Retzer Land Kürbis

Traditioneller Anbau von Speise-, Öl- und Zierkürbissen in der Region Retzer Land.

Registernummer: 122

Offenlegungsdatum

Der Bezirk Hollabrunn war schon vor 6.000 Jahren mit Bauern besiedelt, die in Flechtwerkhäusern lebten und Ackerbau und Viehzucht betrieben.
Sie kultivierten unter anderem Weizen, Gerste, Hirse, Linsen, Pferdebohnen, Erbsen und Möhren.
Im Retzer Land werden seit etwa 1980 Kürbisse auch wirtschaftlich genutzt.

Titel

Retzer Land Kürbis

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditioneller Anbau von Speise-, Öl- und Zierkürbissen in der Region Retzer Land.
Die Früchte reifen bedingt durch das spezielle Klima etwas langsamer als in anderen Regionen. Dadurch sind diese nicht nur besonders lange haltbar, sondern zeichnen sich auch durch ein intensives Aroma aus.
Retzer Land Kürbis wird als Frischgemüse sowie in verarbeiteter Form als Kürbiskerne, Kürbisöl, Kürbiskrautsalat, Kürbiskompott u.a. angeboten.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Kürbis, Gemüse

Name der Region

Retzer Land, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Retzer Land – Regionale Vermarktungs GmbH
Christine Raab

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Keine Angabe

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Kürbisanbau allgemein:

Kürbisse zählen zum ältesten Gemüse der Welt. Schon vor mehr als 10.000 Jahren gab es in Mittel- und Südamerika Kürbisse. Die ältesten Funde des Ölkürbis (Cucurbita pepo L.) stammen aus dem Süden Mexikos und können um 10.700 bis 9.200 vor Christus datiert werden.

Ende des 15. Jahrhundert nach der Entdeckung Amerikas, kam der Kürbis auch nach Europa, wo er eine rasche Verbreitung fand. Der Kürbis wurde vorwiegend als Viehfutter verwendet und hatte den Ruf eines „Arme-Leute-Essens“. Da das Fruchtfleisch der Wildkürbisse bitter schmeckte und leicht verderblich war, wurden vor allem die gut lagerfähigen öl- und eiweißreichen Samen der Kürbisse verzehrt.

Kürbisanbau in Österreich:

Die ersten gesicherten Hinweise für den Kürbisanbau in Österreich stammen aus dem Jahre 1735 (Steiermark). Zwar wurde das Fruchtfleisch als Gemüse (Kürbiskraut) verwendet, der weitaus größere Teil jedoch fand als Viehfutter Verwendung. Der Feldkürbis wurde traditionell in Mischkultur als Zwischenfrucht in den Weingärten oder gemeinsam mit Kartoffeln, Mais oder Rüben auf den Feldern angebaut. Der Kürbisanbau spielte in Österreich vor allem in den wärmebegünstigten Lagen Ostösterreichs wie Niederösterreich, Burgenland und Steiermark eine Rolle.

Gemüseanbau im Bezirk Hollabrunn:

Der Bezirk Hollabrunn war schon vor 6.000 Jahren mit Bauern besiedelt, die in Flechtwerkhäusern lebten und Ackerbau und Viehzucht betrieben.
Sie kultivierten unter anderem Weizen, Gerste, Hirse, Linsen, Pferdebohnen, Erbsen und Möhren.

Im Mittelalter wurden in der Region Linsen, Bohnen, Erbsen, Kraut, Mohn, Flachs und Safran angebaut. Der Großanbau von Zuckerrübe, Raps und der Znaimer Exportgurke hat erst viel später an Bedeutung gewonnen.

Kürbisse werden im Retzer Land seit etwa 1980 wirtschaftlich genutzt.

Seit 1993 findet im Retzer Land Ende Oktober alljährlich das Kürbisfest statt.

Früher hatte der Kürbis das Image eines „Arme-Leute-Essens“. Heute hat er längst Einzug in die Spitzengastronomie und in die Alltagsküche der Österreicher und Österreicherinnen genommen.

Gebiet/Region:

Das Weinviertel ist eine sanfte Hügellandschaft und liegt im Nordosten des Bundeslandes Niederösterreich.

Der Name „Weinviertel“ ist seit etwa einem Jahrhundert gebräuchlich.

