Kittseer Marille

Traditioneller Anbau von Marillen (Prunus armeniaca) der lokalen Sorte „Frühmarille aus Kittsee“ und anderer Sorten in der Region Kittsee, Burgenland.

Registernummer: 86

Offenlegungsdatum

1924 wird erstmals die großflächige Kultivierung von Marillenbäumen in der Chronik der Gemeinde Kittsee erwähnt.

Titel

Kittseer Marille

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditioneller Anbau von Marillen (Prunus armeniaca) der lokalen Sorte „Frühmarille aus Kittsee“ und anderer Sorten in der Region Kittsee, Burgenland.
Marillen aus Kittsee zeichnen sich durch ihr außergewöhnlich fruchtiges Aroma aus. Dieses steht in direkter Beziehung zu den zahlreichen Sonnenstunden und dem milden und feuchten Klima, welches auf die Einflüsse des Steppensees Neusiedlersee zurückzuführen ist.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Steinobst, Frischobst, Obst

Name der Region

Kittsee, Burgenland, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Verein Kittseer Marille
Ing. Franz Krich

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Rund 120 Obstbauern (7 Bio-Obstbauern) in der Gemeinde Kittsee.

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Als Urheimat der Marille kann Asien betrachtet werden. Danach wurden die Marillen über die Seidenstraße nach Armenien eingeschleppt. Sie wurden dort sehr lange angebaut, weshalb man sie dort häufig als heimisch ansah. Der wissenschaftliche Name Prunus armeniaca nimmt auf Armenien Bezug. Es wird angenommen, dass Alexander der Große sie nach Griechenland und der römische General Lucullus (106 bis 57 vor Christus) sie nach Rom brachte.
Die Kapitularien Karl des Großen aus dem Jahre 802 enthalten eine Liste mit all den kultivierten Obstarten, Marillen werden aber nicht erwähnt, da sie vom 3. bis zum 16. Jahrhundert als Pfirsiche angesehen wurden. Der österreichische Ausdruck „Marille“ für Aprikose geht vermutlich auf die italienische Bezeichnung „armellino“ zurück, die sich von der wissenschaftlichen Bezeichnung „armeniaca“ (= aus Armenien stammend) ableitet.

Im Jahre 1924 erwähnt die Kittseer Ortschronik erstmals die großflächige Kultivierung von Marillenbäumen (bis 1921 gehörte Kittsee, wie der Rest des Burgenlands auch, zu Ungarn).
Einer Legende nach lieferte ein Bauer Getreide an eine Baumschule, deren Besitzer nicht bar zahlen konnte und den Bauern mit Marillenbäumen entlohnte. Die Marillenbäume gediehen unter den milden klimatischen Bedingungen besonders gut und brachten Früchte mit außergewöhnlichem Aroma hervor. Die erfolgreiche Vermarktung motivierte andere Landwirte Marillenbäume zu pflanzen.
Bis zum 2. Weltkrieg wurden die geernteten Marillen nach Deutschland zur Produktion von Marillenmarmelade verkauft.

Nach dem 2. Weltkrieg stellten die Marillen ein wichtiges Zusatzeinkommen für die Landwirte dar, was die Pflanzung von vielen Marillenbäumen auslöste. Die Früchte wurden von einer Obst- und Gemüsekooperation in Neusiedl am See und anderen Händlern vermarktet.

In den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts selektierten die Pomologen Karl Duhan, Josef Falch und Eduard Strauss die lokale Sorte „Kittseer Frühmarille“ aus der Sorte der „Frühen Ungarischen Gelben“ und empfohlen den Anbau dieser Sorte. Heutzutage ist die Sorte in der Region von geringer wirtschaftlicher Bedeutung und es werden keine Sortenerhaltungsmaßnahmen durchgeführt.

Absatzschwierigkeiten am Beginn der 1960er Jahre führten zur Errichtung einer Übernahmestelle für Marillen und einem Verarbeitungsbetrieb. Bis heute ist der Betrieb der wichtigste Partner für die lokalen Marillenproduzenten.

1999 wurde der Verein „Kittseer Marille“ gegründet.
2004 wurde die Bezeichnung „Kittseer Marille“ als Wortbildmarke registriert.

Heute werden ca. 30.000 Marillenbäume auf etwa 180 Parzellen Land, die 110 ha abdecken, angebaut.

Gebiet/Region:

Kittsee ist eine Gemeinde in Nordburgenland, etwa 32 km nordöstlich der Bezirkshauptstadt Neusiedl am See.
Kittsee liegt direkt an der Slowakischen Grenze gegenüber von Bratislava in der sogenannten „Dreiländerecke“ Österreich, Ungarn und Slowakei.
Die Gemeinde liegt auf einer Seehöhe von rund 140 m.

Klima und Bodenbeschaffenheit:

Das Klima ist pannonisch und wird stark durch den großen Steppensee Neusiedler See beeinflusst. Die riesige Wassermasse wirkt als Wärmespeicher, mildert sommerliche Temperaturschwankungen, schützt vor frühen Herbstfrösten und wirkt als Feuchtigkeitsspender.
Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter kurz und schneearm.
Der Herbst ist sonnig mit milden Temperaturen und dauert bis spät in den Oktober, mitunter November hinein.

Die jährliche Niederschlagsmenge ist gering (450 bis 550 mm pro Jahr).
Das Temperaturjahresmittel liegt bei ca. 9,7 °C. Etwa 1.900 Sonnenstunden im Jahr bieten ideale Voraussetzungen für das Gedeihen der Marillen.

Die Böden in der Region sind vorwiegend leichte Sand- und Kalkböden, die reich an Humus sind.

