Vogelbeerschnaps

Obstbrand, hergestellt aus der Vogelbeere (Sorbus aucuparia), mit langer Tradition in den Bundesländern Tirol und der Steiermark.

Registernummer: 45

Offenlegungsdatum

Erste Anordnung zur Pflanzung der Eberesche (Vogelbeere) im 9. Jahrhundert durch Kaiser Karl dem Großen.

 

Titel

Vogelbeerschnaps

Kurzdarstellung oder Behauptung

Obstbrand, hergestellt aus der Vogelbeere (Sorbus aucuparia), mit langer Tradition in den Bundesländern Tirol und der Steiermark.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Spirituosen

Name der Region

Tirol, Steiermark, Österreich

Suchgebiet

Landwirtschaft und Spirituosen

Name des Informationsgebers

Keine Angabe

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Keine Angabe

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Karl der Große förderte im 9. Jahrhundert die Anpflanzung der Eberesche (Vogelbeerbaum), da die Vogelbeeren als Heilmittel gegen Lungenkrankheiten, Verstopfung und Skorbut galten. Die Vogelbeere wurde häufig auch als Köder zum Vogelfang eingesetzt. Neben der Verwendung in der Volksmedizin hat die europäische Vogelbeere (Sorbus aucuparia) eine lange Tradition in der europäischen Mythologie und Volkskunde als magischer Baum und zum Schutz vor Unheil.

Gebiet/ Region:

Tirol und Steiermark.

Vogelbeere:

Die Eberesche (Vogelbeere) gehört zur Familie der Rosacaea und zur Gattung der Mehlbeeren (Sorbus). Die Vogelbeere ist über den ganzen gemäßigten europäischen Raum verbreitet. Sie kommt besonders häufig in Österreich in den Bundesländern Tirol und Steiermark vor.
Die Vogelbeere hat zahlreiche Synonyme, wie Eberesche, Aberesche, Eibschen.
Die deutsche Bezeichnung Eberesche lässt sich folgendermaßen erklären: „Esche“ verweist auf die Ähnlichkeit des Blattes mit dem der Esche (Fraxinus sp. Familie der Oleaceae).
„Eber“ lässt sich von „Aber“ (falsch, Schein, Aberglaube) ableiten oder aber vom keltischen Wort „eburos“ für Eiben. Eberesche könnte demnach „Eiben-Esche“ (Eibschen) bedeuten und sich auf die Eiben beziehen, welche ebenfalls rote Beeren tragen.
Die Bezeichnung „Vogelbeere“ wird vor allem in Österreich verwendet. „Vogelbeere“ ist darauf zurückzuführen, dass die Beeren früher als Köder beim Vogelfang eingesetzt wurden.
Dazu wurden die langen Äste mit Leim beschmiert bzw. auf diesen Schlingen zum Fangen von Vögeln angebracht. Der wissenschaftliche Name der Vogelbeere ist Sorbus aucuparia (au = avis = der Vogel, cuparia = capere = fangen).
Mancherorts wird der Baum nach bestimmten Vogelarten, die seine Beeren besonders schätzen, auch Drosselbeere, Krammetsbeerbaum (Krammet = Drossel), Kreienbeere (Kreie = Krähe) oder aber Gimpelbeere genannt.
Faulbeere, Moosesche, Wielesche, Stinkesche, Güütsch und Quitschbeere sind weitere Synonyme der Vogelbeere.
Die Eberesche ist ein Baum, der sowohl frei in der Natur als auch in Kultur als Zierbaum vorkommt.
Die Laubbäume werden bis zu 15 m hoch und bis zu 100 Jahre alt. Die Bäume sind kälteverträglich und finden sich in großen Höhenlagen (in Tirol bis 2.400 m).
Die Bäume stellen geringe Ansprüche an den Standort, bevorzugen jedoch sonnige Plätze und Waldlichtungen mit leicht feuchten Böden.
Eine gute Vogelbeerernte ist zumeist nur alle drei Jahre.
Die Beeren sind zunächst orangerot und werden bei voller Reife zwischen August und Oktober leuchtend rot.
Die reifen, erbsengroßen Beeren sind durch die enthaltenen Bitterstoffe und der Fruchtsäure im Geschmack herb und sauer. Dadurch besitzen die Beeren eine zu starke adstringierende Wirkung, um roh genossen werden zu können.
Im späten Herbst, durch das Einwirken des ersten Frostes, verschwindet der bittere Geschmack durch den Abbau dieser Bitterstoffe.
Die Früchte enthalten bedeutende Mengen an Provitamin A und Sorbit („Sorbit“ stammt von Sorbus sp.), welcher neben dem Zuckergehalt (10 bis 12 %) mit zu dem herb-aromatischen Geschmack der Beeren beiträgt.
Weiters besitzen die Beeren einen hohen Gehalt an Vitamin C und Pektin.
Aufgrund der enthaltenen Parasorbinsäure können größere Mengen roh gegessener Früchte Magenbeschwerden hervorrufen.
In der Volksmedizin werden frische Vogelbeeren als Abführmittel verwendet, getrocknete Früchte helfen im Gegensatz dazu gegen Durchfall.

Verwertung:

Vogelbeeren werden zu Marmelade, Gelee und Kompott verarbeitet sowie zur Spirituosenherstellung verwendet.
Die Verwertung zu Schnaps hat vor allem in Tirol und der Steiermark eine lange Tradition.
Für die Schnapsherstellung werden die Beeren nach dem ersten Frost, bereits vor dem Einsetzen des Vogelfraßes, geerntet.
Die Ernte mit Leitern ist sehr arbeitsaufwendig, da die Beeren vom Baum gepflückt werden müssen, weil diese nicht von selbst abfallen.
Die einzelnen Beeren werden von den Stielen gelöst („abgebeert“) und entweder händisch durch ein weitmaschiges Sieb gepresst oder mit Hilfe von mechanischen Gerätschaften gerebelt.
Oft lässt man die Beeren durch Lagerung am Heuboden nachreifen. Die Nachreifung führt zu einem geringen Gerbstoffgehalt und einer intensiven Aromaausprägung.
Da die Beeren wenig Wasser enthalten, wird der Maische oft etwas Wasser zugesetzt.
Der Zusatz spezieller Hefen gewährleistet eine optimale Gärung.
Die Alkoholausbeute ist sehr gering, ca. 1,5 Liter Alkohol/100l Maische.
Der Vogelbeerschnaps zeichnet sich durch eine feine Bittermandelnote und einem ausgeprägten, intensiven, lang anhaltenden Aroma aus.
In der Volksmedizin wird der Vogelbeerschnaps sehr geschätzt. Er soll u.a. bei Erkältungen, rheumatischen Beschwerden,  Diabetes,  Nieren-  und Harnwegserkrankungen helfen und den Stoffwechsel anregen.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Landwirtschaft und Spirituosen, Traditionelles Wissen, Österreich, Tirol, Steiermark, Region, Vogelbeere, Eberesche, Mehlbeere, Drosselbeere, Gimpelbeere, Faulbeere, Moosesche, Wielesche, Stinkesche, Güütsch, Quitschbeere, Krammetsbeerbaum, Vogelbeerschnaps, Vogelbeerbrand, Sorbus aucuparia

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 11.06.2010.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Keine Angabe

Autorin

Eva Sommer

Veröffentlicht am 07.10.2014, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)