Obere Drau

Das Ramsar-Gebiet befindet sich zwischen der Landesgrenze zu Osttirol und der südöstlichen Grenze des Gemeindegebietes von Spittal an der Drau. Hier liegt Österreichs größter inneralpinen Grauerlen-Auwald.

Schutzstatus

Ramsar-Gebiet seit 06/05/2014; Kärnten; 1.029 ha; 46°45‘N 13°17‘E; Natura 2000 Gebiet (SPA, SAC) als Europaschutzgebiet gemäß LGBl. 49/2011.

Gebietsbeschreibung

Das Gebiet umfasst einen ca. 68 km langen Abschnitt eines inneralpinen Gebirgsflusses mit einer Fläche von 1.069 ha zwischen Oberdrauburg und dem Draustau bei Paternion östlich von Spittal an der Drau in den 13 Gemeinden Oberdrauburg, Irschen, Dellach im Drautal, Berg im Drautal, Greifenburg, Steinfeld, Kleblach-Lind, Sachsenburg, Lurnfeld, Lendorf, Spittal an der Drau, Baldramsdorf und Stockenboi.

Die Drau weist eine Mittelwasserregulierung auf, wobei großflächige Überschwemmungen bereits bei vergleichsweise kleinen Hochwässern auftreten können.

Seit 1990 erfolgten seitens der Wasserwirtschaft, in enger Zusammenarbeit mit dem fachlichen Naturschutz großflächige Rückbaumaßnahmen, wobei die finanziellen Mittel über zwei LIFE-Projekte aufgebracht wurden.

Die rund 1.000 ha große Flusslandschaft umfasst ca. 350 ha Gewässerflächen (Öffentliches Wassergut), ca. 450 ha Auwald und der Rest besteht aus landwirtschaftlichen Nutzflächen und Sonderstandorten wie Pionierstandorte am Fluss oder Flächen mit Infrastruktureinrichtungen. Der überwiegende Teil des Tales (ca. 70%) wird landwirtschaftlich genutzt, meist in Form intensiver Ackernutzung. Von den ehemals ausgedehnten Auwälder der Drau sind nur noch ca. 10% vorhanden, überwiegend in Form von Restbeständen der inneralpinen Grauerlen-Auwälder, in geringerem Ausmaß auch Silberweiden- und Eschenbestände.

Die Talungen des Oberen Drautales gelten als geologische Grenze innerhalb der Alpen. Im Norden befinden sich Silikatgesteine der Kreuzeck- und Reißeckgruppe (Hohe Tauern) und im Süden verlaufen die Karbonatgesteinszüge der Gailtaler Alpen.

Die Drau gilt als typischer Gebirgsfluss mit einem erhöhten Abflussregime in den Sommermonaten, das durch die schmelzenden Gletscher der Hohen Tauern und Venediger Gruppe verursacht wird. Der Sommerabfluss beträgt im Durchschnitt ca. 100 m³/sec. Bei größeren Hochwasserereignissen kann der Fluss auf das 10fache ansteigen (HQ100 ca. 1.200 m³/sec.). Bereits bei kleineren Hochwässern (HQ5) kommt es zu großflächigen Überflutungen im Oberen Drautal, weshalb die Siedlungen fast zur Gänze in den Randlagen, außerhalb der Talungen liegen.

Durch die Regulierungen in der Vergangenheit sind viele wertvolle Lebensräume wie Schotterbänke, Nebengewässer, Auwälder und auch Hutweiden, im Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Entwässerungen bzw. Intensivierungen, verloren gegangen. Dennoch enthält das Gebiet vergleichsweise mit anderen Tälern Kärntens noch einen bemerkenswert hohen Anteil an Auwäldern und Auengewässern.

Vegetation

Aus vegetationskundlicher Sicht sind die Grauerlenauwälder im Europaschutzgebiet Obere Drau von überregionaler und internationaler Bedeutung. Über Wiederansiedelungsprojekte gelang es auch, relativ stabile Bestände der ursprünglich im Gebiet vorkommenden Deutschen Tamariske (Myricaria germanica) zu etablieren.

Die Tierwelt weist eine große Anzahl gefährdeter und seltener Arten auf. 19 nachgewiesene heimische Fischarten, darunter auch europaweit gefährdete Arten wie Huchen (Hucho hucho), Strömer (Telestes souffia), Steinbeißer (Cobitis taenia), Koppe (Cottus gobio) oder Neunauge (Eudontomyzon spp.) und über 140 Vogelarten (davon rund 50 Rote Liste-Arten) geben dem Gebiet eine besondere faunistische Bedeutung. Eine weitere Rarität ist auch der Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes), der österreichweit nur im Oberen Gail-, Gitsch-, Möll- und Drautal natürliche Vorkommen aufweist.

Im Bewusstsein der hohen Wertigkeit der Flusslandschaft, erfolgte 1998 die Nominierung des Gebietes als Natura 2000-Gebiet nach der FFH-Richtlinie an die Europäische Kommission. Heute befinden sich rund 85 % der Flächen im Eigentum der öffentlichen Hand (Öffentliches Wassergut) und ca. 20–25 % im kleinbäuerlichen Privatbesitz und einige kleinere Flächen im Eigentum von Naturschutzvereinen.

LIFE-Natur-Projekte

In den Jahren 1999 bis 2011 wurden im Rahmen von zwei durch die Bundeswasserbauverwaltung Kärnten und den Naturschutz Kärnten initiierten LIFE-Natur-Projekten insgesamt rund 10 Flusskilometer revitalisiert, ca. 100 Augewässer geschaffen und rund 100 ha Auwald gesichert. Weiters wurden sechs Flussbettaufweitungen durchgeführt und in enger Kooperation mit der Wildbach- und Lawinenverbauung eine neue Geschiebesperre am Feistritzbach in Berg errichtet. Neben den LIFE-Mitteln konnten im Zuge von Naturschutzverfahren und mittels Bewirtschaftungsverträge mit privaten Grundeigentümern das Natura 2000-Gebiet sukzessive erweitert werden.

Ziel dieser Revitalisierungsmaßnahmen war neben der Verbesserung der Lebensraumvielfalt im Gewässer und der Schaffung neuer Lebensräume im Gewässerumland (Anlage von Stillgewässer), auch die Reduktion der Eintiefung der Flussohle, welche eine negative Auswirkungen auf die Hochwassersicherheit bewirkt.

Drauradweg

Der internationale Drauradweg führt und quert das Gebiet. Entlang der Drau gibt es auch zahlreiche Bootsanlagestellen für Kanus, Rafter und Plättenfahrten und unzählige Rastplätze und Besucherinformations-Haltepunkte sowie Info-Points mit Kurzinformationen über die Natur und den Hochwasserschutz an der Oberen Drau.

Betreuung:

Arge NATURSCHUTZ

Mag. Klaus Krainer

Tel.: +43 (0)463 32 96 66

E-Mail: office@arge-naturschutz.at

Veröffentlicht am 19.11.2015