Chemikalien-Leasing bei „Genius 2004“ ausgezeichnet

Nach der Auszeichnung im Rahmen des Ideenwettbewerbes „Genius 2004“ im Dezember 2004 konnte das Geschäftsmodell „Chemikalien-Leasing“ bei einem weiteren Wettbewerb die Fachwelt überzeugen.

Bereits seit dem Jahr 2002 bildet „Chemikalien-Leasing“ einen Arbeitsschwerpunkt in der Abteilung für Chemiepolitik des Umweltressorts. Hinter diesem Begriff steckt die Idee eines neuartigen, dienstleistungsorientierten Geschäftsmodells zur gewerblichen Verwendung von Chemikalien.

Jetzt wurde diese Idee ausgezeichnet.
 
Wie innovativ diese Idee ist, zeigt die Auszeichnung im Rahmen des Ideenwettbewerbs „GENIUS 2004“ im Dezember 2004 im TFZ Forschungs- und Technologiezentrum Wiener Neustadt. Im Rahmen dieses von der EU und der Wirtschaft unterstützten Ideenwettbewerbs der Regionalen Innovationszentren (RIZ) sollen Potenziale im Forschungs- und Entwicklungsbereich aktiviert und Möglichkeiten bei der Verwertung viel versprechender Projektideen aufgezeigt werden.
LR Ernest Gabmann, Initiator und Förderer dieses Wettbewerbes, sowie Direktor Dr. Franz Wiedersich, Wirtschaftskammer Niederösterreich, übergaben die Preise.
Ein Anerkennungspreis wurde der Abteilung V/2 (Chemikalienpolitik) für die Aktivitäten rund um das neue Geschäftsmodell „Chemikalien-Leasing“ verliehen.
 
Eine Vielzahl chemischer Stoffe findet in der modernen Industriegesellschaft in Produkten oder Verfahren breite Anwendung. Diese Stoffe werden bei und nach ihrer Verwendung in unterschiedlichem Ausmaß in die Umwelt eingetragen, wodurch sich sowohl ökologische, aber auch - durch unnötige Verluste - ökonomische Nachteile ergeben. Stoffströme müssen daher quantitativ und qualitativ optimiert werden, damit die jeweiligen chemischen Dienstleistungen mit einem Minimum an Emissionen und einem Maximum an Effizienz erreicht werden können.
Zum anderen gehört es heute in den Kreisen der Wirtschaft zum allgemeinen Bewusstsein, dass nur derjenige überlebt, der kontinuierlich seine Leistung verbessert, dabei kundenbezogener wird und vor allem überflüssigen Ressourcenverbrauch vermeidet.
 
Beim „Chemikalien-Leasing“ wird die benötigte Chemikalie zur Verrichtung einer bestimmten Aufgabe - Dienstleistung - vom Lieferanten nicht mehr an den Kunden verkauft, sondern lediglich zum Gebrauch zur Verfügung gestellt. Der Preis, z.B. bei einer Entfettung mit Hilfe von Lösungsmittel, wird dann durch das Ausmaß der gereinigten Oberfläche und nicht mehr durch die dazu verbrauchte Lösungsmittelmenge bestimmt.
 
Der „Umweltclou“ dieses Ansatzes liegt darin, dass es dadurch während des gesamten Lebenszyklus der Chemikalie keinen Beteiligten mehr gibt, der wirtschaftliches Interesse an seinem Verbrauch hat. Dies macht die umweltpolitische Motivation für diesen neuen Schwerpunkt deutlich!
 
Solche service-orientierten Geschäftsmodelle sind in geringem Umfang international etabliert, z.B. in der Automobilindustrie, wären aber für weit mehr Unternehmen anwendbar und von Vorteil. Eine im Jahr 2002 vom Umweltressort beauftrage Studie hat für Österreich ergeben, dass von ca. 3 900 relevanten Betrieben ausgegangen werden kann, für die ein solches Modell grundsätzlich geeignet erscheint und dabei eine Reduktion um bis zu 53.000 Tonnen Chemikalien jährlich in Österreich erreicht werden kann, was einem Drittel der jährlichen Gesamtmenge entspricht.
Im Anschluss an die beiden Studien wurde 2003 auch ein Buch veröffentlicht. Im Buch wurden die Ergebnisse der beiden Studien für den interessierten Leser aufbereitet. Dieses im Springer-Verlag erschienene Buch unter dem Titel „Chemikalien-Leasing - Ein intelligentes und integriertes Geschäftsmodell als Perspektive zur nachhaltigen Entwicklung in der Stoffwirtschaft“ ist im Fachhandel sowohl in deutscher als auch englischer Sprache erhältlich.
Für die Einführung in die Praxis hat das Umweltministerium eine maßgeschneiderte Förderung bereitgestellt, um Anwärter für ein solches Geschäftsmodell betriebsspezifisch unterstützen zu können: Im Rahmen solcher Projekte beraten externe Experten ausgewählte Betriebe - das Bundesministerium fördert die Hälfte dieser Beratungskosten. So können diese Pilot-Unternehmen ohne größeres Risiko die Vorteile des neuen Modells erproben. Damit wurden bereits praxistaugliche Referenzlösungen geschaffen, die eine Optimierung von Chemikalienströmen aufzeigen, den erzielbaren Umweltnutzen deutlich machen und zugleich für weitere Betriebe eine Vorbildfunktion für eine nachhaltige Stoffwirtschaft liefern.

Veröffentlicht am 16.10.2014, Chemiepolitik und Biozide (Abteilung V/5)