Stanzer Zwetschke

Traditionelles Kultivieren von Zwetschken (Prunus. domestica subsp. domestica) in einer Höhenlage von etwa 1000 m in der Region Landeck (Nordtirol).

Registernummer: 54

Offenlegungsdatum

Eine Legende besagt, dass der Heilige Petrus Canisius im 16. Jahrhundert erstmals Zwetschkenreiser nach Stanz in Tirol brachte.

Titel

Stanzer Zwetschke

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionelles Kultivieren von Zwetschken (Prunus. domestica subsp. domestica) in einer Höhenlage von etwa 1.000 m in der Region Landeck (Nordtirol). Die „Stanzer Zwetschke“ umfasst Zwetschkensorten, die sich besonders gut an das Klima sowie an die Bodenbedingungen der inneralpinen Region angepasst haben. Die Stanzer Zwetschken haben ein saftiges Fruchtfleisch, das einen reichhaltigen süßen Geschmack und ein charakteristisches intensives Aroma aufweist. Traditionell werden sie als Tafelobst verkauft, zu Schnaps destilliert oder in der traditionellen Küche verarbeitet.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Zwetschke, Obst

Name der Region

Stanz, Bezirk Landeck, Nordtirol, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Ing. Ulrich Zeni
Referent für Beerenobst und Obstverarbeitung
Landwirtschaftskammer Tirol

Name des Antragstellers für den Titel

Gemeinde Stanz

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Zwetschkenproduzenten in den Gemeinden Stanz, Grins und Pians

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Eine Legende besagt, dass es der Heilige Petrus Canisius (1521 bis 1597) war, der erstmals Zwetschkenreiser nach Stanz in Tirol brachte.

Im Jahr 1857 wurden 4,7 ha des Gemeindegebietes Stanz von Obstbäumen eingenommen. Neben Zwetschken (Prunus domestica subsp. domestica) und Spenlingen (Prunus domestica subsp. pomariorum) wurden Äpfel und Birnen gepflanzt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Obstbau intensiviert und in der Zwischenkriegszeit versuchte man, die Stanzer Zwetschke auf den Münchner Markt zu bringen. Die Qualitätsansprüche waren zu dieser Zeit jedoch noch relativ gering.

Bis zum Jahr 1954 wurden in der Region Zwetschkenbäume gezogen, die aus dieser Region stammten. Neue Zwetschkenbäume entstanden durch keimende Samen oder durch Pflanzung von Wurzelaustrieben. Dies hatte zur Folge, dass sich diese Zwetschkensorten an die spezifischen Bedingungen des Bodens und des Klimas in der Höhenlage von etwa 1.000 Meter anpassten. Die Zwetschken gewannen einen guten Ruf als „Stanzer Hauszwetschken“.

Anlagen und die Schaffung neuer Intensivanlagen für Zwetschkenproduktion aus. Dies wurde begleitet durch die Einbringung anderer Sorten (Wangenheimer Frühzwetschke, Italienische Zuckerzwetschke).
Derzeit werden in der Region „Stanzer Zwetschke“ etwa 20.000 Zwetschkenbäume kultiviert, die durchschnittlich 25 kg Zwetschken pro Baum liefern. Die jährliche Ernte beträgt daher etwa 500 Tonnen Zwetschken.

Die Zwetschkenproduktion ermöglicht den Bauern ein zusätzliches Einkommen und trägt zur nachhaltigen Landwirtschaft in der Region bei. Die überwältigende Blütenpracht der Obstbäume im Frühjahr lockt zahlreiche Touristen in die Region.

Gebiet/ Region:

Die Gemeinden Stanz, Grins und Pians liegen im Bezirk Landeck, im westlichen Teil Nordtirols, im sogenannten Tiroler Oberland.
Die Gemeinde Stanz bei Landeck liegt auf einer nach Süden ausgerichteten Hangterrasse am Fuß der Lechtaler Alpen auf etwa 1.000 m Seehöhe.
Grins und Pians befinden sich neben Stanz.

