Großer Erfolg bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission!

Am 13. September 2018 wurde die Florianópolis-Deklaration angenommen, mit der die Internationale WalFANGkommission viel stärker zu einer WalSCHUTZkommission werden soll.

ExpertInnen der Abteilung 1/9 Internationale Umweltangelegenheiten des BMNT setzen sich seit Jahren für den umfassenden Schutz aller Wal- und Delfinarten ein. Für die Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) waren die Botschaften des österreichischen EU-Vorsitzes klar formuliert: Beibehaltung des Moratoriums für kommerziellen Walfang, strenge und umfassende Regelungen für den Walfang indigener Völker, Verbot von jeder Art von internationalem Handel mit Walfleisch und Walprodukten, Einstellung von für Wale tödlichen Forschungsmethoden sowie Ausweisung neuer Schutzgebiete.

Nun ist bei der Tagung in Florianópolis (Brasilien) ein Meilenstein gelungen: Mit großer Mehrheit und gegen den Willen von Japan und anderer Walfang-Befürwortern wurde die Florianópolis-Deklaration angenommen!

Auch die von Japan angestrebte Einführung der kommerziellen Waljagd ist deutlich gescheitert. Die Internationale Walfangkommission hat mit 41 gegen 27 Stimmen den japanischen Antrag zur Aufhebung des Walfang-Moratoriums abgewiesen; die Gruppe um Japan hätte aber eine dreiviertel Mehrheit für die Regeländerung benötigt. Japan befürwortet die Wiedereinführung des kommerziellen Walfangs mit der Begründung, dass das Aussterben der größten Meeressäugetiere kein aktuelles Risiko sei. Ein "nachhaltiger" kommerzieller Walfang sei deshalb nach 32 Jahren Fangmoratorium wieder möglich.

Die IWC hat jedoch auf dieser Tagung eine Neuorientierung beschlossen, nach der sie von der Jagdkontrolle zu einem ständigen Schutz der weltweiten Walbestände übergehen möchte. Der "Florianópolis-Deklaration" entsprechend, soll die wirtschaftliche Nutzung von Walbeständen ausschließlich im touristisch ausgerichteten "Whale-Watching" möglich sein, während Walfang nur indigenen Völkern im Rahmen derer Lebensgrundlage erlaubt bleibt. "Die IWC hat heute einen Rückfall in die Walfang-Ära verhindert und behält den Schutz der Wale klar im Blick", sagte Arnulf Köhncke von der Umweltstiftung WWF. Japan ist zu Recht gescheitert. "Erstens gibt es keinen wirtschaftlichen Bedarf für Walfleisch und zweitens haben sich etliche Walbestände noch immer nicht vom kommerziellen Walfang erholt."

Die Bedeutung dieses Erfolges ist in Anbetracht der Ausgangssituation groß:

  • Die Zahl der Waltötungen steigt von Jahr zu Jahr auf mittlerweile beinahe 2000 Tiere jährlich, unter anderem, weil Island und Norwegen (haben einen Vorbehalt gegen das Moratorium eingebracht) kommerziellen Walfang betreiben und Japan "wissenschaftlichen" Walfang betreibt. Indigenen Völkern in USA, Russland, Grönland und St. Vincent und die Grenadinen werden Quoten zugeteilt. Die "unabsichtlichen" Wal- und Delfintötungen durch Plastikmüll, Chemikalien, Beifang, Kollisionen mit Schiffen, Unterwasserlärm, Überfischung etc. sind jedoch bei weitem höher. Einige Wal- und Delfinarten, sowie Unterarten, sind daher akut vom Aussterben bedroht. Der chinesische Baiji gilt bereits als ausgestorben.
  • Die Degradierung des marinen Lebensraumes durch Klimaänderungen, Chemikalien, Plastikmüll, Lärm (militärisches Sonar), Überfischung, Schifffahrt, Gas- und Ölförderung etc. ist unübersehbar.
  • Seit über 30 Jahren besteht ein Verbot des kommerziellen Walfangs (Moratorium), da deutlich wurde, dass die Anzahl getöteter Großwale nicht nachhaltig war und ein Walbestand nach dem anderen an den Rand der Ausrottung gelangte. Obwohl manche Staaten (Norwegen, Island, Japan) und Indigene weiterhin Walfang betreiben, konnten sich einige Großwalbestände erholen.

Österreich nimmt seit 1994 an den Jahrestagungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) teil und ist seit 1995 Vertragspartei des Internationalen Übereinkommens zur Regelung des Walfangs (BGBl. Nr. 44/1995). Österreich hat in den vergangenen Jahren wesentlich zur Einbringung von umweltrelevanten Themen beigetragen und daher an der Neuorientierung der Internationalen Walfangkommission von einer rein walfangbezogenen zu einer stärker an Umweltthemen orientierten Organisation mitgewirkt. Mit dem Ziel der Verankerung von Umweltthemen in der Internationalen Walfangkommission spielt Österreich außerdem in der zuständigen Arbeitsgruppe im wissenschaftlichen Komitee eine führende Rolle. Die Arbeit hat sich bisher gelohnt und soll in dieser Gangart und im Sinne des Schutzes der größten Meeressäugetiere der Welt weitergeführt werden.

Veröffentlicht am 17.09.2018, Internationale Umweltangelegenheiten (Abteilung I/9)