Südburgenländischer Apfel

Traditionelle Apfelproduktion auf extensiven und intensiven Obstplantagen im Südburgenland.

Registernummer: 79

Offenlegungsdatum

Bereits 1339 erwähnt eine Urkunde den Anbau von Obst in Kukmirn.

Titel

Südburgenländischer Apfel

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionelle Apfelproduktion auf extensiven und intensiven Obstplantagen im Südburgenland.
Das besondere Kleinklima in der Region mit vielen Sonnenstunden verleiht den Äpfeln eine hervorragende Qualität und einen ausgezeichneten Geschmack.
Äpfel aus dem Südburgenland werden als frisches Tafelobst verkauft oder zu Apfelsaft und Edelbränden verarbeitet.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Apfel, Kernobst, Obst

Name der Region

Südburgenland, Burgenland, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Franz Hoanzl

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Obstbauern in der Region Kukmirn

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Der Obstbau hat in Kukmirn eine lange Tradition. Bereits 1339 erwähnt eine Besitzstandsurkunde „arboribus pireis, pomorum et cerasarum …“ was bedeutet, dass Birnen-, Äpfel- und Kirschbäume kultiviert wurden.

In der Vergangenheit wurden die Bäume in großen Abständen gepflanzt und Plantagen im Südburgenland gemeinschaftlich bewirtschaftet.
In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden die Obstanbauflächen vergrößert und die Methode der Obstproduktion und des Obstanbaus modernisiert. Seminare und Schulungen, Exkursionen zu anderen Obstbauern im In- und Ausland und Obstbauvereine machten Kukmirn in der gesamten Region zu einem innovativen Vorreiter in der Apfelproduktion.

Heute hat das „Apfeldorf" Kukmirn die größte Apfelproduktionsfläche im Bundesland Burgenland und der Obstbau ist eine Säule der Burgenländischen Landwirtschaft geworden.

Rund um Kukmirn wird auf insgesamt 470 ha Fläche Obst angebaut, davon auf 350 ha Äpfel. Etwa 20 bis 30 % werden unter biologischen Richtlinien produziert.

Die jährliche Ertragsmenge an Südburgenländischen Äpfel beträgt rund 10.000 bis 15.000 Tonnen.

Äpfel in der Geschichte:

Apfel treten in vielen religiösen Traditionen in Erscheinung, oft als mystische oder verbotene Frucht. In der christlichen Mythologie ist er als verbotene Frucht "Sinnbild der Sünde und Verführung" (Adam und Eva).

Der Apfel galt lange Zeit als Symbol der Macht. Kaiser und Könige hielten ein goldenes Zepter und einen vergoldeten "Reichsapfel" als Symbol für die Weltkugel in ihren Händen.
1683 belagerte die Türkische Armee Wien mit dem Ziel den "goldenen Apfel" an der Spitze des Stephansdoms zu erobern.

Medizinische Verwendungen:

Bereits in der Antike beschrieben der griechische Arzt Hippokrates (ca. 460 BC bis ca. 370 BC) und die römischen Schriftsteller Dioskurides (1. Jahrhundert nach Christus) und Plinius der Ältere (23 bis 79 nach Christus) die heilenden Wirkungen von Äpfel. Süße Äpfel galten als schwer verdaulich, gekochte als abführend und reife Äpfel als stopfend. Die Volksmedizin der Antike verwendete Blüten, Wurzeln und Apfelkerne gegen verschiedene Probleme wie Gallensteine, Magenleiden, Kahlköpfigkeit, Augenschmerzen und Krampfadern.

Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) erwähnt Äpfel als heilende Früchte. Sie empfahl die Blätter des Apfelbaumes gegen Augentrübungen, die Knospen gegen Leber-, Milz-, Darmleiden und Kopfschmerzen. Der Boden unter einem Apfelbaum wurde als wirksam gegen Rücken-, Lenden- und Bauchschmerzen angesehen.

Gebiet/Region:

Das Südburgendland (politische Bezirke Oberwart, Güssing and Jennersdorf) ist eine ausgedehnte hügelige Region im Osten von Österreich.
Es wird im Osten von Ungarn, im Süden von Slowenien und im Westen von der Steiermark begrenzt. Die Region wird von den Flüssen Raab und Lafnitz durchflossen.

