Eferdinger Landl Gemüse

Anbau von mehr als 70 verschiedenen Gemüsearten in der Region Eferdinger Landl.

Registernummer: 96

Offenlegungsdatum

Aus dem 13. Jahrhundert erste Hinweise auf Gemüsebau in der Region Eferdinger Landl in Aufzeichnungen von Klöstern und Herrschaften im heutigen Oberösterreich.

Titel

Eferdinger Landl Gemüse

Kurzdarstellung oder Behauptung

Anbau von mehr als 70 verschiedenen Gemüsearten in der Region Eferdinger Landl.
Die regionale Gemüseproduktion leistet einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Aufrechterhaltung der Landschaft sowie zur Erhaltung kleiner bäuerlicher Familienbetriebe.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Gemüse

Name der Region

Eferdinger Landl, Oberösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Ing. Stefan Hamedinger
Verein Eferdinger GemüseLust

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Rund 150 bäuerliche Familienbetriebe im Bezirk Eferding, Oberösterreich

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Erste Hinweise auf den Gemüseanbau in der Region Eferdinger Landl finden sich bereits in den Aufzeichnungen von Klöstern und Herrschaften aus dem 13. Jahrhundert im heutigen Oberösterreich. Dort ist festgehalten, wie viel Gemüse die Bauern der Region den Grundherren abliefern mussten.

In Aufzeichnungen aus dem 17. Jahrhundert wird der Anbau von „Umurken“ (Gurken) und „Caruil“ (Karfiol) erwähnt.
Der erste Erdäpfelanbau wird im Jahr 1774 erwähnt. Lange Zeit waren Kraut und Erdäpfel die vorherrschenden Gemüsesorten.

Auch Rote Rüben, Kohlrabi, Endivien, Vogerlsalat, Kürbisse und Fisolen waren bereits bekannt.
Der Bezirk Eferding war schon sehr früh ein Handels- und Handwerkszentrum. Die Nähe des Eferdinger Beckens zu den Städten Linz und Wels sowie die allgemein verkehrsgünstige Lage des Eferdinger Beckens bildeten die Grundlagen für die rasche Entwicklung des Gemüseanbaus und Gemüsehandels.

Bis ins 20. Jahrhundert wurden große Lieferungen an Gemüse mit Flößen auf verschiedenen Seitenarmen der Donau bis nach Linz (Hauptstadt des Bundeslandes Oberösterreich) transportiert.
Marktfahrer verwendeten spezielle Schiffe (sogenannte Plätten), um das Gemüse flußabwärts nach Linz zu bringen. Sobald die Ware verkauft war, gingen die Marktfahrer zu Fuß zurück, während die Plätten an Schiffe gebunden und von Pferden wieder stromaufwärts heimgezogen wurden.

Die Gründung der Eferdinger Gartenbaugesellschaft durch regionale Gemüsebauern im Jahr 1941 führte zu einer großflächige Erweiterung der Gemüseanbauflächen in der Region.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gemüseangebot um Chinakohl, Endivien, Sellerie, Spinat und Karotten erweitert.

Anfang der 1950er Jahre begann die Eferdinger Gartenbaugesellschaft mit der Konservierung von Gemüse.

1976 wurde aus der Eferdinger Gartenbaugenossenschaft die „Efko Frischfrucht und Delikatessen GesmbH“ gegründet.

Im Jahr 2002 schlossen sich 31 Bauern zur Erzeugergemeinschaft "Eferdinger Landl-Erdäpfel" zusammen.

2004 haben sich ausgewählte Gemüsebauern, -händler und Wirte zusammengeschlossen und den Verein „Eferdinger GemüseLust“ gegründet.

2004 wurde die Bezeichnung „Eferdinger GemüseLust - Das Vergnügen der Vielfalt“ als Wortbildmarke registriert.

Das Eferdinger Landl ist heute das Zentrum des oberösterreichischen Gemüseanbaues.

Gebiet/ Region:

Das Eferdinger Becken in Oberösterreich ist eine etwa 188,5 ha große, flache Landschaft, die beidseits der Donau liegt.

Die Region Eferdinger Landl ist dem Südlichen Eferdinger Becken gleichzusetzen und liegt auf einer Seehöhe zwischen 256 bis 380 m. Es umfasst die Gemeinden Alkoven, Fraham, Hinzenbach, St. Marienkirchen-Polsenz, Aschach a. D., Hailbach o. d. D., Prambachkirchen, Scharten, Eferding, Hartkirchen, Pupping and Stroheim.

