Österreich auf dem Weg zu einer nationalen Anpassungsstrategie

Bereits bestehende Aktivitäten zum Thema Anpassungserfordernisse auf Seiten der Länder und des Bundes werden zusammenschauend gebündelt und darauf aufbauend eine nationale Anpassungsstrategie entwickelt.

Politischer Auftrag

Die Verpflichtung, eine nationale Anpassungsstrategie zu erstellen, ergibt sich aus dem Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen. Sie schreibt vor, dass Vertragsstaaten nationale und gegebenenfalls regionale Programme erarbeiten, umsetzen und regelmäßig aktualisieren, die eine angemessene Anpassung an die Klimaänderung erleichtern.

Die Europäische Kommission veröffentlichte bereits im Juni 2007 ein Grünbuch betreffend „Anpassung an den Klimawandel in Europa – Handlungsmöglichkeiten der EU“. Das dazugehörige Weißbuch wurde im April 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt. Derzeit wird auf Ebene der EU u.a. an der Integration von Klimawandelanpassung in bestehende Politikfelder gearbeitet. Das Thema genießt auf EU-Ebene hohe Priorität.

Konkrete Vorgangsweise

Die vom BMLFUW beauftragte „Ist-Stands-Erhebung zur Anpassung an den Klimawandel in Österreich“ (2008) lieferte eine erste Übersicht über diesbezügliche Forschungsprojekte und praktische Maßnahmen. Die Ergebnisse der Studie legen folgende Schlussfolgerungen nahe:

  • Ein Großteil der bisher gesetzten Maßnahmen wurde individuell und nur reaktiv, das heißt als Reaktion auf bereits spürbare Auswirkungen des Klimawandels gesetzt;
  • Kooperationspotentiale oder Synergien werden derzeit zu wenig ausgeschöpft;
  • Mögliche Interessenskonflikte sind bislang unzureichend identifiziert und angesprochen.

Nötig ist daher ein akkordierter bundesweiter Orientierungsrahmen, aus dem heraus schrittweise Handlungsoptionen definiert werden können. Eine nationale Anpassungsstrategie erscheint wesentlich, um die bereits zahlreichen gesetzten Aktivitäten integrativ zu bündeln. Sie soll einen Rahmen zur Ausrichtung notwendiger weiterer Anpassungsmaßnahmen geben, innerhalb dessen Synergien durch mögliche Kooperationen genutzt und vorausschauendes Handeln in der Vorbereitung auf künftige Klimaauswirkungen unterstützt werden.

Prozess einer umfassenden Beteiligung

Auf Basis eingehender Diskussionen und wissenschaftlicher Studien wurde ein „Policy Paper“ erarbeitet, das Prinzipien und erste grobe Handlungsvorschläge zu fünf ausgewählten Aktivitätsfeldern festhielt. In einem ersten Schritt wurden damit die Bereiche Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, Tourismus und Elektrizitätswirtschaft beleuchtet.

Dieses „Policy Paper“ Auf dem Weg zu einer nationalen Anpassungsstrategie  ist  der Grundstein für die kontinuierliche Entwicklung einer umfassenden Strategie.

In weiterer Folge waren Vertreterinnen und Vertreter aus der öffentlichen Verwaltung von Bund und Ländern, Interessenverbänden, Umweltorganisationen und weitere Institutionen („organisierte Öffentlichkeit“) in einem Beteiligungsprozess, welcher vom Klima- und Energiefonds beauftragt und vom Umweltbundesamt organisiert wurde (Juni 2009 bis Juni 2010) eingebunden.

Im Rahmen dieses Prozesses wurde wiederholt der Wunsch nach einem umfassenden Informationsmedium zu Klimawandel und Anpassung vorgebracht. Der Newsletter, durch den Klima- und Energiefonds finanziert, gibt einen Überblick über das stetig wachsende Themengebiet zur Anpassung an den Klimawandel und berichtet über aktuelle Entwicklungen aus der nationalen und internationalen Politik, über interessante Forschungsprojekte und Praxisbeispiele und bereitet in jeder Ausgabe ein Schwerpunktthema auf.
Die Registrierung zum Newsletter ist auf der Homepage www.klimawandelanpassung.at des Umweltbundesamtes möglich.

Unabhängig von der konkreten Arbeit am bestehenden Policy Paper wurden weitere Aktivitätsfelder in wissenschaftlichen Studien behandelt.

Die Bereiche "Schutz vor Naturgefahren" sowie "Bauen und Wohnen" wurden im Rahmen einer Studie von AustroClim auf Expertenebene vorbereitet und sind nun bereits im Policy Paper integriert. Expertenpapiere liegen auch zu den Bereichen "Natürliche Ökosysteme/Biodiversität" sowie "Gesundheit und Verkehrsinfrastruktur" vor.

In informellen Workshops des BMLFUW zur Anpassung werden betroffene Ressorts, die Länder, Interessensvertreter und NGO's über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und den konkreten Stand der Arbeiten an der Strategie informiert.

Veröffentlicht am 04.10.2018, Koordinierung Klimapolitik (Abteilung IV/1)