HansBergLand Hopfen

Traditionelle Pflanzung von Hopfen (Humulus lupulus L.) im lokal begrenzten Gebiet „Hansbergland“.

Registernummer: 15

Offenlegungsdatum

Erste Erwähnung des Hopfenbaus im Urbar des Stiftes Wilhering um 1206.

Titel

HansBergLand Hopfen

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditionelle Pflanzung von Hopfen (Humulus lupulus L.) im lokal begrenzten Gebiet „Hansbergland“.
HansBergLand Hopfen umfasst Hopfensorten, die sich besonders gut an das Klima sowie an die Bodenbedingungen der Region angepasst haben.
Der hauptsächlich in der Region angebaute Aromahopfen besticht durch seinen feinen Geschmack und sein einzigartiges Aroma. Traditionell wird der Hopfen zu Bier weiterverarbeitet.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Hopfen

Name der Region

HansBergLand, Mühlviertel, Oberösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Region HansBergLand
Regionalkoordinatorin Elisabeth Pichler

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Hopfenbaugenossenschaft Neufelden
38 Hopfenbauern in der Region „Hansbergland“

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Erste urkundliche Erwähnung des regionalen Hopfenbaus stammt aus dem 13. Jahrhundert. Bereits 1206 wurde im Wilheringer Urbar der Hopfendienst urkundlich erwähnt.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfuhr der Hopfenbau großen Aufschwung in der Region und erlangte seine wirtschaftliche Bedeutung vor allem in der Bierherstellung.

Um 1880 wurde im Bezirk Rohrbach auf einer Fläche von rund 1.000 ha Hopfen kultiviert.

1938, nach der Eingliederung Österreichs ins Deutsche Reich, wurde im Zuge der damaligen Planwirtschaft ein Rodungsbefehl für Hopfen im Mühlviertel verfügt, pro Stock wurde 1 Reichsmark Rodungsprämie bezahlt.

Im Mühlviertel gab es sieben Jahre lang (1938 bis 1945) keinen Hopfenbau.

Ab 1945 wurde der Hopfenbau im Mühlviertel wieder betrieben und der Anbau wurde besonders im Bezirk Rohrbach durch die Regierung gefördert.

1951 wurde die Hopfenbaugenossenschaft gegründet und der erste Abnahmevertrag mit den Brauereien unterzeichnet.

2004 haben sich die sechs Mühlviertler Gemeinden Niederwaldkirchen, St. Peter, St. Veit, St. Johann, St. Ulrich und Auberg zur Region „HansBergLand“ zusammengeschlossen.

Mittlerweile hat sich die Region HansBergLand von sechs auf 11 Mitgliedgemeinden vergrößert.

2005 wurde in der Region ein Hopfenmuseum errichtet.

Zurzeit kultivieren 38 Betriebe in der Region den HansBergLand Hopfen, 3 davon produzieren auf einer Fläche von rund 5 ha nach biologischen Richtlinien.

Im HansBergLand wird Hopfen in 350 bis 650 m Seehöhe auf einer Fläche von ca. 80 ha angepflanzt.
Im Jahr 2008 betrug die Ernte 189.000 kg Hopfen.

Gebiet/ Region:

Der Name „HansBergLand“ ist ein geografischer Begriff, der sich für Teile des oberen Mühlviertels des Bundeslandes Oberösterreich durchgesetzt hat, in dem Hopfen wirtschaftlich und traditionellerweise eine große Bedeutung zukommt.

Das Obere Mühlviertel ist der westliche Teil des Mühlviertels und ist geographisch durch den sogenannten Haselgraben (nördlich von Linz) und das nördlich davon liegenden Rodltal (Große Rodl) vom Unteren Mühlviertel getrennt.

Die Region umfasst zur Zeit die elf Gemeinden Ahorn, Auberg, Haslach a. d. Mühl, Helfenberg, Niederwaldkirchen, St. Johann am Wimberg, St. Peter am Wimberg, St. Stefan am Walde, St. Ulrich im Mühlkreis und St. Veit im Mühlkreis (alle Bezirk Rohrbach) sowie Herzogsdorf (Bezirk Urfahr-Umgebung).

Die charakteristischen Gerüstanlagen für den Hopfenanbau prägen das Landschaftsbild im HansBergLand.

Klima:

Die Region „HansBergLand“ weist subatlantisches Klima auf.
Milde Sommer mit kühlen Nächten und raue Winter sowie über das ganze Jahr verteilte Niederschläge und hohe Luftfeuchtigkeit sind in dieser Region charakteristisch.
Die durchschnittliche Lufttemperatur liegt im Jänner bei -2 bis -3 °C, im Juli bei 16 bis 18 °C bzw. über das Jahr bei 7 bis 8 °C.
Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beträgt 700 bis 800 mm.

