Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte

Traditionelle Herstellung von Obstsaft aus alten Apfel- und Birnensorten in der Nationalpark Kalkalpen Region, Oberösterreich.

Registernummer: 148

Offenlegungsdatum

Die Nationalpark Kalkalpen Region gilt seit dem 19./20. Jahrhundert als ein traditionelles Obstanbaugebiet.

Titel

Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionelle Herstellung von Obstsaft aus alten Apfel- und Birnensorten in der Nationalpark Kalkalpen Region, Oberösterreich.
Die Säfte erlangen ihre Geschmacksfülle durch die zahlreichen, verschiedenen Obstarten, welche auf günstigen Böden und unter besten klimatischen Bedingungen gezogen werden.
Die Produktion erfolgt von der Ernte über die Verarbeitung bis hin zur Abfüllung in der Region.
Die regionale und naturnahe Produktion von Nationalpark Kalkalpen Obstsäften trägt zur nachhaltigen Aufrechterhaltung der Landschaftsform und Erhaltung der Streuobstwiesen bei.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Obstsaft, Fruchtsaft

Name der Region

Nationalpark Kalkalpen, Oberösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Mag. Franz Sieghartsleitner
Marketing, Nationalpark Oö Kalkalpen GmbH

Höllhuber FranzObmann
ARGE Steinbacher Natursäfte

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

50 Obstbauern, davon 20 Obstsaftproduzenten aus der Nationalpark Kalkalpen Region

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Die Gegend des heutigen Nationalparks Kalkalpen OÖ ist ein traditionelles Obstanbaugebiert, wovon etwa 120 Jahre alte Obstbäume in der Region zeugen. Alte Obstsorten prägen seit Jahrhunderten entscheidend das Landschaftsbild und haben damit eine wichtige gestalterische Funktion in der Landschaft übernommen. Die alten, hochstämmigen Obstbäume boten, neben einer reichhaltigen Obsternte, Schatten und Schutz vor Wind, speicherten Wasser und regulierten so das Kleinklima.

Bereits im Spätmittelalter hat man in den oberösterreichischen Klöstern Obst als Nachtisch und zum Abendessen serviert, wobei zumeist heimische Arten, wie Äpfel, Birnen, Weichseln, Kirschen und manchmal auch Feigen auf den Tisch kamen. Bereits um 1600 war die Apfelsorte Brünnerling in Oberösterreich bekannt.

Kaiserin Maria Theresia (1740 bis 1780) verordnete die Anpflanzung von Streuobstbäumen. Ihr Sohn Joseph II. belohnte Landwirte mit einer silbernen Medaille, wenn sie über 100 Obstbäume setzten. Er ordnete auch an, bei jeder Hochzeit einige Obstbäume anzupflanzen.
In Oberösterreich wurden Obstbäume auch an Schulen gezüchtet (z.B. in Steinbach an der Steyr), da der Obstanbau für den Schuldirektor ein zusätzliches Einkommen erbrachte. Von diesen aus wurden neue Sorten verbreitet und Bauern die Kunst des Veredelns vermittelt. Ab etwa 1780 entstanden zahlreiche Bauernbaumschulen, vor allem im Steyrtal, was eine enorme Vielfalt an Mostobstsorten zur Folge hatte.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde zunehmend Edelobst verbreitet. Um ca. 1800 waren besonders der Pomologe Liegel (1777 bis 1861) und der Augustiner Chorherr und Gartenmeister Schmidberger (1773 bis 1844) aus dem Stift Florian darum bemüht.