Das südliche Eferdinger Becken liegt zwischen 256 bis 280 m hoch und zählt zu den wichtigsten Gemüseanbauregionen Österreichs. Die Gemeinden Eferding, Pupping und Hinzenbach weisen einen Anteil von bis zu 18 % der landwirtschaftlichen Nutzflächen für Gemüseanbau auf.

Boden- und Klimaverhältnisse:

Im südlichen Eferdinger Becken sind Niederterrasse mit sandigen und lehmigen Schotter vorherrschend. Die schweren Böden werden sowohl als Ackerland als auch als Grünland genutzt. Heute wird auf einer Fläche von ca. 1.000 ha Gemüse angebaut, davon werden etwa 12 % unter biologischen Richtlinien erzeugt.

Das Eferdinger Landl gehört zu den trockensten und wärmsten Gebieten Oberösterreichs. Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur beträgt 8,5 °C, die jährliche Niederschlagsmenge 800 mm. Die mittlere Tagestemperatur überschreitet an 226 Tagen 5 °C, an 165 Tagen zeigt das Thermometer durchschnittliche Tageswerte über 10 °C an. Im Durchschnitt stehen 30 Eistage und 65 Frostwechseltage einer frostfreien Zeit von insgesamt 196 Tagen gegenüber.

Eferdinger Landl Gemüse:

Es werden mehr als 70 verschiedene Gemüsearten kultiviert mit Schwerpunkten auf  Kohlgemüse, Salaten, Gurkengewächsen und Wurzelgemüsearten.
Die oberösterreichischen Gemüsebauern sind marktführend in Österreich beim Anbau von Kraut, Broccoli, Kopf- und Eissalat, Feld- und Einlegegurken, Roten Rüben und Bierrettich.
Die jährliche Ertragsmenge an Eferdinger Landl Gemüse beträgt rund 82.300 t, davon stammen 9.870 t aus biologischem Anbau.

Methode der Produktion:

Die Durchschnittsgröße der Gartenbaubetriebe beträgt 5,3 ha. Im Vergleich zu den europäischen Hauptgemüseländern wie Holland oder Italien handelt es sich um kleine Betriebe. Der Freilandanbau überwiegt (98 %). Es werden zunehmend Wärmevliese und flexible Flachfolien als Frostschutz verwendet, wodurch eine frühere Ernte möglich ist.

Das Gemüsewird nach den Vorgaben der Integrierten Produktion (IP) erzeugt, unter Berücksichtigung eines schonenden Umgangs mit dem Boden und eines minimierte Einsatzes ausschließlich umweltverträglicher Pflanzenschutzmittel.

Saatgut:

Zur Erzeugung von Eferdinger Landl Gemüse werden ausschließlich zertifizierte, gentechnikfreie Samen verwendet.

Boden und Düngung:

Eferdinger Landl Gemüse wird ausschließlich auf Flächen kultiviert, die in einer Ackerschlagkartei eines Landwirts verzeichnet sind.
Der intensive Gemüseanbau stellt hohe Anforderungen an den Boden. Die optimale Versorgung mit Nährstoffen ist Voraussetzung für eine optimale Qualität.
Im Rahmen der Integrierten Produktion werden daher regelmäßige Bodenuntersuchungen durchgeführt: Phosphor- und Kalium-Gehalte werden zweimal, Stickstoff-Gehalte einmal jährlich überprüft.
Die Düngung unterliegt den Anforderungen des Österreichischen Programms zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL). Die Düngegaben sind in der Ackerschlagkartei zu dokumentieren.

Fruchtfolge:

Eine Fruchtfolge ist notwendig und ist abhängig von der jeweiligen Gemüseart.

Pflanzenschutzmaßnahmen:

Pflanzenschutzmaßnahmen werden nur bei Erreichen von definierten Schadschwellen eingesetzt. Es werden nur jene Pflanzenschutzmittel verwendet, die nach Richtlinien der Integrieren Produktion (IP) erlaubt sind. Die Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln sind in der Ackerschlagkartei schriftlich zu dokumentieren.

