Steirisches Kriacherl

Traditionell hergestellter Pflaumenbrand aus dem blauen Kriecherl (Prunus insititia) aus der Steiermark.

Registernummer: 43

Offenlegungsdatum

Erste Erwähnung des Steirischen Kriecherl für die Alkoholerzeugung im Mittelalter.

 

Titel

Steirisches Kriacherl

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionell hergestellter Pflaumenbrand aus dem blauen Kriecherl (Prunus insititia) aus der Steiermark.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Spirituosen

Name der Region

Steiermark, Österreich

Suchgebiet

Landwirtschaft und Spirituosen

Name des Informationsgebers

Keine Angabe

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Keine Angabe

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Erste Verwendung des Steirischen Kriecherl zur Alkoholerzeugung gehen auf das Mittelalter zurück, wobei die Früchte wahrscheinlich schon viel früher verwertet wurden.

Region/Gebiet:

Steiermark. Das Steirische Kriecherl ist im gesamten Bundesland Steiermark verbreitet.

Kriacherl:

Das Kriecherl ist eine wilde Pflaumenart (Rosaceae) und kommt heute vorwiegend in der Steiermark und in Ostösterreich vor.

Der Begriff Kriacherl, auch Kriecherl genannt, wird sowohl für die Wildform (Prunus insititia) als auch für die Kulturform (Prunus domesticus insititia) verwendet.
Oft wird das Kriecherl auch als gelbe Zwetschke bezeichnet. Jedoch handelt es sich beim originalen Steirischen Kriecherl um die blaue Wildform.

Die Bezeichnung Kriecherl geht wahrscheinlich auf „kriechen“ zurück, da der Baum „kriechend“ wächst und viele Ausläufer bildet.
Die Bezeichnung “Kriechen” könnte auch aus dem alemannischen Dialekt herrühren, und den Ursprung der Frucht bezeichnen (Krieche –griech. Pflaume).

Der Baum stellt wenig Anspruch an Boden und Klima, wächst ohne intensive Kultivierung und bringt regelmäßige, hohe Erträge.

Die Steinfrüchte sind kleine bis mittelgroße, rundliche und intensiv-blaugefärbte Pflaumen.
Das weiche Fruchtfleisch ist grünlich und schwer vom kugeligen, relativ glatten Steinkern zu trennen.
Der Geschmack ist  dem von Zwetschken ähnlich, jedoch dezenter und feiner im Aroma und zeigt ein interessantes Zusammenspiel von Süße und herber Säure.

Verwertung:

Das Steirische Kriecherl findet sowohl als Frischobst als auch zur Obstbrandherstellung Verwendung.

Das Steirische Kriecherl wird samt Steinkern verarbeitet, da sich das Fruchtfleisch nur sehr schwer von diesem trennen lässt.
Nach der Vergärung wird der Kern aus der flüssigen Maische entfernt. Durch dieses Verfahren erhält der Obstbrand einen ausgeprägten Steinkernton. Weiters ist der Geschmack süß und mild.

Aus steuerlichen Gründen ist die Zuordnung der Prunus insititia laut 39. Verordnung des Bundesministeriums für Finanzen über Abfindungsmenge, Brenndauer und Brennfristen bei der Herstellung von Alkohol unter Abfindung §2, geändert durch BGBl. II Nr. 319/2006 festgelegt. Eine Abfindungsbrennerei (Brennerei, in der steuerliche Abgaben nach Art und Menge der verarbeitenden Rohstoffe bemessen werden) ist für kleine bäuerliche Destilleriebetriebe zulässig, die den Schnaps an Konsumenten oder an die Gastronomie verkaufen.

Auf Grund diverser Unklarheiten der Verordnung informierte das Bundesministerium für Finanzen 2006 das Zollamt, dass aus steuerlichen Gründen das Steirische Kriecherl nicht zur Kategorie „Zwetschken, Pflaumen, Mirabellen“ mit einem Ausbeutesatz von 5,5 Litern sondern zur Kategorie „Sonstiges Steinobst“ mit einem Ausbeutesatz von 3 Liter Alkohol/100 Liter Maische zuzuordnen ist.

Der Brand Steirisches Kriacherl wird ausschließlich aus dem blauen Steirischen Kriecherl hergestellt. Der Alkoholgehalt muss mindestens 42 % vol. betragen

Schutz:

„Steirisches Kriacherl“ ist für das geographische Gebiet Steiermark geschützt im Codex Alimentarius Austriacus Kapitel B 23: Sprituosen. Anhang 1: Geschützte Bezeichnungen

Schlüsselworte

Landwirtschaft und Spirituosen, Traditionelles Wissen, Österreich, Steiermark, Region, Kriecherl, Kriacherl, Steirisches Kriacherl, Pflaume, Zwetschke, Prunus insititia, Prunus domestica insititia

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 11.06.2010.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Landwirtschaftskammer Steiermark
Hammerlinggasse 3
8010 Graz
Ing. Andreas Fischerauer
Obstverarbeitung, Most- und Branntweinherstellung
e-mail: andreas.fischerauer@lk-stmk.at
Telefon: 0316/8050-1418

Autorin

Eva Sommer

Veröffentlicht am 05.12.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)