Rosentaler Carnica Honig

Traditionelle Honigproduktion durch reinrassige Carnica-Bienen (Apis mellifera carnica) im Rosental, Kärnten.

Registernummer: 56

Offenlegungsdatum

Erste wissenschaftliche Erwähnung der Carnica Biene als Apis mellifera carnica von POLLMANN, 1875.

Titel

Rosentaler Carnica Honig

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionelle Honigproduktion durch reinrassige Carnica-Bienen (Apis mellifera carnica) im Rosental, Kärnten.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Honig

Name der Region

Rosental, Kärnten, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Carnica- Region Rosental

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Ca. 260 Imker produzieren Honig sowie 35 Carnica Königinnenzüchter in der Region Rosental.

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Honigbienen gelten in Mitteleuropa seit Jahrtausenden als endemisch. Nach der letzten Eiszeit wanderte die Honigbiene vom Balkan in das eisfreie Gebiet Kärntens ein.

Es entwickelte sich eine regionale Unterart, Apis mellifera carnica, welche sich an die lokalen geografischen und klimatischen Begebenheiten anpasste.

Bereits der römische Dichter Vergil (70 bis 19 vor Christus) beschreibt in seinem Werk Gregorica (22/3-5) den Unterschied zwischen der gallischen-germanischen Biene und der im südlichen Norikum, einer römischen Provinz, die sich über das heutige Gebiet von Österreich und Slowenien erstreckte, vorkommenden sanften Bienen.

Der griechische Geschichtsschreiber Strabo (63 vor Christus bis 23 nach Christus) beschreibt die Bienenhaltung im Raum des heutigen Villach, Kärnten. Auch Columella (bis 70 nach Christus) und Plinius (bis 79 nach Christus) erwähnen die Bienen in dieser Region.
Schon in der Antike war das heutige Rosental mit seinen Urwäldern dicht von Bienen bevölkert. Es ist bekannt, dass die Kelten bereits Honigscheiben nach Rom lieferten.

Ab dem 11. Jahrhundert gab es im heutigen Kärnten ausgedehnte „Zeidelreviere“ (Zeidel = geordnete und geschützte Waldbienenzucht).

1775 übernahm die Grundherrschaft Hollenburg im Rosental die Überwachung der Bienenzucht.
Der gute Ruf der Carnica Bienen führte im 18. Jahrhundert zu deren Export in andere Kontinente. So wurden zum Beispiel vom Baron Rothschütz von Podsmreka (im heutigen Slowenien) 1875 Carnica Bienen nach Südamerika und Asien (Bombay, Java) exportiert.

Am Beginn des 20. Jahrhunderts war eine nicht genau definierbare Mischung von Bienenrassen in Kärnten vorhanden. Um reinrassig Carnica-Bienen zu erhalten wurde im Jahr 1929 mit der systematischen Züchtung von reinrassigen Carnica Bienenvölkern begonnen. Dies waren Carnica Bienen (Stamm „Glockner“), die am Fuße des Großglockners, dem höchsten Berg Österreichs, gefunden wurden.

Die Verwendung von Mischrassen und Hybriden (Buckfast Biene) durch Bienenzüchter gefährden den Bestand der reinrassigen Carnica Biene.

Um die Carnica Bienenzucht im Rosental zu erhalten und zu fördern wurde ein Carnica-Königinnen-Zuchtverein errichtet.
Das Carnica Bienenmuseum in Kirschentheuer bei Ferlach wurde 1994 eröffnet und die Carnica Biene Belegstelle Johannesruhe im Bärental 2001 (Marktgemeinde Feistritz im Rosental) behördlich genehmigt.

Zahlreiche EU-Projekte (INTERREG und LEADER) wurden im Bereich der Bienenzucht erfolgreich durchgeführt.