Die Marktgemeinde Kukmirn liegt im westlichen Teil des politischen Bezirkes Güssing. Sie ist Teil des südburgenländisch-oststeirischen Hügel- und Terrassenlandes.
Sie umfasst die Dörfer Eisenhüttel, Kukmirn, Limbach und Neusiedl bei Güssing.

Im Kontext mit Genuss-Region umfasst die Region Südburgenländischer Äpfel Kukmirn und Umgebung sowie die Gemeinde Neuhaus und seine Nachbardörfer.

Die Obstanlagen und Streuobstwiesen befinden sich auf 250 bis 300 m Seehöhe.

Boden- und Klimaverhältnisse:

In der Region Kurkmirn sind mittlerschwere bis schwere Lehmböden präsent, welche genügend Feuchtigkeit und ideale Bedingungen für den Apfelanbau bieten.

Das Südburgenland ist geprägt durch illyrisches Klima. Niederschlagsmengen sind hoch (720 bis 950 mm/Jahr) und es gibt zahlreiche Sonnenstunden (etwa 2.000/Jahr) und ausgeglichene Temperaturen. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei ca. 10 °C.
Die vielen Sonnenstunden tragen zum besonderen Geschmack der Südburgenländischen Äpfel bei.

Südburgenländischer Apfel

Äpfel (Malus domestica) gehörenzur Familie der Rosengewächse (Rosaceae), Gattung Malus.

Apfelsorten:

Die Apfelbäume auf Streuobstwiesen und Plantagen in der Region Kukmirn umfassen zahlreiche Sorten wie Jersymac, Summerred, Delbar Estivalle, Gala, Elstar, Arlet, Rubinette, Jonagold, Novajo, Jonagored, Golden Delicious, Mutsu, Gloster, Kronprinz Rudolf, Idared, Braeburn, Fuji, Granny Smith und Pinova.

Erzeugung:

Südburgenländische Äpfel werden nach den Vorgaben der Integrierten Produktion (IP) erzeugt unter Berücksichtigung eines schonenden Umgangs mit dem Boden und eines minimierten Einsatzes ausschließlich umweltverträglicher Pflanzenschutzmittel.
Tafelobst macht 55 % der Produktion aus. 45 % der Äpfel werden auf Streuobstwiesen zum Zweck der Weiterverarbeitung produziert.

Baumpflanzung:

Die jungen Apfelbäume stammen aus eigenen Vermehrungen oder aus Baumschulen aus der Steiermark und Niederösterreich.

Heute werden die Bäume hauptsächlich als Spindelbäume in Abständen von 3,50 m mal 0,70 m kultiviert. Das bedeutet, dass etwa 3.500 bis 4.000 der 2,50 m hohen Bäume pro ha gepflanzt werden.

Düngung:

Die Bäume werden im Frühjahr wenn nötig mit Stickstoff, Phosphor, Kalium und Kalk gedüngt.

Pflanzenschutzmaßnahmen:

Pflanzenschutzmaßnahmen werden nur bei Erreichen von definierten Schadschwellen eingesetzt. Es werden nur jene Pflanzenschutzmittel verwendet, die nach Richtlinien der Integrierten Produktion (IP) erlaubt sind. Die Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln sind in der Ackerschlagkartei schriftlich zu dokumentieren.

Bewässerung:

Das Wasser für die Bewässerung stammt aus eigens dafür angelegten Teichen. Die Teiche werden mit Quell- und Regenwasser gespeist.
Es findet sowohl eine Überkronenbewässerung (zum Schutz vor Blütenfrost und bei Trockenheit) als auch eine Tröpfchenbewässerung (bei Trockenheit) Verwendung.

Ernte, Lagerung und Verlesung:

Die reifen Äpfel werden abhängig von der Sorte von Ende Juli bis Ende Oktober geerntet. Die Äpfel werden von den Obstproduzenten händisch gepflückt und vorsichtig in Pflückkörbe gelegt, damit keine Druckstellen oder Verletzungen entstehen.
Nach der Vorsortierung werden die Äpfel entweder für zwei bis vier Monate bei 2 bis 4 °C oder über längeren Zeitraum unter kontrollierter Atmosphäre gelagert.
Äpfel unter kontrollierter Atmosphäre werden unter Bedingungen von 2 % Sauerstoff, 92 % Luftfeuchtigkeit und 1 bis 3 °C gelagert.

Optimale Lagerbedingungen ermöglichen eine ganzjährige Vermarktung der Äpfel.

