Pürgschachen Moor

Das Pürgschachen Moor liegt im steirischen Ennstal südlich der Ortschaft Ardning. Es stellt den noch weitgehend intakten Rest der ehemals großflächigen Ennstalvermoorung dar.

Das Pürgschachen Moor liegt im steirischen Ennstal südlich der Ortschaft Ardning. Es stellt den noch weitgehend intakten Rest der ehemals großflächigen Ennstalvermoorung dar. Das zentrale Hochmoor ist von Feuchtwiesen umgeben. Im Süden grenzt die Enns an das Moor.

Gebietsbeschreibung

Das Pürgschachen Moor ist ein Hochmoor und ein gutes Beispiel für die ehemalige Nutzung von Moorgebieten den inneralpinen Tälern. Charakteristisch für das in seinem Zentralbereich noch weitgehend ursprüngliche Moor sind der niedrige Latschenbewuchs und das Vorkommen von Bultflächen.

In den offenen Hochmoorbereichen dominieren Torfmoosgesellschaften. In den trockenen Randbereichen bildet die Latsche hochwüchsige, undurchdringliche Bestände. Da ein tiefes Grabensystem das Moor im Norden, Osten und Westen umgibt, fehlt die ursprüngliche Randausbildung des Moores. Auch im Süden führen Drainagegräben aus dem Moor, allerdings sind diese weniger tief. Die randlichen Moorbereiche wurden entweder entwässert, melioriert oder aufgeforstet. Im südlichen Teil des Moores liegen ehemalige Torfstiche, die sich mittlerweile wieder regeneriert haben.

Das Pürgschachen Moor ist, wie eingangs erwähnt, der Rest eines ehemals viel größeren Moores. Trotzdem ist es das größte noch weitgehende intakte Talbodenhochmoor Österreichs. Es umfasst eine große naturnahe Hochmoorfläche mit geschlossener Torfmoosdecke. Das Pürgschachen Moor ist ein wichtiges Bindeglied im Verband der Moore und Feuchtwiesen im Ennstal. Die artenreiche Kulturlandschaft des Ennstales wurde als Important Bird Area ausgewiesen. In der Umgebung des Moores findet man Flachmoorbereiche, Feuchtwiesen und Nadelholzgruppen.

Gebietsdaten und Übersichtskarte

Die wichtigsten Daten des Ramsar-Gebiets "Pürgschachen Moor":

Bundesland: Steiermark

Politischer Bezirk: Liezen

Koordinaten: 47 35'N,   14 21' E

Seehöhe 632 m

Feutchgebietstyp

  • Moor (Typ U)

Ramsar-Gebiet seit 1991

Besitzverhältnisse: Stiftsbesitz, Privatbesitz, Landesbesitz, Vereinsbesitz

Fläche 62 ha 

Hydrologie

Die Wasserversorgung des Moores ist vielfältig. Die an die Enns angrenzenden Moorbereiche werden regelmäßig überschwemmt.

Das zentrale Moorgebiet wird vom Grundwasser gespeist. Hohe Niederschlagsmengen und feuchtes Klima ermöglichen die Wasserversorgung aus der Atmosphäre. Der für die intakte Hydrologie des Moores wichtige Randsumpf, wo sich das überschüssige Regenwasser des Hochmoores sammelt, ist aber fast vollständig verschwunden und selbst die verbliebenen Reste sind vom eigentlichen Moor abgetrennt (Bragg et al. 1993).

Auswahlkriterien

Für das Pürgschachen Moor treffen folgende internationale Ramsar-Kriterien zu:

* Ein Feuchtgebiet gilt als international bedeutend, wenn es repräsentative, seltene oder einzigartige Beispiele von natürlichen oder naturnahen Feuchtgebietstypen innerhalb der entsprechenden biogeographischen Region aufweist (Kriterium 1).

* Ein Feuchtgebiet gilt als international bedeutend, wenn es gefährdete, stark gefährdete Arten oder vom Aussterben bedrohte ökologische Gemeinschaften beherbergt (Kriterium 2).

