60 Jahre Grüner Bericht: Agrarpolitik im Wandel der Zeit

Mit der Herausgabe des Grünen Berichtes 2019 im September dieses Jahres wurde die Publikation zum 60. Mal veröffentlicht. Im Rahmen einer Festveranstaltung wurde das Jubiläum im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus zum Anlass genommen, dieses für die österreichische Land- und Forstwirtschaft wichtige Dokument entsprechend zu würdigen und allen Mitwirkenden Dank zu sagen.     

Frau Bundesminister Patek würdigte in einer gelungenen Festveranstaltung am Freitag, 8. November alle Mitwirkenden, von den freiwilligen buchführenden Betrieben über die Verantwortlichen der Buchstellen, den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen sowie des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus,  die für das Zustandekommen des Grünen Berichtes verantwortlich sind. Aber auch den Vorgängerinnen und Vorgängern der jetzigen Verantwortlichen in den zuständigen Stellen sprach die Bundesministerin ihren Dank aus. Sie haben mit ihrer entsprechenden Aufbau- und Entwicklungsarbeit das jetzige System der Einkommensberichterstattung und der damit verbundenen Evaluierung der Agrarpolitik erst ermöglicht.  

Aufzeichnungen von freiwillig buchführenden Bäuerinnen und Bauern bilden die Basis

Rund 2.000 freiwillige buchführende Betriebe schaffen mit ihren Aufzeichnungen die Grundlage für die Einkommensdarstellung und damit das Herzstück des Grünen Berichtes. Die gesammelten Aufzeichnungen der Buchführungsbetriebe werden von einer Wirtschaftstreuhand Firma in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen hinsichtlich Betriebs- und Einkommensdaten aufbereitet.

Entstehung des Landwirtschaftsgesetzes

Am 13. Juli 1960 kam es - nach zähen Verhandlungen, die sich bereits über 8 Jahre hingezogen hatten - zu einer Einigung der damaligen Regierungsparteien ÖVP und SPÖ zu einem Landwirtschaftsgesetz, das nach wie vor die Grundlage für den Grünen Bericht bildet. Schon damals galt für die Landwirtschaft, dass ihren Möglichkeiten zur Erzielung eines besseren Einkommens auf Grund der naturbedingten Gegebenheiten engere Grenzen gesetzt sind, als dies in den übrigen Wirtschaftszweigen der Fall ist. Mit Beschluss dieses Gesetzes wurde unter anderem eine Rechtsgrundlage geschaffen, die Landwirtschaft zu fördern, um naturbedingte Nachteile gegenüber anderen Wirtschaftszweigen auszugleichen und die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und Rohstoffen zu sichern. Des Weiteren sollen gemäß diesem Gesetz Fördermittel dafür verwendet werden, die Landwirtschaft an die Änderungen der volkswirtschaftlichen Verhältnisse anzupassen, die natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft nachhaltig zu sichern, die Kultur- und Erholungslandschaften zu erhalten und den Schutz vor Naturgefahren zu unterstützen. All diese Anforderungen haben bis heute nicht an Aktualität verloren.

Auswirkungen auf die nationale und internationale Agrarpolitik

Seit der Veröffentlichung des ersten Grünen Berichts haben sich die Leistungen und Strukturen des Sektors, die Anforderungen an ihn und damit auch die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft massiv geändert: Wurden in Österreich im Jahr 1960 noch 400.000 Betriebe bewirtschaftet, wovon die Haupterwerbsbetriebe zwei Drittel ausmachten, so waren es bei der letzten Agrarstrukturerhebung für das Jahr 2016 nur mehr 162.018 Betriebe. Ging es zu Beginn des Bestehens des Grünen Berichtes noch vorrangig um Produktionssteigerung zur Versorgungssicherung und ab den 1970er Jahren um Überschussverwertung in den Hauptsparten, so kam es in der Folge zu einer kombinierten Einkommensunterstützung über marktpolitische Maßnahmen und Leistungsabgeltungen, wobei letztere mit dem EU-Beitritt und den Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU massiv ausgebaut und erweitert wurden. Der Kampf gegen den Klimawandel und der Schutz der heimischen Wälder werden die zukünftigen Herausforderungen für die Agrarpolitik sein.

Leistungen der österreichischen Land- und Forstwirtschaft für die Gesellschaft unverzichtbar

Österreichs Bäuerinnen und Bauern erbringen für die Gesellschaft eine Vielzahl an Leistungen. Die Aufgaben der österreichischen landwirtschaftlichen Betriebe reichen von der nachhaltigen Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel, von der Pflege der Kulturlandschaft und der Bereitstellung von erneuerbarer Energie bis hin zum Schutz der Bevölkerung vor Naturkatastrophen. Dabei stellen globales Bevölkerungswachstum, Klimawandel, starke Preisschwankungen für landwirtschaftliche Produkte, die zunehmende Konkurrenz durch Billiganbieter, die Wirtschaftskrise und damit einhergehend eine Verteuerung der Betriebsmittel, für die Landwirtschaft große Herausforderungen dar. Hinzu kommen höhere Sozial- und Umweltstandards sowie strengere Tierschutzbestimmungen, welche die österreichischen Landwirtschaftsbetriebe im Vergleich zur europäischen bzw. weltweiten Konkurrenz zu erfüllen haben.

Schaffung von Rahmenbedingungen um neuen Herausforderungen gerecht zu werden

Damit die Landwirtschaft vor dem Hintergrund dieser zahlreichen neuen Herausforderungen ihre Aufgaben gegenüber der Gesellschaft wahrnehmen kann, bedarf es der Bereitstellung notwendiger Förderungen und Leistungsabgeltungen, um den Bäuerinnen und Bauern ein entsprechendes Einkommen zu sichern. Zusätzlich wird damit für die nachfolgenden Generationen eine multifunktionale, nachhaltige und wettbewerbsorientierte Land- und Forstwirtschaft aufrechterhalten, die einen wichtigen Beitrag für einen vitalen ländlichen Raum leistet. Die Weiterentwicklung des ländlichen Raumes und damit verbunden die Erhaltung und Sicherung einer bäuerlichen, nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Landwirtschaft ist ein wesentliches Ziel, um die bestehenden Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort zu erhalten bzw. weiter auszubauen.

 

Veröffentlicht am 07.11.2019, Grundsatzabteilung Agrarpolitik, Datenmanagement und Weiterbildung (Abteilung II/1)