Bewässerung:

Die Bewässerung des Gemüses erfolgt im Rahmen der  „Wassergenossenschaft Eferdinger Becken“ (gegründet 2006). Falls eine Bewässerung notwendig ist, wird Wasser mit Trinkwasserqualität über ein Netz von Wasserleitungen von Brunnen zu den Feldern gepumpt.

Ernte und Lagerung:

Haupterntezeit ist von Mitte Mai bis Oktober.
Nach der Ernte werden die jeweiligen Gemüsesorten ihren Ansprüchen entsprechend in geeigneten Kühlhäusern gelagert.

Weiterverarbeitung:

Ca. 65 % der gesamten Gemüseproduktion wird als Frischgemüse verkauft. Die übrigen 35 % werden von oberösterreichischen Verarbeitungsbetrieben (Efko, Machland, Seeburger und Elfin) zu Sauergemüse weiterverarbeitet.

Verpackung:

Die Verpackung von Frischgemüse findet durch die jeweiligen Produzenten selbst statt.

Ursprungsnachweis:

Eferdinger Landl Gemüse muss entlang der Lebensmittelkette rückverfolgbar sein. Zu diesem Zweck führen Landwirte verpflichtend Aufzeichnungen über die verwendeten Felder und Gemüsesorten und über das Ernten der unterschiedlichen Sorten.

Die regionalen Verpackungsbetriebe verzeichnen den Lieferanten, die Gemüseart, die Gemüsesorte, die Gemüsemenge und das Lieferdatum.

Im Lebensmitteleinzelhandel ist das Eferdinger Landl Gemüse mit dem Namen des landwirtschaftlichen Erzeugers gekennzeichnet, wodurch es für den Konsumenten möglich ist das Produkt bis zum Produzenten zurück zu verfolgen.

Qualität:

Eferdinger Landl Gemüse entspricht im Lebensmittelhandel der Qualitätsklasse I.

Qualitätskontrolle:

Die Produktion von Eferdinger Landl Gemüse unterliegt den Bestimmungen des ÖPUL und den Bestimmungen des AMA (Agrarmarkt Austria) Gütesiegels für Gemüse.
Beide Kontrollen erfolgen durch akkreditierte Kontrollstellen.
AMA Gütesiegel entspricht den Kriterien von GlobalGAP für Landwirte in Österreich.
Zertifizierte Abpacker, Verarbeiter und Händler wenden den International Food Standard (IFS) an.

Vermarktung:

Gemüse aus dem Eferdinger Landl ist sortenabhängig ganzjährig verfügbar.
Das Gemüsewird über den Lebensmitteleinzelhandel, Lebensmittelgroßhandel, die Gastronomie, Großküchen, direkt ab-Hof und über Wochen- und Bauernmärkte unter der Marke „GemüseLust“ vermarktet.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen

  • Sandige und fruchtbare Böden und das günstige Klima in der Region liefern optimale Bedingungen für den Anbau von Feldgemüse.
  • Intensiver Geschmack, sortentypischer Duft und kräftige, natürliche Farben sind das Ergebnis optimaler Boden-, Wasser- und Klimabedingungen.
  • Die Erzeugung von Eferdinger Landl Gemüse ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wird: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Gemüsebauern (Anpassung der Produktionsmethode an die Gegebenheiten der Umwelt, Auswahl der Sorten, Ernteverfahren und Lagerungstechniken) und der Erfahrung der Einzelverkäufer in der Vermarktung und der Verarbeiter (Sauergemüse).

Verwertung:

Eferdinger Landl Gemüse wird entweder als Frischgemüse verwendet oder zu Sauergemüse weiterverarbeitet.

Schutz:

Wortbildmarke „Eferdinger GemüseLust-Das Vergnügen der Vielfalt“ (Österreichisches Patentamt Register Nr. 217951, 17.06.2004)

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Oberösterreich, region, Eferding, Eferdinger Landl, Eferdinger Becken, Gemüse, Kohlgemüse, Salate, Gurkengewächse, Wurzelgemüse, Eferdinger Landl Gemüse

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 3. November 2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Verein Eferdinger GemüseLust
Gabriele Wild-Obermayr / Ing. Stefan Hamedinger
Linzer Straße 4
4070 Eferding
Telefon:0043 50/6902/3532
Homepage: www.gemueselust.at

Autoren

Mag. Doris Reinthaler, Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 16.10.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)