelder Schweins ist im Handel eindeutig nachvollziehbar.
Mittels eines sus-Lieferschein (sus = freiwilliges Schweinefleischkennzeichnungssystem der Agrarmarkt Austria Marketing), ist eine eindeutige Rückverfolgbarkeit gegeben.

Vermarktung:

Die Vermarktung der Tullnerfelder Schweine erfolgt über Direktvermarktung (Ab-Hof), über die Gastronomie sowie über die Fa. Berger direkt bzw. über Großhandel und Lebensmitteleinzelhandel.

Das Tullnerfelder Schwein ist ganzjährig verfügbar.

Qualitätskontrolle:

Das Fleisch vom Tullnerfelder Schwein entspricht den Handelsklassen S und E nach der SEUROP-Klassifizierung.

Die Etikettierung bei der Grobzerlegung sowie die Etikettierung und der korrekte Zuschnitt bei der Feinzerlegung unterliegen strengen Kontrollen.
Der Klassifizierungsdienst kennzeichnet jede Schlachthälfte viermal mit einem eigenen Stempel.

Vakuumverpacktes Fleisch enthält Informationen über Herkunft (Bauernhof), Schlachtdatum usw. auf einem beiliegenden Etikett.

Eine weitere Fleischkontrolle erfolgt durch die Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Ernährung der Schweine mit Maiskornsilage und Getreideschrot, welches vorwiegend von den betriebseigenen Ackerflächen stammt, sowie traditionelles Haltungssystem in geschlossenen Ställen. Diese Haltungsweise erzeugt Schweinefleisch mit einem optimalen Verhältnis von Magerfleisch zu Speckauflage.
  • Die Aufzucht und Produktion des Tullnerfelder Schweines ist das Ergebnis Traditionellen Wissens, das von den Partnern im Sektor weitergegeben wird: Wissen und Erfahrung der Schweinehalter (Anpassung der Haltung der Herde an die Gegebenheiten der Umwelt), Know-how der Züchter, Know-how der Schlachter (Tiertransport, Erfahrung bei Schlachtung, Zerlegung, Fleischreifung) sowie der Weiterverarbeiter.

Verwertung:

Neben dem Verkauf von Frischfleisch verarbeiten die Abhofvermarkter das Tullnerfelder Schwein zu Wurstwaren, Schweineschmalz, Grammeln, Geselchtes u.a.
Als besondere Spezialitäten gelten die Tullnerfelder Kaiserblunzn sowie der Fragnerschinken (geräucherter Luftgetrockneter Schinken, gereift in einer Kräutermischung basierend auf Majoran, Thymian und speziellen heimischen Wiesenkräutern).

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Niederösterreich, Region, Tullnerfeld, Tullnerfelder Schwein

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 24. Februar 2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Ing. Anton Fischelmaier
Fa. Gut Streitdorf, 2004 Streitdorf, Streitdorf 40
Telefon: 0664/4431313
Fax: 02269/2501-40
E-Mail: a.fischelmaier@gutstreitdorf.at

Ing. Franz Rauscher
Obmann des Tierhaltungsausschusses BBK Tullnerfeld
Eggendorf 15
3454 Sitzenberg-Reidling
Telefon: 0664/4450927
E-Mail: rauscherfarm@aon.at

Autoren

Mag. Eva Sommer, Mag. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 07.09.2017, Abteilung II/8 - Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung