Zierfandler, Rotgipfler

Traditionelle Herstellung von Weinen aus den Weißweinsorten Zierfandler und Rotgipfler.

Registernummer: 229

Offenlegungsdatum

Die Rebsorte Rotgipfler wurde urkundlich erstmals um 1837 oder 1840 in der Steiermark erwähnt.
Bis Mitte der 1970er Jahre war unter der Bezeichnung „Gumpoldskirchner“ ein Wein aus den Rebsorten Zierfandler, Rotgipfler und Neuburger im In- und Ausland bekannt.

Titel

Zierfandler, Rotgipfler

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionelle Herstellung von Weinen aus den Weißweinsorten Zierfandler und Rotgipfler.
Die Rebsorten werden vorwiegend nur mehr in der Thermenregion um Gumpoldskirchen (Niederösterreich) kultiviert. Eine sortenreine Vinifizierung ist selten. Weitaus häufiger dienen die Rebsorten als Verschnittpartner in Cuvées mit anderen heimischen Sorten. Als besondere Spezialität gilt der Spätrot-Rotgipfler, ein Verschnitt aus den Rebsorten Zierfandler und Rotgipfler.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Wein

Name der Region

Thermenregion, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Alfred Freudorfer

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Keine Angabe

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Weingeschichte in der Thermenregion:

Der Weinbau in der Thermenregion hat eine lange Tradition, die mehr als 2.000 Jahre zurückreicht.
Römische Legionäre brachten Rebstöcke und das Wissen um die Weinbereitung in die Provinz Noricum, wo sich ihnen in der Thermenregion, an den Hängen des Anningers, am Rande der pannonischen Ebene, hervorragende Voraussetzungen für die Kultivierung der Reben boten.

In der Region Gumpoldskirchen wird nachweislich seit dem Mittelalter Weinbau betrieben, der vor allem von Klöstern und Stiften. 1141 gründeten Mönche des Stiftes Heiligenkreuz bei Thallern das vermutlich älteste Weingut Österreichs, das bis heute von den Zisterziensern des Stiftes Heiligenkreuz bewirtschaftet wird.

Johannes Cuspinianus (1473 bis 1529), Arzt, Historiker und Weingutbesitzer in Gumpoldskirchen, lobte in seinem unvollständigen Werk „Austria“ (erst nach seinem Tod, 1553 veröffentlicht) die Region aufgrund der Weine: Gumpoldskirchen sei berühmt durch die edelsten Weine.

Die Weine waren unter anderem für die Wiener Hoftafel bestimmt. In Abrechnungen der Zechen des 16. und 17. Jahrhunderts scheinen nahezu alle Kaiser aus dem Hause Habsburg als Kunden auf, wie z.B. Kaiser Rudolf II (1552 bis 1612), der Weine aus dieser Region von seinen „Saumalieren“ (Spediteure) sogar nach Prag bringen ließ, sowie zahlreiche Fürsten, Bischöfe, Erzherzöge und Feldherrn.

Namensgebend für den „Gumpoldskirchner“ ist der gleichnamige Ort. Unter dieser Bezeichnung waren bis Mitte der 1970er Jahre die Weißweine Spätrot-Rotgipfler (ein Verschnitt aus Zierfandler und Rotgipfler) sowie Neuburger, im In- und Ausland bekannt und beliebt.

Der Rotgipfler wurde erstmals um 1837 oder 1840 von Johann Burger in der Steiermark urkundlich erwähnt und war früher auch in Württemberg, Baden und im Elsass verbreitet.

In den 1840er Jahren wurde mit dem Bau der Südbahn begonnen. Die Weingärten der Thermenregion sollten dadurch keinen Schaden nehmen, weshalb auf Anweisung Kaiser Ferdinands zwischen Gumpoldskirchen und Traiskirchen zur Schonung der Rebanlagen ein Tunnel gegraben wurde. Von da sind die Weine als „Weine von der Südbahn“ bekannt.

Die Weine genossen in Österreich weiterhin hohes Ansehen und zählten zu den besten und teuersten Weißweinen des Landes. Bei der Wiener Weltausstellung 1873 erhielten die meisten Verdienstmedaillen „die Sorten der Gumpoldskirchner, zu den besten Weißweinen zählend, welche das Erzherzogtum Österreich hervorbringt und nach allgemeiner Regel aus der Zierfandler- und Rieslingerebe erzeugt wird und von ganz bewunderungswürdiger Qualität sind …“ (FLAK et al., 2005).