Klima und Bodenbeschaffenheit:

Das Klima ist trocken und typisch für inneralpine Gebiete. Es zeichnet sich durch zahlreiche Sonnenstunden, große Unterschiede zwischen Tag- und Nachttemperaturen und durch das Auftreten von Föhnwinden aus. Die Böden sind karg und flachgründig.
Das Klima schafft sehr günstige Bedingungen für den Obstbau und ist direkt verantwortlich für die Ausbildung des intensiven, unverwechselbaren Aromas der Stanzer Zwetschke.

Stanzer Zwetschke

Sortenbeschreibung:

Zwetschken (Prunus domestica subsp. domestica) sind die Früchte von Steinobstbäumen aus der Familie Rosaceae. Sie haben oval geformte, glatte, ins dunkelblaue gehende, Früchte mit süßem Fruchtfleisch und flachem, spitz zulaufendem Stein. Die Steine lösen sich leicht vom Fleisch.

Die Stanzer Zwetschke wird häufig auch als „Stanzer Hauszwetschke“ bezeichnet, und umfasst lokale Sorten aus der Gruppe der Hauszwetschken, Wangenheimer Frühzwetschke und Italienischen Zuckerzwetschke.
Über Jahrhunderte haben sich lokale Typen als Folge der Vermehrung vor Ort herausgebildet.
Stanzer Zwetschke stellt geringe Ansprüche und zeichnet sich durch ihre besonders gute Anpassungsfähigkeit an Boden und Klima aus.

Spänling (Prunus domestica subsp. Pomariorum) sind große bis 40 mm hellrosa gefärbte Früchte mit intensivem Rosenduft. Das Fruchtfleisch ist hellgelb, mehlig und mit einer dezenten Fruchtsäure versehen, der Stein ist flach – länglich.

Besonders geeignet für Marmelade (intensive Rotfärbung) und zum Destillieren, der Spänlingschnaps ist eine wahre Rarität, mit seinem würzigem, marmeladigen und intensivem Mandel - Zimt Ton eine Besonderheit.

Zwetschkenbäume:

Die Bäume der Stanzer Zwetschke sind stark- und steilwüchsig. Die Krone ist hochoval und neigt zur Verkahlung der unteren oder inneren Astpartien. Die Bäume lassen sich als starkwüchsige Rundkronen oder als schwachwüchsige Spindeln erziehen.

Blüten und Früchte:

Stanzer Zwetschkenbäume sind Spätblüher und sind daher durch Blütenfrost wenig gefährdet. Das sichert regelmäßig reichen Ertrag.
Kühle und nasse Witterungen bei der Blüte kann allerdings Infektionen durch Taphrina pruni auslösen die zur Narren- oder Taschenkrankheit führen.

Die Bäume tragen mittel- bis spätreifende Zwetschken. Die Früchte reifen ziemlich gleichmäßig. Die Erntezeit im Herbst erstreckt sich über ein paar Wochen (September bis Oktober). Die Zwetschken werden händisch von den Bäumen gepflückt.

Die Zwetschken sind gut haltbar und transportfähig. Sie neigen allerdings zur Halswelke (Schrumpfung im Stengelbereich) bei trockener, warmer Witterung (Föhnlage) während der Ernte.

Die eher kleinwüchsigen Zwetschken haben einen Fruchtdurchmesser von 32 mm, ein Fruchtgewicht von ca. 20 g sowie einen bemerkenswert hohen Zuckergehalt. Das Fruchtfleisch der Stanzer Zwetschke ist saftig, mit einem reichhaltigen süßen Geschmack und unvergleichlichem, intensivem Aroma.

