Mostviertler Birnmost g.g.A.

Traditionelle Gewinnung von Birnenmost aus Fallobst, das von lokalen Birnensorten aus Streuobstanlagen stammt.

Registernummer: 20

Offenlegungsdatum

Erste Erwähnung von Birnenmost durch Neidhart von Reuenthal um 1240.

Titel

Mostviertler Birnmost g.g.A.

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionelle Gewinnung von Birnenmost aus Fallobst, das von lokalen Birnensorten aus Streuobstanlagen stammt.
Mostviertler Birnmost g.g.A. (geschützte geografische Angabe) wird durch Fassgärung des aus Mostbirnen gewonnenen Presssafts hergestellt. Er ist vollständig durchgegoren, klar, ohne jegliche Trübung und weist je nach verwendeter Mostbirnensorte eine rötlichgelbe, goldgelbe, hellgelbe bis grünlichgelbe Färbung auf. Charakteristisch für Mostviertler Birnmost g.g.A. ist der fruchtige, reintönige Geschmack von Mostbirnen. Mostbirnen sind Birnensorten, die sich aufgrund ihres adstringierenden Phenolgehalts nicht zu Speisezwecken eignen.
Alle Rohstoffe stammen und die Produktionsschritte erfolgen in dem angegebenen geographischen Gebiet. Lediglich die Abfüllung kann gegebenenfalls außerhalb dieses Gebietes vorgenommen werden.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Birnenmost, Fruchtwein

Name der Region

Mostviertel, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Regionalmanagement Mostviertel

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

rund 1.000 bäuerliche Familienbetriebe

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titel

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Die Geschichte der Obstbäume im Mostviertel reicht vermutlich zurück bis in die Steinzeit.

Schon die Kelten kannten Most. Doch zu jener Zeit soll er noch ein recht grobschlächtiges Getränk gewesen sein. Erst die Römer führten die Kunst der der verfeinerten Produktion und damit Veredelung ein. Sie stellten bereits sortenreinen Apfelmost (pomacium) oder Birnenmost (piracium) her.

Die erste schriftliche Erwähnung von „Most“ geht auf den Minnesänger Neidhart von Reuenthal (1240) zurück.
Im 16. Jahrhundert ließ Ritter Philipp Grünthaler einen großen ‚Paumgarten’ bei Schloss Zeillern (Mostviertel, Niederösterreich) anlegen, was auf eine erste Blütezeit in Bezug auf die Mostproduktion hinweist.

Eine frühe Beschreibung der Mostwirtschaft im Mostviertel aus der Mitte des 17. Jahrhundert stammt vom Landedelmann Wolf Helmhard v. Hohberg aus Haag.

Kaiserin Maria Theresia (1740 bis 1780) verordnete die Anpflanzung von Streuobstbäumen. Ihr Sohn Joseph II. belohnte Landwirte mit einer silbernen Medaille, wenn sie über 100 Obstbäume setzten. Er ordnete auch an, bei jeder Hochzeit einige Obstbäume anzupflanzen.

Eine Blütezeit erlebte die Mostkultur im 18./19. Jahrhundert und in der Zwischenkriegszeit.

Einen weiteren enormen Aufschwung erlebte der Most gegen Ende des 19. Jahrhunderts, in der Zeit der Bauernbefreiung und Industrialisierung. Durch den Bau von Straßen und Eisenbahnnetze konnte der Most leicht in fernere Regionen transportiert werden.

Der Most sicherte den Bauern ein gutes Einkommen, von dem noch heute die stattlichen Vierkanthöfe zeugen. „Diese Häuser hat der Most gebaut“ heißt es in einer überlieferten Redewendung im Mostviertel.

Nach dem 2. Weltkrieg änderten sich jedoch, zurückführend auf die zunehmende Mobilitätssteigerung, den gesellschaftlichen Wertwandel und auf den zunehmenden Plantagenobstbau für Tafelobst, die Trinkgewohnheiten in der Bevölkerung. Das Trinken von Most galt als altmodisch und wurde ersetzt durch Bier, Wein und Limonaden. Demnach wurden viele Obstbaumzeilen gerodet, woraufhin der Baumbestand rapide abnahm.
Nur wenige Obstbauern modernisierten ihre Pressanlagen und versuchten mit einem Buschenschank, ein Mostwirtshaus, ein erfolgreiches Geschäft zu machen.

Seit Ende der 1980er zeichnet sich ein erneuter Aufschwung ab.

