Internationale Eiweißkonferenz in Wien

Eiweißpflanzen, wie Soja oder andere Hülsenfrüchte, stellen in der menschlichen Ernährung als auch in der Landwirtschaft ein zentrales und unersetzbares Element dar. Im Rahmen der internationalen Eiweißkonferenz in Wien wurde über die Möglichkeiten und Entwicklungspotentiale von Eiweißpflanzen diskutiert.

Eine besondere Bedeutung kommt den Hülsenfrüchten durch die Fähigkeit zu, Luftstickstoff durch Knöllchenbakterien in ihren Wurzeln zu binden. Dadurch sind sie auch ohne Stickstoffdüngung ertragsfähig und haben eine gute Vorfruchtwirkung für nachfolgende Kulturen. Der Anbau von Eiweißpflanzen schafft vielfältige Fruchtfolgen, es werden Düngemittel gespart, die aktive Durchwurzelung der Böden verbessert die Bodenfruchtbarkeit und Bodengesundheit und schützt vor Bodenerosion. Somit liefern Eiweißpflanzen essenzielle Ökosystemleistungen und sparen Ressourcen.

Neben Sojabohne – die den Ölsaaten zugeordnet wird – umfassen die Hülsenfrüchte ein großes Artenspektrum. Im österreichischen Pflanzenbau kommen vor allem Körnererbsen, Ackerbohnen, Wicken, Linsen, Kichererbsen aber auch andere Hülsenfrüchte zum Anbau.

Sojabohne ist mittlerweile zu einer Hauptkulturart aufgestiegen. Von 2010 bis 2018 konnte der Anbau von Sojabohnen beinahe verdoppelt werden; 2018 wurde Sojabohne auf 67.000 ha angebaut und es besteht noch weiteres Anbaupotential. Österreich ist damit der fünftgrößte Sojabohnenproduzent in der Europäischen Union.

In der heimischen Erzeugung setzt Österreich zur Gänze auf einen gentechnikfreien Anbau, mehr als ein Viertel der Sojabohnen wird auch biologisch erzeugt. Bei anderen Hülsenfrüchten, wie zum Beispiel bei Ackerbohne und Körnererbse liegt der Anteil der biologischen Produktion sogar noch höher; bei der Körnererbse bei einem Drittel und bei der Ackerbohne bei zwei Drittel.

Eiweißpflanzen stellen sowohl in der menschlichen Ernährung als auch bei der Tierfütterung ein zentrales unersetzbares Element dar. Neben ihrer zunehmenden Nachfrage in der Ernährung spielen Eiweißpflanzen in der Futtermittelproduktion eine entscheidende Rolle, denn sie liefern essenzielle Eiweißkomponenten für die Nutztierfütterung. Die Selbstversorgung bei Hülsenfrüchten lag in den letzten Jahren relativ konstant über 90 %.

Ernährungsphysiologisch ist die Sojabohne sowohl in der menschlichen als auch in der tierischen Ernährung von besonders großem Interesse. Sie findet sich in zahlreichen Lebensmitteln als Hauptbestandteil (z.B. in Tofu und Sojadrinks) oder als Lebensmittelzusatzstoff (z.B. Lezithin).

Die Eigenversorgung mit Eiweißfuttermitteln insgesamt liegt in Österreich bei über 80 %. Besonders in der Wiederkäuerfütterung besteht aus dem wertvollen Grünland und Ackerfeldfutter weitgehende Selbstversorgung. Allfällige Defizite können hier durch Ersatzfuttermittel wie Getreideschlempe, ein eiweißreiches Nebenprodukt der Biotreibstofferzeugung, abgedeckt werden. Der Importbedarf für Soja bezieht sich in Österreich fast ausschließlich auf den Schweinesektor.

Österreich hat das Thema Eiweißpflanzen in der Europäischen Union zu einem Schwerpunkt seines Ratsvorsitzes gemacht. Gemeinsam mit der Europäischen Kommission wird ein Prozess gestartet, der die Entwicklungspotentiale und Möglichkeiten von Eiweißpflanzen für die Lebens- und Futtermittelproduktion in der EU forcieren soll.

Veröffentlicht am 21.11.2018, Pflanzliche Produktion (Abteilung II/5)

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