Joseph Kyselak schrieb 1829 in seinen „Skizzen einer Fußreise durch Österreich“: „Von Aschach abwärts bis Enns erstreckt sich das eigentliche Obstland.“

Der Süßmost bzw. Fruchtsaft wurde im späten 19. Jahrhundert bekannt, nach der Entdeckung der Pasteurisation durch Louis Pasteur (1822 bis 1895), wodurch die Haltbarkeit von Fruchtsäften verlängert und die Vergärung verhindert wird.
Als das Jugendwerk der OÖ Landwirtschaftskammer um 1950 das Haltbarmachen von Obstsäften gezielt vermittelte, kam es zu einer Ausweitung der Produktion in der Region Nationalpark Kalkalpen. Zunächst wurden nur Süßmost, später Birnen- und auch Mischsäfte erzeugt.

Im Jahr 1996 wurde die ARGE Steinbacher Natursäfte gegründet, mit dem Ziel alte, regionale Obstsorten im Gemeindegebiet zu erhalten sowie die regionale Wertschöpfung mit der Entwicklung regionstypischer Produkte (Natursäfte) zu steigern.

2007 wurde ein gesondertes Projekt zur Erhaltung der 250 identifizierten Obstbaumsorten des Nationalparks Kalkalpen OÖ gestartet.

Gebiet/Region:

Die Genuss Region Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte liegt in den Oberösterreichischen Voralpen auf einer Seehöhe von 300 bis 2.000 m. Sie umfasst das Sengsengebirge und das Reichraminger Hintergebirge sowie das Steyr-, Enns- und Windischgarstental. Der höchste Gipfel im Nationalpark Kalkalpen OÖ ist mit 1.963 m der Hohe Nock.

Die Genuss Region Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte erstreckt sich von den Gemeinden St. Ulrich, Aschach an der Steyr, Waldneukirchen, Ternberg, Losenstein, Laussa, Maria Neustift, Gaflenz, Reichraming, Großraming, Weyer im Bezirk Steyr-Land und Rosenau am Hengstpass, Windischgarsten, Rossleithen, St. Pankraz, Molln, Grünburg, Steinbach an der Steyr im Bezirk Kirchdorf sowie die Gemeinden Garsten, Hinterstoder, Spital am Pyhrn und Vorderstoder.

Mit einer Fläche von 20.852 Hektar ist der Nationalpark Kalkalpen OÖ der zweitgrößte Nationalpark Österreichs. 89 % des Gebietes gelten als nutzungsfreie Naturzone, die restlichen 11 % gehören der Bewahrungszone an, in welcher hochwertige Kulturlandschaft, vor allem Almen und Wiesen, auf Dauer erhalten werden.

Die Anbaufläche von Streuobst in der Nationalpark Kalkalpen Region beträgt etwa 1.700 ha. 70 % der Anbaufläche wird konventionell, der Rest biologisch kultiviert.

Die Streuobstwiesen befinden sich auf einer Seehöhe zwischen 350 und 800 m.

Klima und Bodenverhältnisse:

Die Nationalpark Kalkalpen Region lässt sich dem alpinen Klima zuordnen. Die Winter sind lang und schneereich und die Sommer kurz und kühl. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 7,3 °C. Charakteristisch sind hohe und kleinräumig strukturierte Niederschlagsmengen bis zu 2.300 mm im Jahr. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beträgt 1.573 mm. Typisch sind der warme Föhn, der vom Gebirge herab fällt und die Temperaturumkehr (Inversion), welche im Winter ein Absinken der kalten Luft in die Täler bewirkt und zu Nebeldecken in den Tälern führt.

Der nördliche Teil der Region liegt in der Flyschzone, die aus Sandsteinen, mergeligen Schiefern und Tonen besteht. Charakteristisch für dieses Gebiet sind ebenso Braunlehme, die ein hohes Wasserspeichervermögen besitzen und Braunerden, die eine größere Wasserdurchlässigkeit und ein geringeres Feuchtigkeitsspeichervermögen zeigen. Die überwiegend tiefgründigen Böden eignen sich besonders für die landwirtschaftliche Nutzung.

Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte:

Sachbezeichnungen, Begriffsbestimmungen und Merkmale der Zusammensetzung von „Fruchtsaft", sind in der Fruchtsaftverordnung, BGBl. II Nr. 83/2004 i.d.g.F. geregelt (Codexkapitel B7 Fruchtsäfte, Gemüsesäfte).
Die Fruchtsaftverordnung bestimmt, dass unvergorener und somit alkoholfreier Saft aus frischen Früchten auch als „Süßmost", jedoch nur in Verbindung mit den Sachbezeichnungen „Fruchtsaft" und „Fruchtnektar", zu bezeichnen ist (Fruchtsaftverordnung, BGBl. II Nr. 83/2004).

Bei den Nationalpark Kalkalpen Obstsäften handelt es sich um Natursäfte (konventionell und biologisch erzeugt) verschiedener Apfel- und Birnensorten (sortenrein und gemischt) sowie um Mischsäfte aus Äpfel oder Birnen in Kombination mit Holunder, Johannisbeere, Weichsel und Himbeere.

Für die Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte wird überwiegend heimisches Obst verwendet. Für die Produktion von Mischsäften wird Obst zugekauft. Der Zukauf entspricht etwa 3 % des verwendeten Obstes.

Pressung und Abfüllung der Säfte erfolgen ausschließlich in der Region. Etwa 40 % der Bauern produzieren die Säfte selbst, der Rest nutzt die von anderen Produzenten in der Region zur Verfügung gestellten Anlagen.

Sorten und Arten:

Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte werden aus den traditionellen Apfel- und Birnensorten Brünnerling, Griesapfel, Trierscher Weinapfel, Bohnapfel, Speckbirne und rote Haindlbirn produziert. Zudem kommen Johannisbeeren, Himbeeren, Holunder und Weichseln für die Herstellung zum Einsatz.

Baumpflanzung:

Die alten Apfel- und Birnensorten wachsen auf hochstämmigen Streuobstwiesen auf günstigen Böden und sind über die Jahrhunderte den klimatischen Bedingungen angepasst.

Nach der Anpflanzung dauert es 30 bis 70 Jahre bis die Bäume einen ausreichenden Ertrag liefern. Mit 300 Jahren oder älter hören sie auf zu tragen. Eine Bauerngeneration muss daher für die nächste Generation pflanzen und die Bestände pflegen.

Die Streuobstwiesen leisten einen Beitrag zur Offenhaltung der Landschaft, zum Erhalt von Landschaften und wertvoller Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten im Nationalpark Kalkalpen.

Es erfolgen keine Schädlingsbekämpfung, keine Düngung und keine zusätzliche Bewässerung der Streuobstanlagen.

Ernte:

Die Blütezeit erfolgt von Mitte April bis Mai. Die Ernte erfolgt im September und Oktober sowohl händisch als auch maschinell.

Jährlich werden etwa 300.000 kg Äpfel und Birnen in der Region geerntet.

Lagerung:

Säurereiche Äpfel werden bei den Bauern zwischen Ernte und Verarbeitung gelagert, um den Säuregrad zu reduzieren.
Für die Dauer der Lagerung gibt es keine konkrete Zeitvorgabe. Sie ist abhängig vom Reifezustand des Obstes, von der Lagerfähigkeit, der Wetterlage und der Frosteinwirkung.

Zerkleinerung und Pressung:

Nachdem das Obst gewaschen wird, werden die Früchte in einer Mühle  zerkleinert und anschließend in einer Presse gepresst.

Haltbarmachung/Erhitzung:

Nach der Pressung wird der Saft bei ca. 74 °C in einem Kammer- oder Plattenpasteur erhitzt, wodurch die Säfte zwischen 1 und 3 Jahre haltbar gemacht werden.

Abfüllung:

Die Obstsäfte werden maschinell in Glasflaschen oder in Plastikbeuteln abgefüllt.

Obstsaftbeschreibung:

Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte erlangen ihre Geschmacksfülle durch die zahlreichen, verschiedenen Obstsorten, die optimale Reife und durch die in der Regel sofortige Verarbeitung des Obstes. Sortentypische Merkmale bezüglich Geschmack, Aroma und Aussehen können sich in den Säften wiederfinden.

