Sauwald Erdäpfel

Seit Jahrhunderten Produktion von Erdäpfeln in bäuerlichen Kleinbetrieben in der Region Sauwald, Oberösterreich.

Registernummer: 85

Offenlegungsdatum

Erste Erwähnung der Erdäpfel 1789 im Zehentregister der Pfarre Kopfing, Region Sauwald.

Titel

Sauwald Erdäpfel

Kurzdarstellung oder Behauptung

Seit Jahrhunderten Produktion von Erdäpfeln in bäuerlichen Kleinbetrieben in der Region Sauwald, Oberösterreich.
Spezifische Boden und Klimabedingungen, ausgewählte Erdapfelsorten und spezielle Produktionsmethoden ergeben Erdäpfel von hoher Qualität und hervorragender Geschmack.
Produktion, Lagerung und Verarbeitung erfolgt in der Region.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Kartoffel, Erdapfel, Gemüse

Name der Region

Sauwald, Oberösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Eduard Paminger Sauwalderdäpfel KEG

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

11 Bauern in der Region Sauwald

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Die Kartoffel entstammt dem Gebiet der Anden und wurde vermutlich vor etwa 7000 Jahren zuerst in Peru kultiviert. 1536 brachte der Eroberer Pizarro die Erdäpfel von Südamerika nach Spanien, von wo sie über ganz Europa verbreitet wurden.

Es wird angenommen, dass um 1620 Mönche im Garten des Klosters Seitenstetten (Mostviertel, Niederösterreich) erstmals Kartoffeln anbauten.

Kaiserin Maria Theresia (1740 bis 1780) förderte den Anbau von Kartoffeln.
Die verstärkte Akzeptanz von Erdäpfeln als Nahrungsmittel zeigte sich im sogenannten „Kartoffelkrieg“ (1778 bis 1779), wo Preußische und Österreichische Truppen die Erdäpfel der Feinde ausgruben, um den Feinden die Nahrungszufuhr vorzuenthalten.

Kartoffeln kamen in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in die Region Sauwald. Dies wird im Zehentregister der Pfarre Kopfing erstmals 1789 dokumentiert.

Mitte des 19. Jahrhundert zerstörte die Kraut- und Knollenfäule, verursacht durch Phytophthora infestans, einen Großteil des Erdäpfelanbaus. 1874 wurde der Kartoffelkäfer zur größten Pest in der europäischen Kartoffelproduktion. Diese zwei Katastrophen führten jedoch zur Züchtung widerstandsfähiger Sorten und zur Verbesserung von Pflanzenschutz und Pflegetechniken.

Die Erdäpfel und Erdäpfelbauern (mundartlich „Wallner“) finden außerdem im sogenannten „Innviertler Gstanzl“ (österreichische Liedform) Erwähnung.
Das Gstanzl wurde vom k.k. Postmeister Georg Würdinger 1910 erstmals dokumentiert, wobei aber anzunehmen ist, dass es bereits wesentlich älter ist.
Die Bezeichnung „Wallner“ geht auf das Wort „Wald“ zurück und bezeichnete die Bewohner der Region Sauwald.

Von 1948 bis 1978 wurden, aufgrund des geringen Schädlingsdrucks in der Region, vorwiegend Erdäpfel-Saatgut produziert.

1990 wurde zum Zweck der Qualitätssicherung und des Marketings der Sauwald Erdäpfel die „Eduard Paminger Sauwalderdäpfel KEG“ mit Sitz in St. Aegidi gegründet.
1994 wurde die KEG in die „Sauwalderdäpfel KEG“ umbenannt.

1991 wurde die Bezeichnung „Sauwald Erdäpfel“ als Wortbildmarke registriert.

Derzeit kooperieren 9 landwirtschaftliche Betriebe in Zusammenarbeit mit der Bezirksbauernkammer in der „Sauwalderdäpfel KEG“.
Die Gesellschaft produziert jährlich rund 1200 Tonnen Kartoffel.

Weiters produzieren in der Region zahlreiche kleinere Erdäpfelbauern und Biobetriebe Kartoffel, welche nicht der „Sauwalderdäpfel KEG“ angehören, die Vermarktung erfolgt jedoch über die Gesellschaft.

2000 wurde der Regionalverband Sauwald gegründet und  als LEADER+ Region mit 12 Mitgliedsgemeinden anerkannt.

Gebiet/Region:

Die Region Sauwald liegt südlich der Donau, im nördlichen Teil des Innviertels, Oberösterreich.
Die Region wird auch „Passauer Wald“ genannt, da die Region in der Vergangenheit schon immer eine enge Verbindung zur Diozöse Passau hatte.
Volksetymologisch wird der Name „Sauwald“ von Wildschweinen abgeleitet. Doch vermutlich rührt der Name vom Begriff „Passauer Wald“.

Im Zusammenhang mit Genuss Region umfasst die Region „Sauwald Erdäpfel“ 9 Gemeinden (Esternberg, Schardenberg, Münzkirchen, Vichtenstein, Engelhartszell, Kopfing, St. Aegidi, St. Roman und Waldkirchen).

