Kunststoffabfälle in Österreich - Aufkommen, Behandlung und Recycling

Um die ambitionierten Recyclingziele und Vorgaben des EU-Kreislaufwirtschaftspakets zu erreichen und als Vorbereitung auf die Umsetzung der EU-Kunststoffstrategie, investiert das BMNT in innovative Forschungsarbeiten und Studien im Kunststoffbereich. Im Fokus dabei stehen die quantitative Erhebung des österreichischen Kunststoffabfallaufkommens und die Bestandserhebung der etablierten Recyclingtechnologien. Dazu beauftragte das BMNT zwei Studien, die im Folgenden zusammenfassend beschrieben werden.

 

1. Studie „Kunststoffabfälle in Österreich – Aufkommen und Behandlung“

 

Die im Jahr 2017 vom BMNT beauftragte und in Kooperation mit dem Umweltbundesamt (UBA) erstellte Studie, zielt darauf ab, eine umfassende Übersicht über das Aufkommen und die Behandlung von Kunststoffabfällen in Österreich (Referenzjahr 2015) zu geben. Ein Schwerpunkt ist dabei, eine detaillierte Mengendarstellung nach Abfallarten und dessen Kunststoffanteil. Es werden auch die Qualitäten (wesentliche Kunststoffarten) sowie die Branchenherkunft und der Einsatzbereich (Verpackungen, Elektro- und Elektronikgeräte, Transport, Bauwirtschaft, Haushalt, Sonstige) der Abfallarten dargestellt. Bei der Mengenerhebung werden auch die Abfallimporte und –exporte berücksichtigt. Zusätzlich erfolgt eine Betrachtung des Standes der Technik der Behandlung von Kunststoffabfällen auf nationaler und europäischer.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass österreichweit jährlich rund 0,92 Mio. t Kunststoffabfälle („sortenreine“ Kunststoffabfälle, wie Kunststofffolien oder Polyolefinabfälle und der Kunststoffanteil kunststoffhaltiger Abfälle, wie z.B. Sperrmüll, Elektronikaltgeräte) anfallen. Rund 77 % der Kunststoffmenge befinden sich in gemischten Abfällen mit unterschiedlich hohen Kunststoffanteilen. Hinsichtlich der Herkunft sind 80 % der gesamten Kunststoffabfälle sogenannte Post-Consumer-Abfälle und nur 20 % entfallen auf Produktionsabfälle. 28 % werden stofflich verwertet, 71 % der Kunststoffabfälle werden einer thermischen Verwertung zugeführt und 1 % wird deponiert (als Kunststoffanteil in einzelnen Abfallarten).

 

2. Studie „Sortierung und Recycling von Altkunststoffen in Österreich - Status 2019“

 

Die Studie wurde vom BMNT Ende 2018 beauftragt und soll Anfang 2020, in Kooperation mit dem UBA, fertiggestellt werden. Auf Basis des Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2017 verfügt Österreich derzeit über 35 Anlagen zur Sortierung von Altkunststoffen und über 34 Kunststoffrecyclinganlagen. Umfassende Kenntnisse über die in Österreich eingesetzten Sortier- und Recyclingtechnologien für Kunststoffabfälle, gesicherte Angaben über die insgesamt vorhandenen Behandlungskapazitäten sowie über die Qualitäten der Kunststoffabfälle und Rezyklate existieren, allerdings nicht in einem für eine Bewertung und Evaluierung ausreichendem Maße.

Das wesentliche Ziel des Projekts ist es daher, eine Fachgrundlage zum Kunststoffrecycling in Österreich zu erstellen; konkret einen Überblick zu geben über:

  • die systematische Beschreibung ausgewählter Anlagen zur Sortierung und zum Recycling von Kunststoffabfällen;
  • das in Österreich etablierte Kunststoffrecycling und die eingesetzten Sortier- und Recyclingtechnologien;
  • derzeit bestehende Hemmnisse für das Sortieren und Recycling von Altkunststoffen aus Sicht österreichischer Akteure.

Ergänzend soll auch eine Übersicht über die derzeit am europäischen Markt verfügbaren Sortier- und Recyclingtechnologien für Kunststoffabfälle bzw. Altkunststoffe zusammengestellt werden.

Die erhobenen Informationen sollen in weiterer Folge als Grundlage für die Entwicklung von zielführenden Maßnahmenvorschlägen, die eine Erhöhung der Recyclingmengen von Kunststoffabfällen in Österreich bewirken, dienen. Außerdem sollen aufbauend auf den Ergebnissen dieser Studie hinkünftig Aussagen zum Potenzial des Einsatzes innovativer Recyclingtechnologien in Österreich, aber auch zu den Grenzen eines ökologisch sinnvollen Recyclings von Kunststoffen aufgezeigt werden.

 

Veröffentlicht am 31.01.2019, Abfallwirtschaftsplanung, Abfallbehandlung und Altlastensanierung (Abteilung V/3)