Bodenverhältnisse:

Der Boden ist vorwiegend sandiger Lehm bis lehmiger Sand und kalkarm. Der Hopfen wird meist auf möglichst ausgesuchten Südostlagen mit geringer Humusauflage und einer geringen Wasserspeicherung angebaut.

Aufgrund des ausgedehnten tiefgreifenden Wurzelsystems benötigt der Hopfen tiefgründige, gut durchwurzelbare Böden.

Das Klima und die Bodenverhältnisse schaffen sehr günstige Bedingungen für den Hopfenanbau und sind direkt verantwortlich für die Ausbildung des feinen Geschmacks und dem einzigartigen Aroma.

HansBergLand Hopfen

Der Echte Hopfen (bot. Humulus lupulus) gehört zur Gattung Hopfen aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae).

Sortenbeschreibung:

In der Region wird hauptsächlich Aromahopfen angebaut. Seit einigen Jahren wird auch vermehrt Bitterhopfen angebaut.
Aromahopfen und Bitterhopfen unterscheiden sich aufgrund ihres Bitterstoffgehalts.
Als Aromahopfen werden die Sorten Malling, Golding, Aurora, Hersbrucker-Spät, Perle, Tradition und Spalter-Select als Bittersorte Magnum kultiviert.
Aromahopfen besticht durch feinen Geschmack und einzigartiges Aroma.

Produktionsmethode:

Junge Hopfenpflanzen stammen von den Bauern der Region selbst oder werden von einer Zuchtstation in Dresden zugekauft.
Die Frühjahrsarbeiten beginnen Ende März mit der Auflockerung des Bodens und der Befestigung der Aufleitdrähte (ca. 4.000 Stück/Hektar) zwischen den Hopfengerüsten in 7 m Höhe mit Hilfe einer Kanzel, welche am Traktor befestigt ist.
Der aufgehängte Draht wird neben dem Hopfenstock mit einem Erdspieß im Boden verankert.

Der im Boden befindliche Wurzelstock wird aufgeackert und maschinell beschnitten.

Im Mai treiben von jedem Hopfenstock ca. 20 bis 30 Triebe aus. Bis auf die drei stärksten Triebe werden alle entfernt. Die verbleibenden Triebe werden im Uhrzeigersinn um den Aufleitdraht gewunden.

In mehrmaligen Durchgängen erfolgt diese „Anleitung“ bis der Hopfen das Ende des Gerüstes erreicht hat.

Während der Vegetationsperiode werden mehrmals (4 bis 5 Mal jährlich) gegen tierische Schadorganismen und Krankheiten Pflanzenschutzmaßnahmen ergriffen.

Die Hopfenpflanze wächst in der Zeit von Anfang Mai bis Anfang Juli bis zu 30 cm pro Tag und erreicht eine Höhe von 7 m. In der Blütezeit (Juli bis August) kommt es zur Ausbildung der Dolden. Eine Hopfenrebe trägt zwischen 4.000 und 6.000 Dolden.

Im Winter (November bis Jänner) werden die Wurzelstöcke zurückgeschnitten.
Zum Erosionsschutz und zur Bodenverbesserung werden zwischen den Hopfenreihen verschiedene Zwischenfruchtarten (Klee, Raps, etc.) angebaut. Bodenuntersuchungen erfolgen, um einen allfälligen Düngerbedarf zu ermitteln.

Es werden nur weibliche Pflanzen angebaut. Das Vorhandensein männlicher Pflanzen ist vom Gesichtspunkt der Hopfenqualität aus nicht erwünscht.

Die Hopfenpflanzen werden nicht künstlich bewässert.

Ernte:

Der Hopfen wird Ende August bis Mitte September geerntet.

Die Hopfenreben werden maschinell mit einem sogenannten Abreißgerät von der Gerüstanlage gerissen, zum Bauernhof gebracht und dort maschinell gepflückt.

Über Förderbänder wird dazu der Hopfen in die Hopfendarren transportiert und bei einer Temperatur von 30 °C 6 Stunden lang mittels Luft getrocknet. Der Wassergehalt des Hopfens wird auf 11 % reduziert.

Der Großteil der Bauern besitzt eigene Trocknungsanlagen. Kleinere Bauern nützen genossenschaftliche Anlagen.

