Neusiedlersee Fisch

Traditionelle Fischzucht und Fischerei besonders von Aal, Karpfen, Zander und Hecht im Steppensee Neusiedlersee.

Registernummer: 82

Offenlegungsdatum

Die Fischerei im Neusiedlersee ist zumindest seit Mitte des 16. Jahrhunderts belegt.

Titel

Neusiedlersee Fisch

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionelle Fischzucht und Fischerei besonders von Aal, Karpfen, Zander und Hecht im Steppensee Neusiedlersee.
Die Fische wachsen unter natürlichen Bedingungen ohne den Zusatz von ergänzenden Futtermitteln auf.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Fische

Name der Region

Neusiedlersee, Burgenland

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Ca. 15 Berufsfischer

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Keine Angabe

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Der Neusiedlersee ist durch mehrere tektonische Einbrüche und Senkungen auf der Oberfläche jungtertiärer Sedimente zwischen 18.000 bis 14.000 vor Christus entstanden.

Die Stratigraphie zeigt, dass das Seebett seit der Entstehung zumindest 100 Mal völlig ausgetrocknet ist. In den vergangenen Jahrhunderten wurde das komplette Verschwinden des Sees zu bestimmten Zeitpunkten dokumentiert z.B. 1740 bis 1742, 1811 bis 1813. Zwischen 1865 bis 1871 verschwand der See bis auf einen schmalen Streifen.

Die Fischerei im Neusiedlersee ist zumindest seit Mitte des 16. Jahrhunderts belegt.
Früher befassten sich sogenannte „Seebauern“ mit der Fischerei und den Rohr- und Binsenschnitten. Für die meisten der am Seeufer lebenden Menschen war die Fischerei eine wichtige Quelle.

In der Vergangenheit waren die meisten Fischgewässer Eigentum des Adels und wurden von ihren Untertanen bewirtschaftet. Manchmal wurden Teiche und andere Gewässer auch verpachtet. So hatten z.B. die Gemeinden Illmitz, Apetlon und Martinhofen einen Wagen voll Fisch als Zins an die Herrschaft Esterházy in Eisenstadt zu liefern.
Einmal pro Woche gingen große Fischmengen nach Wien.

Die heutige Fischfauna ist das Resultat künstlicher Besatzung und Einwanderung von Fischen aus dem Fluss Wulka und über den sogenannten Einser-Kanal (künstlicher Abfluss).

Im 18. Jahrhundert wurde das Vorkommen von Zander im Neusiedlersee erwähnt.
Bis 1949 lebten nur Wildkarpfen im See. Danach begann der Besatz mit Spiegel-, Leder- und Schuppenkarpfen. 1958 wurden ca. 200.000 Aale in den See eingebracht.

Am Neusiedlersee wurden schon immer Reusen verwendet. Die traditionelle Reuse, die sogenannte „Gade“, wurde aus Schilf hergestellt und örtlich befestigt. 2003 wurde die Fischreusen durch Zug- und Stellnetze ersetzt.

Früher spielten Fisch und Fischgerichte nur in der Küche der adeligen und stadtbürgerlichen Gesellschaft des Burgenlandes eine wichtige Rolle. Fisch und Fischgerichte wurden kaum von Bauern gegessen oder in den Pfarrhofküchen verarbeitet. Anstelle von Fisch waren Mehlspeisen die hauptsächlichen Gerichte an Festtagen.

Gebiet/Region:

Der Neusiedlersee (ungarisch: Fertő tó) ist der zweitgrößte Steppensee in Zentraleuropa, der beiderseits der Österreich-Ungarischen Grenze liegt. Der See liegt im Nordburgenland, etwa 50 Kilometer von der Österreichischen Bundeshauptstadt Wien entfernt. Der See bedeckt etwa 315 km², davon 240 km² auf der österreichischen Seite. Er ist nicht mehr als 1,8 Meter tief. Der See wird nur durch einen künstlichen Abfluss (Einser-Kanal), der 1895 fertig gestellt wurde, entwässert.

Klima:

Der Neusiedlersee wird vom kontinental pannonischen Klima beeinflusst. Der See liegt in einer der heißesten und trockensten Regionen Österreichs. Die Sommer sind trocken und heiß, die Winter kalt und schneearm. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 10 °C, die jährliche Niederschlagsmenge nur 600 mm.

Lebensraum:

Das Wasser des Neusiedlersees ist durch eine geringe Salzkonzentration (ca. ein Zwanzigstel von Meerwasser) gekennzeichnet. Obwohl der See nur 1,8 m tief ist machen die zahlreichen suspendierenden Partikel das Wasser trüb und erschweren es dem Sonnenlicht den Seegrund zu erreichen. Eine Schilfzone umgibt den See und bedeckt mehr als ein Drittel der Seefläche. Die Schilfzone bietet den Fischen die besten Laichplätze.

