Ybbstal Forelle

Traditionelle Zucht von Fischen aus der Familie Salmonidae (Bachforellen, Regenbogenforellen, Lachsforellen und Saiblinge) in künstlichen Teichen in der Region Ybbstal, Niederösterreich.

Registernummer: 75

Offenlegungsdatum

Mönche der Kartause Gaming legten Fischteiche „Kartäuserteiche“ bereits vor 400 Jahren an.

Titel

Ybbstal Forelle

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionelle Zucht von Fischen aus der Familie Salmonidae (Bachforellen, Regenbogenforellen, Lachsforellen und Saiblinge) in künstlichen Teichen in der Region Ybbstal, Niederösterreich.
Optimales Zusammenwirken von Boden, Klima, Wasserhaushalt und Gelände ermöglichen eine ökologisch orientierte extensive Zucht von Forellen mit Fleisch hoher Qualität.
Extensive Fischzucht in naturnahen Teichen trägt zur Bewahrung der Landschaft bei.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Forelle, Fisch

Name der Region

Ybbstal, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Keine Angabe

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Sieben Fischzüchter in der Region Ybbstal

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Die Geschichte des Fischfanges ist so alt wie die Geschichte der Menschheit. Das ist durch fossile Fischreste, die zusammen mit den Gebeinen der Vorzeitmenschen gefunden wurden, bewiesen.

Die Zucht von Forellen und Saiblingen hat im Ybbstal eine sehr lange Tradition. Vor 400 Jahren haben Kartäuser-Mönche der Kartause Gaming begonnen Teiche im Gebiet zwischen Gaming und Brettl anzulegen. Diese Teiche werden heute noch als „Kartäuserteiche“ bezeichnet.

Ein Meilenstein in der Entwicklung der heutigen Europäischen Forellenzucht war die Einfuhr von Regenbogenforellen aus Kalifornien zwischen 1880 bis 1890 und weiteren verwandten Arten/Unterarten aus dem Nordwesten von Amerika zwischen 1907 bis 1926 nach Europa. Die Züchtung von einheimischen mit verschiedenen eingeführten Forellen führte zur heutigen Regenbogenforelle, die weltweit zu einer wirtschaftlich wichtigen „Tierspezies“ wurde.

Gebiet/ Region:

Das Ybbstal liegt in den Ybbstaler Alpen, im westlichen Teil von Niederösterreich. Es wird durch die Ybbs und deren Seitenflüsse zur Donau entwässert. Kaltes und sauerstoffreiches Wasser bietet ideale Bedingungen für Salmonide.

Klima:

Das Klima im Ybbstal ist maritim, charakterisiert durch Schneereichtum und außergewöhnlich vielen Tagen mit Niederschlag. Die Jahresmitteltemperatur liegt zwischen +8 und +10 °C.

Lebensraum:

Teiche:

Salmonide werden in Teichen, die mit Wasser aus Bächen oder Quellen versorgt werden, gezüchtet. Die Wassertemperaturen liegen zwischen 0 bis 15 °C. Das Wasser ist sauerstoffreich und nährstoffarm. Die Teiche werden nicht gedüngt.
Nach dem Ausfischen werden die Teiche gekalkt und sind nach einer Woche wieder für den neuen Besatz mit Fischen bereit.

Ybbstal Forellen:

Das Wort Forelle wird für eine Anzahl von Fischarten der Familie Salmonidae verwendet. Im Zusammenhang mit Genussregion Ybbstal Forelle umfasst die Bezeichnung Forelle Bachforellen (Salmo trutta fario), Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykiss), Saiblinge (Salvelinus sp.) und Lachsforellen.
Forellen sind schlanke Fische mit zahlreichen runden kleinen Schuppen und einem gegabelten Schwanz. Gegen Ende des Rückens haben sie eine Fettflosse ohne Flossenstrahlen.
Forellen bevorzugen sauberes, kaltes und sauerstoffreiches Wasser. Sie sind kaltstenotherm, was bedeutet, dass sie nur in einem begrenzten Temperaturbereich überleben können. Die optimale Temperatur liegt zwischen 8 und 18 °C.
Ybbstal Forellen sind zwischen 20 bis 50 cm groß.