Gebiet/ Region:

Der Name "Mostviertel" ist weder eine amtliche noch eine kartographische Bezeichnung, sondern ein traditioneller geographischer Begriff, der sich für den südöstlichen Teil des Bundeslandes Niederösterreich, das Viertel ober dem Wienerwald durchgesetzt hat. Er weist auf die hohe traditionelle und hohe wirtschaftliche Bedeutung des Mostes hin.
Das für Mostbirnbäume hervorragend geeignete Gebiet reicht von der Donau bis zu den Alpen und von der Enns bis Wienerwald. Das entspricht in etwa den Bezirken Amstetten, Scheibbs, Melk, Lilienfeld, Tulln, St. Pölten-Land und Wien-Umgebung.

Das Mostviertel erstreckt sich über eine Fläche von 5.500 km² auf einer Seehöhe zwischen 246 m (Ardagger) und 1.893 m (Ötscher).

Das Mostviertel ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl an Flüssen wie z.B. die Enns, die Ybbs, die Erlauf, die Pielach und die Traisen.

Der Großteil der Streubobstwiesen befindet sich im Hügelland zwischen Donau und Voralpen in Höhen zwischen 200 bis 500 m. Birnbaumalleen sind entlang Landes- und Gemeindestraßen zu finden.

Klima:

Im Mostviertel herrschen pannonische und atlantische Klimaverhältnisse.
Es ist besonders mild und ausgezeichnet durch hohe Niederschlagsmengen (ca. 800 bis 1.500 mm/Jahr) und eine hohe Luftfeuchtigkeit.
Die Sommer sind eher kühl, die Winter schneereich. Die Jahresmitteltemperatur erreicht in tiefen Lagen 9 °C, in den Höhenlagen unter 3 °C.

Bodenverhältnisse:

Das Gebiet entspricht dem niederösterreichischen Teil der Molasse- und Flyschzone. Die Böden sind vorwiegend Braunerden und Braunlehme. Sie zeichnen sich durch eine entsprechende Tiefgründigkeit aus.

Das Klima und die Bodenbedingungen schaffen sehr günstige Bedingungen für den Obstbau und sind direkt verantwortlich für die Ausbildung des intensiven, unverwechselbaren Aromas des Mostviertler Birnmostes g.g.A.

Mostviertler Birnmost g.g.A.:

In der Umgangssprache wird „Most“ nicht nur als „Birnenmost“, sondern auch als „Birnensaft“ bezeichnet. Laut Bundesgesetz über den Verkehr mit Wein und Obstwein (Weingesetz 1999) § 42 gilt, dass Obstwein aus Kernobst als „Obstwein“, “Obstmost“ oder „Most“ oder Most mit der Bezeichnung der zur Erzeugung verwendeten Obstart bezeichnet werden muss. Die österreichische Fruchtsaftverordnung bestimmt, dass unvergorener und somit alkoholfreier Saft aus frischen Früchten als „Süßmost“ zu bezeichnen ist.

Mostviertler Birnmost g.g.A. ist ein traditionell bäuerlich hergestellter Birnenwein, dem im Gegensatz zur Herstellungsweise in anderen Gebieten, kein Fruchtsaftkonzentrat oder Apfelsaft zugesetzt werden darf.

Alle Rohstoffe und Produktionsschritte des Mostviertler Binmostes g.g.A. stammen bzw. erfolgen in dem angegebenen geographischen Gebiet, lediglich die Abfüllung kann gegebenenfalls außerhalb dieses Gebietes vorgenommen werden.

Birnensorten:

Im Mostviertel sind mehr als 300 Sorten von Mostbirnen in Streuobstwiesen und in Baumalleen bekannt.
Für die Herstellung von Mostviertler Birnmost g.g.A. finden 56 Sorten Verwendung.

Traditionelle Sorten für die Herstellung von Mostviertler Birnmost g.g.A. sind: Pichelbirne, Amstettner Mostbirne, Dorschbirne, Honnelbirne, Speckbirne, Landlbirne, Rosenhofbirne und die Schweizer Wasserbirne.

Mostbirnbäume:

Rund 500.000 Birnbäume prägen das Landschaftsbild des Mostviertels. Ein Großteil der Mostbirnbäume ist ca. 100 bis 150 Jahre alt. Es handelt sich dabei um typische Hochstammbäume in Streuobstlagen.
Häufig stehen die Birnenbäume in der Region Mostviertel auch doppelreihig entlang von Grundstücksgrenzen (sogenannte „Neidzeiler“).
Die Mostbirnenbäume werden nicht künstlich bewässert.