Verwertung:

Spezielle Rezepte für die Weiterverarbeitung der Früchte werden von Generation zu Generation weitergegeben.
Aus den Stanzer Zwetschken werden vor allem Marmeladen, liebliche Liköre sowie sortentypische Edelbrände hergestellt oder sie werden in der traditionellen Küche verwendet. Beliebte traditionelle Produkte sind zum Beispiel Zwetschkenstrudel, Zwetschkenknödel, Zwetschkenfleck und Zwetschkenröster.

Rund 180 Schnapsbrenner sind in Stanz und den Nachbarorten sind für die Verarbeitung von heimischen Obst zu Edelbränden (Schnäpsen) bekannt.

Das Brennereidorf Stanz wurde im Jahre 2008 gegründet und sorgt mit seiner jährlich stattfindenden Schnapsprämierung Brenn.Kunst Stanz für Qualität der Zwetschken- und Spänlingschnäpse.

Die Stanzer Zwetschke bildet die Basis für die Herstellung des berühmten Zwetschkenschnaps. Er zeichnet sich durch ein kräftiges Aroma, eine typische Zimtnote sowie einen leichten, dezenten Bittermandelgeschmack, der von den Kernen („Steinen“) stammt, aus.

Eine weitere regionale Spezialität ist die Schokolade „Tiroler Edle“ mit einer Füllung aus Edelbrand aus der Stanzer Zwetschke. Die Milch für diese Schokolade kommt von Tiroler Grauvieh.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Spezielle flachgründige, karge Böden und trockene inneralpine Klimaverhältnisse im Anbaugebiet ermöglichen Obstbau in 1.000 m Seehöhe.
  • Ausgeprägte Bodenständigkeit: Stanzer Zwetschkenbäume wurden Jahrhunderte lang auf den Höfen nur durch Keimung aus Samen und über Wurzelschoße vermehrt.
  • Diese Produktionsmethode führte zu einer ausgezeichneten Anpassung der Bäume an die spezifische geographische Lage.
  • Stanzer Zwetschke umfasst verschiedene lokale Typen, die sich über Jahrhunderte entwickelten sowie zwei nicht lokale Sorten (seit mehreren Jahrzehnten).
  • Dank der Kulturart und besonderen geographischen Verhältnissen können Zwetschken erzeugt werden, die hinsichtlich Geschmack Besonderes bieten.
  • Der einzigartige Geschmack und das Aroma der Stanzer Zwetschke stehen in direkter Beziehung zu den zahlreichen Sonnenstunden und Fönwindlagen.
  • Die Erzeugung von Stanzer Zwetschken ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens, das von in diesem Bereich Beschäftigten weitergegeben wurde: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Obstbauern (Anpassung der Erziehungsform an die Gegebenheiten der Umwelt, Auswahl von Lokalsorten, Vermehrung durch Samen und Wurzelschösslinge, Verbesserung des Erbguts, Zwetschkenproduktion im alpinen Gebiet, Know-how des Ernteverfahrens) sowie Erfahrung der Aufkäufer und Einzelverkäufer in der Vermarktung.

Vermarktung:

SALT bäuerliche Vermarktungs- und Erzeugergenossenschaft
Stanz 163
6500 Landeck
E-Mail: giggus@msn.com
Telefon: 05442/65610
Obmann: Stefan Nothdurfter

Schutz:

„Stanzer Zwetschken“ ist eine EU Gemeinschaftsmarke (Wort- Bild-Marke Nr. 003982221)

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Tirol, Region, Stanz, Grins, Pians, Landeck, Zwetschke, Pflaume, Steinobst, P. domestica subsp. domestica, Hauszwetschke, Wangenheimer Frühzwetschke, Italienische Zuckerzwetschke, Stanzer Zwetschke, Stanzer Hauszwetschke

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 5. Mai 2008.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Gemeinde Grins, Telefon 05442-62055, 6591 Grins Nr. 57

Gemeinde Pians, Telefon 05442-62010, 6551 Pians Nr. 47

Gemeinde Stanz, Telefon 05442-64237, 6500 Stanz bei Landeck Nr. 11

Autoren

Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 13.10.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)