Internationaler Artenschutz ist große Schritte vorwärts gekommen

UN-Konferenz in Indien beschließt mehr Geld zur Erhaltung der Artenvielfalt auf dem Land und in den Meeren.

Mehr Geld für internationale Schutzprojekte

Die UN-Konferenz zur Artenvielfalt in Haiderabad hat für den internationalen Naturschutz wertvolle Fortschritte gebracht. Es ist nämlich gelungen, mehr Geld für Schutzprojekte in Entwicklungsländern zu vereinbaren, die Zahl der Meeresschutzgebiete zu verzehnfachen und der unkontrollierten Anwendung neuer naturwissenschaftlichen Technologien einen Riegel vorzuschieben. Umweltminister Nikolaus Berlakovich hat Österreich bei der Konferenz in Haiderabad vertreten.

Weltweit werden die gesamten Geldmittel zur Erhaltung der Artenvielfalt bis 2015 verdoppelt und bis 2020 auf diesem Niveau gehalten. 75 % der Entwicklungsländer haben sich verpflichtet, bis 2015 über die Verwendung der Gelder Bericht zu erstatten und nationale Finanzierungspläne auszuarbeiten. Bei jeder Folgekonferenz bis zum Jahr 2020 wird die Umsetzung der weltweiten Schutzstrategie überprüft.

Bis 2020 10 % der Weltmeere unter Schutz

Um den Artenverlust in den Meeren und an den Küsten einzudämmen, sollen bis zum Jahr 2020 10 % der Weltmeere unter Schutz gestellt werden. Das ist eine enorme Herausforderung, denn bisher stehen nur 1 % der Meeresgebiete unter Schutz. Nun soll eine Liste von rund 50 besonders schutzwürdigen Gebieten - vor allem auf hoher See - beschlossen werden. Diese liegen in der Karibik, im Atlantik und im südwestlichen Pazifik. Laut der UN-Ernährungsorganisation FAO sind 25 % aller Fischbestände gefährdet, 80 % der karibischen Korallenriffe sind zerstört, an den Küsten wurden innerhalb der letzten 20 Jahre 35 % aller Mangroven vernichtet.

Vorsorgeprinzip bei neuen Technologien

Trotz großen Widerstandes hat sich die Konferenz zur Anwendung des Vorsorgeprinzips beim Einsatz neuer naturwissenschaftlicher Technologien bekannt. Zum einen gilt das für das so genannte Geo-Engineering. Darunter versteht man vorsätzliche und großräumige technologische Eingriffe in geochemische oder biogeochemische Kreisläufe der Erde. Damit sollen Klimaerwärmung und CO2-Konzentration in der Atmosphäre gestoppt werden, beispielsweise durch Schwefeldioxid-Injektionen in die Stratosphäre oder durch Meeresdüngung.

Zum anderen gilt dieses Anwendungsprinzip auch für die "synthetische Biologie". Damit können aus unbelebten Materialien lebende Organismen hergestellt werden und in Medizin, Forschung, Umweltschutz oder Landwirtschaft Verwendung finden. Österreich stehe dieser "Second-Hand-Natur" sehr skeptisch gegenüber. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, wie im Labor hergestellte Mikroben sich in der Natur auswirken, seien spärlich. Widerstand gegen eine geregelte Anwendung kam vor allem von Ländern wie Kanada, USA oder Großbritannien, die viel Forschungsgeld in diese neue Technologie stecken.

REDD

Für Konfliktstoff hat in Haiderabad auch ein neues Modell zur Bewertung zerstörerischer Waldnutzung gesorgt. REDD heißt das Instrument, das dem in Wäldern gespeicherten Kohlenstoff einen monetären Wert gibt. Damit soll ein Anreiz entstehen, um Entwaldungen Einhalt zu gebieten und die daraus entstehenden CO2-Emissionen zu verringern. Trotz des Widerstandes von Ländern wie Brasilien, Kolumbien und Argentinien hat die Konferenz eine Liste mit Sicherstellungen für die Artenvielfalt im Rahmen von REDD angenommen. Diese nehmen auch Bedacht auf negative Auswirkungen wie Waldumwandlungen für Plantagen oder Aufforstungen auf Flächen mit hoher Artenvielfalt.

Veröffentlicht am 16.01.2013, Koordinierung Klimapolitik (Abteilung IV/1)