Ernte:

Mostbirnbäume sind sehr ertragreich und liefern pro Baum bis zu 1.000 kg Früchte.
Je nach Sorte sind die Mostbirnen zwischen August und November erntereif.
Die Mostbirnen werden als Fallobst, entweder händisch oder mittels Obstklaubmaschinen, aufgelesen.

Lagerung:

Die Birnen werden meist nicht gelagert sondern unmittelbar nach der Ernte verarbeitet.

Zerkleinerung:

Nach der Ernte werden die Mostbirnen gewaschen und mit sogenannten „Birnreiben“ zerkleinert.

Pressung:

Die Pulpe wird unmittelbar gepresst, um eine Oxidation oder einen Befall von Mikroorganismen zu verhindern und somit die Qualität des Endproduktes zu gewährleisten.

Größtenteils finden hochmoderne Niederdruckpressen Verwendung. Bei kleineren Betrieben wird fallweise auch heute noch traditionell händisch gepresst.

Die so erhaltene Maische wird zur Saftgewinnung gekeltert.
Wenn nötig, wird der frische Saft zur Entfernung von Trübstoffen stehengelassen. Nachdem sich feste Partikel abgesetzt haben, wird der Überstand abgetrennt.

Vergärung:

Abhängig vom Erzeuger wird die Maische in Holzfässern, Plastikfässern oder Nirosta durch Zugabe von Reinzuchthefe in  max. 3 bis 6 Wochen vergoren.

Die Gärzeit wird bewusst kurz gehalten, um das Entstehen von Fehlgeschmack zu verhindern.

Danach wird der Most vom „Lager“ (Hefereste) abgezogen, um einen Säureabbau zu vermeiden.
Anschließend wird Sulfit hinzuzugeben und danach der Most geschönt und filtriert.

Abfüllung:

Der Most in Mostflaschen abgefüllt, die durch die gläserne Moststampiglie „Original Mostflasche“ gekennzeichnet sind.

Im Mostviertel werden jährlich rund 15.000 Liter Birnmost hergestellt, davon sind 1.000 bis 1.500 Liter BIO-Most.

Mostbeschreibung:

Der Mostviertler Birnmost g.g.A. weist eine rötlichgelbe, goldgelbe, hellgelbe bis grünlich-gelbe Färbung auf.
Die Farbe ist von der verwendeten Birnensorten und deren Reifezustand abhängig.

Der Alkoholgehalt beträgt durchschnittlich 4 bis 8 Vol.%.

Die für die Herstellung verwendeten alten, regionalen Mostbirnensorten verleihen dem Birnenmost seinen charakteristischen, fruchtigen Geschmack und sein volles Aroma.
Optimale Bedingungen in der Region sind dafür verantwortlich, dass die Mostbirnen ausreichend Säure (min. 5 o/oo pro Liter) und Gerbstoff in ihren Früchten aufbauen die für den Geschmack und die Haltbarkeit des Birnenmosts ausschlaggebend sind.

Er wird in den vier Geschmacksrichtungen mild, halbmild, kräftig und resch angeboten.

Vermarktung:

Mostviertler Birnmost g.g.A. wird über Nahversorger, ab-Hof, über Bauernmärkte, Bauernläden, Autobahnraststätten im Mostviertel, die Gastronomie und Spezialmärkte außerhalb der Region vermarktet.

Weiters werden neben dem Mostviertler Birnmost g.g.A. entlang der 200 km langen Moststraße (Strengberg- Kürnberg- Stift Seitenstetten- Piberbach- Aschbach-Markt- Wolfsbach- Strengberg) über Mostheurige, bäuerliche Ab-Hof-Geschäfte, Wirtshäuser und bäuerliche Betriebe diverse Mostspezialitäten zur Verkostung sowie zum Verkauf angeboten.

Birnmost aus dem Mostviertel ist das ganze Jahr über erhältlich.

Im Mostviertel tragen derzeit 19 Mostviertler Mostproduzenten, Edelbrenner, Gastronomen und Hoteliers den Titel „Mostbaron“.
Dieser Titel ist eine Auszeichnung, die nur an ausgewählte Mostviertlerinnen und Mostviertler verliehen wird und das besondere Engagement für die Region sowie für den Birnenmost honoriert. Mostbarone produzieren das Beste aus heimischen Früchten (sortenreine Birnenmoste, Fruchtsäfte oder Edelbrände) und laden regelmäßig zu genussvollen Most-Verkostungen und Most-Kulinarien ein.