1876 wurde der Weinbauverein Gumpoldskirchen gegründet, mit dem Ziel, das kulturelle Weinerbe zu erhalten und zu pflegen. Der Verein hat bis heute Bestand.

Im Wiener Ringstraßenhotel „Imperial“ kamen zu Zeiten der Monarchie neben den bekannten ausländischen Weinen nur ein Wachauer Riesling und der Gumpoldskirchner als heimische Weine auf die Karte.

Weine aus der „Perle des österreichischen Weinbaus“, wie die Thermenregion noch genannt wurde, wurden auch an die europäischen Königshäuser geliefert und gelangten bis an den Hof des russischen Zaren in Sankt Petersburg. Bei der Eheschließung von Königin Elisabeth von England mit Prinz Phillip im Jahre 1947 soll den Hochzeitsgästen Gumpoldskirchner Wein kredenzt worden sein.

Als 1961 die damals mächtigsten Männer der Welt, John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow, in Wien zusammentrafen, kamen sie ebenfalls in den Genuss der erlesenen Weine aus der Region rund um Gumpoldskirchen.

Auch Hans Moser (1880 bis 1964) besang in „Die Reblaus“ den Wein aus der Thermenregion: „Und schwörn könnt ich, dass ich eine Reblaus gwesen bin, ich weiss bestimmt, ich habe gehaust in einem Weingarten bei Wien, drum habe den Gumpoldskirchner ich so vom Herzen gern und wann ich stirb, möcht i a Reblaus wieder wern.“ (MARISCHKA, 1940)

Viele Jahre wurde die Bezeichnung „Gumpoldskirchner“ häufig missbräuchlich für Weine minderer Qualität verwendet, die nicht aus den Gumpoldskirchner Rieden, sondern aus osteuropäischen Ländern stammten. Daraufhin erfuhr der Gumpoldskirchner einen Imageverlust und der Export kam praktisch zum Erliegen. Um dem entgegenzuwirken, wurde 1958 ein „Weinwerbungs- und Markenschutzverband“ gegründet, der ein international gesetzlich geschütztes Markenzeichen für Weine „kontrollierter Herkunft aus Gumpoldskirchen“ verleiht. Aufgrund der schon seit Jahrhunderten großer Beliebtheit am Kaiser- und Königshof, entschied sich der Weinbauverein für den Markennamen „Königshof“ (= Wein aus Rotgipfler oder Zierfandler oder einem Verschnitt aus beiden, dem „Spätrot-Rotgipfler“).

In den letzten Jahren erleben die Weine aus der Gegend rund um Gumpoldskirchen eine Renaissance. Verstärkte Investitionen in die Qualität der Produktion Gumpoldskirchner Weine führten zu hochwertigen und prämierten Weinen.

Gebiet/ Region:

Zierfandler und Rotgipfler werden heute im Wesentlichen nur mehr in der Thermenregion in der Gegend rund um Gumpoldskirchen, Niederösterreich, kultiviert.

Die Thermenregion erstreckt sind von der südlichen Stadtgrenze Wiens entlang des Wienerwaldes bis nach Baden und Wiener Neustadt und befindet sich am westlichen Rand des Wiener Beckens im Bereich der sogenannten „Westlichen Thermenlinie“. Die bekanntesten Weinorte sind Gumpoldskirchen, Baden, Traiskirchen, Bad Vöslau, Paffstätten, Sooß und Tattendorf. Der höchste Gipfel der Region ist der Anninger (674 m).

Im Weinland Thermenregion werden weiße und rote Rebsorten ausgepflanzt, wobei die Trauben für feine Weißweinsorten in den Rieden von Perchtoldsdorf, Gumpoldskirchen, Pfaffstätten, Baden, Guntramsdorf und Traiskirchen heranreifen.

Die Gesamtanbaufläche für Rotgipfler in Österreich beträgt 105 ha und nimmt etwa 0,23 % der gesamten Weinbaufläche (ca. 45.900 ha) ein. Zierfandler wird derzeit auf einer Gesamtanbaufläche von 85 ha kultiviert. Sein Anteil an der gesamten Weinbaufläche Österreichs beträgt in etwa 0,18 %. (Stand 2010, Österreich Wein)

Kleinere Auspflanzungen von Rotgipfler- und Zierfandlerreben sind in Tschechien bzw. in der ungarischen Tiefebene (Kecskemet) bekannt.