Chemische Zusätze, Aroma- oder Konservierungsstoffe sind in den Säften nicht enthalten. Zucker wird ebenfalls nicht zugesetzt. Bei schwierig zu pressenden Sorten dürfen jedoch Enzyme wie etwa Hefeenzyme in ganz geringen Mengen zugesetzt werden.

Jährlich werden etwa 130.000 Liter Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte produziert.

Qualitätskontrolle:

Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte liegen die Vorschriften der Fruchtsaftverordnung, BGBl. II Nr. 83/2004, bezüglich Kennzeichnung, zugelassene Zutaten, Behandlungen und Stoffe zugrunde.

1 bis 2-mal jährlich werden die Säfte auf ihre Inhaltsstoffe und Bestandteile extern von der Lebensmittelaufsicht amtlich kontrolliert.

Vermarktung:

Die Vermarktung von Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte erfolgt ab Hof, über Bauernläden und Bauernmärkte sowie über den regionalen Lebensmittelhandel und über die regionale Gastronomie.

Die Obstsäfte sind von September an das ganze Jahr über erhältlich bzw. solange der Vorrat reicht.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Spezielle tiefgründige, fruchtbare Böden und milde, feuchte Klimaverhältnisse im Anbaugebiet liefern optimale Bedingungen für den extensiven Anbau von Obstbäumen in Streuobstanlagen.
  • Ausgeprägte Bodenständigkeit: es wird darauf geachtet, Obstsorten zur Vermehrung zu verwenden, welche an die natürliche Umgebung und die klimatischen Bedingungen angepasst sind.
  • Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte werden aus verschiedenen traditionellen Obstsorten hergestellt, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben.
  • Dank der Kulturart und besonderen geographischen Verhältnisse können Apfel- und Birnensäfte erzeugt werden, die hinsichtlich Geschmack Besonderes bieten.
  • Der einzigartige Geschmack und das Aroma der Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte stehen in direkter Beziehung zur Sorte und zum feuchten und milden Klima in der Region.
  • Die Erzeugung von Nationalpark Kalkalpen Obstsäften ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens, das an die in diesem Bereich Tätigen weitergegeben wurde: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Obstbauern (Anpassung der Erziehungsform an die Gegebenheiten der Umwelt, Auswahl von Lokalsorten, Verbesserung des Erbguts, Know-how des Ernteverfahrens), Erfahrung der Aufkäufer und Einzelverkäufer in der Vermarktung.

Verwertung:

Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte werden sowohl aus sortenreinen als auch aus gemischten Apfel- oder Birnensorten sowie als Mischsäfte (Verwendung unterschiedlicher Obstsorten) erzeugt.

Das gesamte Sortiment ist auch biologisch erhältlich und reicht von Apfelsaft klar und naturtrüb über Birnensaft bis hin zu Birne-Johannisbeere, Birne-Himbeere, Apfel-Holunder, Apfel-Weichsel, Apfel-Johannisbeere sowie Apfel-Birne.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Oberösterreich, Region, Nationalpark Kalkalpen OÖ, Nationalpark Kalkalpen Obstsäfte, Apfelsaft, Birnensaft, Fruchtsaft

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 16.05.2011.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Mag. Franz Sieghartsleitner
Öffentlichkeitsarbeit, Marketing Nationalpark Kalkalpen Oö GesmbH
Nationalpark Zentrum Molln
Telefon: 07584/3951-129
E-Mail: franz.sieghartsleitner@kalkalpen.at

Franz Höllhuber
Obmann ARGE Steinbacher Natursäfte
Rodatal 23
4594 Steinbach/Steyr
Telefon: 07257/8259
Mobil: 0650/4466807
E-Mail: steinbacher-natursaefte@telering.at

Autoren

Daniela Trenker M.A., Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 01.12.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)