Weiterverarbeitung:

Etwa 95 % der Äpfel aus dem Streuobstanbau und 10 bis 30 % der Tafeläpfel werden von Lohnbearbeitern zu Apfelsaft weiterverarbeitet oder von den Obstbauern selbst zu Spirituosen gebrannt.

Ernährungsaspekte von Äpfeln:

Äpfel sind reich an Nährstoffen. Der Apfel deckt rund ein Viertel des täglichen Vitamin C-Bedarfs und enthält über 20 Mineralstoffe wie Kalium, Eisen, Phosphor und Magnesium.
Das Fruchtfleisch ist reich an Flavonoiden, die positive Gesundheitseffekte haben (anti-inflammatorisch, bakterizid, krebsvorbeugend, Regulation von Blutzucker und Blutdruck, Stimulation des Immunsystems).
Die Apfelschale enthält Carotinoide, die das Immunsystem anregen, vor Krebs schützen und als freie Radikalfänger agieren können. Äpfel enthalten Pektin, das einen positiven Effekt auf die Verdauung und das Sättigungsgefühl hat.

Ursprungsnachweis:

Südburgenländische Äpfel sind vom Obstbauern bis zum Einzelhandel rückverfolgbar. Die Landwirte halten Informationen über die Obstplantagen, Apfelsorten, Anbau, Ernte etc. schriftlich fest.
Regionale Verarbeitungs- oder Verpackungsbetriebe führen Aufzeichnungen über Lieferant, Sorte, Erntezeitpunkt etc.

Qualität:

Südburgenländische Äpfel entsprechen im Lebensmitteleinzelhandel der Qualitätsklasse extra und I.

Qualitätskontrolle:

Die Apfelproduzenten berücksichtigen die Richtlinien des weltweiten Standards von GLOBALGAP.

Äpfel, die entsprechend dem Österreichischen Agrar-Umweltprogramm produziert werden, unterliegen einer zweimal jährlichen Kontrolle durch unabhängige Kontrollstellen.

Äpfel, die unter biologischen Richtlinien produziert werden, werden von akkreditierten Kontrollstellen kontrolliert.

Vermarktung:

Südburgenländische Äpfel sind das ganze Jahr über erhältlich. Sie werden über einen regionalen Obstbaubetrieb und über die Erzeugerorganisation Obst Partner Steiermark GmbH (OPST-GmbH) vermarktet.

Die Äpfel werden direkt (ab-Hof), über den Lebensmitteleinzelhandel und die Gastronomie zum Verkauf angeboten.

Zusammenhang zwischen dem geographischen Gebiet und Traditionellem Gebiet

  • Mittelschwere bis schwere Lehmböden und das illyrische Klima liefern optimale Bedingungen für den Anbau von Äpfeln in der Region.
  • Der einzigartige Geschmack und das Aroma stehen in direkter Beziehung zu dem besonderen Kleinklima und den zahlreichen Sonnenstunden.
  • Die Erzeugung von Südburgenländischen Äpfel ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens und der Erfahrung der Obstbauern (Anpassung der Produktionsmethode an die Gegebenheiten der Umwelt, Auswahl der Sorten, Ernteverfahren und Lagerungstechniken) und der Erfahrung der Einzelverkäufer in der Vermarktung und Verarbeiter (Fruchtsäfte, Fruchtspirituosen).

Verwertung:

Südburgenländische Äpfel werden entweder als Tafelobst verwendet oder zu Fruchtsäften (vor allem naturtrüb) und Edelbränden verarbeitet.
Eine Spezialität ist der „Kukmirner Golden“, welcher exklusiv aus der Sorte „Golden Delicious“ gebrannt wird. Der Apfelbrand reift dann mindestens ein halbes Jahr in Eichenholzfässern. Das Ergebnis ist ein exzellenter Barrique-Geschmack, der harmonisch mit Apfelaroma zusammenpasst.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Region, Südburgenland, Apfel, Kernobst, Südburgenländischer Apfel

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 26. August 2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Obmann Bgld. Obstbauverband
Franz Hoanzl
7543 Kukmirn 69
Telefon: 03328/32397
Mobil: 0664/1504831
E-Mail: post@kukmirn.bgld.gv.at
Homepage: www.kukmirn.at

Autoren

Mag. Doris Reinthaler, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 13.10.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)

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