Klima:

Das pannonische Klima der Region ist geprägt durch trockene, heiße Sommer und kalte, schneearme Winter sowie einen trockenen Witterungsverlauf im Herbst. Durch den Höhenzug des Anningers ist die Region vor feucht-kaltem Wetter aus dem Westen geschützt. Charakteristisch sind im Sommer tagsüber heiße pannonische Winde. Die deutlich kühleren Fallwinde im westlichen Bereich sorgen im Verlauf der Nacht wieder für eine Abkühlung der Luft. Dieses Zusammenspiel der Luftströmungen lässt die Reben nach Niederschlägen und Tau rasch wieder abtrocknen und fördert die Aromaentwicklung.

Die durchschnittliche Jahrestemperatur im Bereich der Thermenregion gehört mit zu den höchsten in Österreich. Sie reicht von 9,4 °C in Wiener Neustadt bis 9,9 °C in Gumpoldskirchen und Baden. Die jährlichen Niederschlagsmengen liegen zwischen 599 l/m² (Wiener Neustadt) und 624 l/m² in Baden.

Der nördliche Teil im Umfeld von Gumpoldskirchen ist mit 1.811 Sonnenstunden im Jahr das Schönwetterzentrum der Region, gefolgt von Wiener Neustadt (1.773 Sonnenstunden/Jahr) und Baden (1.770 Sonnenstunden/Jahr). Die Vegetationszeit erstreckt sich über 230 Tage.

Bodenverhältnisse:

Die Bodenformen in den Weingärten der Region sind vielfältig und ergeben insgesamt ein sehr komplexes weinbauliches Terroir.
An den Hängen des Anningers haben sich in Jahrmillionen über den Schwemmlandschichten und dem darüber liegenden Verwitterungsmaterial schwere Böden, wie lehmige Tone, sandige Lehme und Braunerden mit einem hohen Anteil an Muschelkalk ausgebildet, die ideale Bedingungen für den Anbau von Zierfandler und Rotgipfler bilden.

Zierfandler:

Der Ursprung der weißen, autochthonen Rebsorte Zierfandler liegt vermutlich in Niederösterreich.

Die Rebsorte stammt vom Roten Veltliner und einer bis dato unbekannten Rebe ab, die starke Ähnlichkeit mit dem Traminer aufweist.

Die Reihe an synonyme Bezeichnungen, wie Spätrot, Rubiner, Gumpoldskirchner, Roter Reifler, Cirfandli, Cilifan und Zerjavinam deutet daraufhin, dass die Sorte früher stark verbreitet oder zumindest bekannt gewesen sein muss. Das Synonym „Spätrot“ rührt daher, dass die sonnenseitigen Trauben erst vergleichsweise spät eine rötliche Färbung annehmen. Beschattete Trauben bleiben grün.

Zierfandler nicht mit dem Zinfandel zu verwechseln, einer vor allem in den USA angebauten Rotweintraube, die mit dem italienischen Primitivo identisch ist.

Ampelographische Beschreibung: (Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg)

Die Triebspitzen des jungen Triebes sind offen. Der junge Trieb ist stark wollig behaart mit mittelstarker Anthozyanfärbung. Die Triebhaltung ist aufrecht. Die langen Ranken sind diskontinuierlich verteilt.
Die ventralen Internodien sind grün, dorsale grün bis grün mit roten Streifen.
Die Knospenschuppen besitzen bis zur Mitte keine oder eine schwache Anthozyanfärbung.
Das junge Blatt ist an der Oberseite auf der ganzen Blattfläche kupfrig-rötlich. Die Unterseite weist zwischen den Nerven eine starke Behaarung auf. Die Blüte ist zwittrig.

Das ausgewachsene Blatt ist kreisförmig mit 5 bis 7 Lappen und V-förmigem Profil. Die Hauptnerven auf der Blattoberseite sind grün. Der Stielansatz ist rot. Die Spreite ist nicht gewaffelt und mittel-stark blasig. Die Blattzähne sind gerade bis rund gewölbt, die Stielbucht etwas überlappend mit V-förmiger Basis und nicht von Nerven begrenzt. Zähne in der Stielbucht und den Seitenbuchten fehlen. Die Blattunterseite ist stark behaart mit schwacher Borstung der Hauptnerven.

Der Traubenstiel ist kurz (3 bis 5 cm), die Traube mittelgroß (14 bis 18 cm) und sehr dicht. Die Grundtraube ist zylindrisch mit 1 bis 3 Flügeln, die Beitraube ist fehlend bis mittelgroß.
Die Beeren besitzen eine rundliche Form (l = 14 bis 20 mm, b = 14 bis 20 mm) mit einem geringen Einzelbeerengewicht (~ 2 g). Die Beere besitzt eine grün oder rosa bis graue Haut und ein ungefärbtes Fruchtfleisch. Ihr Geschmack ist neutral, die Samen sind vollständig ausgebildet.