* Ein Feuchtgebiet gilt als international bedeutend, wenn es Pflanzen- und/oder Tierarten in einem kritischen Stadium ihrer biologischen Entwicklungszyklen beherbergt, oder als Lebensraum bei ungünstigen Bedingungen dient (Kriterium 4).

Aktuelle Nutzung

Folgende Nutzungsarten sind zu nennen:

Der zentrale Bereiche des Moores wird nicht genutzt. Die randlich gelegenen Flächen und das angrenzende Umland werden als Streuwiesen genutzt.

Erhaltungsmaßnahmen

Das Pürgschachen Moor ist seit 1991 Ramsar-Gebiet und liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Das Moorgebiet wurde als Natura 2000 Gebiet nominiert.

Im Zuge des EU LIFE-Projektes „Sicherung von Feuchtwiesen und bedrohten Arten im Mittleren Ennstal“ (1995-1998) wurden durch Flächentausch wertvolle Feuchtwiesen, naturnahe Moorrandwälder und alte Torfstiche des Gebietes gesichert. Über ein umfassendes Pegelnetz wird der Grundwasserspiegel überwacht.

Bemerkenswerte Tierarten

Ausgewählte Tierarten werden nachfolgend genannt.

Säugetiere: Waldspitzmaus (Sorex araneus), Zwergspitzmaus (Sorex minutus) u.a.

Schmettelinge: Hochmoorgelbling (Colias palaeno), Hochmoor-Perlmutterfalter (Boloria aquilonaris), Moorbunteule (Anarta cordigera) u.a.

Käfer: Ried-Grabläufer (Pterostichus diligens), Rundhalsiger Grabenläufer (Pterostichus aethiops) u.a.

Libellen: Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo), Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) etc.

Bemerkenswerte Pflanzenarten

Ausgewählte Pflanzenarten werden nachfolgend genannt:

Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum), Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolia), Armblütige Segge (Carex pauciflora), Schlamm-Segge (Carex limosa), Blumenbinse (Scheuchzeria palustris), Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia), Rosmarinheide (Andromeda polifolia), Torfmoose (Sphagnum tenellum, Sphagnum warnstorfii etc.), Weiße Schnabelbinse (Rhynchospora alba), Fieberklee (Menyanthes trifoliata) u.a.

Zuständige Verwaltung/Information/Links/Literatur

Informationen über das Gebiet sind u.a. bei nachfolgend genannten Stellen erhältlich. Im Anschluss an diese Adresse finden Sie einige Buchtipps!

 
Amt der Steiermärkischen Landesregierung
Abt. 13 Umwelt- und Raumordnung
Stempfergasse 7
A-8010 Graz
E-Mail: abteilung13@stmk.gv.at

Moorschutzverein Pürgschachen
A-8904 Ardning 13
Tel. ++43 (0) 3612/30722



 
Literaturauswahl

Bragg, O.; Moldaschl, E.; Reiterer K. & Steiner , G. (1993):
Expertise zum Schutz und Management des Pürgschachenmooses und seiner näheren Umgebung im Ennstal, Gemeinde Ardning, Bezirk Liezen.
Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie und dem Amt der Steiermärkischen Landesregierung: 103 S.

Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie (1999):
Österreichs LIFE-Natur-Projekte 1995-1999.
Broschüre. Wien. Vergriffen!

Dvorak, M. & Karner, E. (1995):
Important Bird Areas in Österreich.
Monographie des Umweltbundesamtes, Bd. 71: 358-366.

Hochleitner; P. (2001):
Neues zum Pürgschachenmoos im steirischen Ennstal.
In: Wasserland Steiermark, 3/2001: 36-39.

Jungmeier, M. & Werner, K. (2004):
Moore in Österreich unter dem Schutz der Ramsar-Konvention.
Neuer Wissenschaftlicher Verlag GmbH Wien, Graz.

Steiner, G. M. (1992):
Österreichischer Moorschutzkatalog.
Grüne Reihe des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie, Bd. 1: 509 S

Veröffentlicht am 04.04.2019, Umweltbundesamt GmbH - Wien (UBA - W)