Das Anbaugebiet der Sauwald Erdäpfel beträgt etwa 35 ha und liegt auf einer Seehöhe von etwa 600 m.

Boden- und Klimaverhältnisse:

Die Urgesteinsverwitterungsböden des Sauwaldes bieten eine optimale Grundlage für den Erdäpfelanbau.
Die leichten Böden sind, auf Grund der rauen Winter, frei von Schädlingen.

Der hohe Kaligehalt der Böden verleiht den Erdäpfeln einen besonderen Geschmack.

Das Klima ist subatlantisch. Die Winter sind rau, Sommer sind mild. Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 7 bis 8 °C.
Der jährliche Niederschlag liegt bei rund 1000 mm.

Sauwald Erdäpfel:

Sauwald Erdäpfel besitzen auf Grund der besonderen Bodenbeschaffenheit sowie der klimatischen Verhältnisse, spezifische Anbauverfahren von angepassten Sorten, optimale Reife bei der Ernte und spezielle Lagerungsbedingungen charakteristisches Aussehen und Geschmack.
Die besondere Bodenbeschaffenheit sowie die klimatischen Verhältnisse verringern die Gefahr des Auftretens von Kartoffelschädlingen und –krankheiten.

„Erdäpfel“ ist die in Österreich weit verbreitete Bezeichnung für „Kartoffel“.

Pflanzgut

Erdäpfel sind Knollen der mehrjährigen Pflanze Solanum tuberosum L. aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).

In der Region Sauwald werden Erdäpfelsorten angebaut, welche ohne chem. Unkrautbekämpfung und Keimhemmungsmittel produziert werden.
Die Sorten umfassen Linzer Delikatess, Colette, Red Lady, Evita, Princess, Goldsegen und Freya.
Bei den Sorten Princess, Red Lady und Freya stammt das Pflanzengut aus eigener Vermehrung.

Für den Anbau der Sauwald Erdäpfel darf ausschließlich ungebeiztes Saatgut verwendet werden.
Gentechnisch verändertes Saatgut darf nicht verwendet werden.

Boden und Düngung:

Sauwald Erdäpfel werden ausschließlich auf Flächen kultiviert, die in einer Ackerschlagkartei eines Landwirts verzeichnet sind. Dies sichert die Rückverfolgbarkeit bis zum Feld.

Die Böden für die Erdäpfelproduktion müssen eine optimale Nährstoffversorgung aufweisen.
Aus diesem Grunde müssen alle vier Jahre Bodenuntersuchungen von einem anerkannten Institut durchgeführt werden.

Für die Bodenfruchtbarkeit kann auch eine Begrünung über mehrere Monate durchgeführt werden. Weiters darf Stallmist, Müllkompost oder Gülle ausgebracht werden, die Verwendung von Klärschlamm ist verboten.

Überwiegend wird Wirtschaftsdünger, welcher ausschließlich vom eigenen Betrieb stammt, verwendet.
Weitere Düngemittel dürfen nur nach vorangegangener Bodenuntersuchung eingesetzt werden.

Fruchtfolgen:

Es muss eine Fruchtfolge eingehalten werden um die Vermehrung  kulturartenspezifischer Schädlinge und Krankheiten zu verhindern.
In Fruchtfolgen kommen neben Erdäpfeln Getreide (Gerste, Roggen Weizen, Hafer), Mais und Feldfutter (Kleegras) zum Einsatz.
Erdäpfel dürfen frühestens nach drei anderen Kulturen auf der gleichen Fläche angebaut werden.

Anbau:

Der Boden wird vor der Auspflanzung feinkrümelig aufbereitet. Die Saatknollen werden entsprechend konditioniert, damit sie rasch austreiben.
Der Anbau der Sauwald Erdäpfel erfolgt im Frühjahr, hauptsächlich Ende April bis Anfang Mai.

Das Ziehen der Reihen, das Ablegen der Knollen und das Zudecken mit Erde erfolgt ausschließlich in einem Arbeitsgang. Der Abstand von einem Damm zum anderen beträgt etwa 75 cm.
Je nach Sorte werden 48.000 bis 52.000 Pflanzenstellen pro ha angelegt.
Dies erbringt Erträge von rund 30 Tonnen pro ha.

Pflanzenschutzmaßnahmen:

Für Sauwald Erdäpfel sind die Vorgaben des Österreichischen Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL) einzuhalten.
Pflanzenschutzmittel dürfen nur auf Basis der aktuellen IP–Liste (Integrierte Produktion) verwendet werden. Unkraut wird mechanisch entfernt; chemische Unkrautvernichter sind verboten.

Bewässerung

Die Sauwald Erdäpfel werden nicht künstlich bewässert.

Ernte, Verlesung und Lagerung:

Sauwald Erdäpfel werden ausschließlich in der Region Sauwald geerntet, sortiert und gelagert.

Damit wird eine Vermischung mit Erdäpfeln anderer Regionen vermieden und die Rückverfolgbarkeit der Ware gesichert.