Phänologische Beschreibung: (Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg)

Der Austrieb der Rebsorte ist spät, die Blütezeit mittel, ebenso die Reifezeit.
Die Rebsorte besitzt eine Resistenz gegenüber Winterfrost, die Regeneration nach Frühjahrsfrost ist gut.
Die Resistenzen gegenüber pilzlichen Schaderregern, wie Plasmopara ist schwach, gegenüber Oidium mittel, gegen Botrytis schwach. Die Neigung der Beeren zum Platzen bei Herbstniederschlägen ist mittel.

Die Sorte stellt keine hohen Ansprüche an den Boden, jedoch hohe an die Lage, weshalb sie vorwiegend in Gunstlagen angepflanzt wird.

Rotgipfler:

Die autochthone weiße Rebsorte ist vermutlich aus einer zufälligen Kreuzung der Sorten Traminer und Roter Veltliner hervorgegangen. Andere Bezeichnungen sind: Reifler, Rotreifler, Rotstreifler oder Slatzki Zelenac. Der Name „Rotgipler“ ist auf die rötlichen Triebspitzen des Weinblattes zurückzuführen.

Ampelographische Beschreibung: (Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg)

Die Triebspitzen des jungen Triebes sind offen. Der junge Trieb ist stark wollig behaart mit starker Anthozyanfärbung. Die Triebhaltung ist aufrecht. Die mittel-langen Ranken sind diskontinuierlich verteilt.
Die ventralen Internodien sind grün gefärbt, dorsal sind sie grün mit roten Streifen bis rot.
Die Knospenschuppen besitzen in der Mitte eine schwache Anthozyanfärbung.
Das junge Blatt ist an seiner Oberseite auf der ganzen Blattfläche kupfrig-rötlich. Die Unterseite weist eine starke Behaarung zwischen den Nerven auf. Die Blüte ist zwittrig.
Das ausgewachsene Blatt ist kreisförmig mit 5 bis 7 Lappen und V-förmigen Profil. Die Hauptnerven auf der Blattoberseite sind über die 2. Aderverzweigung hinaus rot. Die Spreite ist mittel-stark gewaffelt und mittel-stark blasig. Die Blattzähne sind gerade bis rundgewölbt, die Stielbucht offen mit Klammer-förmiger Basis und nicht von Nerven begrenzt, Stielbuchtzähne fehlen. In den Seitenbuchten hingegen treten häufig Zähne auf. Die Blattunterseite ist mittel-dicht behaart mit schwacher Beborstung der Hauptnerven.
Der Traubenstiel ist kurz (3 bis 5 cm), die Traube mittel-groß (14 bis 18 cm) und sehr dicht. Die Grundtraube ist kegelförmig mit 1 bis 3 Flügeln, die Beitraube fehlt oder ist rudimentär bis klein.
Die Beeren besitzen eine oval bis verkehrt eiförmige Form (l = 14 bis 20 mm, b = ~ 14 mm) mit sehr geringen bis geringen Einzelbeerengewicht (1 bis 2 g). Die Beere besitzt eine grün gelbe Haut und ein ungefärbtes Fruchtfleisch. Ihr Geschmack ist neutral, die Samen sind vollständig ausgebildet.

Phänologische Beschreibung: (Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg)

Der Austrieb der Rebsorte ist mittel, die Blütezeit mittel bis spät, ebenso die Reifezeit.
Die Rebsorte besitzt eine Resistenz gegenüber Winterfrost, die Regeneration nach Frühjahrsfrost ist schwach.
Die Resistenz gegenüber pilzlichen Schaderregern, wie Plasmospora ist sehr schwach, gegenüber Oidium schwach und gegenüber Botrytis schwach. Die Neigung der Beeren zum Platzen nach Herbstniederschlägen ist mittel bis stark.

Die Rebsorte bevorzugt mittelschwere, kalkhaltige Böden in sonnenbegünstigten Hanglagen.

Aufgrund der Kompaktheit der Trauben neigt der Rotgipfler zu Rohfäule.

Methode der Produktion:

Die Bewirtschaftung der Weingärten wird nach den Grundsätzen des „Naturnahen Weinbaus“ durchgeführt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf eine naturnahe Weingartenpflege, Ertragsbegrenzung, sorgfältige Selektion der Trauben und behutsamen Ausbau der Weine gelegt.

Zierfandler und Rotgipfler eignen sich für den klassischen Ausbau im großen Holzfass oder Stahltank. Gelegentlich findet der Ausbau auch im Barrique statt.