Gebiet/ Region:

Das Rosental ist ein Tal im Süden Kärntens, Österreich, und reicht von Rosegg im Westen bis zur Vellach im Osten. Das Rosental, mit einer Länge von 40 km, wird von der Drau durchflossen. Im Norden wird es vom Höhenzug der Sattnitz und im Süden vom Gebirgszug der Karawanken, welche die Grenze zu Slowenien bilden, begrenzt.
Der Name Rosental stammt von den Herren von Ras bzw. Rasek, welche die Burg Altrosegg erbauten.

Carnica Biene:

Diese Unterart wurde 1879 von Pollmann als Apis mellifera carnica beschrieben.
Umgangssprachlich wird die Biene von Züchtern auch als Kärntner Biene, Krainer Biene, Graue Biene, Bergbiene oder auch kurz als Carnica bezeichnet.

Apis mellifera carnica ist eine Unterart der Westlichen Honigbiene und ist in den südlichen, österreichischen Alpen, in Slowenien sowie in den nördlichen Balkanregionen (in Teilen von Ungarn, Rumänien, Kroatien, Bosnien und Herzegovina und Serbien) heimisch, wo sie sich an verschiedene Ökotypen der Region angepasst hat.

Die Carnica, eine mittelgroße, schlanke Biene, besitzt graue Filzbinden am Hinterleib, deren Ausgestaltung charakteristisch ist für die Rassenzuordnung.

Besonderheit der Rosentaler Carnica:

Die Population der Carnica im Rosental hat auffallend hellgraue Streifen. Die Bienen haben sich hervorragend an die Umweltbedingungen und Nektarverfügbarkeit im Rosental angepasst, besitzen besondere Sanftmut und sind im Verhalten nicht aggressiv.

Da die Carnica Biene in ihrer ursprünglichen Umgebung eine Bergbiene ist, ist sie an extreme Temperaturschwankungen zwischen den Jahreszeiten sowie an ein kurzes Frühjahr und warme, kurze Sommer angepasst.
Carnica Bienen überwintern in schwachen Völkern und können in Gebieten mit langen Wintern gehalten werden.

Populationen zeigen im Frühjahr eine zügige Entwicklung und nehmen im Sommer (ab der Sonnenwende) substantiell ab, wenn die Honigtracht zu gering ist.

Die Biene besitzt einen starken Schwarmtrieb und eine gute Orientierungsleistung.

Honig:

Der Rosentaler Honig wird von Carnica Bienen in Bienenstöcken mit beweglichen Wabenrahmen erzeugt.

Je nach der botanischen Herkunft lässt sich „Rosentaler Carnica Honig“ in Mischblütenhonig als auch in Honigtauhonig einteilen.

Mischblütenhonig entsteht aus dem Nektar mehrerer Blütentypen. Die dominanteste Blüte bestimmt Geschmack und Aroma, in dem oft die Note des Wiesensalbeis (Salvia pratensis), des Löwenzahns und der Lindenblüte (Tilia sp.) dominiert. Die Farbe reicht von gelb bis dunkel gelb.

Honigtauhonig stammt von Honigtau, der von saugenden Insekten abgesondert wird. Er ist dunkel und bernsteinfarben und weist einen kräftigeren Geschmack als der Mischblütenhonig auf. Er besitzt weniger Süßkraft und ist daher sehr beliebt.

Beide Honigarten werden in flüssiger, kristallisierter oder cremiger Form sowie als Waben oder Scheibenhonig mit Propolisanteilen (zum Kauen) angeboten.

Der Rosentalhonig muss die Merkmale der Qualitätsnorm für Honig des Codex Alimentarius Austriacus und der Honigverordnung (BGBL.II Nr. 40/2004 erfüllen) erfüllen.

Herstellungsverfahren:

In der Region Rosental produzieren ca. 260 Imker Honig und 35 Carnica Königinnenzüchter Carnica Königinnen, welche international exportieren.

Die Produktion, Verarbeitung und Verpackung des Rosentalers Carnica Honigs erfolgt ausschließlich in der Region Rosental.