Das Retzer Land ist begrenzt im Norden durch die Laaer Ebene und im Süden durch das Tullner Feld. Die höchste Erhebung bildet der Manhartsberg mit 537 m Höhe, der den Grenzstein für das Waldviertel (Viertel ober dem Manhartsberg) und das Weinviertel (Viertel unter dem Manhartsberg) bildet. Er ist die im Süden und Osten liegende Flanke des Granitmassivs des Granit- und Gneisplateaus, dem österreichischen Anteil an der Böhmischen Masse, und reicht von der Thaya bis zum Wagram. Der Manhartsberg ist teilweise mit tertiären Schichten (Sanden) überlagert und setzt sich im mährischen Gebiet bis in die Gegend von Znaim fort.
Das Retzer Land wird von den Flüssen Pulkau, Thaya, Schmida und Göllerbach durchflossen.
Die Landschaft ist geprägt von einer sanften Hügellandschaft, idyllischen Weingärten, einzigartigen Kellergassen, Burgen und Schlössern und Österreichs jüngsten Nationalpark Thayatal.

Boden- und Klimaverhältnisse:

Die Böden des Retzer Landes bestehen aus Löss, Ton, Sand oder Urgestein und bilden ideale Bedingungen für den Kürbisanbau.

Das Klima in den Weinviertler Gemeinden des Retzer Landes ist gekennzeichnet durch heiße Sommer und kalte Winter und insgesamt sehr wenig Niederschlägen.

Das Retzer Land gehört zu den trockensten Gebieten Österreichs. Die mittleren Jahressummen der Niederschläge betragen nur 500 bis 600 mm.

Die Region zeichnet sich durch ihre vielen Sonnenstunden (1.708 pro Jahr) aus.

Etwa 100 Landwirte produzieren auf einer Fläche von 500 ha in der Region Retzer Land Kürbisse. Davon sind etwa ein Drittel Bio-Bauern, die zusammen 32 % der Anbauflächen bewirtschaften. Aufgrund der steigenden Nachfrage vergrößern sich die Anbauflächen kontinuierlich.

Retzer Land Kürbis:

Kürbisse (Cucurbita) bilden eine Pflanzengattung aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae).
Im Volksmund wird der Kürbis auch liebevoll „Bluza“ genannt.

Kürbissorten:

In der Region Retzer Land werden Speise-, Öl- und Zierkürbisse kultiviert, wobei Ölkürbisse den Hauptanteil ausmachen. Insgesamt werden 600 verschiedene Sorten produziert. Zu den bedeutendsten Sorten zählen „Retzer Gold“ sowie die steirische Sorte „Gleisdorfer Ölkürbis“.

Anbau:

Beim Feldanbau von Kürbissen unterscheidet man zwei Kulturverfahren: die Direktsaat und die Pflanzung vorgezogener Kürbisse. In der  Region wird hauptsächlich das Verfahren der Direktsaat betrieben.

Retzer Land Kürbisse werden im Freiland angebaut. Als Vorkulturen dienen diverse Getreidesorten (z.B. Roggen, Weizen). Vor der Aussaat Ende April/Anfang Mai werden die Böden entsprechend dem Ackerbau bearbeitet.

Beim Anbau ist Fruchtwechsel mit Nicht-Kürbisgewächsen einzuhalten. Im Retzer Land findet ein vierjähriger Fruchtwechsel statt. Als Vorfrüchte werden unter anderem Winterweizen, Gerste und Roggen angebaut.

Kürbisse kommen mit wenig Wasser aus, weshalb die Pflanzen nicht künstlich bewässert werden.
Als Düngemittel werden hauptsächlich hofeigener Wirtschaftsdünger und Kompost eingesetzt.
Unkraut wird maschinell, oft auch händisch bekämpft.
Schädlingsbekämpfungsmitteln kommen nicht zum Einsatz.

Die Früchte reifen bedingt durch das spezielle Klima etwas langsamer als in anderen Regionen. Dadurch sind die Kürbisse nicht nur besonders lange haltbar, sondern zeichnen sich auch durch ein intensives Aroma aus.

Ernte, Lagerung und Verarbeitung:

Geerntet wird je nach Sorte ab Mitte September bis Oktober. Die Ernte erfolgt maschinell.
Die jährlichen Erntemengen betragen 3.500 bis 4.000 Kürbisse pro ha bzw. 400 bis 700 kg trockene Kerne pro ha.