Der Wasserstand des Sees schwankt sehr stark, abhängig von den Niederschlagsmengen und der Verdunstung im heißen Gebiet und den limitierten Wassermengen, die von den Flüssen Wulka, Wolfsbrunn und Angerbach und einigen unterirdischen Zuflüssen herbeigebracht werden. Das niedrige Wasservolumen des flachen Sees führt zu signifikanten temporären und jährlichen Schwankungen der Wassertemperatur. Im Sommer beträgt die Wassertemperatur etwa 22 °C mit Spitzen bis zu 30 °C.

Neusiedlersee Fisch:

Der Neusiedlersee beherbergt mehr als 30 Fischarten. Die größte Biodiversität der Fische herrscht in den Schilfzonen, die den See umgeben.
Die Hauptspeisefische sind Aal (Anguilla anguilla), Karpfen (Cyprinus carpio), Zander (Sander lucioperca), Hecht (Esox lucius) und Wels (Silurus glanis).
Andere im See lebende Fischarten sind: Stichling (Gasterosteida), Laube (Alburnus alburnus), Güster (Blicca bjoerkna) und Brachse (Abramis brama) und Kaulbarsch (Gymnocephalus cernuus), Giebel (Carassius gibelio), Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus), Bartgrundel (Nemacheilus barbatulus), Blaufelchen (Coregonus lavaretus), Karausche (Carassius carassius), Moderlieschen (Leucaspius delineatus), Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus), Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) und Schleie (Tinca tinca).

Der Aal wurde 1958 in den Neusiedlersee eingeführt, wurde aber als Laichräuber zu einem Problem. Heute werden Aale vor allem durch den Besatz mit Hechten, Welse, Karpfen und Schleien ersetzt. Es wird angenommen, dass Aale in zehn Jahren im Neusiedlersee selten sein werden.
Der Nicht-Besatz von Aalen resultiert jedoch in massiven Einkommensverlusten bei den Berufsfischern, welche nun nebenbei Restaurants, Landwirtschaften oder Winzereien betreiben.
Heute werden in etwa 50 Tonnen Fische produziert.

Fütterung:

Die Fische ernähren sich nur von natürlichen im See vorkommenden Organismen. Es werden keine zusätzlichen Futtermittel eingesetzt.  

Abfischen:

Die Fische werden hauptsächlich mit Zug- und Stellnetzen gefangen. Danach werden die Fische in Wasserbehältern und die Aale in Netzsäcken gehalten.
Die meisten Fische werden als Lebendfische verkauft, der Rest wird geschlachtet.

Schlachtung:

Die Fische werden in Schlachträumen, die den Hygieneanforderungen entsprechen müssen, geschlachtet. Danach werden die Fische gekühlt oder tiefgefroren.

Verarbeitung und Verpackung:

Die Fische werden zerteilt oder filetiert und verzehrsfertig gemacht.
Das Fleisch wird in Plastikhüllen oder in Vakuum verpackt.

Qualitätskontrolle:

Die Badewasserqualität des Neusiedler Sees wird vom Forschungsinstitut Biologische Station Neusiedlersee auf einer regelmäßigen Basis gemäß der EU-Richtlinie gem. 76/160/EWG kontrolliert.
Die Wasserqualität kann seit 1990 als mesotroph bis eutroph befunden werden.
Die Fische werden regelmäßig in den Fischbetrieben von Lebensmittelinspektoren hinsichtlich Keimgehalt und Schwermetalle kontrolliert.

Vermarktung:

Neusiedlersee Fisch ist das ganze Jahr über erhältlich.
Die Fische werden direkt, auf Märkten und über die lokale Gastronomie verkauft.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen

  • Besondere Boden-, Klima-, Wasserhaushalt- und Geländeverhältnissen in der Region Neusiedel bieten optimale Bedingungen für die Fischerei.
  • Die Produktion von Neusiedlersee Fische ist das Ergebnis Traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wird: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Fischer (Traditionelle Fangmethode mit Netzen, Lagerung und Transport), sowie der Schlachtung (Zerlegung) und der Weiterverarbeitung.

Verwertung:

Die Fische werden als Frischfische, küchenfertig, verarbeitet, tiefgefroren oder geräuchert angeboten. Regionale Delikatessen sind traditionell über lokalem Buchenholz warmgeräucherter Aal, Neusiedlersee Fischsuppe (Halaszlé), Hechtnockerln und Aal mit Tomaten.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

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Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 7. September.2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Neusiedlersee Fische
Herr Fritz Tösch
Untere Hauptstr. 59
7100 Neusiedl am See
Telefon: 02167/40222
E-Mail: landgasthaus@nyikospark.at

Autoren

Mag. Doris Reinthaler, Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 02.10.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)