Fortschrittsbericht zur Klimawandelanpassung

Seit dem Jahr 2012 liegt für Österreich eine Strategie zu Anpassung an den Klimawandel vor, die für Bund und Länder Gültigkeit hat. Diese Strategie wurde 2017 in aktualisierter Fassung erneut von Bund und Ländern verabschiedet. Bis Ende 2020 soll ein weiterer Fortschrittsbericht vorgelegt werden, der Aufschluss über den Stand der Umsetzung der Strategie gibt.

Anpassung ist ein kontinuierlicher Prozess, der einer regelmäßigen Überprüfung der wesentlichen Klimafolgen und der Wirksamkeit der gewählten Anpassungsmaßnahmen bedarf. Ein Monitoring begleitet den laufenden Lernprozess der Anpassung, während die Evaluierung auf die Bewertung des Ergebnisses abzielt.

Auf europäischer Ebene wurde mit dem Weißbuch „Anpassung an den Klimawandel“ ein Aktionsrahmen geschaffen, innerhalb dessen sich die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten sollen. Es bildete die Grundlage für eine umfassende Anpassungsstrategie der EU mit drei wesentlichen Zielen: Die Förderung von Anpassungsaktivitäten in den EU-Mitgliedstaaten durch die Erstellung nationaler Anpassungsstrategien, die Integration von Klimawandelanpassungsaktivitäten auf EU-Ebene und eine besser fundierte Entscheidungsfindung in der Maßnahmensetzung zur Klimawandelanpassung.

Um den Fortschritt der Anpassungsaktivitäten der Mitgliedsländer zu messen, wurde ein Indikatoren-basiertes Evaluierungssystem entwickelt, das sogenannte „adaptation preparedness score-board“. Auf dessen Grundlage sowie unter Bezug auf die Berichte gemäß der Monitoring-Verordnung hat die Europäische Kommission im Jahr 2017 den Stand der Umsetzung in den Mitgliedsstaaten überprüft und gegebenenfalls notwendige Korrekturen eingeleitet.

Systematische Erfassung des Fortschritts

Für den ersten österreichischen Fortschrittsbericht wurde ein Konzept entwickelt, durch Monitoring und Evaluierung den Grad der Umsetzung konkreter Handlungsempfehlungen darstellen zu können. Ziel war es, einen möglichst effizienten, praktischen Zugang zu wählen, der den Aufwand minimal hält und gleichzeitig doch deutliche Aussagen zulässt. Von Seiten der Europäischen Kommission besteht ein klarer Auftrag, den Aspekt der Klimawandelanpassung in Zukunft in alle relevanten Programme oder strategischen Dokumente miteinfließen zu lassen.

Die 2012 beschlossene österreichische Strategie zur Anpassung an den Klimawandel bildet einen umfassenden Rahmen, um in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die notwendigen Schritte in der Anpassung umzusetzen. Die Anpassungsstrategie beinhaltet konkrete Anknüpfungspunkte für alle in der Umsetzung geforderten Akteurinnen und Akteure. Neben dem Kontext, der strategische Überlegungen und grundsätzliche Informationen beinhaltet, umfasst sie einen Aktionsplan, der für die insgesamt 14 Aktivitätsfelder konkrete Handlungsempfehlungen vorsieht. Die Entwicklung der Strategie erfolgte unter Einbindung der betroffenen Akteurinnen und Akteure, insbesondere aus Ministerien, Ländern, Interessensvertretungen, NGOs sowie aus der Wissenschaft.

Prinzipiell kann man feststellen, dass in Österreich insgesamt bereits zahlreiche Maßnahmen zur Klimawandelanpassung in Angriff genommen wurden. Beispielhaft zu nennen wären einzelne Bereiche in der Forstwirtschaft, der Wasserwirtschaft, im Bereich Naturgefahren oder auch in der Landwirtschaft sowie in neuen Ansätzen im Tourismus.

Der Bericht führt exemplarisch folgendes an:

  • Im Bereich Forstwirtschaft ist bereits ein Rückgang des Fichten- und ein Anstieg des Laubholzanteiles zu beobachten.
  • Zur Verbesserung der Gewässerökologie wurden und werden zahlreiche Maßnahmen gesetzt, wie zum Beispiel zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Fließgewässern.
  • Zusätzlich geschaffene Retentionsräume tragen wesentlich zum Schutz vor Naturgefahren bei. Die Forderung muss weiter sein: „Mehr Raum für die Flüsse“.
  • Die biologische Bewirtschaftung richtet sich nach Zielen, die auch im Sinne der Klimawandelanpassung sind. In diesem Zusammenhang ist es zu begrüßen, dass die Fläche im Biolandbau seit dem Jahr 2000 deutlich angestiegen ist.
  • Eine Vielzahl von Fördermaßnahmen im Tourismus steht im Einklang mit der Klimawandelanpassung, etwa saisonverlängernde Maßnahmen und die Forcierung einer nachhaltigen Entwicklung.
  • Auch der Zugang der Bevölkerung zu relevanten Informationen wurde erheblich verbessert und diese werden speziell in „Krisenzeiten“ auch sehr gut angenommen.

Es geht darum, Vorsorge zu treffen

Die hier vorgelegten Ergebnisse bilden wesentliche Grundlagen für die Weiterentwicklung der Anpassungsstrategie, die als Auftrag der bestehenden Strategie im Anschluss an den ersten Fortschrittsbericht vorzunehmen ist. In diesem Zusammenhang ist jedenfalls auch anzumerken, dass der Klimawandel mit seinen mannigfaltigen Auswirkungen bisher österreichweit nur in wenige relevante strategische Entscheidungen Eingang findet.

Nur mit einer vorausschauende Planung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen können Schäden vermieden und Chancen für viele Sektoren und Wirtschaftszweige gewinnbringend genutzt werden. Wie die Ergebnisse des vom Klima- und Energiefonds geförderten Projekts COIN zu den Kosten des Nichthandelns in Österreich zeigen, wird die fehlende Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen mit beträchtlichen Kosten bis zum Jahr 2050 verbunden sein. Dies untermauert die Dringlichkeit, Klimawandelanpassung verstärkt mitzudenken und ihr auf der politischen Agenda einen höheren Stellenwert beizumessen.

Methodik zum zweiten Fortschrittsbericht

Anpassung an den Klimawandel ist ein kontinuierlicher Prozess, der einer wiederkehrenden Überprüfung der wesentlichen Klimafolgen und der Wirksamkeit der gewählten Anpassungsmaßnahmen bedarf. Daher ist im Kontext der österreichischen Anpassungsstrategie die regelmäßige Erstellung eines Fortschrittsberichts mit der Darstellung des Umsetzungsstands in den Aktivitätsfeldern vorgesehen. Der erste Fortschrittsbericht zum Status-quo der Anpassung in Österreich wurde 2015 im Ministerrat verabschiedet (BMNT 2015) und auch von der Landeshauptleutekonferenz bestätigt. Um den Stand der Umsetzung strukturiert zu erfassen, war hierfür ein Konzept zur Fortschrittsdarstellung (BMNT 2014) entwickelt worden, welches auf zwei Komponenten beruhte, einer Befragung und einem Kriterienkatalog. Die Zusammenschau dieser beiden Elemente ergab ein Gesamtbild über die Entwicklung und den Trend der Anpassung in den jeweiligen Aktivitätsfeldern. Die Ergebnisse aus dem ersten Fortschrittsbericht waren eine wichtige Grundlage, um die Strategie zur Anpassung an den Klimawandel im Jahr 2017 zu aktualisieren.

Basierend auf den Erfahrungen im Zuge der Erstellung des ersten Fortschrittsberichts und auf neuen Erkenntnissen aus Monitoring- und Evaluierungsprozessen auf europäischer und internationaler Ebene wurde das Konzept für die Fortschrittsdarstellung weiterentwickelt. Das nun vorliegende adaptierte Konzept stellt die Basis für den zweiten Fortschrittsbericht dar, der gemäß Ministerratsvortrag vom August 2017 im Jahr 2020 vorliegen soll.

Veröffentlicht am 23.08.2019, Koordinierung Klimapolitik (Abteilung IV/1)