Von den Retzer Land Kürbissen sind vor allem die Kerne von Interesse. Noch auf dem Feld werden die Kürbisse in der Erntemaschine aufgebrochen und die Kerne herausgelöst. Die Schalen verbleiben auf den Feldern und werden in den Boden eingeackert.
Die Kerne werden mit Hilfe einer Putz- und Bürstmaschine gewaschen und in Gemeinschaftstrockenanlagen bei etwa 60 °C getrocknet. Anschließen erfolgt eine drei- bis viermonatige Lagerung bei 12 °C bei den jeweiligen Landwirten.

Ganze Kürbisse werden nach der Ernte gewaschen und gelangen direkt in den Verkauf.

Retzer Land Kürbisse werden hauptsächlich von Steirischen Ölmühlen und Direktvermarktern verarbeitet und verpackt.

Ernährung:

Kürbisse enthalten große Mengen an ß-Carotin, einer Vorstufe des Vitamin A, und sind außerdem reich an Vitamin E, C und Folsäure sowie Kalium. Das Gemüse liefert auch geringe Mengen an Eisen, Calcium und Magnesium.
Ein weiterer Vorteil ist sein geringer Energiewert. So liefern etwa 100 Gramm gebackener Winterkürbis nur 32 Kalorien.
Als „Wellness-Genuss“ werden Kürbiskerne vermarktet.

Vermarktung:

Die Kürbissaison beginnt etwa ab Ende Mai. Die kulinarische „Hochsaison“ beginnt mit Ende August, wo Hokkaido- und Muskatkürbisse reifen. Der Kürbis ist auch über die Kürbissaison hinaus fest im Speiseplan der Bevölkerung verankert und findet sich in den Menükarten der Gastronomie.

Retzer Land Kürbis wird direkt, über die Gastronomie sowie den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet.

Ende Oktober findet am Wochenende vor Allerheiligen im Retzer Land das alljährliche Kürbisfest statt, das zu den bedeutendsten Großereignissen Niederösterreichs im Spätherbst zählt. An drei Tagen dreht sich in der Region alles um den Kürbis. Es werden kulinarische Spezialitäten der Region und Köstlichkeiten rund um den Kürbis angeboten. Tausend ausgehöhlte, leuchtende Kürbisse in Fenstern, auf Zäunen und an Straßenrändern bilden einen stimmungsvollen Rahmen zu diesem Fest. In der Zeit rund um das Kürbisfest sind in der ganzen Region zahlreiche originelle Figuren zu sehen, die aus Kürbissen gefertigt wurden.

Qualitätskontrolle:

Die Betriebe wirtschaften nach den Richtlinien der Integrierten Produktion (IP) sowie den biologischen Richtlinien der jeweiligen Kontrollstellen.

Die Betriebe werden regelmäßig durch die Agrarmarkt Austria (AMA) sowie den jeweiligen Bio-Kontrollstellen kontrolliert.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Pannonisches Klima und Böden aus Löss, Ton, Sand oder Urgestein bilden ideale Voraussetzungen für den Anbau von Kürbissen.
  • Das intensive Aroma und der intensive Geschmack sind das Ergebnis optimaler Boden-, Wasser- und Klimabedingungen in der Region Retzer Land.
  • Traditionelles Wissen und Erfahrung der Gemüsebauern (Anpassung an die Gegebenheiten der Umwelt, Auswahl von Sorten, Know-how des Ernteoptimums und der Vermarktung).

Verwertung:

Retzer Land Kürbis wird als Frischgemüse (im Ganzen, geschält und geschnitten) sowie in verarbeiteter Form als Kürbiskerne, Kürbisöl, Kürbiskrautsalat, Kürbiskompott u.a. angeboten.

In der Gastronomie ist der Retzer Land Kürbis als Suppe, Salat, Gulasch, in gebackener Version oder als süßes Kürbiskipferl anzutreffen.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Niederösterreich, Region, Retzer Land, Gemüse, Kürbis, Retzer Land Kürbis

Bibliographie / Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 19. Mai 2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Retzer Land – Regionale Vermarktungs GmbH
Christine Raab
Althofgasse 14
2070 Retz
Telefon: 02942/20010-14
E-mai: c.raab@retzer-land.at

Autoren

Mag. Doris Reinthaler, Mag. Eva Somemr, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 23.10.2017, Abteilung II/8 - Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung