Südburgenländische Kräuter

Traditioneller Anbau von Küchen-, Tee-, Heil- und Wildkräutern sowie Gewürzen im südlichen Burgenland, begünstigt durch illyrisches Klima.

Registernummer: 146

Offenlegungsdatum

Die Kultivierung von Kräutern und Gewürzen in den klösterlichen Küchengärten des heutigen Burgenlands geht bis auf das Mittelalter zurück.

Titel

Südburgenländische Kräuter

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditioneller Anbau von Küchen-, Tee-, Heil- und Wildkräutern sowie Gewürzen im südlichen Burgenland, begünstigt durch illyrisches Klima. Die Kultivierung von Südburgenländische Kräuter erfolgt ausschließlich händisch ohne Einsatz von Maschinen und Chemie. Sorgfältige Ernte und Trocknung sowie Weiterverarbeitung ausschließlich in der Region Südburgenland garantieren naturbelassene Produkte von höchster Qualität.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Kräuter, Gewürze

Name der Region

Südburgenland (Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf), Burgenland, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Monika Kleinschuster
Vermarktungsgemeinschaft „Bauerngarten- Kräuter aus dem Südburgenland“

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

7 Bäuerinnen aus dem Südburgenland

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Kräuter und Gewürze allgemein:

Die Kenntnisse über den Anbau und die Verwendung von Kräutern und Gewürzen ist Jahrtausende alt.
Kräuter und Gewürze wurden wegen ihrer Heil- und Zauberwirkung eingesetzt.

Archäologischen Funden zufolge haben bereits die Bewohner der Eiszeit (Neandertaler) Pflanzen zu Heilzwecken eingesetzt. In der Grotte von Shanidar im irakischen Teil Kurdistans wurde 1960 das Grab eines Neandertalers entdeckt, in das Heilpflanzen wie Schafgarbe (Achillea sp.), Kreuzkraut (Senecio sp.), Sonnwend-Flockenblume (Centaurea solstitialis), Eibisch (Althaea sp.), Träubelhyazinthe (Muscari sp.) und Meerträubel (Ephedra altissima) als Grabgabe gelegt wurden.

Die Verwendung von Kräutern und Gewürzen bei der Speisenzubereitung wird seit der Steinzeit vermutet.
Durch die Zugabe von bestimmten Blättern und Früchten wurden die Speisen bekömmlicher gemacht bzw. geschmacklich verbessert.

Die ersten Kräutergärten gab es 3000 vor Christus im alten Ägypten. Die kultivierten Kräuter wurden unter anderem zur Herstellung von Salben, Parfüms und Körperölen verwendet.

Im Mittelalter waren es in Europa vor allem die Klöster, die Heil- und Küchenkräuter kultivierten. Die Benediktiner brachten von ihrem Stammkloster in Monte Cassino (Italien) viele Kräuter aus dem Mittelmeerraum über die Alpen.

Im späten Mittelalter ging das Wissen von den Heilkräften der Kräuter auf die Apotheker über. Fast jede Apotheke hatte ihren eigenen Kräutergarten.
Vanille, Zimt, Mandeln, Basilikum und Zwiebel galten als Aphrodisiakum. Pfeffer, Ingwer, Lavendel, Koriander, Muskat und Nelke wurde eine die Pest abwehrende Wirkung nachgesagt.

Viele Kräuter waren mit abergläubischen Vorstellungen und Bräuchen verbunden. Rosmarinzweige bekamen die Braut (im Burgenland der Bräutigam), der Täufling und der Tote mit. Bohnenkraut sollte unkeusche Begierden wecken. Salbei wurde als Liebeszauber verwendet. Der Glaube an eine aphrodisierende Wirkung der Kräuter war stark. So sollte Basilikum dem Liebeszauber dienen. Auf der Brust oder im Strumpf getragene Blätter erweckten Lust und Zuneigung des unwilligen Partners.

Der Gewürzhandel war ein lukratives Geschäft und machte viele Städte reich. Zu manchen Zeiten waren Gewürze so wertvoll wie Gold und galten als Statussymbol. Das Verwenden von Gewürzen wurde mit Reichtum gleichgesetzt.

Noch heute haben Kräuter und Gewürze in der Heilkunde eine wichtige Bedeutung. So wird z.B. Schafgarbe u.a bei Verdauungsbeschwerden und Eibisch bei Husten angewendet.
Safran fand 1198 den Weg nach Österreich.

Anbau von Kräutern und Gewürzen im Burgenland:

Die Kultivierung von Kräutern und Gewürzen in den klösterlichen Küchengärten des heutigen Burgenlandes geht bis auf das Mittelalter zurück.

Einer der berühmtesten Kräutergärten des Burgenlandes ist der „Haydn-Kräutergarten“. Joseph Haydn (1732 bis 1809) und seine Frau Anna Aloysia hatten 1766 mit dem Wohnhaus in Eisenstadt auch ein „Kuchlgärtl" außerhalb der Stadtmauern erworben, welcher noch heute besichtigt werden kann.

Seit dem 19. Jahrhundert wird Majoran in Hausgärten rund um den Neusiedler See und auch in Großkulturen angebaut.

1999 haben sich Bäuerinnen aus dem Südburgenland zur Vermarktungsgemeinschaft „Bauerngarten-Südburgenländische Kräuter“ zusammengeschlossen. Zu Beginn wurden nur Teekräuter angebaut. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr, auch unbekanntere Kräuter, Gewürze und Blüten dazu.

2000 wurde die Bezeichnung „Bauerngarten Kräuter aus dem Südburgenland“ als Wortbildmarke registriert.

Gebiet/Region:

Das Südburgendland (politische Bezirke Oberwart, Güssing and Jennersdorf) ist eine ausgedehnte hügelige Region im Osten von Österreich.

Es wird im Osten von Ungarn, im Süden von Slowenien und im Westen von der Steiermark begrenzt. Die Region wird von den Flüssen Raab und Lafnitz durchflossen.

Klima und Bodenverhältnisse:

Das Südburgenland ist geprägt durch illyrisches Klima. Niederschlagsmengen sind hoch (720 bis 950 mm/Jahr) und es gibt zahlreiche Sonnenstunden (etwa 2000/Jahr) und ausgeglichene Temperaturen. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei ca. 10 °C.
Die vielen Sonnenstunden tragen zum besonderen Geschmack der Südburgenländischen Kräuter bei.

Die Böden bestehen vorwiegend aus sandigem und tonigem Lehm.

In der Region Südburgenland werden auf 2 ha Fläche von derzeit 7 Bäuerinnen (2 davon wirtschaften biologisch) Kräuter und Gewürze angebaut. Die Anbauflächen befinden sich auf einer Seehöhe zwischen 100 bis 300 m.

Kräuter und Gewürze:

Der Begriff „Gewürz“ wird sowohl im allg. Sprachgebrauch, wie auch in der bislang bekannten Fachliteratur in sehr unterschiedlicher Art und Weise genutzt. Es existiert keine einheitliche Differenzierung zwischen Gewürzen und Kräutern. Die Bezeichnung „Kräuter“ ist keine botanische Bezeichnung sondern eine küchensprachliche Bezeichnung.

Definition laut Österreichischem Lebensmittelbuch:

„Gewürze“ sind laut Österreichischem Lebensmittelbuch Codexkapitel

B 28 Gewürze und Gewürzextrakte Pflanzenteile, die wegen ihres Gehaltes an besonderen Inhaltsstoffen geeignet sind, Geruch und Geschmack von Lebensmitteln zu beeinflussen.

Die Gewürze kommen meist in getrockneter Form, sowohl ganz als auch mechanisch zerkleinert, in den Handel.

Gemäß Österreichischem Lebensmittelbuch werden Gewürze wie folgt unterteilt:

  • Unterirdische Pflanzenteile
  • Rinden
  • Blätter und Kräuter (Basilikum, Bohnenkraut, Majoran, Origanum, Rosmarin, Salbei, Thymian, Estragon, Lorbeerblätter, Liebstöckelblätter)
  • Blüten und Blütenteile
  • Früchte und Samen

Weitere Definitionen:

Oft versteht man unter Gewürzen getrocknete Pflanzenteile und unter Kräutern frische Pflanzenteile.
In einigen Quellen werden Gewürze und Kräuter aufgrund ihrer Herkunft unterschieden: Kräuter wachsen in den nördlichen, kühleren Ländern während die Gewürze aus den tropischen und subtropischen Gebieten Ostasiens stammen.
Der American Spice Trade Association zufolge versteht man unter Gewürzen (spices) sämtliche getrocknete Pflanzen, welche vorwiegend zur Würzung verwendet werden. Diese „All-inclusiv“ Definition deckt ein breites Sortiment von Pflanzen, wie Kräuter, Gewürzsamen sowie getrocknetes Gemüse und Gewürzmischungen.

Weiters existiert die Unterscheidung zwischen Kräutern und Gewürzen nach ihren verwendeten Pflanzenteilen, wonach unter Kräutern die Blätter und Blüten von Pflanzen zu verstehen sind, welche zur Würzung herangezogen werden.

Südburgenländische Kräuter

In der Region Südburgenland werden Küchen-, Tee-, Heil- und Wildkräuter sowie Gewürze in Hausgärten angebaut. Kultiviert werden u.a. Basilikum, Majoran, Salbei, Bohnenkraut, Bärlauch, Ysop, Estragon, Thymian, Melisse, Apfelminze, Pfefferminze, Orangenminze, Ringelblumen, Lavendel, Zitronenmelisse, Rosmarin u.v.m.

Südburgenländische Kräuter werden im Einklang mit der Natur händisch, ohne Einsatz von Maschinen und Chemie kultiviert. Eine sorgfältige Ernte und Trocknung sowie Weiterverarbeitung garantieren ein naturbelassenes Produkt.

Erzeugung:

Die jungen Pflanzen werden von den Bäuerinnen teilweise in eigener Vermehrung und Samenanzucht gewonnen oder aus der Region bezogen. Biologische Kräuterpflanzen werden von der Landesversuchsanstalt Wies in der Steiermark zugekauft.

Bewässerung:

Generell werden nur Jungpflanzen bewässert. Während langer Trockenperioden erfolgt jedoch eine Bewässerung aller Pflanzen mit Gießkanne, Schlauch oder Sprüher.

Düngung:

Die Pflanzen werden das ganze Jahr über mit Kompost gedüngt und mit Hornspänen, Steinmehl und Rasenschnitt gemulcht.

Verarbeitung:

Südburgenländische Kräuter werden händisch geerntet und anschließend auf Dachböden und in speziellen Trocknungsräumen getrocknet. Die Verarbeitung und Verpackung erfolgt in Küchen und in Verarbeitungsräumen der bäuerlichen Haushalte. Jährlich werden etwa 300 - 500 kg Kräuter in der Region geerntet und verarbeitet.

Für Tees wird nur die beste Blatt- und Blütenqualität verwendet. Die restlichen Kräuter werden zu Kräuterkissen, Badesäckchen etc. verarbeitet.

Ernährungsaspekte von Kräutern:

Kräuter enthalten zahlreiche Inhaltsstoffe, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken können. Die wichtigsten sind ätherische Öle, Harze, Alkaloide, Bitter-, Gerb- und Schleimstoffe.
Je nach Art der Kräuter können diese den Geschmack verbessern oder appetitanregend sowie verdauungsfördernd sein. Darüber hinaus können sie antibakteriell, antioxidativ, durchblutungsfördernd, immunstärkend und schmerzlindernd wirken und gegen Übelkeit, Blähungen und Verdauungsstörungen helfen.

Ursprungsnachweis:

Südburgenländische Kräuter sind entlang der Vermarktungskette rückverfolgbar. Jedes Produkt trägt ein Etikett mit Namen, Adresse und Telefonnummer der Erzeugerin (Kräuterbauerin).

Qualitätskontrolle:

Zwei Betriebe wirtschaften nach biologischen Richtlinien und werden jährlich vom BIOS-Biokontrollservice Österreich kontrolliert.

Vermarktung:

Die Vermarktung erfolgt gemeinschaftlich unter der Wortbildmarke „Bauerngarten-Kräuter aus dem Südburgenland“ direkt (ab-Hof), über Bauernmärkte, Bauernläden, den Lebensmitteleinzelhandel und das Internet.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Eine hohe Zahl an Sonnenstunden, illyrisches Klima sowie Böden aus sandigem und tonigem Lehm begünstigen den Anbau von Kräutern in der Region.
  • Natürlicher Geschmack ist das Ergebnis optimaler Boden-, Wasser- und Klimabedingungen, schonender Verarbeitung sowie kurzer Transportwege.
  • Südburgenländische Kräuter werden im Einklang mit der Natur händisch, ohne Einsatz von Maschinen und Chemie kultiviert.
  • Die Erzeugung von Kräutern in der Region ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wird: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Bäuerinnen (Anbau und Pflege von Kräutern, Know-how des Ernteoptimums, Trocknung) sowie der Vermarktung.

Verwertung:

Die Produktpalette der Südburgenländischen Kräuter beinhaltet Gewürzmischungen, Kräutersalze, Trockenfrüchte, Kräutertees, Sirup, Früchteaufstriche, Kompott und Chutneys sowie Körperöle, Balsam, Tinkturen, Badesäckchen, Badesalze, Naturseifen, Kräuterkissen, Türkränze und andere Geschenkartikel.

In einer Pralinenmanufaktur in der Region werden Südburgenländische Kräuter aus dem eigenen Kräutergarten zur Herstellung von handgemachten Pralinen verwendet.

Schutz:

Wortbildmarke „Bauerngarten-Kräuter aus dem Südburgenland“ (Österreichisches Patentamt Register NR.189313, 28.06.2000)

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Burgenland, Region, Südburgenland, Kräuter, Südburgenländische Kräuter

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 27. Oktober 2009.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Monika Kleinschuster
Neumarkt 117
7461 Stadtschlaining
Telefon: 03355/2092
E-Mail: monikakleinschuster@aon.at
Homepage: www.kraeuterundmehr.at.tf

Autoren

Mag. Doris Reinthaler, Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 03.11.2017, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)