Die Rebsorten werden selten sortenrein vinifiziert. Weitaus häufiger dienen sie als Verschnittpartner in Cuvées mit anderen heimischen Sorten. Eine besondere Spezialität ist der Spätrot-Rotgipfler, ein Verschnitt aus Zierfandler und Rotgipfler.

In der Thermenregion wird auch das Kulturverfahren des Gemischten Satzes angewendet, bei dem verschiedene Rebsorten mit unterschiedlichen Reifezeitpunkten und unterschiedlichem Säuregrad gemischt im Weingarten ausgepflanzt und anschließend gemeinsam gelesen und gepresst werden. Nicht zu verwechseln mit einer Cuvée, die durch Verschneiden verschiedener Weine und/oder Moste desselben Weingebiets oder derselben Weinregion hergestellt wird.

Aus den Rebsorten Zierfandler und Rotgipfler können sowohl Heurigenweine, als auch klassische hochreife Auslesen und rare Prädikatsweine erzeugt werden.

Bei Wein der Marke „Königswein“ handelt es sich in der Regel um einen Qualitätswein im Spätlesebereich, der nur von Mitgliedern des Weinbauvereins Gumpoldskirchen produziert werden darf. Für die Produktion wurden genaue Erziehungsmaßnahmen im Weingarten festgelegt. Im Sinne einer Qualitätssicherung führen die Winzer im Weingarten oder bei der Traubenübernahme gemeinsame bzw. gegenseitige Kontrollen.

Geschmack, Aussehen:

Zierfandler: Weine zeigen in ihrem Geschmacksbild eine außerordentliche Vielseitigkeit. Der Ziefandler liefert extrakt- und alkoholreiche Weine, die über ein zartes Aroma und fruchtige Säure verfügen. Die Weine werden meist mit Restsüße hergestellt und erinnern im Aroma an Zitrusfrüchte, Ananas und Maracuja. Die Farbe der Weine aus den Zierfandlerreben ist goldgelb und im Vergleich zum Rotgipfler etwas heller.

Rotgipfler: Weine sind in der Regel extrakt- und alkoholreich und besitzen eine eher dunkel goldgelbe Färbung. Das Aroma kann als fruchtig-würzig beschrieben werden und erinnert an Äpfel und Birnen sowie in geringem Ausmaß auch an Grünen Veltliner.

In Kombination (Spätrot-Rotgipfler) werden die Aromen des Rotgipflers in den Hintergrund gerückt und der Zierpfandler verliert manchmal seine kantigen Noten.

Qualitätskontrolle und –sicherung:

Bevor Wein unter der Marke „Königswein“ in den Handel gelangt, wird dieser einer Prüfung durch eine Kostkommission, bestehend aus Weinhauern, Gastronomen und Weinfachjournalisten, unterzogen.

Vermarktung:

Die Vermarktung von Rotgipfler und Zierfandler findet sowohl direkt, als auch über Vinotheken, den Lebensmittelhandel und die Gastronomie, unter anderem unter der Marke „Königswein“ statt.

Auch der Export ins Ausland, z.B. nach New York, ist bekannt.

Verwertung:

Die aus Rotgipfler und Zierfandler hergestellten Weine verfügen über ein sehr gutes Lagerungspotenzial. Der Zierfandler wirkt gegenüber dem Rotgipfler in guten Jahren geschmacklich feiner und eleganter. Seine Reifespanne liegt zwischen 2 bis 10 Jahren, bei höheren Prädikatsstufen auch wesentlich darüber.
Zierfandler eignet sich als Aperitifwein oder als Begleitung zu dunklem Fleisch, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchten, leichten Pastagerichten, asiatischen Gerichten oder Käse. Die optimale Trinktemperatur liegt zwischen 8 bis 10 °C.

Rotgipfler ist ein gehaltvoller Wein, der gut harmoniert zum Braten und zu allen panierten Fleischgerichten sowie Gerichten der asiatischen Küche. Er ist auch zu Desserts geeignet. Die optimale Trinktemperatur liegt zwischen 7 bis 10 °C.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Niederösterreich, Region, Thermenregion, Gumpoldskirchen, Wein, Weißwein, Zierfandler, Rotgipfler, Spätrot-Rotgipfler

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 10. Oktober 2011.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Alfred Freudorfer
Wienerstraße 21
2352 Gumpoldskirchen
Telefon: 02252/62497
E-Mail: buschenschank@freudorfer.at

Autorin

Mag. Doris Reinthaler

Veröffentlicht am 11.12.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)