Elsbeerenbrand

Traditionell hergestellter Obstbrand aus der Elsbeere (Sorbus torminalis L.) in Niederösterreich.

Registernummer: 32

Offenlegungsdatum

Älteste bisher bekannte Erwähnung der Elsbeere geht auf Martin Luther (1483 bis 1546) zurück.

Titel

Elsbeerenbrand

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionell hergestellter Obstbrand aus der Elsbeere (Sorbus torminalis L.) in Niederösterreich.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Spirituosen

Name der Region

Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Landwirtschaft und Spirituosen

Name des Informationsgebers

Keine Angabe

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Keine Angabe

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Schon lange finden die Früchte des Elsbeerenbaumes in der traditionellen Medizin Verwendung, zurückzuführen auf seine adstringierende Wirkung durch den hohen Tanningehalt.
In Österreich ist die Verwendung der Früchte zur Gewinnung von Branntwein schon lange bekannt.
Martin Luthers (1483 bis 1546) Notiz über die Elsbeere, die er für die Behandlung seiner Frau Katharina von Bora anforderte, ist die älteste bisher bekannte Nennung der Elsbeere.

Gebiet/Region:

Niederösterreich, hauptsächlich im Voralpengebiet. Besonders häufig kommen sie in der Umgebung der Orte Brand, Laaben und Michelbach im Wienerwald vor.

Elsbeere:

Die Elsbeere (Sorbus torminalis L.) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae), zur Unterfamilie Maloideae, und zur Gattung der Mehlbeeren (Sorbus).
Der wissenschaftliche Name ist abgeleitet von lateinisch sorbere (schlürfen; den Saft der aus den Früchten gepresst wurde) und torminalis („gut gegen Kolik“)

Die Elsbeere wird auch als Ruhrbirne bezeichnet, da die Beeren als traditionelles, pflanzliches Heilmittel gegen Koliken galten.

Des Weiteren ist sie auch unter den Namen Atlasbaum, Adlitzbeere, Arlsbeere Arisbeere, Elsbeere, Elzbeere, Schweizer Birnbaum und Wilder Sperberbaum bekannt.

Der Elsbeerenbaum kommt vor allem in den Laubwäldern von Mittel- und Südeuropa bis hin zum Kaukasus vor und ist für die Anpflanzung auf Streuobstwiesen geeignet.

Der Elsbeerenbaum ist ein sommergrüner Laubbaum, der eine Höhe von bis zu bis 20 m erreicht und bis 300 Jahre alt werden kann.
Gelegentlich ist er auch als niedriger Strauch zu finden, v.a. auf flachgründigen, felsigen Böden.

Der Baum bevorzugt kalk- und lehmhaltige Böden. Er ist wärmeliebend und empfindlich gegen Frost. Weiters ist der Baum anfällig für Feuerbrand.
Das sehr harte Holz der Elsbeere ist ausgesprochen wertvoll.

Die reinweißen Blüten erscheinen frühestens an zwölfjährigen Pflanzen in der Zeit von Mai bis Juni.
Die 8 bis 10mm großen Früchte reifen im im September bis November.
Die anfangs rötlich-gelben Früchte verfärben sich in der Vollreife braun mit heller Punktierung.

Die Beeren sind anfangs noch hart, durch Frosteinwirkung werden sie teigig und ihr Tanningehalt sinkt. Deshalb sollten die Beeren möglichst nach dem ersten Frost geerntet werden.

Die Ernte ist äußerst zeitaufwendig, da die Früchte nicht von selbst abfallen. Die Früchte werden samt Ästchen mit Hilfe von Leitern, oft in einer Höhe von 10 Metern, von Hand geerntet.
Die Beeren werden samt Zweige an luftigen Orten liegengelassen, damit sie verwertungsfähig werden.
Danach werden die Beeren von den Zweigen abgetrennt („abrebeln“) und eingemaischt.

Die reifen Früchte schmecken trocken, sandig-mehlig und säuerlich-süß.
Sie weisen einen hohen Gehalt an Vitamin C, Pektin, Flavonolglycoside und Fruchtsäuren auf.
Das Aroma erinnert an das von Äpfeln und Birnen.

Verwertung:

Zur Obstbrandherstellung werden die Beeren eingemaischt und durch Wasserzugabe bei einer Temperatur um 20 °C vergoren.

Der doppelt gebrannte Elsbeerenbrand (ca. 60 % Vol. Alkohol) wird mit destilliertem Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt, da eine minimale Alkoholstärke von 42 % vol. vorhanden sein muss.
Danach wird der Brand einer Lagerzeit von mindestens 1 Jahr in Dunkelheit und mäßiger Wärme unterworfen.

Der Elsbeerenbrand hat einen ausgeprägten mandelartigen Geruch.

Der Elsbeerbrand ist wegen der sehr geringen Ausbeute eine exklusive Rarität, weil

  • die Bäume über mehrere Jahre keine Früchte tragen, und dadurch nur alle sieben Jahre eine gute Ernte bringen, und
  • 100 Liter Maische ca. 3 Liter fertigen Brand ergeben.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Landwirtschaft und Spirituosen, Traditionelles Wissen, Österreich, Niederösterreich, Region, Elsbeere, Ruhrbirne, Atlasbaum, Adlitzbeere, Arlsbeere, Arisbeere, Elsbeere, Elzbeere, Schweizer Birnbaum, Wilder Sperberbaum, Elsbeerenbrand, Obstbrand, Sorbus torminalis L.

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 9. August 2011.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Keine Angabe

Autorin

Eva Sommer

Veröffentlicht am 10.11.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)