Eine Vermischung der Erdäpfel innerhalb der Region ist ausgeschlossen direkt am Feld eine Beschriftung jeder Kiste mit Sorte und Name des Erzeugers erfolgt.

Die sortenreine Ernte erfolgt mit gemeinschaftlichen Erntemaschinen im Herbst (Haupternte im September) bei günstigen Witterungsbedingungen und Bodenverhältnissen, wenn die Knollen reif und schalenfest sind. Die Schonung der Knolle hat absolute Priorität bei der Ernte.

Sauwald Erdäpfel werden nicht gewaschen, sondern gebürstet und anschließend maschinell nach Größe verlesen.
Erdäpfel mit qualitativen Mängeln werden händisch aussortiert.

Die sorgfältige Lagerung der Erdäpfel erfolgt in völliger Dunkelheit und guter Belüftung in einem Gemeinschaftslager in der Gemeinde St. Aegidi. Die Lagerhalle besitzt eine einzigartige, computergesteuerte Porenlüftung.
Durch die Natur-Luft-Kühlung brauchen die Erdäpfel nicht chemisch gegen Auskeimung behandelt werden.

Ursprungsnachweis:

Der Ursprung von Sauwald Erdäpfel muss vom Feld bis zum Einzelhandel rückverfolgbar sein.
Dazu führt jeder Landwirt verpflichtend Aufzeichnungen auf welchen Flächen welche Kartoffelsorten angebaut wurden und wann sie sortenspezifisch geerntet wurden.

Regionale Verarbeitungs- oder Verpackungsbetriebe müssen die an sie angelieferten Kartoffeln mit Informationen über Lieferant, Sorte, Menge, Lieferdatum, Handelsklasse und Kocheigenschaft versehen.

Im Lebensmitteleinzelhandel ist die verpackte Ware mit Name und Adresse des landwirtschaftlichen Erzeugers gekennzeichnet und damit für den Konsumenten eindeutig bis zum Produzenten in der Region Sauwald Erdäpfel rückverfolgbar.

Qualität:

Sauwald Erdäpfel müssen im Lebensmitteleinzelhandel die Qualitätsklasse I gemäß der österreichischenVerordnung über Qualitätsklassen für Speisekartoffeln erfüllen.

Qualitätskontrolle

Sauwald Erdäpfel werden nach den ÖPUL-Vorgaben (Integrierten Produktion) und dem AMA-Gütesiegel Vorgaben produziert. Externe Kontrollen sichern das Einhalten der Richtlinien.

Das AMA Gütesiegel für Obst, Gemüse und Speisekartoffel ist durch den internationalen Qualitätssicherungstandard GLOBALGAP anerkannt.

Vermarktung:

Die Vermarktung von Sauwald Erdäpfel erfolgt überwiegend über die regionale Gastronomie in Oberösterreich sowie über den Handel.

Weiters werden rund 40 % über Direktvermarktung Ab-Hof oder auf Bauernmärkte verkauft.

Verpackt werden die Sauwald Erdäpfel zu 25 kg in Jute-Säcken für die Gastronomie und zu 10 kg Kartons für die Haushalte.

Für Vermarktungszwecke findet alle 2 Jahre ein großes Erdäpfelfest in der Region statt.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Luftige Urgesteinsverwitterungsböden sowie subatlantisch Klimaverhältnisse im Anbaugebiet ermöglichen optimalen Anbau von Erdäpfeln von höchster Qualität.
  • Sauwald Erdäpfel umfassen verschiedene Sorten, die sich über Jahrhunderte optimal an die lokalen Gegebenheiten angepasst haben.
  • Dank der Kulturart und besonderen geographischen Verhältnisse können Erdäpfel erzeugt werden, die hinsichtlich Geschmack Besonderes bieten.
  • Die Erzeugung von Sauwald Erdäpfel ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens, das an die in diesem Bereich Tätigen weitergegeben wurde: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Erdäpfelbauern (Auswahl der Sorten, Anbau-, Ernte und Lagermethoden) und der Erfahrung der Aufkäufer und Einzelverkäufer in der Vermarktung.

Verwertung:

Die Sauwald Erdäpfel finden sowohl als Beilage als auch als Haupt- und Mehlspeisen Verwendung.
Zu den traditionellen Gerichten zählen die Erdäpfelsuppe und das Sauwalderdäpfelschnitzel (Schnitzelfleisch in Erdäpfelmantel).

Schutz:

Wortbildmarke „Sauwald Erdäpfel“. (Österreichisches Patentamt Register Nr. 134 893, 23.02.1991)

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Obetrösterreich, Region, Sauwald, Gemüse, Erdäpfel, Kartoffel, Erdapfel, Sauwald Erdäpfel

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 17. Juli 2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Eduard Paminger
Sauwalderdäpfel KEG
Grübl 5
4725 St. Aegidi
Telefon: 07717-8000
Fax: 07717-7820
Homepage: www.sauwalderdaepfel.at

Autoren

Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 25.10.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)