Qualitätsrichtlinien, Qualitätskontrolle, Kennzeichnung:

Dem Birnmost liegen die Produktionskriterien für Obstwein lt. Österreichischem Weingesetz (BGBl. I 141/1999, 2. Teil: Obstwein § 40 „Begriffsbestimmungen und Herstellungsvorschriften“) und andererseits die Kriterien zur Verleihung des "Mostgütesiegels" zugrunde (vgl. BGBl. I 141/1999. Anlage zu Punkt 4.9).

Einschränkend gegenüber dem "Obstwein" lt. Österr. Weingesetz ist anzumerken, dass bei der Produktion von Mostviertler Birnmost g.g.A. im Gegensatz zur Cidre-Produktion kein Fruchtsaftkonzentrat verwendet werden darf. Weiters muss der Birnmost die sensorische Blindverkostung durch geschulte Verkoster der NÖ Landeslandwirtschaftskammer bestehen, die Vorrausetzung für die  Mostgütesiegel-Verleihung ist. Bei dieser Prüfung werden Farbe, Geruch, Geschmack und Harmonie des Produkts beurteilt.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen

  • Spezielle Boden- und Klimaverhältnisse im Anbaugebiet liefern optimale Bedingungen für den extensiven Anbau von Birnenbäumen in Streuobstanlagen.
  • Ausgeprägte Bodenständigkeit: Mostviertler Birnmost g.g.A. wird aus verschiedenen traditionellen Mostbirnensorten hergestellt, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben.
  • Dank der Kulturart und besonderen geographischen Verhältnisse kann Birnenmost erzeugt werden, die hinsichtlich Geschmack Besonderes bieten.
  • Der einzigartige Geschmack und das Aroma des Mostviertler Birnmost g.g.A. stehen in direkter Beziehung zum feuchten und mildem Klima in der Region
  • Die Erzeugung von Mostviertler Birnmost g.g.A. ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens, das an die in diesem Bereich Tätigen weitergegeben wurde: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Obstbauern (Anpassung der Erziehungsform an die Gegebenheiten der Umwelt, Auswahl von Lokalsorten, Verbesserung des Erbguts, Know-how des Ernteverfahrens), Erfahrung der Birnmosthersteller, Erfahrung der Aufkäufer und Einzelverkäufer in der Vermarktung.

Verwertung:

Neben Mostviertler Birnenmost g.g.A wird auch gemischter Most aus regionaltypischen Äpfeln und Birnen (Anteil: 2/3 bis 3/4) und gemischter Birnenmost aus miteinander harmonierenden Birnensorten in der Region produziert.

Als Mostviertler Spezialitäten gelten Birnenmost gemischt, Birnenmost halbsüß, Speckbirnen – Most, Grüne Pichlbirnen – Most, Dorschbirnen – Most und Mostbaron.

Als weitere Mostspezialität gelten der „Gödnmost“ (Jungmost), der früher nur zu besonderen Anlässen, wie dem Besuch des „Göd“ (Taufpate) gereicht wurde sowie der „Schmiedmost“ (kräftiger Most aus Äpfel und Birnen)

Der Mostviertler Birnmost g.g.A. findet weiters Verwendung für die Zubereitung von Speisen wie Mostsuppe, Mostsauce, Most-Parfait Mostschnitzel, Mostkeks, Mostpudding etc.

Als besondere regionale Spezialität aus den Mostviertler Mostbirnen sind Kletzen (getrocknete Mostbirnen) und das daraus hergestellte Kletzenbrot.

Schutz:

Die Beschreibung der Spezifikation für die Registrierung als g.g.A. liegt im Österreichischen Patentamt auf (Nationales Aktenzeichen: HA 1/2003)

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Niederösterreich, Region, Mostviertel, Most, Birne, Birnenmost, Pichelbirne, Amstettner Mostbirne, Dorschbirne, Honnelbirne,Speckbirne, Landlbirne, Mostviertler Birnmost g.g.A., Mostviertler perry PGI

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 29. Oktober 2008.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Regionalmanagement Mostviertel
Gießhübl 7
3300 Amstetten/ Niederösterreich
Telefon: 07472/68 100
e-mail: www.mostviertel.at
Homepage: office@mostviertel.at

Autoren

Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus, Mag. Doris Reinthaler

  

Veröffentlicht am 01.12.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)