Erzeugungsverfahren:

Die Salmoniden werden in sieben Fischteichbetrieben gezüchtet, die entweder von gewerblichen Betrieben oder kleineren bäuerlichen Betrieben geführt werden.

Haltung und Zucht:

Die Besatzfische stammen aus eigener Nachzucht oder werden von Züchtern aus der Region zugekauft.
Zwecks künstlicher Vermehrung werden Eier und Spermien durch leichtes Drücken entlang des Bauches der Fische aus der Geschlechtsöffnung gepresst. Für die Befruchtung werden Eier und Spermien vermischt und Wasser hinzugefügt. Die ausgebrüteten Fische werden in Brutanlagen aufgezogen.
Die Fische werden nur für den Verkauf und nicht für Besatzungszwecke für den Fluss Ybbs gezüchtet.

Fütterung:

Die Fische ernähren sich von anderen im Teich lebenden Organismen und werden zusätzlich mit speziellen Futtermitteln entweder manuell oder automatisch zweimal pro Tag gefüttert.

Abfischen, Schlachtung, Verarbeitung

Die Fische werden mit Netzen oder Keschern gefangen, anschließend auf stressfreiem Wege geschlachtet. Die Verarbeitung findet in eigens adaptierten Räumen statt, wo die Fische teilweise unter Vakuum verpackt werden.

Fleisch und Geschmack:

Ybbstal Forellen zeichnen sich durch ihr Fleisch aus, welches fest und sehr schmackhaft ist. Das Fleisch ist fett- und kalorienarm. 100 g Fleisch enthalten ca. 2,7 g Fett, 19,5 g Eiweiß und haben 103 Kalorien (433 Kilojoule).

Qualitätskontrolle:

Die Wasserqualität der Teiche wird regelmäßig vom Wasserkluster Lunz, einem interuniversitärem Zentrum für die Erforschung von Fließgewässern, kontrolliert.

Tierärztliche Kontrollen werden auf jährlicher Basis durchgeführt.

Vermarktung:

Ybbstal Forellen sind das ganze Jahr über erhältlich. Die Fischzuchtbetriebe in Göstling produzieren ca. 5.000 Stück Forellen pro Jahr (2007), ein Ausbau der Kapazitäten ist geplant.

Die Forellen werden direkt von den Fischzüchtern, über Bauernläden, lokale Nahversorger und über die lokale Gastronomie vermarktet.
Zahlreiche Fischrestaurants, die entlang des Flusses Ybbs und rund um den Lunzer See liegen, servieren Ybbstal Forellen als regionale Spezialität. Das ist besonders in den Gemeinden Lunz, Göstling und Opponitz und in den Restaurants entlang der Eisenstraße (eine touristische Route durch die Gebiete, die in der Vergangenheit für die Produktion von Eisenwaren berühmt waren) der Fall.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen

  • Besondere Boden-, Klima-, Wasserhaushalt- und Geländeverhältnisse im Ybbstal bieten optimale Bedingungen für Forellenzucht in Teichen.
  • Ybbstal Forellen werden in der Region geboren und aufgezogen.
  • Die Herstellung von Ybbstal Forellen ist das Ergebnis Traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation über Jahrhunderte weitergegeben wurde: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Züchter (Anpassung der Haltung von Salmoniden an die Gegebenheiten der Umwelt, Know-how der Züchter, künstliche Befruchtung, traditionelles Teichmanagement); Fischer (Fangmethode mit Netzen, Schlachtung, Lagerung und Verarbeitung).

Verwertung:

Die Forellen werden in gekochtem, gebratenem oder geräuchertem Zustand oder als Fischfilet angeboten.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Niederösterreich, Region Ybbstal, Fisch, Ybbstal Forellen, Bachforelle, Regenbogenforelle, Lachsforelle, Saibling

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 13. Februar 2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Engelbert Esletzbichler
Lassing 65
3345 Göstling an der Ybbs
Telefon: 0043 7484/7452

Autoren

Mag. Doris Reinthaler, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 06.10.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)