Die Pflege der Bienenstöcke ist darauf ausgerichtet, eine optimale Qualität des Honigs zu gewährleisten.
Während der Honigernte dürfen die Bienenvölker nicht gefüttert werden. Im Fall von Bienen- oder Bienenbrutkrankheit dürfen diese nur durch biotechnische Maßnahmen, also ohne Einsatz von Medikamenten, behandelt werden.

Die Bienen werden nach traditionellen Verfahren von den Waben entfernt.
Beim Entnehmen der Honigwaben werden die Bienen durch händisches abklopfen oder abkehren (Besen oder Geflügelfeder) von den Waben gebracht. Lediglich Rauch von getrockneten Baumschwämmen wird zur Abwehr eingesetzt. Chemische Abwehrmittel werden nicht verwendet.

Die Waben werden händisch durch die Verwendung von Entdeckelungsmessern oder Gabeln, die sauber und trocken sein müssen und nicht wärmer als 40 °C sein dürfen, geöffnet.
Der Honig wird sorgfältig durch Abtropfen oder Zentrifugieren, gelegentlich auch durch Pressen gewonnen.

Der geschleuderte Honig durchläuft unmittelbar danach ein Doppelsieb, um Wachsteile abzufangen. Anschließend wird er in großen Edelstahlgefäßen gelagert, wo der Klärprozess beginnt.

Die Behältnisse müssen hermetisch verschließbar sein, um jegliche Beeinflussung zu verhindern, die sich negativ auf Qualität oder Geschmack des Honigs auswirken könnte.

Für den Direktkonsum wird der Honig nach einer Lagerungszeit von bis zu 14 Tagen in verschieden große Gläser abgefüllt.
Die Behälter müssen nach den rechtlichen Vorgaben gekennzeichnet sein. Der Name und die Adresse des Herstellers stehen für die Herkunft des Honigs aus dem Rosental.

Verwertung:

Die Rosentaler Imker produzieren neben Honig auch Gelèe Royale, Propolis, Bienenwachs sowie Blütenpollen.
Weiters werden die Honig-Rohstoffe auch zu Honigwein, Honig- Liköre, Honig- Schnäpse, Honigschokolade, Honig-Eis, Backwaren mit Honig, handgeschöpfte Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel verarbeitet.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Besondere Klimaverhältnisse in der Region Rosental ermöglichen die Bienenhaltung und Zucht der gefährdeten Bienenrasse Apis mellifera carnica.
  • Ausgeprägte Bodenständigkeit: Die Bienen haben sich an die Nektarverfügbarkeit sowie an die Umweltbedingungen im Rosental angepasst.
  • Der einzigartige Geschmack und das Aroma des Rosentaler Carnica Honigs stehen in direkter Beziehung zur Rasse, zur Pflanzenvielfalt in der Region sowie zum traditionellen Herstellungsverfahren.
  • Die Erzeugung von Rosentaler Carnica Honig ist das Ergebnis von Traditionellem Wissen, das an die in diesem Bereich Tätigen weitergegeben wurde: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Imker (Anpassung der Haltung der Bienen an die Gegebenheiten der Umwelt, historische Auswahl von Landrassen, Know-how der Imker, Art der Honigproduktion, Verbesserung des Erbguts), Know-how der Königinnenzüchter sowie Know-how der Vermarkter.

Vermarktung:

Die Honigspezialitäten werden durchgehend sowohl Ab- Hof als auch von den Partnerbetrieben angeboten.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Kärnten, Region, Rosental, Bienen, Apis mellifera carnica, Carnica, Honig, Rosental Carnica Honig

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller zitierten Internetreferenzen erfolgte am 4. April 2008

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Carnica-Region Rosental
Sponheimer Platz 1
9170 Ferlach
Homepage: www.carnica-rosental.at
E-Mail: office@carnica-rosental.at
Telefon: 04227/5119
Fax: 04227/4970

Autoren

Mag. Eva. Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 06.11.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)