Die österreichische Saatgutwirtschaft

Österreich verfügt über eine dynamische Saatgutwirtschaft, die sich mit hoher Qualität, lokal angepassten Sorten und Flexibilität in einem internationalen Umfeld behaupten kann.

Die heimischen Züchtungsunternehmen entwickeln laufend neue Sorten, die den sich ändernden Anforderungen im Anbau und in der Verarbeitung zu hochwertigen Lebensmitteln gerecht werden. Österreich hat einen hohen Grad an Selbstversorgung mit Saatgut. Eine Besonderheit ist der hohe Anteil an biologischer Landwirtschaft mit 25% der Anbaufläche. Auch für den Anbau unter Biobedingungen werden bestens geeignete Sorten entwickelt. Das führt dazu, dass österreichische Sorten auch im Ausland gefragt sind und sich Exportchancen für die Saatgutproduzenten bieten, insbesondere bei Mais und Sojabohne.

Der Klimawandel stellt eine gewaltige Herausforderung für die Landwirtschaft im Allgemeinen und den Ackerbau im Speziellen dar. Die österreichischen Ackerbaugebiete liegen in Regionen, die schon derzeit unter Wasserknappheit und hohen Temperaturen leiden. Ziel der heimischen Pflanzenzüchtung ist es, klimafitte Sorten unter besonderer Berücksichtigung von Trockenheits- und Hitzetoleranz zu entwickeln, diese an den voranschreitenden Klimawandel sowie an die regionalen Erfordernisse anzupassen und die Kulturartenvielfalt sicherzustellen.

Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus unterstützt gemeinsam mit den Bundesländern dieses Ziel, klimafitte Sorten zu entwickeln, mit einem dreijährigen Forschungs- und Entwicklungsprojekt mit jährlich 1 Million Euro. An dem Projekt nehmen unter wissenschaftlicher Begleitung der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) die führenden österreichischen Züchtungsunternehmen teil. Damit können alle bedeutenden Kulturpflanzen abgedeckt werden. Schon im ersten Jahr 2018 stellten sich große Erfolge ein und es konnte eine Reihe klimafitter Zuchtstämme für die amtliche Sortenwertprüfung angemeldet werden.

Mit diesem Projekt wird die Bewahrung der existierenden Vielfalt an heimischen Kulturarten für vielfältige Fruchtfolgen und damit ein hohes Maß an Biodiversität sichergestellt. Nicht zuletzt geht es aber um die Sicherung der Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln.

Der Inlandsumsatz der österreichischen Saatgutwirtschaft betrug 2018 rund 140 Mio. Euro (ohne Gemüse). Die österreichische Saatgutwirtschaft sichert für einen hohen Grad an Selbstversorgung im Inland und ist stark exportorientiert. Vor allem bei Mais und Soja überstiegen die Ausfuhren den Inlandsabsatz und sicherten somit eine hohe Wertschöpfung in Österreich.

In der Pflanzenzüchtung, Saatgutvermehrung und im direkten Saatgutverkauf sind rund 25 Unternehmen tätig.

Die Saatgutvermehrung ist in Österreich überwiegend genossenschaftlich organisiert. 2018 wurde auf einer Fläche von ca. 37.700 ha Saatgut vermehrt (2017: 34.550 ha). Die Vermehrungsfläche für Bio-Saatgut betrug 7.552 ha (2017: 6.335 ha).

Veröffentlicht am 05.08.2019, Pflanzliche Produktion (Abteilung II/5)