Lokale Bodenbedingungen und pannonisches Klima sind bestens geeignet für den Anbau von Kittseer Marillen.

Kittseer Marille:

Die Marille (Prunus armeniaca) ist eine Art der Gattung Prunus, Familie Rosaceae.
Heute wird in Kittsee vorwiegend die Sorte „Ungarische Beste“ angebaut. Darüber hinaus werden wegen ihre guten Haltbarkeit und Transportfähigkeit die Sorten „Goldrich“, „Bergeron“, „Aurora“ und „Silvercot“ kultiviert. Die lokale Sorte „Kittseer Frühmarille“ hat an wirtschaftlicher Bedeutung verloren. Diese Sorte eignet sich besonders für Hausgärten und Direktvermarktung. Die Früchte sind eher klein, aber sehr aromatisch. Deshalb werden sie häufig als Tafelobst, für Marillenknödel, für die Marmeladenherstellung oder für die Destillation zu Marillenedelbränden verwendet.
Generell zeichnen sich Marillen aus Kittsee durch ihr außergewöhnlich fruchtiges Aroma aus, das in direkter Beziehung zum vom Neusiedlersee beeinflussten feuchten, milden Klima mit zahlreichen Sonnenstunden steht.

Methode der Produktion:

Kittseer Marillen werden in Obstanlagen angebaut. Heute werden Bäume nicht mehr länger lokal veredelt sondern von Baumschulen aus Poysdorf und Lassee zugekauft. Etwa 500 bis 1.000 Bäume werden jährlich gepflanzt, im Jahr 2009 waren es sogar ca. 3.000 bis 5.000.

Die Stämme der Marillenbäume sind etwa 150 bis 180 cm hoch, im Fall von Spindelbäumen nur 50 bis 80 cm. In den letzten Jahren hat die Verwendung von Spindelbäumen zugenommen.

Bewässerung:

Die Marillenbäume, vor allem die jüngeren Bäume, werden im Juli und August mit Grundwasser aus Brunnen bewässert.

Düngung:

Die Böden werden auf Basis von Bodenuntersuchungen gedüngt. Stickstoff wird im Frühjahr eingesetzt und Kalium sowie Phosphor im Herbst.

Pflanzenschutzmaßnahmen:

Pflanzenschutzmaßnahmen werden dann eingesetzt, wenn sie gerechtfertigt sind.

Ernte:

Je nach Marillensorte werden die Früchte von Anfang bis Ende Juli geerntet. Die Marillen werden täglich per Hand gepflückt. Die meisten Marillen werden, da eine Lagerung nur schwer möglich ist, sofort verkauft.

Die Jahresertragsmenge an Kittseer Marillen beträgt etwa 300 bis 500 Tonnen, wovon ca. 15 Tonnen gemäß biologischen Richtlinien produziert werden.

Qualität und Kontrollen:

Ca 10 % der Kittseer Marillen werden nach den Richtlinien der Integrierten Produktion produziert und ein noch geringerer Prozentsatz nach Bio-Richtlinien.
Marillen, die nach den Biorichtlinien gemäß der EU-Verordnung 834/2007 produziert werden, werden von akkreditierten Kontrollstellen kontrolliert.

Vermarktung:

Der Großteil der Marillen (ca. 40 %) wird als Frischobst verkauft. Etwa 30 % der Marillen werden in einem Betrieb in Osttirol zu Marmelade weiterverarbeitet, nachdem die Kerne bereits in Kittsee entfernt wurden.
Darüber hinaus werden ungefähr 30 % ab-Hof vermarktet oder von regionalen Brennereien destilliert. Geringe Mengen werden von der regionalen Gastronomie und regionalen Bäckereien zu Marillenknödel, Marillenkuchen oder Marillenstrudel verarbeitet.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen

  • Leicht sandige und kalkhaltige Böden mit hohem Humusgehalt und das pannonische Klima bieten optimale Bedingungen für den Anbau von Marillen.
  • Dank der Kulturart und besonderen geographischen Verhältnisse können Marillen erzeugt werden, die hinsichtlich Geschmack Besonderes bieten.
  • Der einzigartige Geschmack und das Aroma stehen in direkter Beziehung zum pannonischen Klima mit zahlreichen Sonnenstunden, welches durch den Neusiedlersee beeinflusst wird.
  • „Kittseer Frühmarille“ ist eine Sorte, die lokal selektiert wurde.
  • Die Erzeugung von Kittseer Marillen ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens, das an die in diesem Bereich Tätigen weitergegeben wurde: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Obstbauern (Anpassung der Erziehungsform an die Gegebenheiten der Umwelt, Auswahl von Unterlagen, Know-how des Ernteverfahrens) und der Erfahrung der Aufkäufer und Einzelverkäufer in der Vermarktung und der Weiterverarbeiter von Marillen.

Verwertung:

Kittseer Marillen eignen sich als Tafelobst und zur Herstellung von Marmeladen, Schnäpse, Liköre, Säften und Essig.
Traditionelle Gerichte sind Marillenknödel, Marillenkuchen, Marillenstrudel und Marillenkompott.

Schutz:

Wortbildmarke „Die Kittseer Marille…gereift unter der Sonne Pannoniens“ (Österreichisches Patentamt Register Nr. 220 535, 7.10.2004)

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Burgenland, Region, Kittsee, Marille, Kittseer Marille

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller zitierten Internetreferenzen erfolgte am 8. September 2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Verein Kittseer Marille
Ing. Franz Krich
Untere Hauptstraße 77
2421 Kittsee
Tel.: 02143/3148 oder 0688/81 49 925
E-Mail: krich@aon.at

Autoren

Mag. Eva Sommer, Mag. Doris Reinthaler, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 12.10.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)