Fachdialog Roadmap-2050 Landwirtschaft und Landnutzung

Chancen und Risiken einer möglichen emissionsarmen Landwirtschaft in Österreich standen im Mittelpunkt von Präsentationen zu einem Vorschlag der EU-Kommission zur Senkung der CO2-Emissionen.

Die „Roadmap 2050“ - Fahrplan für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaft bis 2050, ist eine Mitteilung der Kommission, in welcher eine Reduktion der EU-internen CO2 Emissionen um ca. 80% gegenüber dem Niveau von 1990 vorgeschlagen wird. Um dieses Ziel möglichst kosteneffizient zu erreichen wurde es in Etappen und Sektoren aufgeteilt.

Die Vorschläge für den Agrarsektor beziehen sich auf Nicht-CO2 Emissionen. Bis zum Jahr 2030 sollen Reduktionen um -36 bis -37% erreicht werden, bis 2050 um -42 bis -49%. Im Jahr 2050 würden laut Fahrplan ein Drittel der Gesamtemissionen der EU auf die Landwirtschaft entfallen.

Es gibt keine Aufteilung der Reduktionsvorschläge nach Mitgliedsstaaten. Es wird zur Kenntnis genommen, dass bereits eine beträchtliche Emissionssenkung erreicht wurde. Mögliche positive Auswirkungen der 2013 vorzulegenden Legislativvorschläge zur Gemeinsamen Agrarpolitik sind noch nicht in die Analyse eingeflossen. In der Verlangsamung der Reduktion in der Etappe 2030 bis 2050 wird der vermutlich bis 2050 auf 9 Milliarden Menschen angewachsenen Bevölkerung Rechnung getragen.

Dieses Spannungsfeld wird verstärkt durch die nötige nachhaltige Produktivitätssteigerung zur Welternährung und mögliche Folgen für die Ressourcen Wasser, Böden und Biodiversität. Angesichts dieser Herausforderungen wurden im Rahmen des Fachdialogs auf mögliche Chancen und Risiken in Österreich Bezug genommen.

Die einzelnen Beiträge

  • Christine Moeller (EC, Generaldirektion Klimapolitik) stellte das Thema im Kontext der Strategie Ressourcenschonendes Europa 2020 vor. Schwerpunkt des Vortrages war der Aspekt der kosteneffizienten Emissionsvermeidung.
  • Michael Anderl (Umweltbundesamt) referierte über die Treibhausgas-Inventur in Österreich, sowie über Berichtspflichten Österreichs gegenüber der UNFCCC und der Europäischen Kommission. Fokus wurde dabei auf bisherige Trends, Bilanzierungen, Verminderungspotentiale und Projektionen im IPCC Subsektor Agriculture, gegliedert nach Quellgruppen gelegt. Im Zeitraum von 2005 bis 2030 wird ein leichter Anstieg von 3,5% erwartet, wobei Reduktionspotentiale noch nicht berücksichtigt wurden.
  • Martin Längauer (LK Österreich) stellte im Rahmen seines Vortrages Österreich in Bezug zu den derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen einer möglichen emissionsarmen Landwirtschaft. Dabei wurde der Fokus auf die Zielkonflikte Welternährung, Gründlandwirtschaft und Nutztierhaltung sowie Stickstoffeinsatz in der Ackerwirtschaft gelegt. Eine mögliche Gefahr bei gleichbleibender Nachfrage besteht in der Produktionsverlagerung ins Ausland, welche höhere Emissionen verursachen würde.
  • Helmut Kudrnovsky (CIPRA) und Ina Meyer (WIFO) gingen in ihrem Vortrag explizit auf die Vulnurabilität der Alpenregion ein. Mitigation und Anpassung bilden Synergieeffekte. Als zentrale Anpassungsmaßnahme wird die Umstellung auf ökologischen Landbau in der Alpenregion gesehen, da dies positive Veränderungen im Bereich der besonders sensiblen Bereiche Bodenmanagment und Wasserhaushalt mit sich bringt. Die Diskussion wurde durch den Vorschlag einer Änderung des Konsumsverhaltens hinsichtlich eines reduzierten Fleischverzehrs angeregt.
  • Franz Sinabell (WIFO) trug über wirtschaftliche Herausforderungen für die Landwirtschaft durch die Roadmap vor. Es wurden die Veränderungen in der Agrarstruktur von 1970 bis heute analysiert und so auf potentielle Entwicklungen bis 2050 geschlossen. Anhand von Modellen wurde auf mögliche Ertragsveränderungen geschlossen. Kontroversielle Diskussionsanregungen wurden hinsichtlich eines veränderten Konsumsverhaltens durch veganen Lebensstil gegeben.
  • Barbara Amon (BOKU) stellte in ihrem Vortrag den Forschungsschwerpunkt „Emissionen“ des Institutes für Landtechnik in den Vordergrund. Eingegangen wurde dabei auf Nitrifikation, Denitrifikation, Methanogenese, das österreichische Emissionsinventar und im speziellen auf Emissionen der Nutztierhaltung, sowie alternative Ausbringung von Mist und Gülle.
  • Georg Dersch (AGES) präsentierte pflanzenbauliche Maßnahmen und mögliche Senkenpotentiale in österreichs Böden. Wieder wurde das Spannungsfeld Ernährungssicherheit und Klimaschutz behandelt. Weiters wurde Augenmerk auf Effizienzsteigerung im Düngemitteleinsatz sowie die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit geleget. Der mögliche Beitrag einer biologischen Bodenbewirtschaftung wurde kritisch und differenziert betrachtet.
Veröffentlicht am 27.06.2018, Koordinierung Klimapolitik (Abteilung IV/1)