Anschließend wird der Hopfen zu Ballen gepresst und in den Trocknungsanlagen zwischengelagert. Von dort wird der Hopfen zur Hopfenbaugenossenschaft Neufelden gebracht und an die Brauereien verkauft.

Nach der Ernte im Herbst erfolgen Ausbesserungsarbeiten an den Gerüstanlagen.

Inhaltsstoffe und Wirkung:

Die konisch geformten Hopfenblüten enthalten Lupulin Drüsen, die goldgelbe Kügelchen produzieren, die für die Bitterkeit und die Aromaqualität von Bier verantwortlich sind.
Die Hopfeninhaltsstoffe wirken zusätzlich konservierend und schaumstabilisierend.

Der Hopfen wirkt beruhigend, hormonregulierend, appetitanregend, antibakteriell und kräftigend auf Magen und Darm. Außerdem ist er harntreibend, schmerzlindernd und krampflösend.
Das im Hopfen vorkommende Xanthohumol ist ein stark wirkendes Antioxidans.
Hopfen enthält Phytohormone, die Östrogen ähnlich wirken können.

Ursprungsnachweis:

HansBergLand Hopfen unterliegt der Verordnung (EG) Nr. 1952/2005 des Rates sowie der Verordnung (EWG) Nr. 890/78 der Kommission.

Zuständig für die Zertifizierung von Hopfen ist die Agrarmarkt Austria (AMA).

Qualitätskontrolle:

Ein Gremium, das sich aus Braumeistern, Brautechnikern und einem Schiedsrichter des Österreichischen Getränke Institutes zusammensetzt, bestimmt bei der Bonitierung die Qualität des Hopfens und somit auch seinen Preis. Kriterien sind: das Aussehen und die Farbe der Dolden (dürfen keine Verfärbungen aufweisen, dürfen nicht zerblättert sein), der Geruch und der Geschmack.

Qualitätskennzeichen:

HansBergLand Hopfen trägt die Qualitätskennzeichnung „Mühlviertler Hopfen“:

Vermarktung:

Abnehmer sind Klein- und Großbrauereien in der Region. Rund 60 % gehen an den Hauptabnehmer, die Brau Union Österreich AG.

Österreichweit beziehen ca. 100 Brauereien den Hopfen aus dem Mühlviertel. In der Region HansBergLand selbst befinden sich keine Brauereien.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Spezielle Boden- und Klimaverhältnisse in der Region „HansBergLand Hopfen“ liefern optimale Bedingungen für den Anbau von Hopfen.
  • HansBergLand Hopfen umfasst hauptsächlich Aromahopfen-Sorten, die sich an die lokalen Gegebenheiten optimal angepasst haben.
  • Dank der Kulturart und besonderen geographischen Verhältnisse kann Hopfen erzeugt werden, der für einen besonders feinen Geschmack des Bieres sorgt.
  • Die Erzeugung von HansBergLand Hopfen ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Hopfenbauern (Anpassung der Erziehungsform an die Gegebenheiten der Umwelt, Auswahl und Sorten, Traditionelle Anbau- und Lagermethoden, Know-how des Ernteoptimums) sowie Erfahrung der Weiterverarbeiter.

Verwertung:

HansBergLand Hopfen wird hauptsächlich in der Bierproduktion verwendet, wo er für einen besonders feinen Geschmack des Bieres sorgt.

Auch in der Heilkunde findet der Hopfen Anwendung. Wegen seiner beruhigenden Wirkung wird er in verschiedenen Beruhigungs- und Schlafmitteln eingesetzt. Weitere Produkte sind Hopfentee, Hopfenwurst, Hopfenöle, Hopfenbäder, Hopfenbrot und Hopfenschnaps.

Als kulinarische Delikatesse gilt der im Frühjahr geerntete Hopfenspargel bzw. Hopfensprossen (junge Triebe der Hopfenpflanze).

Vielseitig verwendbar ist der Hopfen auch als Dekorationsmaterial: Aus den Reben werden Gestecke und Kränze hergestellt.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Oberösterreich, Region, Mühlviertel, Hansbergland, Hopfen, Aromahopfen, Humulus lupulus, Lupulin, Hansbergland Hopfen

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 20. Oktober 2008.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Region HansBergLand
Regionalkoordinatorin Elisabeth Pichler
4172 St. Johann/Wbg. Nr. 9/ Oberösterreich
Telefon:+43(0) 7217/20 605
Mobil: +43(0) 699/ 13 90 00 00
E- Mail: info@hansbergland.at
Homepage: www.hansbergland.at

Autoren

Mag. Eva Sommer, Mag. Doris Reinthaler, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 30.10.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)

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